Genial daneben oder einfach nur genial?


Er ist für seine kuriosen Ideen bekannt: Fernsehmoderator Hugo Egon Balder träumt zurzeit von einer Sauf-Talkshow mit Prominenten. Der Arbeitstitel der Sendung: „Der Klügere kippt nach“. Das bizarre Konzept hat nur einen Haken.

Hamburg – Der 57-Jährige scheitert nach eigenen Angaben an der Mutlosigkeit der Sender. „Ich kann keinen Senderchef dafür gewinnen. Die haben alle Angst“, sagte der „Genial daneben“-Moderator dem „Stern TV Magazin“. Teilnehmer für die Show mit dem Arbeitstitel „Der Klügere kippt nach“ hätte er dagegen reichlich: „Ich hätte genug Prominente, die da kommen würden.“ Namen nannte er jedoch keine.

Das zeigt mal wieder, daß die deutschen Programmverantwortlichen größtenteils hasenfüßige Ignoranten sind, die lieber öde Billigserien noch öder nachsynchronisieren als es endlich mal mit originellen Innovationen zu versuchen. Denn Balders Idee hat weit mehr Potential als es für hochkulturgeschädigte Mitbürger auf den ersten Blick den Anschein haben mag. Nicht nur dürfte der Unterhaltungsfaktor furios sein, wir würden auch einiges über unsere Prominenz erfahren, was diese lieber vor uns geheimhalten würde.

Wer’s nicht glaubt, möge sich nur mal spaßeshalber vorstellen, wie Oskar Lafontaine, Günter Grass und Peter Scholl-Latour nach ein paar Wodkas rauslassen, wie es in ihnen zu Themen wie dem III. Reich, Achmadinedschad oder Palästina wirklich denkt. Alleine für den daraus zwangsläufig resultierenden Skandal hätte sich Balder den Fernsehpreis 2008 schon vollauf verdient. Hoffen wir also, daß in absehbarer Zukunft unsere selbstdarstellungssüchtigen Promis die Fernsehkameras nicht mehr nur mit Worten vollkotzen.

~ von Paul13 - Donnerstag, 31. Januar 2008.

12 Antworten to “Genial daneben oder einfach nur genial?”

  1. So furchtbar originell ist die Idee nicht. 1991 hat Max Goldt einen Erzählband mit dem Titel „Die Radiotrinkerin“ herausgebracht. In der gleichnamigen Geschichte besäuft sich die Moderatorin live vorm Mikro, so dass die Hörer alle Stadien bis zum delirium tremens miterleben.

    Und was sollte einen an Lafontaine, GraSS oder Scholl-Latour noch überraschen? Wenn die sich zu den nämlichen Themen äußern, hat man doch jetzt schon den Eindruck, sie seien nicht mehr nüchtern.

  2. So furchtbar orginell ist die Idee nicht. Wo genau ist da jetzt der Unterschied zur Karl Dall Show die bereits vor 10 Jahren lief?
    Damals gab’s auch Pils und Beleidigungen bis zum Abwinken.

    i.A. Adnan

  3. Problem ist: Was ein echter Medienprofi ist, den lassen auch 9 halbe Weiße und 14 Obstler nicht vergessen, daß da eine Kamera läuft…insofern glaube ich nicht an die ganz großen Selbstentlarvungen.

  4. @ Adnan

    Pils? Wer redet hier von Bier? Dann müßte die Sendung ja zwei Stunden dauern, bis die Gäste in Fahrt kommen. Nein, gleich zwei, drei Wodka zur Begrüßung, sonst lohnt sich das nicht. ;-)

  5. @ Bruno

    Ich denke, das kommt auch drauf an, wie clever der Moderator ist. Wenn er die Kundschaft auf die richtige Weise antriggert, dürften einige ganz schön aus sich raus gehen.

  6. @ Paul

    Ich finde die Idee auch nicht so superprickelnd. Besoffene B- und C-Promis dürften ähnlichen Charme wie die Dschungelcampbande entwickeln – das steigert höchstens meinen Kotzdrang. Und Politiker müssen heute auch nicht mehr demaskiert werden, das besorgen sie schon selber, gerade Leute wie Koch und Lafontaine.
    Zumal speziell Lafontaine wohl gebranntes Kind sein dürfte. Ich denke, diesen Vorfall hat er noch nicht vergessen:
    http://www.focus.de/politik/deutschland/suff-attacke-gegen-lafontaine_aid_97555.html

  7. @ Paul,

    du bist inkonsequent! Gerade hast du das Spiegel-Abo eingestellt, weil du Gegessenes gerne bei dir behalten möchtest, schon findest du die Idee einer Fernsehsendung janz doll, die dich garantiert zum Kotzen bringen würde. Du bist doch nicht etwa Bulemiker?

    Voller Sorge
    alibaba

  8. Nachtrag: Es würde wohl auch ein Schuss nach hinten werden weil das Publikum nicht besoffene Politiker, sondern das „Menschliche“ an den Promis sehen wollen würde.

    Außerdem – hat dir der stramme Schröder nach seiner letzten Elefantenrunde nicht genügt?

  9. @ alibaba

    „Gerade hast du das Spiegel-Abo eingestellt, weil du Gegessenes gerne bei dir behalten möchtest, schon findest du die Idee einer Fernsehsendung janz doll, die dich garantiert zum Kotzen bringen würde.“

    Nicht mich. Sondern die drei im Fernsehen. ;-)

  10. @Paul
    Hugo Egon hat halt Sinn fürs Geschäft – er hat den richtigen Riecher, wenn es um den „Instinkt der Zuschauer“ geht. Das beweist der täglich TV-Terror ;-)

    @alibaba
    Der stramme Schröder hat den Hugo Egon vielleicht auf die Idee gebracht?

  11. @Paul
    Einige Leute würden sowas bestimmt gerne sehen und es wäre tatsächlich ein eher harmloser Spass. Hugo Balder soll das also ruhig machen, warum auch nicht, aber politisch oder sozial relevante Erkenntnisse über Prominente werden so kaum gewonnen werden. Erstens da bei sowas nur weniger bedeutende Leutchen mitmachen, zweitens da sie vor allem über Feiern, Saufen und Sex reden werden und drittens da die Medienprofis auch im Suff ihre wahre Gesinnung werden verstecken können. Den Wunsch zu wissen was bedeutende Leute zu einigen Themen wirklich denken teile ich durchaus, dafür brauch man aber eher einen aggressiven, hartnäckigen und klugen Befrager. In Deutschland gibt es so etwas nicht. Michel Friedman war immerhin aggressiv genug, auch hatte er etwas Ausdauer bei einem Thema zu verweilen, leider liess er Seine Interviewpartner immer wieder entwischen. Auch wenn er einige deutsche Politiker fast zum weinen gebracht hat (was ich begrüße), halte ich ihn für nicht klug genug seine Gesprächspartner zu demontieren und vorzuführen, außerdem ist er mittlerweile durch seine Frauen- und Drogenbenutzung in der Öffentlichkeit so ramponiert, dass ihm Ansehen abgeht, er ist mittlerweile auch recht zahm geworden, soweit ich ihn gesehen habe. Gute Ansätze gibt es auch bei Frank Plasberg (hart aber fair) und Claus Strunz, aber erstens sind sie in kritischen Augenblicjen zu freundlich, zweitens verfolgen sie Themen, bei denen sie ihren Interviewpartner drankriegen können nicht hartnäckig genug und häufig sind sie nicht gut genug vorbereitet, um die Argumentation ihres Gesprächspartners zu widerlegen; Vielleicht liegt es auch am Willen.

  12. neben der Angst vor sensationell aufregender Unterhaltung bestehen auch Bedenken gegen Alkoholpopulismus – denn die Droge Alkohol ist zwar einerseits gesellschaftlich akzeptiert, aber die Drogenpolitik hört die berechtigten Argumente der Cannabis- Befürworter ungerne, die darlegen, dass Alkohol nachweislich viel gefährlicher ist als Cannabis. Je mehr Akzeptanz gegenüber Alkohol laut wird, umso mehr schreit der Cannabis- Befürworter: wenn dies zunächst auch nur leise geschieht.
    Die Sender sind da durchaus Politik-Konform.

    So wird der nächste Schritt nach dem Rauchverbot sicherlich das Trinkverbot an öffentlichen Plätzen sein.

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