Kommunikationstheorie für SPIEGEL-Redakteure: Das Kassam-Modell


Grausame Kriegslogik: Die Hamas verstärkt ihren Raketenterror – und provoziert Vergeltungsschläge der Israelis. So will sie die Regierung Olmert zur Entscheidung zwingen: verhandeln oder Krieg führen? Jetzt signalisiert die Hamas Gesprächsbereitschaft.

Die tut nix, die will nur reden. Ist ja auch wirklich kindisch, jemandem das Gespräch zu verweigern, bloß weil der auf der eigenen Auslöschung besteht. Immerhin ist derjenige sogar bereit, den Zeitpunkt für den geplanten Mord ein wenig hinauszuschieben! Außerdem ist es ja wohl ziemlich großzügig, mit jemandem sprechen zu wollen, den man nicht mal für einen Untermenschen hält, sondern nur für ein Schwein oder maximal einen Affen. Palästinenser haben eben eine etwas andere Art, um ein Gespräch zu eröffnen.

[…] „Seit Wochen gibt es Signale von der Hamas, sie sei bereit, Israel eine zehn, fünfzehn Jahre lange „Hudna“ anzubieten“, sagt Mkhaimar Abu Sada, Politologe und einer der renommierten politischen Analysten in Gaza.

Eine „Hudna“ wäre eine elegante Lösung für die Islamisten: Sie ist ein Waffenstillstand nach religiösem Recht, bei dem sich zwei Feinde trotz weiter bestehender Konflikte auf einen kalten Frieden einigen.

Kalter Frieden heißt in diesen Kreisen so viel wie „Wir schießen nicht auf Euch, Ihr nicht auf uns, und wenn andere auf Euch schießen, können wir ja nichts dafür, und auch wenn sie das von unserem Territorium aus tun, dürft Ihr Euch dann trotzdem nicht mehr dagegen wehren, ätsch!“ Denn soweit, daß die Hamas, um den Zionisten eine Freude zu machen, einen Bruderkrieg gegen den islamischen Dschihad oder irgendwelche anderen radikalen Spinner anzettelt, dürfte die Liebe auch des friedlichsten Islamistenfundis zur jüdischen Fauna kaum gehen.

Für die Hamas hieße „Hudna“, dass sie ihre Prinzipien und somit das Gesicht wahren könnte.

Sind eben heißblütige Südländer, diese Palästinenser, das muß man verstehen. Ganz anders die Juden, die nur, weil man sie als Tiere ohne Existenzberechtigung betrachtet, und ihren Kindern aus nächster Nähe Kugeln in den Kopf schießt oder ihnen den Schädel, um die Munition zu sparen, gleich mit einem Gewehrkolben zerschmettert, noch lange kein Recht haben, dem Gegenüber mit Verweis auf zu wahrende Gesichter ein Gespräch unter Ehrenmännern zu verweigern oder auch nur auf einer offiziellen Entschuldigung seitens der Täter zu bestehen.

Der bewaffnete Kampf gegen Israel bliebe auf dem Papier ihr Lebenselixier, während sie sich praktisch mit dem Erzfeind auf offene Grenzen einigen könnte. Die Hamas würde dafür im Gegenzug den Beschuss israelischer Städte und Dörfer einstellen.

Na, da haben wir wohl einen weiteren klitzekleinen Vorteil der Hudna übersehen, und zwar den, daß sie irgendwann zu Ende ist. Das heißt, danach darf der Kampf ohne Angabe von Gründen wiederaufgenommen werden. Und angesichts der erdrückenden militärischen Überlegenheit der Israelis kann man sich nur schwer einen Grund vorstellen, warum die Hamas, selbst wenn sie diesen Waffenstillstand wider Erwarten nicht schon vorher mit dem Ausspruch „Tja, da haben wir wohl gelogen :-)“ einfach brechen sollte, diese 15 Jahre nicht nutzen sollte, um bis dahin ein wenig am Kräfteverhältnis zu feilen.

Und damit kann man sich genauso schwer einen Grund vorstellen, warum Israel ein Interesse dran haben sollte, sich dann mit modernen Waffensystemen statt selbstgebauten Raketen beschießen zu lassen. Aber den erklärt uns der SPIEGEL sicher beim nächsten Mal.

~ von Paul13 - Dienstag, 4. März 2008.

6 Antworten to “Kommunikationstheorie für SPIEGEL-Redakteure: Das Kassam-Modell”

  1. Man ist geneigt, zynisch auf den Artikel von Frau Putz zu reagieren:
    Das Zeitalter der Denker scheint in Deutschland vorbei zu sein, zumindest was die Medien angeht…
    Die Dame leidet vermutlich an einem Stockholm-Syndrom…
    Usw.
    Ich finde es nur noch traurig, wenn sich Frau Putz unkritisch zum Sprachrohr der Hamas macht und Erklärungen, was die Hamas will oder eigentlich bewirken möchte oder oder oder, abgibt und sich dabei in dem Bemühen den Terror gegen Israel rational zu erklären, das Hirn verknotet.
    Ist sie denn Pressesprecherin der Hamas?
    Hätte sie Verständnis dafür, wenn man sie selbst, statt sie anzusprechen (grob gesagt) erst einmal auf Maul haut?
    Nur damit man besser auf sich aufmerksam macht?
    Ich verstehe solche Logik nicht.

  2. Off-topic, hat jemand die Pressekonferenz heute aus Ludwigshafen auf Phoenix gesehen?

    Fazit: Höchstwahrscheinlich Fahrlässigkeit (unsachgemäßes Abstellen von Abfällen) die Ursache für einen langsamen Schwelbrand im Keller. Brandstiftung als Ursache nahezu ausgeschlossen. Stromklau als Ursache völlig ausgeschlossen, da am Brandherd keine elektrischen Leitungen.

    Vorhersage: sowohl die großtürkischen Irren im Muslim-Markt als auch die wahnsinnigen Ausländerhasser bei Fakten und Fiktionen werden die Erkenntnisse der Ermittler nicht nur ignorieren, sondern als BEWEIS dafür nehmen, dass die Wahrheit UNTER DEN TISCH gekehrt wird.

    Vollbild Paranoia, hüben wie drüben.

  3. martin-hagen.blogspot.com/2008/03/ulrike-haut-mal-wieder-auf-den-putz.html

  4. […] westliche Welt. ~ Von willigen menschlichen Schutzschilden ~ It all started when he hit me back! ~ Kommunikationstheorie für SPIEGEL-Redakteure: Das Kassam-Modell ~ Linkes Kuscheln mit […]

  5. Für Hamas gilt das Gleiche wie für Hisbollah:
    http://www.flickr.com/photos/40019278@N00/2312647487/

  6. @ Rowlf, the Dog

    Nicht nur im Libanon sehr treffend! Und man fragt sich, wieso die westliche Öffentlichkeit diesen nun wirklich nicht sonderlich komplizierten Sachverhalt nicht zu begreifen in der Lage ist.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

 
%d Bloggern gefällt das: