Der Sandalenfilm im 21. Jahrhundert


Rafah – Getrieben von Hunger und Verzweiflung haben Hunderttausende Palästinenser die Grenze vom Gaza-Streifen zu Ägypten gestürmt. Nach Uno-Angaben handelte es sich um 350.000 Menschen, Palästinenser sprachen gar von einer halben Million. Zuvor hatten in der Nacht militante Gruppen aus Protest gegen die Abriegelung des Gebiets durch Israel große Breschen in den Metallzaun gesprengt. Viele Menschen kauften dann in der Grenzstadt Rafah Lebensmittel und andere dringend benötigte Güter, die durch die israelische Blockade knapp geworden waren.

Da dürfte der nächste Oscar für den besten ausländischen Film zweifellos an Pallywood Productions gehen, denn 350.000 Komparsen, die sogar als Laiendarsteller die Rolle der unschuldig hungernden Heloten zumindest für die führenden westlichen Massenmedien offenbar ausreichend glaubwürdig verkörpern, lassen selbst Monumentalklassiker wie „Ben Hur“ mit seinen 50.000 Statisten im wahrsten Sinne des Wortes alt aussehen.

Vor allem die revolutionäre Methode die Gagen zu drücken dürfte Filmgeschichte schreiben. Statt den Schauspielern Geld für die Mitwirkung zu zahlen, nimmt man ihnen einfach welches weg, und wenn sie ob der daraus resultierenden Reallohnsenkung ungehalten werden, sprengt man ihnen mit einem Bruchteil des gesparten Betrags den Weg zum Filmstudio frei, wo man dann nur noch die Kameras mitlaufen lassen muß.

Das sieht nicht nur spektakulärer aus als der Aufbau einer funktionierenden Wirtschaft, wo man sich um langweilige Themen wie Stadtverwaltung, Gewerbeansiedlung und Müllabfuhr kümmern muß, sondern kommt zudem noch deutlich billiger, was dem Regisseur Ismael Hania genügend finanziellen Spielraum für seine privaten Hobbies läßt, wie beipielsweise das Ermorden von Zivilisten und das Zerstören von Nachbarstaaten.

Doch es ermöglicht auch dem ins Stocken geratenen Nahost-Friedenspozeß neue Perspektiven. Denn wenn für die geplante Fortsetzung des Blockbusters „Running from Palestine“ gleich alle Hamas-Anhänger auf einmal nach Ägypten stürmen, machen jene Palästinenser, die in Frieden leben wollen, einfach die Grenze zu und können dann von radikalen Spinnern ungestört endlich anfangen, ihren Staat mal ernsthaft aufzubauen.

~ von Paul13 - Mittwoch, 23. Januar 2008.

14 Antworten to “Der Sandalenfilm im 21. Jahrhundert”

  1. Interessant ist auch, dass es als selbstverständlich angenommen wird, dass die Palästinenser aus Protest gegen die israelische Abriegelung Löcher in ägyptische Sperranlagen sprengen.

    Erinnert mich stark an: „Wir fragen unseren Nahostexperten in Kairo zur Lage im Irak.“

  2. Bei der „Welt“ findet sich übrigens ein objektiverer Artikel dazu:

    http://www.welt.de/politik/article1586904/Neues_Kraeftemessen_zwischen_Hamas_und_Israel.html

  3. Unser feist im fetten Wohlstand lebender deutscher Neocon zeigt mal wieder seinen distinguierten Humor, wie?

  4. @ jolly rogers

    Na, wenn jemand für diese Art Humor Verständnis haben sollte, dan ja wohl Du. ;-)

  5. @ Paul,

    Unserer Brot – statt – Böller – Fraktion auch noch Humor zu unterstellen… Datt jeht ja nun wirklich nich. Die nehmen doch auch ihren Kindern die Holzgewehre und Plastikpistolen weg und tauschen dafür Maschinenpistolen ein, damit die Kleinguerilla was zum Spielen hat.

  6. @Paul
    Treffend – in beiden Beziehungen ;-)

    @SP
    Du kennst das doch: Wer ist schuld?

    @ali
    Zur Not wird bei denen auch mal ein spezieller Gürtel uumgeschnallt …

  7. Kommt Freunde, wenn das nicht Oscarverdaechtig ist dann weis ich auch nicht weiter.
    Am schoensten finde ich aber, das selbst wenn die Aegypter die Grenze zu lassen und diese dann von den „Bruedern“ in Palestina Pressegerecht gesprengt werden, die Isrelis schuld sind.
    Sowas nenne ich grosses Kino.

  8. Schöner Beitrag! Sehr gut!

  9. Na immerhin, jetzt haben die Ägypter die Verantwortung für die Palästinenser und aus Jordanien und dem Libanon weiß man, dass die Araber gegen palästinensische Extremisten weniger zimperlich vorgehen als die Israelis.

  10. @ lebowski

    Das ist tatsächlich gut, denn jetzt können die Israelis die Grenze mal wirklich zu machen. Die arabischen Brüder haben’s jetzt ja voll im Griff. Glühbirnen brennen auch mit ägyptischem Strom. Und die EU kann ihre Hilfslieferungen auch von Süden schicken, damit von da nicht nur geschmuggelte Waffen reinkommen.

  11. @ lebowski / Paul

    „Na immerhin, jetzt haben die Ägypter die Verantwortung für die Palästinenser“

    Glaubt ihr im Ernst, dass sich die Ägypter diesen Bonbon an die Backe kleben lassen? Warum sollten sie? Sie haben einer „humanitären Regung“ nachgegeben. Sie können leider jetzt und in Zukunft den Waffenschmuggel nicht unterbinden. Aber ansonsten werden sie einen Scheißdreck tun – wie bisher.

  12. @Paul13
    Soweit ich weiß, hat Barak das schon angekündigt.
    Aber wer weiß, was draus wird, denn schließlich „will man Abbas ja nicht schwächen“.

    „Abbas nicht schwächen“: meine liebste Redewendung übrigens. Abbas muss inzwischen so schwach sein, dass jede weitere kleine Schwächung zum unmittelbaren Tod führt, da nützt es auch nicht, dass der Mann auf der Intensivstation liegt und künstlich mit Geldtransfusionen in Höhe von 5,5, Milliarden € am Leben gehalten wird. .

  13. besonders schön die formulierung, die palis würden in ägypten“lebensmittel und andere dringend benötigte güter“ erstehen, die so oder so ähnlich wiederholt vorkam….
    andere dringend benötigte güter….
    ak47/74s, sprengstoff, jungfraun, munition, ziegen…..

  14. Wie ich gesagt habe – die Ägypter haben den Spaß an ihren neuen „Adoptivkindern“ schon verloren. War zu erwarten.
    http://www.tagesschau.de/ausland/israel54.html

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