Staat oder nicht Staat, das ist hier die (Verteidigungs)frage


Obwohl sich ein Teil der libertären Bloggerszene derzeit alle Mühe gibt, den Ruf der eigenen Ideen mittels Aussageverweigerung selbst bei einfachen Fragen zu ruinieren, muß man der Gerechtigkeit halber wie gesagt betonen, daß es im Lager der Staatsgegner auch Stimmen gibt, die die irrige Behauptung, konkrete Antworten wären nicht möglich und bereits eine Kapitulation vor den herrschenden Verhältnissen, durchaus widerlegen. Nachdem wir jetzt also endlich grünes Licht für die eigentliche Diskussion haben, schauen wir mal, ob, und wenn ja, wie, die Verteidigung gegen Bedrohungen von außen auch ohne staatliche Strukturen realisierbar wäre:

eine wichtige vorrausetzung jeder halbwegs friedlichen gesellschaft ist das gewalttätige agrression von einer kritischen masse abgelehnt wird |
das ist eine ziemlich essenzielle vorraussetzung, die allerdings schon in vielen gesellschaftsteilen sehr weit verwirklicht ist

Das mit der Voraussetzung stimmt zwar grundsätzlich, aber mein Einwand wäre hier, daß die Gewaltbefürworter erstens nur eine sehr geringe kritische Masse benötigen, um den Gewaltgegnern das Leben zur Hölle zu machen, und daß zweitens die kritische Masse, die Achmadinedschad für eine Atombombe benötigt, noch um einiges geringer ist.

sobald jemand (einzeltäter, gruppen, staaten) zweifellos mehr gewalt verursacht als er mit der gewalttat unmittelbar verhindert ist es ebenso zweifellos das er daran gehindert werden sollte |

Schon bei dem „sollte“ benötigt man jemanden, der das nicht nur festlegt, sondern das auch mit der notwendigen Legitimation tut. Da es sich bei einer nicht im Zwangskollektiv Staat organisierten Gesellschaftsform aber immer nur um freiwillige Zusammenschlüsse handelt, die eben nicht jeden umfassen, dürfte das schwierig werden. Das benachbarte Soziopathenkollektiv „Hannibal Lecter“ wird den Grundsatz „Du sollst Deinem Nächsten nicht mit dem Baseballschläger den Scheitel ziehen“ jedenfalls nicht unbedingt in dem Maße zu würdigen wissen, wie das vielleicht aus Sicht der eigenen Leute wünschenswert erscheint.

das gilt zu beispiel für die einsperrung und ausraubung von raubkopierern, schwarzhändlern, produktpiraten und drogenkonsumenten genauso wie für angriffskriege, prügeltrupps und eltern die ihre kinder schlagen

Schon bei der Definition dieser Tatbestände könnte ich mir vorstellen, daß es da beim erwähnten Soziopathenkollektiv erheblichen Diskussionsbedarf gibt.

der erste schritt würde dann in der zivilcourage liegen, geringe gewalttaten zu unterbinden |

Die „broken windows“-Theorie ist zwar nicht dumm, aber für deren Umsetzung muß man erst mal die Macht wie auch die Legitimation haben. Mit der Zivilcourage ist das nämlich so eine Sache, wenn straff organisierte Kampfmaschinen wie die des besagten Nachbarkollektivs vorbeischauen. Da findet sich selten jener erste, der aufsteht und sagt „Wenn Ihr an mir vorbei wollt, müßt Ihr erst mich töten!“ Alleine schon, weil man auf ihn hören könnte.

sofern der angreifer eine ernste gefähr darstellt ist währe auch fesseln legitim usw |

Mit dem Fesseln ist das schon nicht ganz unproblematisch, wenn sich ein unbewaffneter Friedensdemonstrant bei der Sitzblockade diesbezüglich unkkooperativ zeigt. Hat der zu Fesselnde dann auch noch einen Baseballschläger dabei und verbringt seine Freizeit mit Hobbies wie Kickboxen statt der Lektüre libertärer Klassiker, macht das die Sache nicht unbedingt leichter.

außerdem sind frühere gewalttäter sicherlich schneller ein objekt des misstrauens und werden deshalb stärker beobachtet

Wenn die Jungs von „Hannibal Lecter“ ihren Job gründlich machen, wird es beim zweitenmal niemanden mehr geben, der von der Erfahrung beim erstenmal zu berichten weiß.

privater waffenbesitz ist keine gewalt und somit nicht prinzipiell illegitim |

Selbst wenn sie das wäre, es gäbe ja ohnehin keine Zentralinstanz, die gegen illegalen Waffenbesitz vorgehen könnte. Auf jeden Fall werden unsere Soziopathen diese Nachricht ebenfalls gerne vernehmen.

jedoch ist jeder waffenbesitzer eine potenziell iel stärkere gefahr für leib und leben als es ein unbewaffneter währe und muss deshalb mit strärkerer wachsamkeit rechnen |

Für den einzelnen Straßenräuber wäre das Risiko dann tatsächlich größer, das stimmt. Aber die erwähnte Bande von Feierabendmördern wird, wenn sie statt mit Baseballschlägern mit richtigen Sturmgewehren auflaufen kann, die erhöhte Wachsamkeit ihrer Opfer mit großzügigem Munitionseinsatz locker wieder wettmachen.

ein besitzer eines machinengewehrs wird dabei wohl weit mehr misstrauen ernten als ein judo-ka.. |

Und damit auch weit mehr Mitbürger davon überzeugen, den Besuch bei den in sicherer Entfernung lebenden Schwiegereltern spontan vorzuverlegen.

im falle einer drohung seitens des waffenbesitzers sollte die waffe am besten zerstört werden

Aber nur sofern er erst mal droht und nicht einfach losballert. Und selbst wenn nicht, müßte sich erst mal jemand finden, der sie ihm wegnimmt.

bei größeren schlägertrupps oder gar armeen wird eine bewaffnung der entsprechenden bevölkerung wahrscheinlich unumgänglich |

Jetzt kommen wir der Sache schon näher. Daß sie unumgänglich wird, heißt nämlich nicht automatisch, daß da genügend Gleichgesinnte mitmachen. Kaum ein Libertärer wird sein Leben lang gegen die allgemeine Wehrpflicht streiten, weil die die Bürger dazu zwingt, in der Etappe das Bohnerwachs der Kaserne zu verwalten oder mit einem Leo 2 auf Papppanzer zu schießen, nur um sich dann schlecht ausgerüstet und/oder auf eigene Kosten einer kampferfahrenen Übermacht, die für Gegenwehr nicht wirklich Verständnis aufbringt und Gefangene nur zum Zeitvertreib nimmt, im infanteristischen Gefecht entgegenzustellen.

sicherlich darf auch die veteidigung von sich und seinen mitmenschen nicht erzwungen werden |

Was die Motivation, einer der wenigen Dummen zu sein, die für die anderen sterben dürfen, nicht gerade erhöhen wird.

genauso falsch währe jedoch der zwang sich oder andere nicht verteidigen zu dürfen

Gut, bei Notwehr und Nothilfe sind wir wohl grundsätzlich einig. Wobei ich persönlich es aber vorziehe, diesen Job einer weit überlegenen Truppe von Profis zu überlassen, die im Ernstfall relativ risikolos gewinnen und durch die damit verbundene Abschreckung diesen Ernstfall mitunter sogar vermeiden kann. Und zwar auch dann, wenn mich das ein paar Euro mehr kosten sollte als wenn ich es selbst in die Hand nehme.

da es in einer anarchie keine zenralen organe gibt, die man sich mit waffengewalt aneignen könnte müsste man jeden anarchen entweder töten oder unter todesandrohung versklaven |

Man muß nicht jeden töten. Erfahrungsgemäß genügen ein paar, um den Rest von falsch verstandenem Heldentum abzuhalten. Und kommt das glaubwürdig genug rüber, reicht irgendwann sogar die bloße Drohung damit. Ein anerkannter Fachmann auf diesem Gebiet meinte mal „Bestrafe einen, erziehe hundert“. Seine Nachfolger sind auch mehr als 30 Jahre nach seinem Tod noch an der Macht.

was einen äußeren angriff auf eine größere anarchische gegend nicht allzu erstrebenswert macht

Kommt darauf an, was da zu holen ist. Wenn sie wirtschaftlich erfolgreich genug ist, lohnt es sich sogar wegen der Beute und nicht nur um die eigenen sadistischen Triebe auszuleben.

ich muss anmerken das in der anarchistischen/libertären literatur die ich gelsesen hatte verteidigung kaum behandelt wurde, es kann also sein das ich einige interessante theorien hierzu schlicht verpasst habe.. |

So viel habe ich da auch nicht gelesen, aber das lief meistens schon auf eine recht professionelle, aber eben auch nicht ganz billige Verteidigung raus. Wobei die billigste unterm Strich dann das ist, was man in den glorreiche Zeiten des Kalten Kriegs mal als Kombination aus „Stolperdraht“ und „massiver Vergeltung“ bezeichnete. Aber billig muß nicht immer gut sein.

außerdem gibt es nunmal keine schöne, einfache und friedliche reaktion auf lebensgefährliche gewalt |

Das ist sicher richtig. Aber es es gibt unschöne und noch unschönere. Und da sollte man schon genau abwägen. Denn die blutigsten Kriege sind entgegen einem weitverbreiteten Vorurteil nicht die, die von hochgerüsteten Armeen nach dem Motto „helles Blut auf heißem Sand“ ausgefochten werden, sondern genau jene, die von brutalen Unterdrückern gegen eine teilweise bewaffnete Bevölkerung, die das nicht so einfach hinzunehmen bereit ist, geführt werden.

aber ich nehme an das du (Paul) es nicht ohne grund an erste stelle gesetzt hast |

Das mache ich deswegen, weil je nachdem wie schlecht man diese erste Frage löst, die anderen sich möglicherweise gar nicht mehr stellen. Tote brauchen ein Sozialsystem schließlich nur noch, um den eigenen Sarg ein wenig billiger bekommen zu können.

andere aspekte lesen sich wohl um einiges erfreulicher

Das will ich hoffen! Auf jeden Fall bis hierher schon mal danke. Das rechne ich Dir hoch an, auch wenn ich mit Dir sicher nicht immer einer Meinung bin. Und warte mindestens genauso gespannt wie DDH & Co. auf die Antworten zu den anderen Fragen.

~ von Paul13 - Montag, 18. Februar 2008.

36 Antworten to “Staat oder nicht Staat, das ist hier die (Verteidigungs)frage”

  1. hierbei wird aber noch ein anderer aspekt vernachlässigt: bevor es eine staatliche Armee gibt, kann diese auch im privaten erfolgen. es ist auch im bereich des anachrismus möglich, wenn sich einige wenige (gegen entgelt) dazu bereit erklären, eine äußere sicherheit zu stellen. natürlich kommt hierbei das problem des public good auf, dennoch läßt sich dieses in kleinen staaten lösen. der anreiz muß groß genug sein, und die eigene sicherheit stellt sich oft als dergleichen großer anreiz dar.
    darüber hinaus sollte man daran denken, daß es auch libertäre gibt, die sich für eine starke armee aussprechen, eben im bewußtsein das die libertäre lebensutopie (leider) nicht zu hundertprozent umsetzen läßt. und dann bedarf es eben der sicherheit. auch wenn sich das ganze am anfang als unüberbrückbarer widerspruch darstellt. man muß eben libertäre ornithologen fragen :D

  2. @ FWK

    Das wäre jetzt auch meine Vermutung gewesen, und ich finde die Idee durchaus auch sympathisch. Das Problem ist, die Verteidigung des Kollektivs ist zwangsläufig eine territoriale Angelegenheit, das Bezahlen dafür aber, wenn ich das recht verstanden habe, eine individuelle Entscheidung. Wenn aber die anderen für die Armee zahlen und ich nicht, werde ich trotzdem genauso mitverteidigt, denn im Verteidigungsfall wird die Besatzung des Schützenpanzers nicht nach meiner Spendenbescheinigung fragen, um nötigenfalls mein Grundstück kampflos zu räumen.

  3. @Paul
    Was die Zentrale Frage der Trittbrettfahrerei aufwirft die wir ja woanders schon unbeantwortet gestellt haben…

  4. @FCKW

    „hierbei wird aber noch ein anderer aspekt vernachlässigt: bevor es eine staatliche Armee gibt, kann diese auch im privaten erfolgen. es ist auch im bereich des anachrismus möglich, wenn sich einige wenige (gegen entgelt) dazu bereit erklären, eine äußere sicherheit zu stellen.“

    Dazu gibt’s doch höchste geschichtliche Evidenz. Genau auf diese Art ist der Adel entstanden: Wir verteidigen euch, wenn ihr uns bezahlt. Wohin das dann letztendlich geführt hat ist jedem mittelmäßigen Geschichtsbuch zu entnehmen. Stichwort: Leibeigenschaft.

    i.A. Adnan

  5. @Adnan

    Das ist ein sehr wichtiger Punkt und mE treffend beschrieben.
    Es gibt Libertäre, die der Ansicht sind, Gewalt sei sogar im Sinne der Selbstverteidigung abzulehnen. Ich sehe das etwas anders, zumal meine persönliche Erfahrung immer bestätigt hat, dass die praktikable, alltäglich anwendbare Freiheit ein stets aufs Neue zu erkämpfendes Gut ist, das notfalls gewaltsam verteidigt werden muss.

    Ich denke, dass blindes Vertrauen in Sicherheits-Institutionen eine einseitige Abhängigkeit schafft. Wer abhängig ist, ist angreifbar. Das kann man damit vergleichen, dass einer zB sein gesamtes Vermögen einer einzigen Bank anvertraut und damit ein hohes und gleichermaßen vermeidbares Risiko eingeht. Oder eine Metropole, die ihren gesamten Strom aus einem einzigen Kraftwerk bezieht. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen.

    Eine Gesellschaft, die in der Lage ist, innere und äußere Feinde (der Freiheit) abzuwehren hat mE einen „Mix“ aus verschiedenen Schutzmechanismen. Da wären beispielsweise die bereits erwähnten „Privatarmeen“, die zB von Versicherungen, oder sonstigen Vereinigungen getragen werden können. Wichtig ist aber auch eine allgemeine Akzeptanz von Waffen und ein möglichst weit verbreitetes Wissen um den Umgang mit selbigen. Der mobilste, günstigste und verlässlichste Schutz vor äußeren Feinden ist die persönliche Wehrfähigkeit. „Milizvereine“, „Knarren-Festivals“, Waffensport-Ligen, ein freier Markt für Waffen usw. usf. sind alle ebenso wichtig für das Überleben von „Libertopia“, da sie für eine mE ausreichende und essentielle Dezentralisierung von militärischer Macht sorgen und einen erhöhten Anreiz für persönliche Wehrhaftigkeit schaffen.

    Btw: Ich stelle mir das „Libertopia“ als wesentlich Waffen-freudigere und „miltantere“ Gesellschaft als die unsere vor. (Hoffe das wird nicht falsch verstanden.)

    Ein weiterführender (sehr interessanter) Link:
    http://libertariannation.org/a/f22l3.html
    gefunden auf:
    http://praxeology.net/anarcres.htm
    wo noch zahlreiche weitere Artikel zu diesem (und anderen) Thema
    zu finden sind.

    Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.

  6. @Paul

    gut, die sache ist:
    was würde y23 heute in deutschland tun wenn ‚dein‘ übermächtiges gewaltkollektiv bei dir an der tür anklopft? |
    ruft er die spezialeinhiet von nebenan? selbst wenn diese mit dem hubschrauber nur fünf minuten zu seinihrer wohnung braucht nützt es ihm nicht mehr tot aufgefunden zu werden |
    das ist für y23 gewiss nicht nützlicher als sich ihm entschlossen in den weg gestellt zu haben

    und das blöde ist das es diese (nichtstaatlichen) kollektive schon heute teilweise gibt, und sie überfallen leute schon heute leute | trotz staat und uno.. |
    und auch in deutschland das seit 1949 von sich behauptet wieder ‚demokratie‘ zu haben, hilft das weder vor nazischlägern, noch vor ‚präventiven‘ abschüssen

    außerdem kann man mit deinem gewaltkollekiv eigentlich alles rechtfertigen.. | wenn du meinst das sich alle gealtbereiten irren vereinen und ohne rücksicht auf verluste alles plattmachen wollen dann bräuchtest du wahrscheinlich den rest der menschheit um sie vollbewaffnet und vollüberwacht durch die straßen patrullieren zu lassen

    und überhaupt, was schüzt dich vor dem staat? | die verfassung? die der staat selbst schreibt und bei der die selbstwiedersprüche und uno-menschenrechts-verstöße niemanden zu stören scheinen? |
    die ‚demokratie‘ die, wenn es die regierung definieren darf, sie höchtselbst ist |
    die wahlen? die die regierung schon mit frei programierbaren computern durchgeführt hat und bei der 0,05-fache minderheiten einfach mal unter den tisch fallen ‚dürfen‘? | (und die ganz nebenbei den ‚wahlkampf‘ der parteien ‚vergüten‘..)

  7. @Gunkata
    „Das ist ein sehr wichtiger Punkt und mE treffend beschrieben.
    Es gibt Libertäre, die der Ansicht sind, Gewalt sei sogar im Sinne der Selbstverteidigung abzulehnen. Ich sehe das etwas anders, zumal meine persönliche Erfahrung immer bestätigt hat, dass die praktikable, alltäglich anwendbare Freiheit ein stets aufs Neue zu erkämpfendes Gut ist, das notfalls gewaltsam verteidigt werden muss.“

    Natürlich! Eigentlich ist die ganze Diskussion hier überflüssig. Der Militärputsch ist die Regel und nicht die Ausnahme. Wer das nicht begreift, dem kann man sowieso nicht mehr helfen. Viel interessanter wäre eine Diskusion über die Unabhängigkeit des Kosovos.

    i.A. Adnan

  8. achja:
    das tritbrettfahrerproblem lässt sich lösen indem sich eine genügend große menge der nachrfagenden sich am zur-verfügung-stellen entsprechenden leistung beteiligt |
    wenn diese leistung für andere ebenfalls sinnvoll und verbesserungswürdig erscheint könne sie sich beteiligen

    wer bespielsweise will das man endlich mehr straßen zum skaten benutzen kann, hat ein handfestes interesse daran sich an dem straßenbahnnetz zu beteiligen |
    noch größer wird diese interesse wenn man auf die straßenbahn angewiesen ist | die finanzierung einer fastleeren straßenbahn in der nacht scheint dabei sicher weniger erstrebenswert

    wenn dies nicht in ausreichendem maße erreicht (man z.b. nicht einen straßenbahnzug kaufen kann) wird wird die nachfrage wahrscheinlich steigen und es währe rational sich daran zu beteiligen

  9. @ Gunkata

    „Ich denke, dass blindes Vertrauen in Sicherheits-Institutionen eine einseitige Abhängigkeit schafft.“

    Das gilt für alle Institutionen. Wer keinen Waschmaschine reparieren oder ein Herz verpflanzen kann, macht sich damit vom Elektrofachmann oder einem Chirurgen abhängig. Das nennt man Spezialisierung und ist eine wichtige Voraussetzung dafür, daß wir heute über Steinzeitniveau leben können. Und ich weiß nicht, ob es Dir wirklich so viel lieber ist, wenn hier irgendwelche postpubertären Counterstrike-Fans mit echten Maschinenpistolen rumballern, weil sie subjektiv meinen, daß das jetzt gut wäre.

    Man kann sicher überlegen, auch im Sicherheitsbereich Monopole abzubauen, um Kosten zu sparen und die Effizienz zu steigern, aber es muß schon noch gewisse Regeln geben, nach denen das abläuft. Und bereits die Anerkennung der universellen Menschenrechte setzt voraus, daß es jemanden gibt, der das kontrolliert. Und den nennt man eben Staat.

  10. @ sofias.

    „was würde y23 heute in deutschland tun wenn ‘dein’ übermächtiges gewaltkollektiv bei dir an der tür anklopft? |
    ruft er die spezialeinhiet von nebenan? selbst wenn diese mit dem hubschrauber nur fünf minuten zu seinihrer wohnung braucht nützt es ihm nicht mehr tot aufgefunden zu werden |
    das ist für y23 gewiss nicht nützlicher als sich ihm entschlossen in den weg gestellt zu haben“

    Das heißt nur, daß einiges für die Fähigkeit zur Selbstverteidigung spricht. Es verhindert den Überfall einer größeren Horde aber zunächst mal genauso wenig wie die Spezialeinheit. Erstere wird aber keinen Überfall durchführen, wenn sie weiß, daß letztere dann eben später mit einer Übermacht vorbeikommt. Ein Polizei- und Justizapparat wirkt ja auch vor allem durch die Abschreckungswirkung seiner bloßen Existenz, die einzelne Bürger gegenüber einer ausgewachsenen Räuberbande nie besitzen werden.

    „und das blöde ist das es diese (nichtstaatlichen) kollektive schon heute teilweise gibt, und sie überfallen leute schon heute leute | trotz staat und uno.. |
    und auch in deutschland das seit 1949 von sich behauptet wieder ‘demokratie’ zu haben, hilft das weder vor nazischlägern, noch vor ‘präventiven’ abschüssen“

    Und ob das hilft! Was meinst Du denn, wie die erst loslegen würden, wenn sie wüßten, daß sich mit Ausnahme ihrer Opfer selbst niemand um ihre Verbrechen kümmert? Das Verhindern somalischer zustände ist ja wohl ein Vorteil für die deutsche Geschichte seit 1949, oder etwa nicht?

    „außerdem kann man mit deinem gewaltkollekiv eigentlich alles rechtfertigen.. | wenn du meinst das sich alle gealtbereiten irren vereinen und ohne rücksicht auf verluste alles plattmachen wollen dann bräuchtest du wahrscheinlich den rest der menschheit um sie vollbewaffnet und vollüberwacht durch die straßen patrullieren zu lassen“

    Ganz genau! Damit hast Du sehr gut die libertäre Welt beschrieben. Deswegen ziehe ich die minimalstaatliche Variante ja auch vor, weil dann eben nicht jeder Amateur bewaffnet rumlaufen muß, sondern nur ein paar Profis, die nicht gleich auf alles schießen, was sich bewegt.

    „und überhaupt, was schüzt dich vor dem staat? | die verfassung? die der staat selbst schreibt und bei der die selbstwiedersprüche und uno-menschenrechts-verstöße niemanden zu stören scheinen? |
    die ‘demokratie’ die, wenn es die regierung definieren darf, sie höchtselbst ist |“

    Du hast insofern recht, als Demokratie tatsächlich immer auch die Unterdrückung der Minderheiten bedeutet. Deswegen kann ich die libertäre Kritik insoweit nachvollziehen, daß der Staat möglichst viel Entscheidungen beim Individuum belassen und sowenig wie möglich über Abstimmungen regeln sollte. Da liegt tatsächlich vieles im argen. Andererseits gibt es bestimmte Grundsätze wie die universellen Menschenrechte, die sind nicht verhandelbar und auch von einer Mehrheit nicht abzuschaffen. Und wenn diese Regeln als verpflichtend anerkannt werden, dann darf auch jeder zumindest finanziell gezwungen werden, sich daran zu beteiligen.

    „die wahlen? die die regierung schon mit frei programierbaren computern durchgeführt hat und bei der 0,05-fache minderheiten einfach mal unter den tisch fallen ‘dürfen’? | (und die ganz nebenbei den ‘wahlkampf’ der parteien ‘vergüten’..)“

    Wie gesagt, je weniger geregelt werden muß, desto mehr Freiheit gibt es für die Minderheiten. Zu diesen Freiheiten gehört aber nicht das Recht, kleine Babies vor laufender Kamera zu vergewaltigen oder Juden zu vergasen. Die Pflicht, das zu verhindern, hingegen schon.

  11. @ Adnan

    Was ist denn an der Unabhängigkeit des Kosovo so spannend? Ein Ministaat mehr, so what. Die Diskussion über libertär-anarchistische Ideen finde ich ehrlich gesagt viel interessanter.

  12. @Paul

    „Das nennt man Spezialisierung und ist eine wichtige Voraussetzung dafür, daß wir heute über Steinzeitniveau leben können.“

    Ja, das mag sein, doch was hat das mit Deiner persönlichen Sicherheit zu tun? Ein freier Zugang zu Waffen führt selbstredend dazu, dass auch die Dummen und Bösen an Waffen kommen. Worauf willst Du hinaus? Dass auserwählte Staatsbeamte, die einen Alleinanspruch auf Waffen haben von Natur aus nichts anderes als edel und großmütig sein können?

    Mal anders gefragt: wie würdest Du denn selbst mit einer Waffe umgehen? Und wer sagt denn, dass Du mit den verantwortungslosen Idioten da draußen (natürlich alle anderen außer Dir selbst) in einer Nachbarschaft leben musst? Wenn Du Deinen Mitmenschen nämlich so sehr misstraust („alles Nazis, Kommis, Terris, postpubertäre CS-Fans etc.“), dann bist Du in der Tat nicht besonders Freiheits-tauglich ;-)

  13. @ sofias.

    „das tritbrettfahrerproblem lässt sich lösen indem sich eine genügend große menge der nachrfagenden sich am zur-verfügung-stellen entsprechenden leistung beteiligt |
    wenn diese leistung für andere ebenfalls sinnvoll und verbesserungswürdig erscheint könne sie sich beteiligen“

    Das stimmt nicht. So lange der persönliche Vorteil nicht in dem Maße zunimmt wie die Zahlungsverpflichtungen, geht das schief. Sonst gäbe es wie gesagt keinen Lehrstellenmangel und gleichzeitig einen Mangel an ausgebildeten Fachkräften. Wobei sich das noch lösen ließe, weil man da Kosten und Nutzen noch individuell zuordnen kann. Bei territorial wirkenden Schutzfunktionen wie der Landesverteidigung hingegen geht das nicht, weil sich der Nutzen – die Verteidigung – eben nicht auf die Kosten – den Beitragszahler – herunterbrechen läßt.

    „wer bespielsweise will das man endlich mehr straßen zum skaten benutzen kann, hat ein handfestes interesse daran sich an dem straßenbahnnetz zu beteiligen |
    noch größer wird diese interesse wenn man auf die straßenbahn angewiesen ist | die finanzierung einer fastleeren straßenbahn in der nacht scheint dabei sicher weniger erstrebenswert“

    Auch hier würde das nicht funktionieren, solange man denen, die sich an der Finanzierung nicht beteiligen, die Benutzung der Straße nicht verwehren kann. In Frankreich gibt es tolle, fast leere Autobahnen ohne Staus. Aber eben nur, weil bloß die drauf fahren dürfen, die auch dafür bezahlen. Im Krieg geht es aber nicht um Finanzierungsfragen, sondern um taktische und strategische. Man kann in der eigenen Frontlinie nicht überall da, wo jemand seinen NATO-Beitrag nicht entrichtet hat, eine Lücke lassen.

    „wenn dies nicht in ausreichendem maße erreicht (man z.b. nicht einen straßenbahnzug kaufen kann) wird wird die nachfrage wahrscheinlich steigen und es währe rational sich daran zu beteiligen“

    Im Falle einer nicht ausgelasteten Straßenbahn würde diese eher eingestellt und durch Sammeltaxis oder sowas abgelöst. Die Verteidigung kann man aber nicht einstellen und einfach durch Kapitulation ersetzen. Zumindest wäre das nicht zu empfehlen.

  14. Wie verteidigt man sich gegen „Bedrohungen“ von aussen denn *mit* staatlichen Strukturen ? Es gibt genügend Staaten, die diese von Dir geforderte Sicherheit für die Bürger genausowenig garantieren, entweder weil der Verteidigungsetat zu klein, oder die Truppenstärke zu gering ist. Und selbst für grössere Staaten gilt „es gibt immer einen dickeren Fisch, der Dich fressen kann“. Worauf willst Du also mit der „Verteidigungsfrage“ hinaus ? Ist das ideale Gesellschaftssystem am Ende irgendein Kollektiv (Sozialismus, Faschismus), weil da in kürzester Zeit Millionen und Abermillionen von Truppen aufgestellt werden können ? Das Problem ist ja auch, dass der Staat meist mitverantwortlich ist, dass es zu Bedrohungen von aussen kommt. Konflikte zwischen zwei Ländern entstehen nicht, weil die Bürger der jeweiligen Konfliktparteien sich so hassen (natürlich mit Ausnahmen), meist sorgen die Volksvertreter dafür, dass es zum „Verteidigungsfall“ kommt.

    Also ich finde die Frage nicht so simpel beantwortbar.

  15. @ tigger

    „Wie verteidigt man sich gegen “Bedrohungen” von aussen denn *mit* staatlichen Strukturen ? Es gibt genügend Staaten, die diese von Dir geforderte Sicherheit für die Bürger genausowenig garantieren, entweder weil der Verteidigungsetat zu klein, oder die Truppenstärke zu gering ist. Und selbst für grössere Staaten gilt “es gibt immer einen dickeren Fisch, der Dich fressen kann”.“

    Deswegen schließen sich jene Staaten, die das nicht können, zu sogenannten „Bündnissen“ zusammen. Ab einer gewissen Stärke vergeht dann auch den stärksten Fischen der Appetit. Oft reicht es aber auch schon, im eigenen Teich der dickste Fisch zu sein.

    „Worauf willst Du also mit der “Verteidigungsfrage” hinaus ?“

    Darauf, daß es gewisse Kernaufgaben gibt, die einen Minimalstaat erfordern, gerade damit die Individuen im Alltag so weit wie möglich unbeschwert ihrem Individualismus frönen können.

    „Ist das ideale Gesellschaftssystem am Ende irgendein Kollektiv (Sozialismus, Faschismus), weil da in kürzester Zeit Millionen und Abermillionen von Truppen aufgestellt werden können ?“

    Nein, die kapitalistische Demokratie, wiel die technologisch so überlegene Armeen aufstellt, daß die Streitkräfte nichtdemokratischer sozialistischer und faschistischer Systeme chancenlos sind. Weswegen die ja auch alle nach dem großen Gleichmacher, der Atombombe streben. Und weswegen wir genau das um jeden Preis verhindern müssen. Zur Not auch um den von Steuererhöhungen.

    „Das Problem ist ja auch, dass der Staat meist mitverantwortlich ist, dass es zu Bedrohungen von aussen kommt. Konflikte zwischen zwei Ländern entstehen nicht, weil die Bürger der jeweiligen Konfliktparteien sich so hassen (natürlich mit Ausnahmen), meist sorgen die Volksvertreter dafür, dass es zum “Verteidigungsfall” kommt.“

    Das nennt man auch die Theorie vom „demokratischen Frieden“. Eine sehr gute Theorie, wie ich finde. Deswegen unterstütze ich auch die NeoCons, die versucht haben, diese Theorie in die Tat umzusetzen.

    „Also ich finde die Frage nicht so simpel beantwortbar.“

    Simpel ist das nicht. Aber durchaus beantwortbar. Bzw. falls nicht, ist das auch eine Antwort. Und zwar zur Praxistauglichkeit der eigenen Ideen.

  16. Ich finde man muss unterscheiden zwischen Aufgaben der Armee, der Geheimdienste und der Polizei. Ebenfalls muss man zwischen den Bedrohungen unterscheiden, zwischen gewöhnlicher Kriminalität (dazu zähle ich auch Gewaltdelikte), Krieg (also der Bedrohung durch andere Staaten) und Terrorismus. Die gewöhnliche Kriminalität wird im kleinen bekämpft, dazu braucht man in der Regel keinen zentralisierten Apparat und es ist meist weniger der Staat als die Gemeinden gefordert. Bei Krieg hingegen ist es doch von Vorteil eine zentralisierte und gut ausgebildete Armee zu haben. Es bringt nicht viel wenn jeder Bürger gut mit seinem Maschinengewehr umgehen kann, wenn der Gegner Luftüberlegenheit hat. Auch wollen wir doch möglichst geringe eigen Opfer, vor allem bei den Zivilisten (meint die nicht kämpfenden). Deswegen braucht man eine moderne Armee von Spezialisten und Mittel wie Raketen und Luftwaffe sind enorm wichtig. Ich glaube staatliche Armeen sind deswegen Bürgerwehren haushoch überlegen im Kriegsfall.
    Bei der Bekämpfung des Terrorismus benötigt man vor allem geheimdienstliche Erkenntnisse, auch hier scheint eine zentrale Schaltstelle sehr ratsam. Auch gibt es das Problem, dass Geheimdienste am Rande der Legalität und teilweise auch illegal operieren (müssen?), deswegen finde ich es gut, dass sie staatlich sind, denn dadurch werden sie von vielen staatlichen Institutionen behindert und bewacht und von den Medien und der Bevölkerung mit Misstrauen und Argusaugen beobachtet.

  17. @tigger
    „Das Problem ist ja auch, dass der Staat meist mitverantwortlich ist, dass es zu Bedrohungen von aussen kommt.“
    Wirklich? Wenn ich mir die europäische Geschichte seit 80 Jahren (nach dem ersten Weltkrieg mussten einige Monarchen abtreten und die Bürger hatten mehr Einfluss auf und Verantwortung für ihren Staat) erscheint mir das falsch. Kannst Du Beispiele nennen, wo liberale Demokratien durch ihr Verhalten eine Bedrohung von Aussen mit verursacht haben? Und gibt es mehr Beispiele dafür als für unprovozierte Bedrohungen?

  18. @Paul
    „Was ist denn an der Unabhängigkeit des Kosovo so spannend? Ein Ministaat mehr, so what.“

    Darf ich diese Aussage mal archivieren, damit ich zu gegebener Zeit eventuell darauf verweisen kann?

    i.A. Adnan

  19. @ Adnan

    Sofern Du noch anfügst, daß ich persönlich es besser fände, wenn es sich dann nach einer gewissen Schamfrist mit Albanien zusammenschließt. Grenzen sind immer blöd, und die hier macht wirklich wenig Sinn.

  20. […] Mit (innerer) Sicherheit nicht! Nachdem wir in Teil I bereits die Möglichkeiten diskutiert haben, ein anarcho-libertäres Gemeinwesen gegen […]

  21. Du hast insofern recht, als Demokratie tatsächlich immer auch die Unterdrückung der Minderheiten bedeutet. Deswegen kann ich die libertäre Kritik insoweit nachvollziehen, daß der Staat möglichst viel Entscheidungen beim Individuum belassen und sowenig wie möglich über Abstimmungen regeln sollte.

    eine majoritär legalisierte autorität ist erstmal etwas anderes als reiner majoritarismus |
    und wenn diese autorität auch noch selbst bestimmt, wie die wahlen aussehen, beisst sich irgendwie die katze in die nase, oder?

    und majortarismus wiederum ist denke ich eine gute organisationsform, z.b. für mehr-personen-unternehmen |
    hier ist die mitgliedschaft allerdings freiwillig..

    Ganz genau! Damit hast Du sehr gut die libertäre Welt beschrieben. Deswegen ziehe ich die minimalstaatliche Variante ja auch vor, weil dann eben nicht jeder Amateur bewaffnet rumlaufen muß, sondern nur ein paar Profis, die nicht gleich auf alles schießen, was sich bewegt.

    das hat relativ wenig mit dem zu tun was ich gesagt habe.. |
    ich meinte das man wenn man sich ein ein kollektiv ausdenkt das wie du mal gasagt hast „immer in der übertzahl“ ist, dann müsste selbst eine „utrademokratie“ (whatever) alle menschen in den dienst der vereidigung stellen

    gegen ‚profis‘ hab ich im übrigen nichts gesagt, nur das diese auf grund ihrer speziellen fähigkeiten ein erhöhtes erpressungspotential haben und einfach eine gefahr darstellen |
    und dann noch einen superprofi darüberzusetzen schafft nur einen potentiell noch gefährlicheren erpresser |
    deswegen währe meiner meinung nach auch sicherer und vertrauenswürdiger wenn die sicherheitsagenten auch sich gegenüber gleichgestellt sind

    Wie gesagt, je weniger geregelt werden muß, desto mehr Freiheit gibt es für die Minderheiten. Zu diesen Freiheiten gehört aber nicht das Recht, kleine Babies vor laufender Kamera zu vergewaltigen oder Juden zu vergasen. Die Pflicht, das zu verhindern, hingegen schon.

    äh, auch wenn die verbrechen scheußlich sind sind sie falsch, ja ._. |
    und wenn die verbrechen scheußlich sind ist die bereitschaft diese zu verhindern hoffentlich größer |
    aber wie willst du jemanden zwingen, sich an einer verbrechensbekämpfung zu beteiligen? |
    um das eine aktive mitwirkung zu erreichen müsste man wahrscheinlich selbst gewalt anwenden |
    an sonsten könnte man noch bei ihm einbrechen und seine sparschwein stehlen, wenn er ‚glück‘ hat leistet er keinen wiederstand

    So lange der persönliche Vorteil nicht in dem Maße zunimmt wie die Zahlungsverpflichtungen, geht das schief.

    zumindest währe es für den straßenbahnbetreibern sehr empfehlenswert jede zahlung mit einem sichtbahren vorteil zu quittieren |
    was in diesem fall soviel heist wie eine bestätigung das die bahnfahrt für die nächsten monate gesichert werden kann, die züge upgegradet werden können oder ähnliches |
    außerdem ist der aufwand mit denen zahlungen erzwungen werden alles andere als niedrig

    Die Verteidigung kann man aber nicht einstellen und einfach durch Kapitulation ersetzen. Zumindest wäre das nicht zu empfehlen.

    aber ‚trittbrettfahrer‘ würde das nicht stören, meinst du?

  22. oops.. blockquote ist ein blödes wort :P

    „und auch in deutschland das seit 1949 von sich behauptet wieder ‘demokratie’ zu haben, hilft das weder vor nazischlägern, noch vor ‘präventiven’ abschüssen”
    Und ob das hilft! Was meinst Du denn, wie die erst loslegen würden, wenn sie wüßten, daß sich mit Ausnahme ihrer Opfer selbst niemand um ihre Verbrechen kümmert? Das Verhindern somalischer zustände ist ja wohl ein Vorteil für die deutsche Geschichte seit 1949, oder etwa nicht?

    nun ja |
    ich hab das geschrieben weil ich mich gerade wieder mit menschenrechten und sowas beschäftigt hab und gesehen wie verlogen das alles ist |
    in die verfassung schreiben das alle menschen „vor dem gesetz“ gleich sind und dann gesetze erlassen die gezeilt menschen nach kriterien zu unterscheiden die für den fall irrelevant sind (herkunft, geschlecht, ..)

  23. @ sofias.

    „und majortarismus wiederum ist denke ich eine gute organisationsform, z.b. für mehr-personen-unternehmen |
    hier ist die mitgliedschaft allerdings freiwillig..“

    Was genau meinst Du jetzt mit Majortarismus, vor allem im Unterschied zur Demokratie? Oder geht es hier nur um die Freiwilligkeit?

    „[…] ich meinte das man wenn man sich ein ein kollektiv ausdenkt das wie du mal gasagt hast “immer in der übertzahl” ist, dann müsste selbst eine “utrademokratie” (whatever) alle menschen in den dienst der vereidigung stellen“

    Das Problem ist doch, daß das in einem libertären Kollektiv schwierig würde, in einem ideologisch extremistischen Kollektiv hingegen nicht, vor allem, wenn genau dieses Interesse an der Unterwerfung anderer der Grund für den Zusammenschluß ist. Was meinst Du, wer da die stärkeren Bataillone aufstellen kann?

    „gegen ‘profis’ hab ich im übrigen nichts gesagt, nur das diese auf grund ihrer speziellen fähigkeiten ein erhöhtes erpressungspotential haben und einfach eine gefahr darstellen |“

    Deswegen müssen sie von ihrem Auftraggeber ja gerade kontrolliert werden. Was passiert, wenn diese Kontrolle unzureichend ist, kann man gerade sehr gut an Firmen wie Blackwater sehen. Die Idee der Privatisierung mag funktionieren, wenn man bestimmte Grundregeln durchsetzt, wird das aber ungenügend kontrolliert, dann kann die Sicherheitsfirma statt professioneller westlicher Soldaten eben auch russische und südafrikanische Schlagetots anwerben, die Professionalität durch einen lockeren Zeigefinger wettzumachen suchen.

    und dann noch einen superprofi darüberzusetzen schafft nur einen potentiell noch gefährlicheren erpresser |
    deswegen währe meiner meinung nach auch sicherer und vertrauenswürdiger wenn die sicherheitsagenten auch sich gegenüber gleichgestellt sind“

    Wie meinst Du das? Etwa die interne Organisation der Armee betreffend? Also alles ohne Befehlstrukturen, Ränge oder so was?

    „äh, auch wenn die verbrechen scheußlich sind sind sie falsch, ja ._. |“

    Wer stellt das fest? Anhand welcher Kriterien? Mit welcher Legitimation? Und wie stellt er sicher, daß das Soziopathenkollektiv das ebenso sieht?

    „und wenn die verbrechen scheußlich sind ist die bereitschaft diese zu verhindern hoffentlich größer |“

    Das würde mich schon mal interessieren, wer mit welchen Mitteln in einem libertären Kollektiv gegen Kinderpornografie vorgehen will. Sofern die Mitgleider nicht selbst dran beteiligt sind, werden sie nicht mal erfahren, daß es so was überhaupt gibt.

    „aber wie willst du jemanden zwingen, sich an einer verbrechensbekämpfung zu beteiligen? |“

    Das will ich gar nicht. Dann wimmelt es nur von Amateuren.

    „um das eine aktive mitwirkung zu erreichen müsste man wahrscheinlich selbst gewalt anwenden |“

    Deswegen reicht ja auch die finanzielle Beteiligung.

    „an sonsten könnte man noch bei ihm einbrechen und seine sparschwein stehlen, wenn er ‘glück’ hat leistet er keinen wiederstand“

    Wie gesagt, dann wird er sich auch nicht daran beteiligen. Und weil das die meisten so machen, wird es für die Beitragszahler teurer, dann springen noch mehr ab uswusf. Ab einer gewissen Größe von Kollektiven – ich behaupte jetzt einfach mal, daß die entsprechende Zahl bestenfalls im niedrigen zweistelligen Bereich liegt – sieht der Mensch in der Regel keinen direkten Nutzen mehr in freiwilligen persönlichen Opfern. Er handelt dabei für sich selbst sogar durchaus vernünftig. Das ist wie mit einem Stau auf der Autobahn. Alle fahren den kürzesten Weg. Und deswegen kommen auch alle später an. Höhere individuelle Intelligenz bedeutet eben nicht unbedingt auch höhere kollektive Intelligenz.

    „zumindest währe es für den straßenbahnbetreibern sehr empfehlenswert jede zahlung mit einem sichtbahren vorteil zu quittieren |“

    Den Vorteil hätte er aber auch, wenn nur die anderen zahlen und er nicht. Und am Ende stehen alle da und wundern sich, wieso die Straßenbahn nicht mehr fährt.

    „was in diesem fall soviel heist wie eine bestätigung das die bahnfahrt für die nächsten monate gesichert werden kann, die züge upgegradet werden können oder ähnliches |“

    Dann verstehe ich nicht, wieso Leute schwarzfahren oder zum Auto wechseln, während die übrigen auf teure Fahrkarten für überfüllte und unpünktliche Züge schimpfen.

    „außerdem ist der aufwand mit denen zahlungen erzwungen werden alles andere als niedrig“

    Das kommt immer darauf an, wie man das organisiert. Statt tausenden von Steuervorschriften ließe sich das beispielswiese auch alles automatisch mit einer einheitlichen FlatTax abfrühstücken. Außer dem RZ-Administratoren hat da keiner mehr was zu tun.

    „aber ‘trittbrettfahrer’ würde das nicht stören, meinst du?“

    Doch. Das wüßten sie aber weder vorher noch würden sie davon ausgehen, daß es gerade ihre fehlende Zahlung ist, die die Armee kampfunfähig gemacht hat. An der einen fehlenden Granate oder dem einen veralteten Gewehr kann es ja nicht gelegen haben. Schuld sind immer die anderen, und merken tut’s auch keiner. Und bisher sehe ich nicht, wie Du diese Denkweise verhindern kannst.

  24. Zum Thema Trittbrettfahrer:
    Es gibt in der Tat in der Praxis recht bewährte Mittel, um das Problem des Trittbrettfahrens zu begrenzen, nämlich gesellschaftliche Normen. Da wären auf der linken Seite die Solidarität und eine Vorstellung von Gerechtigkeit, auf der rechten Seite der Patriotismus und die Religion (oder eine andere traditionelle Moral).
    Nur stehen, wenn ich sie recht verstehe, libertäre diesen Moralvorstellungen eher skeptisch gegenüber. Aber auch wenn ein libertärer für sich persönlich manche dieser Punkte gutheißt, so wird er sie nicht zur allgemeinen Handlungsmaxime erheben. So funktionieren gesellschaftliche Normen aber, die Menschen halten sie für sich hoch, geben sie an die Kinder und ihre Freunde weiter und sanktionieren gesellschaftlich (zum Beispiel durch Verachtung) das Übertreten dieser Normen. Spätestens hier werden aber die libertären nicht mitspielen. Wie das konkret bei Beispielen aus den oben genannten Punkten aussähe, kann sich glaube ich jeder Leser in der liberalen Blogosphäre denken. So lehnen libertäre Mittel, die für eine Gesellschaft, wie sie sie sich wünschen, nützlich wären. Vielleicht haben sie aber einen Ersatz dafür, meine Liste war auch nicht vollständig, so dass noch Mittel übrigbleiben die man betrachten sollte.

  25. Nachtrag:
    Ich stimme mit den Libertären so weit überein, dass es immer besser ist, wenn man Aufgaben privat oder gesellschaftlich und nicht staatlich meistert, und dass vieles, was heute staatlich angegangen wird, auch und besser privat oder gesellschaftlich zu lösen wäre. Deswegen, denke ich, dass ein Überlegen, was Leute zu verantwortungsvollem (für sich oder für ihre Gesellschaft) Handeln bringt außer Zwang, eine Betrachtung wert. Und hier kann man sich vielleicht auch mit libertären Trefen.

  26. Wehrpflicht (bzw. Zivildienstpflicht, also die Ruinierung eines vernünftigen Arbeitsmarktes für Pflegekräfte) ist Sklaverei!

    Erstens.

    Und zweitens ist es ökonomischer Aberwitz:

    http://zwanglos.wordpress.com/2008/02/23/die-gesamtwirtschaftlichen-kosten-der-zwangsdienste-ein-konkreter-fall/

  27. @ lydia4krasnic

    Und drittens ist es auch militärisch unsinnig. Denn mal ganz abgesehen vom problematischen Einsatz Wehrpflichtiger außerhalb der reinen Landesverteidigung und dann auch noch in fernen Ländern, braucht man für derartige Einsätze ständig einsatzbereite, aufeinander eingespielte Profis, statt sich immer erst jene Amateure zusammensuchen zu müssen, die gerade Zeit und Lust dazu haben.

  28. @schmock
    „Kannst Du Beispiele nennen, wo liberale Demokratien durch ihr Verhalten eine Bedrohung von Aussen mit verursacht haben? Und gibt es mehr Beispiele dafür als für unprovozierte Bedrohungen?“

    Deine Beschränkung auf „liberale Demokratien“ geht am Thema vorbei. Ansonsten: jeder Konflikt und jede Krise zwischen Staaten. Es gibt im Gegenzug kaum Beispiele, wo die Bürger selbst den Staatsapparat zum Krieg gezwungen hätten. (Deutschland mal als Ausnahme).

  29. @ tigger

    Das geht nicht am Thema vorbei, im Gegenteil! Wenn die Theorie der Staatskritiker bei liberalen Demokratien nicht greift, hat sie offenkundig einen Fehler. Und jetzt geht es darum zu zeigen, wie eine staatenlose Gesellschaft wenigstens genauso gut funktioniert. Die liberale Demokratie funktioniert nämlich auch dann leidlich, wenn einzelne Menschen nicht mitmachen. Die libertäre Gesellschaft hingegen nicht. Zumindest konnte noch keiner erklären, wie. Bislang lautet die Antwort auf die S-Frage jedenfalls noch Schweden bzw. Schweiz vs. Somalia.

  30. „Wenn die Theorie der Staatskritiker bei liberalen Demokratien nicht greift, hat sie offenkundig einen Fehler.“

    Dann greift sie bei allen anderen Staatsformen. Wenn die Theorie der Staatsbefürworter aber nur bei liberalen Demokratien greift, hat sie doch offenkundig mehrere Fehler.

  31. @ tigger

    Solange sie in Schweden besser greift als die libertäre Theorie bei Somalia, hat sie zumindest weniger Fehler. Im übrigen bin ich nicht nur ein Verfechter eines wesentlich härteren Kurses gegenüber nichtliberalen Nichtdemokratien, sondern werde gerade dafür auch von Libertären immer wieder angefeindet.

    Also nochmal: Euer bestes Modell muß sich mit unserem besten messen. Und da haben wir Schweden oder die Schweiz und Ihr Somalia. Da seid Ihr schlicht und einfach nicht konkurrenzfähig, solange Ihr nicht glaubwürdig darlegen könnt, wie Ihr wenigstens auf das Niveau von Schweden und der Schweiz kommen könnt.

  32. Wieso kann ich so sicher sein, dass ich immer liberale Verhältnisse bekomme, wenn ich einen Staat befürworte ? Es gibt nicht *die* liberale Demokratie. Wer verhindert den schleichenden Prozess staatlicher Bevormundung und Überwachung der (z.B. auch hierzulande) um sich greift ? Das Problem ist, dass das „liberal“ sich leicht durch das „demokratisch“ abwählen lässt.

    Dein härterer Kurs gegen nichtliberale Nichtdemokratien in allen Ehren, aber kannst Du den auch gegen diejenige fahren, in der Du selbst lebst, sollte sie sich wandeln ?

  33. @ tigger

    Du kannst da nie sicher sein. Da muß man immer wieder aufs neue für kämpfen. Aber die Wahrscheinlichkeit, daß Schweden oder die Schweiz zu etwas so scheußlichem werden wie Somalia, ist weit geringer, als wenn man’s ohne Staat probiert. Also ein weiterer Pluspunkt für die Staatsbefürworter. Und die Tatsache, daß es theoretisch ja noch schlimmer kommen könnte, spendet da nur wenig Trost.

  34. Schönes Zitat zur den “unrealistischen” Ansätzen der Libertären:

    [William F.] Buckley mocked what he saw as the libertarians’ effete and useless disengagement from the cold war, scoffing at them for shuffling off from serious geopolitics to their little intellectual seminars on demunicipalizing garbage removal.
    In 1963, FEE board chairman E. W. Dykes, an Ohio architect, responded to this line of attack by taking Buckley’s critique for a given and defending libertarians on those seemingly outrageous terms.

    “War is the culmination of the breaking of libertarian principles, not once, but thousands of times. We are challenged to jump in at this point and apply our principles to get out of the unholy mess, built up over years and years of error on errors. I suggest it would be a very little different challenge had he posed this proposition: “You are a second lieutenant. Your platoon is surrounded. Your ammunition is gone. Two of your squad leaders are dead, the third is severely wounded. Now, Mr. Libertarian, let’s see you get out of this one with your little seminars.”

    My answer—”demunicipalize the garbage service.”
    Now wait, don’t give me up as a nut yet. I have a point. That second lieutenant is a goner. And so is the prospect of a lasting peace until man learns WHY it is wrong to municipalize the garbage service. You can’t apply libertarian principles to wrong things at their culmination and expect to make much sense. It is too fundamental. You have to start back at the very beginning and that is precisely what our little seminars are for. There are people who build for tomorrow; there are people who build for a year; there are people who look forward a generation—the libertarian, a part of the “remnant,” takes the long view—he is looking forward to the time when war will be looked on as we now look on cannibalism, a thing of the past. . . . What do we do in our little seminars? We make the case for freedom which cannot coexist with interventionism. . . . Again I say: We will never end wars until we at least understand why the garbage service should be removed from the jurisdiction of the police force—that is, government. (260-1)

    http://deuceofclubs.com/books/187radicals.htm

  35. […] Objektivismus vs. Anarchismus (diverse Minarchie-/Anarchie-Debatten) Blanker(tz) Wahnsinn Staat oder nicht Staat, das ist hier die (Verteidigungs)frage Staat? Mit (innerer) Sicherheit […]

  36. […] Territorium verlagert, so daß sie, da sich das ganze inzwischen eher als Ausweitung früherer Scharmützel in Ancapistan entpuppt, hier in einem eigenen Artikel behandelt werden […]

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

 
%d Bloggern gefällt das: