Vorsicht ist die Mutter der Auslandsberichterstattung


Nachdem der Bericht der US-Geheimdienste von Israelis, Briten und selbst der IAEA als zu gutgläubig zerissen wurde, will offenbar auch der SPIEGEL nicht länger nur auf ein Pferd setzen. Triumphierte er noch in seiner aktuellen Printausgabe mit wagemutigen Interpretationen, die bloße Vermutungen als in Stein gemeißelte Wahrheiten präsentierten, erinnert er sich plötzlich daran, daß es nicht die jetzt auf einmal so unfehlbaren CIA-Agenten waren, die das iranische Atomprogramm überhaupt erst ans Tageslicht gezerrt haben:

Eine Woche nachdem US-Geheimdienste Iran den Stopp seines Nuklearwaffenprogramms bescheinigt haben, tauchen Spekulationen über eine geheime Neuauflage auf: Eine iranische Oppositionsgruppe will Informationen darüber haben, dass internationale Inspektoren hinters Licht geführt wurden.

New York – In Wahrheit soll alles nur ein großes Ablenkungsmanöver sein: Die iranische Regierung hat nach Darstellung einer Oppositionsgruppe ihr 2003 eingefrorenes Atomwaffenprogramm bereits ein Jahr später wieder aufgenommen. Ein Vertreter des Nationalen Widerstandsrats in Iran (NCRI) sagte dem „Wall Street Journal“, dass das militärische Programm zur Urananreicherung zwar eingestellt, aber kurze Zeit später reaktiviert wurde. Iran habe die Pause dafür genutzt, die Ausrüstung für das Programm auf verschiedene Teile des Landes zu verteilen, um ausländische Inspektoren zu täuschen.

Und erfahrungsgemäß hat der SPIEGEL ein ganz gutes Näschen, wann es Zeit ist, die Seiten zu wechseln…

~ von Paul13 - Dienstag, 11. Dezember 2007.

5 Antworten to “Vorsicht ist die Mutter der Auslandsberichterstattung”

  1. @ Paul

    Also der Print-SPIEGEL, akt. Ausg., „Das Beben von Washington“, S. 112 ff., ist sich ja – no surprise – seiner Sache sehr sicher: „Für die Scharfmacher unter den Republikanern ist durch den Geheimdienstbericht eine ganze Welt zusammengebrochen, dementsprechend basteln sie schon an Dolchstoßlegenden. In der Sache angreifbar ist der Bericht offensichlich nicht… „Die Beleglage muss hervorragend sein“ meint CIA-Experte Riedel: „Sonst würden sich nicht alle 16 Dienste so festlegen.““

    Ich finde bemerkenswert, dass auch die vier Nachrichtendienste der US-Teilstreitkräfte sowie die Defense Intelligence Agency als Dachorganisation der Militärgeheimdienste sich der NIE-Einschätzung angeschlossen haben. Auslaender meinte kürzlich, dass die ihre eigene Aufklärung unterhalten und betreiben würden.

  2. @ Chewey

    In den tieferen Ebenen der CIA oder auch bei ex-Mitarbeitern gibt es da aber offenbar durchaus Widerspruch. Und dann wären da noch neben den Israelis die Briten, Franzosen und sogar die IAEA, die das ganz anders sehen. Wie Christopher Hitchens sagt: Das riecht bedenklich nach Meuterei und Verrat. und ist auf jeden Fall zu wenig, um Entwarnung zu geben.

  3. @ Chewey
    Der Bericht ist eine Mehrheitsentscheidung, ist bei solchen Dokumenten nun malso. Da fliessen dann bis zu einem bestimmten Punkt auch abweichende Meinungen ein. Wenn allerdings die Mehrheit sagt das wird so und so geschrieben dann ist die Minderheit am Arsch und es finden offene Gegensaetzliche Positionen eigentlich im Protokoll wieder.
    Nicht umsonst ist der Bericht in einigen Punkten mehr als schwammig. In vielen Dingen greifen die Dienste der Forces aber auch auf Quellen von CIA und NSA zurueck werden dann aber selbststaendig interpretiert.
    Das Summary, auf das sich eigentlich fast alle berufen ist in der Sache wenig Hilfreich wenn man nicht alles gelesen hat. Da abweichende Meinung sich sehr wohl vorsichtig aber auf dercKonsensebende, darin finden.

  4. @ Auslaender

    In Details mag es Divergenzen geben. Aber wenn es eine grundsätzlich andere Auffassung geben würde, sprich: es gibt doch Hinweise auf ein iranisches Atomwaffenprogramm nach 2003 oder eine früherer Anreicherungstermin, dann würde ich doch erwarten, dass die abweichenden Dienste das entweder im Bericht klar herausstellen oder einen eigenen abgeben. Dafür ist die Sache denn doch zu heikel. Aber ich verstehe zu wenig von der Führungsstruktur der US-Geheimdienste, um das beurteilen zu können.

  5. @ Chewey

    Wenn man sich so anschaut, auf was für Quellen die sich offenbar berufen, dann kann es aber auch durchaus sein, daß einige tatsächlich guten Glaubens davon ausgehen, daß es so ist. Das heit, es gibt im wesentlichen drei Gruppen:

    Die, die Bush ans Bein pinkeln und sich für seinen Nachfolger empfehlen wollen. Dann die, die verhindern wollen, für einen Krieg haftbar gemacht zu werden. Und zu guter letzt dann die, die den Iranern schlicht und einfach auf den Leim gegangen sind.

    Packt man die alle zusammen, sollte sich die von Auslaender angesprochene Mehrheit für den Abschlußbericht leicht auftreiben lassen.

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