Neue Täter braucht das Land


„Fiasko“ und „ökonomisch unsinnig“: Das Institut der Deutschen Wirtschaft fährt schwere Geschütze in der Diskussion um Mindestlöhne auf. Die drastische Warnung: Das Vorhaben gefährdet bis zu vier Millionen Arbeitsplätze – vor allem für Geringqualifizierte.

Und damit das auch diejenigen verstehen, die sich für irgendwie sozial halten und in der derzeitigen Diskussion um Jugendkriminalität unberechtigterweise so tun, als ob sie angeblich begriffen hätten, daß man zur Bekämpfung der Ursachen vor allem rechtzeitig etwas gegen die wirtschaftliche Perspektivlosigkeit der Täter machen muß:

Der Mindestlohn ist nichts anderes als ein klares Signal an jene Jugendlichen, die so blöd sind zu versuchen, irgendwie wenigstens einen Hauptschulabschluß oder einen simplen Aushilfsjob zu kriegen, daß sie es besser bleiben lassen und sich gleich auf die Kleinkriminalität verlegen, weil für sie in der legalen Wirtschaft eh kein Platz sein wird.

Dies nur für den Fall, daß irgendeiner der Mindestlohnbefürworter jemals wieder zu lamentieren wagen sollte, daß zu wenig für die Prävention getan und statt dessen immer nur auf Repression gesetzt wird. Denn wer erstere sabotiert, darf sich hinterher nicht beschweren, wenn dann mit letzterer die Scherben aufgekehrt werden müssen.

~ von Paul13 - Sonntag, 13. Januar 2008.

24 Antworten to “Neue Täter braucht das Land”

  1. Ich würde Dir ja sogar recht geben. Aber Kleinkriminalität ist in jedem Fall lukrativer als eine Beschäftigung als Geringqualifizierter, ob mit oder ohne Mindestlohn.
    Hartz 4 Geld mit dem Geld aus Schwarzarbeit und kleinkriminellen Aktivitäten zu ergänzen, das rechnet sich.

  2. @ alle

    Also jetzt reichts. In diesem Land bin ich ja mittlerweile einiges an asozialem Geschwätz gewöhnt. Aber genug ist genug.
    Deshalb: keine weiteren Kommentare auf diesem Blog.

    Anton

  3. @ lebowski

    Das stimmt nicht. Niemand riskiert ohne Not seine bürgerliche Existenz und raubt mal eben eine Bank aus, nur weil er damit mehr Geld verdienen kann als mit ehrlicher Arbeit. Wenn man also dafür sorgt, daß die Leute auch von schlechtbezahlter Arbeit leben können, ist das eine so gute wie effiziente Methode der Verbrechensprävention.

    Nur geht das eben nicht mit dafür untauglichen oder gar kontraproduktiven Instrumenten wie dem Mindestlohn. Mit Lohnsubventonen ließe sich dasselbe Ziel erreichen, aber ohne die damit verbundenen fatalen Nebenwirkungen auf den Arbeitsmarkt.

  4. @ Anton

    Also einen etwas besseren Vorwand dafür, daß Dir die Argumente ausgehen, hätte ich schon von Dir erwartet. Aber gut, jeder wie er mag. Viel Spaß dann noch beim gegenseitigen Schulterklopfen im PDSEDieLinke-Forum.

  5. Das sehe ich anders. Momentan bleibt nur die Wahl zwischen zwei schlechten Möglichkeiten. Mindestlohn bedeutet, dass die Arbeitsplatzbesitzer eine bescheidene Untergrenze (7,50 Euro die Stunde brutto) nicht unterschreiten. Das ist gut. Schlecht dabei ist, dass viele Arbeitsplätze deswegen gestrichen oder gar nicht neu geschaffen werden. Demnach müssen mehr Leute von Hartz IV und mit sozialer Ausgrenzung leben.

    Die andere Möglichkeit, Lohnsubventionen, subventioniert Unternehmen, die ihre Arbeitnehmer zynisch auf das „Sozi“ verweisen, anstatt ihnen einen anständigen Minimallohn zu zahlen. Bestraft wertden die Unternehmen, die in ihren Budgetansatz keinen derart zynischen Posten aufnehmen.

    Die gessamtgesellschaftlichen Kosten sind unter dem Strich vermutlich annähernd gleich. Es gibt das Mantra, wonach es aufgrund der Globalisierung niemals mehr wieder Vollbesch#ftigung geben kann. Allerdings frage ich mich , warum Schweiz Dänemark Norwegen und Österreich alle einen gut florierenden Arbeitsmarkt haben, nur eines dieser Länder genießt Erdöltreichtum, was machen diese Länder anders/besser als Deutschland?

  6. @ Silver Surfer

    Die Lohnsubventionen sollen ja nicht nur solche, sondern ALLE Unternehmen subventionieren. Es geht ja gerade darum, daß keiner mehr einen Nachteil davon hat, wenn er Arbeitsplätze für Niedrigqualifizierte schafft. Ist doch besser, man bezahlt die Leute für’s Arbeiten und der Arbeitgeber legt noch was drauf, als daß nur der Staat seinen Teil bezahlt, aber dann am Ende vielleicht für’s Verprügeln von Mitmenschen statt das Erwirtschaften von zusätzlichem Bruttosozialprodukt.

  7. Arbeitsplätze, bei denen man so wenig verdient, dass man zusätzlich noch zum Sozialamt geht (also Ausgrenzung nicht vermeidet, aber dabei zusätzlich buckelt), haben meiner Meinung nach einen eher bescheiden mäßigenden Einfluss auf die Kriminalitätsraten…

  8. Vor ca. 15 Jahren hat die Gewerkschaft für Auszubildende im 3. Lehrjahr auf dem Bau die höchsten Ausbildungsvergütungen für alle Branchen mit dem Argument ausgehandelt, die Bauberufe attraktiver zu machen. Heute kannst du die Auszubildenden auf dem Bau an fünf Fingern abzählen.

    Die Ironie an der Geschichte liegt darin, dass dieselbe Gewerkschaft als Begünstigte der Allgemeinverbindlichkeitsregelung, Entsenderichtlinien und Mindestlohntarifverträge gemeinsam mit den dazugehörigen Arbeitgeberverbänden an vorderster Front im Kampf um den staatlich festgelegten Mindestlohn stehen. Manche merken es nie!

  9. @ hilkman

    Das ist ja der Witz daran, man verdient eben nicht so wenig. Wenn der Staat beispielsweise auf jede Arbeitsstunde die 5 Euro drauflegt, die er bei Hartz IV für’s Nichtstun eh zahlen müßte, liegt man selbst bei einem Hungerlohn von nur 3 Euro schon über dem Mindestlohn, der derzeit im Gespräch ist.

  10. Man sollte aber nicht vergessen, dass diese Kombilöhne nur dort funktionieren, wo es auch einen Mindestlohn gibt. Ansonsten zahlt nämlich der Staat am Ende das Gehalt und das ist nun wirklich nicht im Sinne des Erfinders.

  11. @ Der_SP

    Doch, das ist ja gerade der große Vorteil! Dann werden Jobs für die Arbeitgeber nämlich so superbillig, daß Du gar nicht genug Leute findest, die alle die potentiell verfügbaren Aufgaben erledigen können, und von dem daraus profitierenden Arbeitskräftemangel profitieren dann letzten Endes auch die Arbeitnehmer sowie die Gesamtwirtschaft.

  12. @Paul13

    Superbillig ist gut, eher kann man sagen, dass die Arbeitgeber garnichts mehr zahlen. Die wären ja schön blöd, wenn sie noch was zahlen würden, wenn der Staat sowieso zu einem gewissen Betrag hin aufstockt.

    Und dann würde ich mal gerne wissen, wie das finanziert werden soll. Kostenlose Arbeitskräfte würden nämlich tatsächlich viele eingestellt. Die wären dann aber für den Steuerzahler eine größere Belastung, als diesen Leuten Hartz IV zu geben.

    Versteh mich nicht falsch, ich bin auch im Allgemeinen gegen Mindestlöhne.
    Aber so sehr ich Menschen, die eine Arbeit wollen auch eine gönne – die sollte dann (in der Hauptsache) vom Arbeitgeber bezahlt werden und nicht vom Steuerzahler.

  13. @Paul
    Manchmal kann man die Dummheit einfach messen. Die SPD erhält mit ihrem Mindestlohn-Wahlkampf in Hessen ebensoviele NPD-Punkte wie die CDU. Und das scheint mir eine verlässliche Skala für dumpfen Populismus.

  14. @ Der_SP

    Ganz genau, sie würden versuchen gar nichts zu zahlen. Ein anderes Kapitalistenschwein sagt sich aber ebenfalls, daß sich mit billigen Arbeitskräften eine goldene Nase verdienen läßt. Also wird es so lange, wie es einen Mangel an entsprechenden Arbeitskräften gibt, etwas mehr zahlen, und zwar so viel mehr, bis sich das nicht mehr rechnet. Da die Arbeitnehmer kaum so blöd sein werden, zu dem Arbeitgeber zu gehen, der ihnen weniger zahlt, regelt sich das System so von selbst.

    Was die Finanzierung angeht, so zahlt der Staat jetzt auch nicht weniger. Nur finanziert er davon heute Arbeitslosigkeit statt Arbeitsplätze.

  15. @Paul13

    Ich ging davon aus, dass bei Kombilöhnen die Zulage des Staates flexibel ist, also das Gehalt des Arbeiters nur auf einen gewissen Betrag aufgestockt wird. Also hätte der Arbeitgeber nur Nachteile, wenn er mehr bezahlt, da der Arbeitnehmer ja nicht mehr kriegt.

    Aber selbst bei einer fixen Zulage stelle ich mir folgendes Szenario vor:

    Ich mache mich selbstständig und stelle haufenweise Arbeitslose ein, denen ich aber nichts zahle (der Staat übernimmt das ja). Dann biete ich den Menschen in meiner Straße/meinem Stadtteil/meiner Stadt an, ihnen die Straße zu kehren.

    Das Startkapital für die Besen kann ich noch selbst aufbringen, ansonsten habe ich fast keine Ausgaben und kann je nach Größe meiner „Putztruppe“ recht gut verdienen.

    Die Situation, dass meine Arbeitnehmer lieber wo anders arbeiten, tritt hauptsächlich aus zwei Gründen erstmals nicht auf:

    1. Wird es nicht schlagartig 4 Millionen solcher Arbeitsplätze geben, es werden also immer genug Arbeitslose für mich übrig bleiben.

    2. Werden meine Arbeiter so eingeteilt, dass sie in ihrer Straße/ihrem Stadtteil kehren können. Sie leben quasi direkt am Arbeitsplatz, besser kann man es ja nicht haben.

    Vor Konkurrenz fürchte ich mich nicht. Fürs Kehren braucht man keine Ausbildung und selbst Erfahrung spielt da keine große Rolle. Sollte mir also tatsächlich jemand meine Arbeiter abwerben, sind diese leicht zu ersetzen (siehe 1.).
    Außerdem kann das nur durch ein höheres Gehalt geschehen (siehe 2.), dann kann ich aber meinen Konkurrenten preislich ausbooten, da ich meinen Arbeitern keinen Pfennig extra zahle und somit dem Kunden das beste Angebot machen kann.

    Um das ganze noch auf die Spitze zu treiben übernehme ich auch Aufträge der Kommune, lass also auch öffentliche Plätze, Spielplätze, usw. reinigen.
    Dann bezahlt mich die Kommune mit Steuergeldern für Arbeit, die ich von mit Steuergeldern bezahlten Arbeitern verrichten lasse.

    Das mag jetzt natürlich ein Extrem sein und vielleicht habe ich einfach zu wenig Ahnung in wirtschaftlichen Dingen.
    Aber ich lasse mich gerne von den Vorzügen eines Kombilohns ohne Mindestlohn überzeugen :)

  16. @ Der_SP

    Das Problem ist, daß ich das Geschäft selber machen will. Also zahle ich den Arbeitern mehr als Du. :-)

  17. @Paul13

    Ja aber wo bekommst du dann deine Aufträge her? Du kannst ja nicht weniger als ich für die Arbeit verlangen (dass deine Leute die Straße besser kehren als meine ist aufgrund der Voraussetzungen dafür ja eher unwahrscheinlich).
    Es ist ja nicht nur eine Frage, wo die Arbeiter arbeiten wollen, sondern wo es die Arbeit auch gibt.

    Bestimmt gibt es auch Bereiche, wo du Recht hast. Da mir aber kein einziges einfällt, gehe ich mal davon aus, dass die anderen überwiegen ;)

    Aber wie gesagt: Ich bin immer bereit, dazuzulernen :)

  18. @ Der_SP

    Also ich denke es gibt genug zu tun. Und zwar überall. Und je mehr die Menschen verdienen, desto eher lohnt es sich für sie, jemanden einzustellen, der ihnen Arbeit abnimmt.

  19. @Paul
    Deine Idee, dass die Arbeitgeber beim Gehalt andere überbieten müssten, klappt aber nur bei Vollbeschäftigung, solange es eine beträchtliche Zahl Arbeitsloser gibt sind die Arbeitgeber in der besseren Verhandlungsposition und könnten entsprechend wenig zahlen. Das Problem, wie man einerseits Arbeitslosigkeit bekämpft und andererseits die Einkommen nicht beliebig absacken läßt, ist unheimlich kompliziert. Ich sehe aber durchaus andere Ansätze, wo man ohne zusätzliche Ausgaben vom Staat etwas für die Entwicklung der Wirtschaft tun könnte, nämlich Regelungen abschaffen. Zum Beispiel ist soweit ich weiß in jedem Friseursalon ein Meister vorgeschrieben, warum eigentlich? Ähnliches gilt auch für andere Handwerke, solche Einschränkungen tragen dazu bei, dass vieles schwarz gemacht wird manchmal auch von Polen, die keine gelernten Handwerker sind, aber ihr Handwerk trotzdem verstehen.

  20. @Paul
    Eine Idee des Mindestlohnes ist doch, dass sich Arbeit lohnen sollte, dass also der Arbeitnehmer erheblich mehr Geld in der Tasche haben sollte als der Arbeitslose. Will man aber auf eine ausreichende (was immer das genau bedeutet) Sozialhilfe nicht verzichten, müssen auch diegeringqualifizierten Arbeitnehmer schon ordentlich verdienen, damit es sich für sie lohnt zu arbeiten. Wenn also der Staat die kleinsten Einkommen aufstockte müßte er schon einiges an Geld aufbringen, man muss schon mal nachrechnen ob man so etwas finanzieren kann.

  21. @ Schmock

    Ich behaupte mal, daß es Vollbeschäftigung gäbe, wenn es bezahlbar wäre. Niemand von Spitzenverdienern abgesehen kann es sich aber leisten, den Rasen für 30 Euro die Stunde mähen zu lassen. Bei 3 Euro rechnet sich das aber schon für weit mehr Leute.

    Das sich Arbeit lohnen soll, ist auch der Grund, warum ich der Idee des bedingungslosen Grundeinkommens, die mir eigentlich sympathischer wäre, skeptisch gegenüberstehe, und das ganze dann als Lohnsubvention für realistischer halte. Das sollte aber funktionieren.

    Was die Finanzierung angeht, so wurde das mal für das Althaus-Modell, was zwar noch nicht perfekt ist, aber in die richtige Richtung geht, durchgerechnet. Und da kam man zum Ergebnis, daß es den Staat sogar deutlich billiger kommt.

  22. Mannmannmann, NBFS, das ist ja unter aller Kanone, hier erstens Blödheit an Hauptschulabschluss zu koppeln und dann noch einen auf dicke Hose in Bezug auf Ökonomieverständnis zu machen.
    In meiner Grundschule gab es für hochintelligente Kinder mit türkischen Eltern Emfehlungen für die Sonderschule, weil die Grundschule es nicht gebacken bekam, denen etwas Deutsch beizubringen.Ich kenne zwei sehr nette und durchaus intelligente Menschen, die in der 9. Klasse Gymnasium 2x durchfielen, weil sie vom sexistischen, 5-fach-strafversetzten Lehrer 2 mal hintereinander eine 6 erhielten – also keinen Hauptschulabschluss bekamen. Hätten sie nicht in gutsituierten Haushalten gewohnt, wäre es ihnen nicht so ohne weiteres möglich gewesen, den Hauptschulabschluss nachzuholen.
    Am Mindestlohn ist der staatsaffirmative Paternalismus zu kritisieren, der generell Menschen aus der Organisationslust treibt. Nicht dass ein angemessener Lohn irgendwelche Menschen arbeitslos machen würde. Denn das tut er immer. Arbeitslosigkeit ist bei Überproduktion nicht zu vermeiden.

  23. @ vorbewusstes

    Wer redet hier von Blödheit? Hier geht’s um Bildung, und daß das dreigliedrige Schulsystem da gerade bei jenen versagt, die in die Hauptschule abgeschoben werden, ist ja wohl schwerlich zu bestreiten.

    Was den Mindestlohn angeht, bei Überproduktion hast Du zwar recht, aber es geht hier nicht um Industriearbeitsplätze, sondern um Dienstleistungen, und da herrscht Arbeitskräftemangel, und zwar je mehr, je billiger das ganze wird.

    Da man davon aber nicht leben kann, sind eben Lohnsubventionen oder ein vergleichbares System notwendig, sonst wäre das ja asozial. Und da wir das Geld eh schon raushauen, können wir das auch gleich sinnvoll tun.

  24. Mindestlöhne sind nur dann sinnvoll wenn es in Deutschland so gut wie keine Arbeitslose mehr gibt. Solange sich Millionen nur mit Aushilfsjobs und Minijobs über Wasser halten, werden auch Mindestlöhne den Karren nicht aus dem Dreck ziehen.

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