Ein Volk, ein Reich, eine Medienlandschaft


Oha, da ist mir die letzten Tage ja eine so interessante wie erschreckende Statistik entgangen. Ich wußte zwar, daß die Darstellung des US-Präsidentschaftswahlkampfes in den hiesigen Medien und die daraus resultierende öffentliche Wahrnehmung tendenziell verzerrt sind, aber daß es so ernst ist, hätte ich ehrlich gesagt nicht gedacht.

Knapp 90% derjenigen, die abgestimmt haben, wollen demnach einen Kandidaten der Demokraten im Weißen Haus sehen, nur gut 10% hingegen einen Republikaner. Und diese Prozentzahl bezieht sich wohlgemerkt nicht auf die deutsche Gesamtbevölkerung, sondern auf die Leser der konservativen Welt, was das Ergebnis sogar noch deutlich zugunsten der Republikaner verzerren dürfte.

Was waren das noch für Zeiten, als CDUler sich eher zu Reagan bekannten und SPDler zu Carter. Heute hingegen würden meine Landsleute die Demokraten mit nahezu 100% auf Volkskammerniveau heben und die Republikaner als kleine Splitterpartei möglicherweise an der 5%-Klausel scheitern. Ein Schelm, wer Böses über unsere Medien dabei denkt.

~ von Paul13 - Donnerstag, 14. Februar 2008.

16 Antworten to “Ein Volk, ein Reich, eine Medienlandschaft”

  1. „Die Leser der konservativen Welt“
    Das Problem ist ein anderes. Die Kommunikationswissenschaft tut sich äußerst schwer, Online-Leser ähnlich zu kategorisieren wie die Print-Leser. Online ließt, kommentiert und klickt auf Umfrage eine andere, noch nicht näher bestimmte Gruppe, als die, die morgens am Kiosk die Zeitung kauft. Temporäre Umfragen auf Online Nachrichtenseiten sind deshalb mit äußerster Vorsicht zu genießen. Denn (soweit ist es bisher gesichert) der durchschnittliche Online Rezipient überfliegt Headlines und sichtet in Kürze ein paar Artikel. Dabei ist seine politische Orientierung relativ unabhängig von dem Medium. Die „Großen“ vier , Spon, FAZ, WELT und SZ werden von den gleichen Leuten gelesen. Wer aber intensiver online konsumiert, sprich auch an so einer Umfrage teilnimmt, darüber lässt sich bisher nur spekulieren. Annahme: Nerds, die die Kommentare bei der WELT vollspammen, tun dies, weil ihnen die Möglichkeit geboten wird unregistriert zu kommentieren. Deswegen sind sie da, nicht weil die Welt als konservativ gilt. Dementsprechend unrepräsentativ sind die Ergebnisse.

  2. @Oliver Beckmann
    Yep! Irgendwie schon komisch. An einem Tag finden die Leser, Williams Idee, Teil der Scharia in GB einzuführen, gut, während sonst 90 % der Leser gegen einen EU-Beitritt der Türkei sind.
    Das passt nicht!

  3. Solche Lamentos über die pöhsen Medien ist man sonst nur von den Ron-Paul-Anhängern gewohnt. :-(

  4. Außerdem: vielleicht haben die Konservativen ja auch garnicht abgestimmt, weil eh kein Konservativer zur Auswahl steht???

    Siehe:
    http://www.amconmag.com

  5. Über das intellektuelle Hijacking der amerikanischen Rechten durch ehemalige Trotzkisten die sich „Neokonservative“ nennen (und die kaltschnäuzig in ihrer Kriegslust sowohl mit der Tradition der „Old Right“ als auch mit der Verfassung brechen), deren Äquivalent in Bundesrepublikanien die Übernahme der Wortführerschaft bei den radikalen Liberalen durch zu einer Form von Hybrid-Liberalismus konvertierte Alt-68er ist, die hüben wie drüben den Alt-Liberalen bzw. Paläo-Konservativen expansiven Etatismus kombiniert mit außenpolitischem Interventionismus als „wahren“ Konservatismus respektive „wahren“ Liberalismus, gar „zeitgemäßen“ Libertarianism einzutrichtern versuchen, ist wahrlich schon viel geschrieben worden. Aber immer viel zu nett. Etwas prononcierter als allgemein üblich äußerte sich aus traditionskonservativer Sicht unlängst der emeritierte Historiker Professor Stephen Tonsor von der University of Michigan, dem auf einer Tagung einfach mal der Kragen platzte:

    „Es schien mir immer eigenartig, ja abartig, daß früheren Marxisten gestattet wurde, ja daß sie aufgefordert wurden, eine derart führende Rolle in der konservativen Bewegung des 20. Jahrhunderts zu spielen. Es beeindruckt, wenn die Stadthure religiös wird und der Kirche beitritt. Hin und wieder kann sie eine gute Chorleiterin abgeben; doch wenn sie anfängt, die Sonntagspredigten des Pfarrers zu bestimmen, dann sind die Dinge zu weit getrieben.“

  6. @DDH

    Und? Ist dir’s jetzt gekommen?

  7. @ DDH

    Wenn einem Traditionskonervativen der Kragen platzt, so ist das alleine schon die halbe Miete wert. ;-) Und wenn’s dann noch einem liberalen ex-Trotzkisten zu verdanken ist, ist es doppelt schön.

  8. @ Paul

    Vielleicht haben die Deutschen (und die Amerikaner!) nach 8 Jahren Bush einfach die Schnauze voll von Republikanern?

  9. In diversen deutschen Medien findet man derzeit häufig die Fragestellung: „Wen hätten Sie lieber als US – Präsidenten – Obama oder Clinton?“.
    Vieleicht hat der deutsche Standardgutmensch überhaupt noch nicht geschnallt, daß mitnichten Barack vs. Hillary ums Weiße Haus in den Ring steigen sondern da auch noch irgendsoeine andere Partei mitmischt? Hehe.
    Auf jeden Fall hab ich jetzt schon ein heftiges De-ja-vu ( aus 2004) und eine daraus resultierende Vorfreude, wenn ich mir vorstelle, wer da so alles hierzulande ein dummes Gesicht ziehen wird, nachdem der alte Herr aus Arizona dem Möchtegern – Kennedy die Hosen runtergezogen hat.

  10. Sind Sie der Robin Renitent von dem Naziblog Fakten und Fiktionen?

  11. Bist du der Siver Surfer aus der Superhelden-Welt der Marvel Comics, die von Jack Kirby und Stan Lee erschaffen wurde?

  12. @Oliver
    Ich stimme Dir zu – die Leser der beiden „Editionen“ unterscheiden sich. Interessant wäre wirklich mal ein paar (reale) Zahlen zu sehen und dann zu vergleichen. Auch auf die Online-Befragungen kann man nichts geben. Da klicken die Leute, die am meisten Interesse haben und genügend Mitstreiter aktivieren können.

    @DDH
    Und was hat das jetzt mit dem Beitrag von Paul zu tun?

    @Adnan
    So was nennt man Ron-Paul-Modus – der alte Mann wusste bei den Debatten manchmal auch nicht richtig worum es ging. Dann redete er über grundverschiedene Dinge und die Diskussionsleiter mussten ihn erst drauf hinweisen ;-)

    @Paul
    Mache Dir keine Sorgen – das sind doch nur Freeper. Und was ändern die Abstimmungen einiger Leute? In den demokratisch regierten Kongress hatten auch einige Deutsche große Hoffnungen gesetzt. War das ein Rumgejammer über die feigen Demokraten. Wenn Obama erst einmal in Waristan den Taliban-Pfad mit einem Flächenbombardement belegt, dann heulen die Fans auf. Dann können die sich nicht mehr hinter der Bush-Kritik verstecken ;-)

  13. Paul, can you provide me with a link to the reader poll at Die Welt as referenced in this post? I would like to include that information in an upcoming post about how the German press and media report on the primaries in the U.S., especially on the batttle between Hillary Clinton and Barack Obama. I will try to remember to come back and check your comments for the info.

    BTW: Damn, you have been really busy sprucing-up the look and content of No Blood for Sauerkraut! I have to come back for a visit more often. Looks good, real good. Tchuss bis späater.

  14. @ BRE

    Thanks a lot! It’s nice that at least some people appreciate the new look. But to be honest the work was done mainly by WordPress. I did only the arrangement of the content. Colours and fonts come as provided. What is a big advantage! I would only mess it up. ;-)

    Concerning the link I got only the one from ex-Blond but the poll seems to be closed meanwhile:

    http://www.welt.de/politik/article1612375/John_McCain_schlaegt_Rudy_Giuliani_in_die_Flucht.html#poll

    I’m looking forward for your post as that is indeed quite a interesting subject.

  15. Got it, thanks Dude. Wow! 53% of the poll participants (> 7200 readers) would vote for Barack Obama vs. 32% for Hillary Clinton. I guess that lays to rest the popular notion that Germany is a racist country, oder? Maybe ZDF or ARD needs to run a national poll and broadcast the results on that news program Politbarometer. Then Maybrit Illner or Anna Will could generate a debate over how Germans would vote in the US elections. That would be something to watch on both sides of the Atlantic.

  16. @ BRE

    I think the Germans wouldn’t care much if an US president is black or not as long as he is not Bush. If they hate him it’s not because of the colour of his skin but because of the colour of his flag. Stars and Stripes aren’t really popular in German political thinking.

    On the other hand you get a lot of cultural relativism of the sorts like „those Africans / Arabs / Muslims can’t ever become democratic, so let them kill each other and leave them alone“. That’s not much better. And there is still plenty of Antisemitism around here.

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