Für Afghanistan denken?


In der ZEIT machen sich eine ganze Reihe mehr oder weniger großer Denker Gedanken zum Krieg in Afghanistan. Neben durchaus vernünftigen oder zumindest differenziert argumentierenden Zeitgenossen kommt dabei allerdings auch typisch deutsche Pseudogutmenschen mit einem latenten Hang zum Antiamerikanismus zu Wort:

Angelika Beer

„Es geht daher nicht um Abzug, sondern um den längst überfälligen Strategiewechsel hin zu einem ganzheitlichen Konzept. Die unter deutscher Führung im Norden praktizierte Mischung aus Kampfeinsatz, Schutz und Hilfe zum Wiederaufbau muss auf das gesamte Afghanistan ausgedehnt werden.“

Ganz genau! Jetzt geht es nur noch darum, wer den Taliban die Frohe Botschaft überbringt, wenn das die Amerikaner, Briten, Kanadier und Niederländer nicht mehr tun. Aber Frau Beer hat bestimmt eine tolle Idee, wie man ganzheitlich mit Steinzeitterroristen umgeht, die Schulen nicht angreifen, weil die NATO in Afghanistan ist, sondern weil es Schulen sind. Und der Brunnenbau macht auch den THW-Mitarbeitern mehr Spaß, wenn sie dabei nicht beschossen werden.

Feridun Zaimoglu

„Wir leben in einer Zeit der Besatzungsdemokraten. Wir – und ich bin von meinem Selbstverständnis her Deutscher – wir haben dort nichts zu suchen. Die Amerikaner vertreten mit ihrer Imperialpolitik eigene Interessen und man darf sich auf keinen Fall zum Werkzeug dieser Politik machen. Je eher wir die Truppen abziehen, desto besser.“

Soso, Alphabetisierung für kleine Mädchen und freie Wahlen für die Eltern sind also nur besonders infame Formen des US-Imperialismus. Womit die Behauptung islamophober Kreise, daß hier irgendwo eine große islamische Verschwörung am Werk wäre, die die armen Deutschen zum Wohle der Muslime auspreßt, wohl eindrucksvoll widerlegt wäre. Denn zumindest Herrn Zaimoglu sind die afghanischen Muslime nicht die Knochen eines preußischen Grenadiers wert.

~ von Paul13 - Dienstag, 12. Februar 2008.

21 Antworten to “Für Afghanistan denken?”

  1. Ich frage mich nur welchen Kampfeinsatz Frau (Schluckspecht) Beer denn meint. Einen deutschen kann sie nicht meinen denn im Norden kaempfen Norweger, Hollaender und Daenen. Die deutschen muessen wenn es dunkel wird nach Hause und weigern sich standhaft zu schiessen.

  2. Frau Beers Aussage „[d]ie unter deutscher Führung im Norden praktizierte Mischung aus Kampfeinsatz, Schutz und Hilfe zum Wiederaufbau muss auf das gesamte Afghanistan ausgedehnt werden” zeugt dermaßen von ihrer Unkenntnis. Die Mischung aus Kampfeinsatz, Schutz und Hilfe zum Wiederaufbau wird von allen Nationen zusammen praktiziert. Nichts anderes wird in Gesamt-Afghanistan durchgeführt, mit der jeweils an die regionale Situation angepasste Gewichtung.
    Frau Beer sollte nicht nur repräsentativ alle paar Monate die deutsche Führung in Afghanistan besuchen, sie sollte dem Militär auch zuhören. Dann wüste sie das. Ich krieg Kopfschmerzen.

  3. Ich fand den Satz:“In der Geschichte lief es immer darauf hinaus, dass Besatzungstruppen verloren haben und letztlich das Weite suchten.“ von Zaimoglu bezeichnender.

    Man lerne: Um Schriftsteller zu werden geht es vollkommen klar, wenn man den Geschichtsunterricht komplett geschwänzt hat.

  4. Hm, der Mann hat offensichtlich nicht nur den Geschichtsuntericht komplett geschwaenzt.

  5. @ Tobias/Auslaender

    Das würde immerhin erklären, warum er kein Interesse an der Schulbildung afghanischer Mädchen hat. Dann stünde er noch dümmer da als ohnehin schon. :-)

  6. Bei Feridun Zaimoglu darf man jetzt aber nicht den Fehler machen und das soziale Milieu vergessen in dem Feridun aufwachsen musste. Sich über das Bildungsniveau von Migranten lustig machen zeugt nicht gerade von viel Sachverstand. Und wenn man dann noch auf Vanity Fair liest: „Zaimoglu ist streng osmanisch erzogen worden. Er siezt seine Eltern.“. Dann sollte man schon etwas mehr Verständnis für etwaige Bildungslücken in den Geschichtskenntnissen aufbringen.

    Viel interessanter ist aber die aktuelle Montagskolumne von Joschka Fischer. Die klingt in manchen Passagen sehr neoconesk. ;-)

    http://www.zeit.de/online/2008/07/Montagskolumne-Joschka-Fischer-Realpolitik-Menschenrechte

    i.A. Adnan

  7. Ferdi Zaimoglu ist allerschönster deutscher Mainstream. Eine Aussage von dem sollte man nicht ganz so hoch hängen.
    Da er obendrein noch ein dicker Kumpel von Wiglaf Droste ist, hier nochmal ein kleiner Beitrag vom selbigen:

    http://www.turkdunya.de/de/forum/rf35_t35935_p0_ohne-fahne-niemals-nicht.html

  8. Liebe Leute, nehmt Frau Beer doch ernst und beim Wort:
    „Die unter deutscher Führung im Norden praktizierte Mischung aus Kampfeinsatz, Schutz und Hilfe zum Wiederaufbau muss auf das gesamte Afghanistan ausgedehnt werden.“
    Also bitteschön, deutsche Soldaten in den Süden Afghanistans, damit die dort mal so richtig aufbauen.
    Im Gegenzug Amerikaner, Kanadier usw. in den Norden Afghanistans, damit diese rabiaten Taugenichtse mal sehen, wie friedlich das Land nach Anwendung der richtigen Strategie sein kann.
    Dann wären doch alle zufrieden! Oder?

  9. Nachdem jetzt die afghanische Regierung die Mohammedkarikaturen für eine Beleidigung hält und islamkritische Journalisten und Konvertiten zum Tode verurteilt werden, frage ich mich, wo denn da die Freiheit ist.
    Natürlich geht es den Afghanen besser als unter den Taliban /zum Glück!) und afghanische Mädchen dürfen jetzt auch zur Schule gehen, aber Afgh. als freiees Land zu bezeichnen, ist absurd. Wir unterstützen dort eine islamistische Diktatur, die ideologisch den Taliban näher steht als uns.

    Leider kommen wir wohl nicht drum herum, diese Islamisten unterstützen zu müssen, um eine erneute Machtübernahme der Taliban zu verhindern.
    Um feindliche Jihadisten zu bekämpfen müssen wir uns anscheinend mit üblen Islamisten arrangieren. Das sollte aber auch so in der Politik gesagt werden dürfen. Dass Afghanistan nach einem Sieg der NATO und der Karzai Regierung (der immer noch möglich ist!) demokratisch wird, ist meiner Meinung nach eine Illusion.

    Über Deutschlands Strategie der „vernetzen Sicherheit“ und der Kampfvermeidung erübrigt sich jede Diskussion, aber ob wir eine islamistische Regierung unterstützen sollen, sollte schon diskutiert werden.

  10. @ tyrion

    Solange wir Truppen vor Ort haben und die dortige Regierung diese benötigt, sind wir durchaus in der Position, Forderungen hinsichtlich des Kampfes gegen diese islamistischen Tendenzen zu stellen. Nur sollten wir das dann auch machen.

    Im übrigen besteht das Problem bei der Umsetzung gerade darin, daß es eben KEINE Diktatur ist. Dann wäre es ja einfach. D.h. auch wenn Karsai kein Fundamentalist ist, muß er seine Wähler erst auch davon überzeugen, inhumane Traditionen über Bord zu werfen.

    Das geht aber nur wenn die afghanische Demokratie den Menschen dort mehr Vorteile bringt als eine wie auch immer geartete Diktatur. In dem Maße, wie Wohlstand und Bildung sich verbreiten, werden islamistische Traditionen von selbst verschwinden.

    Um dieses Ziel zu erreichen, ist aber die Demokratie wiederum die beste Variante. Und deswegen müssen wir sie auch unbedingt verteidigen, wollen wir die fortschrittlichen Afghanen nicht ihren Henkern überlassen.

    Angesichts der Bedrohung durch das Qaida/Taliban-Bündnis lautet die Alternative ohnehin nicht, Krieg in Afghanistan zu führen oder es zu lassen, sondern nur ob wir den Krieg für Afghanistan führen oder dagegen. Dann doch lieber ersteres.

  11. @Paul: KEINE Diktatur? Ein Land, in dem Konvertiten nach Gesetz hingerichtet gehören, ist keine Diktatur?

  12. @ Tyrion

    Ein Staat der Menschenrechte verletzt. Das kann aber sogar mit Billigung der Mehrheit geschehen. Es gibt auch Demokratien, die Menschenrechte verletzen. Ich stimme Dir aber völlig zu, daß der Westen genau in diesen Fällen entsprechend Druck auf die afghanische Regierung ausüben sollte, um so etwas zu verhindern. Wobei klar ist, daß dieser Druck nur von Staaten ernstgenommen wird, die auch Truppen in Afghanistan stellen.

  13. @ Paul

    „Der Westen“ könnte gar keinen Druck ausüben, selbst wenn er ernsthaft wollte. Denn was wäre denn die Alternative zu einer gestürzten Regierung Karsai – genau: allgemeines betretenes Schweigen. Denn die lokalen Eliten in der afghanischen Provinz würden die Abgesandten der Zentralregieerung herzlich auslachen, wenn die ernsthaft mit so abstrusen Forderungen wie Frauenemanzipation und Religionsfreiheit im afghanischen Alltag bei Ihnen auftauchen würden. Und was sollte Karsai dann machen, um den westlichen Forderungen nachzukommen – in jedem afganischen Haushalt einen Polizisten einquartieren? Ja,ja.

    Man kann vorsichtig und mit hohem Aufwand die staatliche Infrastruktur im Bildungswesen und im Gesundheitswesen Afganistans punktuell verbesesrn und – sehr begrenzt den Zugang von Frauen und Mädchen zu solchen Leistungen – erleichtern. Aber die kindliche Vorstellung, man könne die sozialökonomischen Herrschaftsstrukturen einer archaischen, weitgehend durch vormodernes Stammesrecht geregelten Gesellschaft und die auf diesen Strukturen basierenden Werte und Normen durch eine militärische Intervention und ein paar Entwicklungsprojekte kurzfristig umkrempeln – zeigt die ganze Naivität und Ignoranz der beteiligten Entscheidungsträger.

    Aber in Wirklichkeit ging es ja auch nie um die Entwicklung, Säkularisierng und Demokratisierung Afghanistans. Das war ja nur das humanitäre Feigenblatt, um die Besetzung Afganistans zu rechtfertigen. Machen wir ein einfaches Gedankenexperiment: was wäre denn passiert, wenn die Taliban-Führung nachgegeben und Bin Laden und seine Kampfgefährten an die USA ausgeliefert hätte? Wäre es dann zu eine militärischen Intervention des Westens in Afganistan gekommen, um die Lebensbedingungen der afganischen Frauen unter der Taliban-Herrschaft zu verbessern? Gelächter !!!

  14. @ no more republicans

    Ich muß zugeben, Du machst es mir in letzter Zeit wirklich schwer, mich zusamenzureißen und Dir nicht zu antworten. Also komm schon, im Sinne einer fruchtbaren Diskussion zwischen zwei Politjunkies, findest Du nicht, daß die hier zitierten Sprüche von Spiegelfechter

    https://nbfs.wordpress.com/2007/07/10/chrr-de-zentralrat-de-jodn/

    sowie die Ergüsse von Arne Hoffmann, Jörg Sutter, Marcel Bartels und DaRockwilda mitunter nicht doch wenigstens einen klitzekleinen antisemitischen Touch haben?

  15. @ Paul

    Ihren link habe ich mit Interesse gelesen. Aber warum meinen Sie, mir nicht antorten zu dürfen / können? Mir ist auch der Zusammenhang zu meinem Beitrag über die Perspektiven Afghanistans nicht ganz klar. Aber als Ergänzung ein kleiner Hinweis zu den Auswirkungen der neu gewonnenen Meinungsfreiheit in Afghanistan:
    http://www.tagesschau.de/ausland/afghanistan248.html

  16. @ no more republicans

    Du verstehst mich schon, mein Gutester. ;-)

  17. @ no more republicans

    Aber ich will kein Unmensch sein. Ist alles nur ein Mißverständnis und Du weißt nicht wovon ich rede. Also vergiß einfach meinen letzten Kommentar.

    Sagen wir einfach, ich würde gerne Deine Meinung zu den genannten fünf Blogs hören. Du verwendest hier ja auch öfter mal den Begriff Antisemitismus, da kennst Du Dich bestimmt aus.

    Also, ist díeses Geschwafel über den jüdischen Einfluß hier in Deutschland antisemitisch angehaucht oder nicht? Bin einfach neugierig, was ein Profi wie Du dazu meint.

  18. @Paul
    DJ – der Führer der Jagdgesellschaft – kann (will?) sich an seine Kungelei mit den Antisemiten nicht so recht erinnern ;-)

  19. @ Paul
    Ist das hier ein neues Spiel, das ich noch nicht kenne? Heiteres Antisemiten-Raten, oder was? Aber bevor ich die volle Punktzahl erziele – können Sie mir erklären, was Sie unter antisemitisch „angehaucht“ verstehen? Nach meinem Laienverstand ist ein Antisemit jemand, der – je nach Vorurteilsstruktur – ALLEN Angehörigen des jüdischen Staates (Israel), des jüdischen Glaubens oder „jüdisch“ Aussehenden pauschal bestimmte Eigenschaften unterstellt (ohne Anspruch auf Vollständigkeit: geldgeil, feige, verschwörerisch – und immer auf der Suche nach christlich-arischen Jungfrauen, die man schänden kann). Was haben denn die oben Zitierten verbrochen?

    S1IG
    Sie scheinen mich jemandem zu verwechseln, der Sie früher mal mächtig geärgert haben muß.

  20. @no more republicans
    Warum fühlst Du Dich gleich angesprochen? Deine Name war doch gar nicht gefallen. Warum springt der kleine Dackel denn da gleich an? Deswegen – Verwechselung ausgeschlossen. Und geärgert hat mich niemand – die Jägertruppe ist immer wieder amüsant.

  21. @ Paul

    Also das Gefasel über den Zentralrat der Juden ist schon heftig, oder etwa nicht? Was die anderen Genannten verbrochen haben, findet sich unter den jeweiligen Links. Also das volle Programm von wegen die Juden steuern die Medien, kontrollieren die Politik, lenken die US-Regierung usw. Vo 9/11 über den Irakkrieg bis zur Hohmann-Affäre sind sie irgendwie an allem schuld. Und so was klingt für Dich wirklich nicht antisemitisch?

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