Hohoho!


Nach dem Bericht der US-Geheimdienste zum iranischen Atomwaffenprogramm hatte ja zunächst die Appeasement-Fraktion in den Medien tüchtig Oberwasser bekommen, aber allmählich beginnt der Backlash. Pünktlich zu Nikolaus hat sich Santa John der Autoren angenommen. Und er hat die Rute mitgebracht:

In fact, there is little substantive difference between the conclusions of the 2005 NIE on Iran’s nuclear capabilities and the 2007 NIE. Moreover, the distinction between „military“ and „civilian“ programs is highly artificial, since the enrichment of uranium, which all agree Iran is continuing, is critical to civilian and military uses.

Neben einer um 180° gedrehten Interpretation ähnlicher Fakten drücken sich die Verantwortlichen vor der simplen Erkenntnis, daß die Mullahs so kurz nach dem Sturz Saddams schlicht und einfach Angst hatten, den Amerikanern einen Vorwand für den Regime Change zu liefern:

[…] It implies that Iran is susceptible to diplomatic persuasion and pressure, yet the only event in 2003 that might have affected Iran was our invasion of Iraq and the overthrow of Saddam Hussein, not exactly a diplomatic pas de deux.

Auch scheinen einige in der „intelligence community“ dann doch nicht intelligent genug zu sein, um in Betracht zu ziehen, daß man auch im Iran vielleicht etwas mehr von Geheimdienstspielchen verstehen könnte als die Bösewichter in schlechten Agentenfilmen:

[…] We have lost many fruitful sources inside Iraq in recent years because of increased security and intelligence tradecraft by Iran. The sudden appearance of new sources should be taken with more than a little skepticism. In a background briefing, intelligence officials said they had concluded it was „possible“ but not „likely“ that the new information they were relying on was deception. These are hardly hard scientific conclusions.

Damit nicht genug, ist es schon soweit, daß selbst die wahrlich nicht der Scharfmacherei gegenüber dem Iran verdächtige IAEA allmählich beginnt, sich ob der schon unheimlichen Gutgläubigkeit der amerikanischen Möchtegern-James-Bonds Sorgen zu machen:

One contrary opinion came from — of all places — an unnamed International Atomic Energy Agency official, quoted in the New York Times, saying that „we are more skeptical. We don’t buy the American analysis 100 percent. We are not that generous with Iran.“ When the IAEA is tougher than our analysts, you can bet the farm that someone is pursuing a policy agenda.

Vor allem aber sollte nicht vergessen werden, daß nicht nur Profis am NIE mitgewirkt haben, sondern auch eine ganze Menge Bürokraten von der anderen Seite der Barrikade, die kaum ein Interesse daran haben dürften, ihren einstigen Arbeitgeber allzu dumm aussehen zu lassen:

[…] many involved in drafting and approving the NIE were not intelligence professionals but refugees from the State Department, brought into the new central bureaucracy of the director of national intelligence. These officials had relatively benign views of Iran’s nuclear intentions five and six years ago; now they are writing those views as if they were received wisdom from on high. In fact, these are precisely the policy biases they had before, recycled as „intelligence judgments.“

Da haben diejenigen, die in den letzten Tagen so voreilig „Alles halb so schlimm, die Mullahs wollen doch nur spielen!“ gerufen haben, der Öffentlichkeit offenbar noch eine ganze Menge Fragen zu beantworten. Also, liebe Diktatorenversteher, dann laßt mal hören!

~ von Paul13 - Freitag, 7. Dezember 2007.

21 Antworten to “Hohoho!”

  1. Auf DIE ZEIT ist ein Interview mit Dan Schueftan über die „Erkenntnisse“ des Geheimdienstberichts:

    http://www.zeit.de/online/2007/50/interview-israel-iran-shueftan?page=all

    Grüße,
    Tobias

  2. @ Paul

    Wäre es wirklich war, dass ehemalige State Department-Mitarbeiter politische Überzeugungen bzw. gar Vorurteile als harte Fakten verkauft hätten und sich darauf die Conclusions gründen, so wäre das ein Skandal ersten Ranges und Grund für eine Auflösung der Behörden. Denn die Bewertungen gehen bei aller Vagheit doch ziemlich deutlich in eine bestimmte Richtung.
    Schwer zu glauben, dass das den Leitern von 16 Einzelbehörden nicht aufgefallen sein soll, und dass es sogar in ein gemeinsam abgestimmtes Dokument von erheblicher Tragweite eingeflossen sein soll. Im Grunde würde es bedeuten, dass sich die Dienste (und zwar inkl. ihrer Leitungen) im Krieg mit der eigenen Regierung befinden würden.

  3. @ Tobias

    Ja, hab ich auch eben gelesen. Das bestätigt nicht nur Bolton, sondern auch die Theorie, wonach die Amerikaner notfalls schon deswegen etwas tun müssen, weil es sonst die Israelis alleine machen.

  4. @ Chewey

    Also ich hab schon sehr den Eindruck, daß seit dem Irakkrieg da nicht mehr alle an einem Strang ziehen. Die realpolitisch dominierten Institutionen CIA und State Department sind da oft auf Gegenkurs zum neokonservativ beeinflußten DoD und dem Weißen Haus. Liegt auch in der Natur der Sache, denn wo Geheimdienste und Diplomatie im Tagesgeschäft oft unappetitliche Kompromisse mit fragwürdigen Gestalten eingehen (müssen), kann der Präsident mittels des Militärs die politische Landkarte notfalls neu zeichnen.

  5. @ Paul

    Militärs und Präsident MÜSSEN sich aber auf geheimdienstliche Aufklärungen verlassen können. Dabei kann es ruhig trübe Quellen geben, soweit diese als solche gekennzeichnet werden. Und vor Fehlern wird man auch nie gefeit sein. Aber „High Confidence“-Aussagen nach eigener Kaffeesatzleserei zusammenzubasteln, wäre nicht nur im höchsten Maße unprofessionell, sondern grenzt an Meuterei, um nicht zu sagen Hochverrat.

  6. @Chewey
    Was meinst Du denn warum der Laden, allen voran der CIA zu einem Haufen Buerokraten verkommen ist? Clinton sei dank galt bis zu 911 in der CIA nichts falsch machen nichts sagen auf was man mich festnageln kann und befoerdert werden. Bloss keine Human Intelligence, jede Menge Technik und bloss nicht mit boesen Zusammenarbeiten (per Bill beschlossen).
    Im uebrigen unser Hauptproblem nach 911 und mit einer der Gruende fuer den Umbau. Hat aber nicht so funktioniert wie es sollte, dank den Buerokraten auch im State Department die in Scharen in Projektgruppen untergebracht wurden. Das Milliater verlaesst sich prinzipiel nicht auf den Laden sondern arbeitet am liebsten mit seinen eigenen Aufklaerungsergebnissen bzw. bewertet erkenntnise von CIA und NSA selber.

  7. @ Auslaender

    „…nichts falsch machen nichts sagen auf was man mich festnageln kann und befoerdert werden. Bloss keine Human Intelligence, jede Menge Technik und bloss nicht mit boesen Zusammenarbeiten“

    Kann man machen. Aber dann muss man auch sagen: wir wissen es nicht, und nicht: wir nehmen mit hoher Wahrscheinlichkeit an…

    „Das Milliater verlaesst sich prinzipiel nicht auf den Laden sondern arbeitet am liebsten mit seinen eigenen Aufklaerungsergebnissen bzw. bewertet erkenntnise von CIA und NSA selber.“

    Dann wäre ja interessant, was die dazu so sagen. Das wird aber wohl nicht ganz so schnell öffentlich, oder? ;-)

  8. @ Chewey

    Das mit dem darauf verlassen können stimmt zwar, aber andererseits will niemand am Ende der Sündenbock sein. Wie Auslaender schon sagt, keiner will was falsch machen und den Kopf dafür hinhalten, von der Presse geschlachtet zu werden, wenn mal wieder ein Diktator aus den falschen Gründen entsorgt wurde.

  9. @ Paul

    Dann sollten sie sich einen Job als Wahrsager auf der Kirmes suchen. Da können sie nicht ganz so viel Schaden anrichten.

  10. @ Rene

    Wirklich schade Rene. So viele schöne Fragen, auf die Du noch schönere Antworten kriegen könntest, aber alles völlig umsonst, nur weil Du meinst, mit Vorwürfen wie Fäkalsprache um Dich schmeißen zu müssen, ohne das dann belegen zu können. Denk mal drüber nach, ob es das wirklich wert war.

  11. Das ist mir auch nicht so klar, kann man wirklich gut zwischen militärischem und zivilem Atomprogramm trennen? Ich bin ja kein Physiker, aber denke mir, dass man so einiges was man bei dem einen an Gerät und Erkenntnissen produziert auch beim anderen brauchen kann, oder auch umgekehrt. Könnte jemand mit Fachwissen mich da über Grenzen und Gemeinsamkeiten von zivilem und militärischem Atomprogramm aufklären?

  12. @Tobias
    Interessanter Link. Besonders gut finde ich:
    „Und Appeasement ist meiner Meinung nach eine Krankheit.“

  13. @ Schmock

    Letztlich kann man das nicht wirklich, selbst wenn man den rein militärischen Teil auf Eis legt. Die für beide Zwecke verwendbare Urananreicherung ist das komplizierteste daran, und wenn die erst mal läuft und genügend waffenfähiges Material produziert hat, läßt sich der Rest relativ schnell wieder reaktivieren bzw. das nötige Knowhow im Ausland einkaufen. Das geht zwar auch nicht über Nacht, verkürzt aber die Vorwarnzeit, und da es zudem schwerer zu kontrollieren ist, ist das ab einem gewissen Punkt nur noch russisch Roulette.

  14. Ich habe via Liza das hier gefunden: „So erschien zum Beispiel in der Frankfurter Rundschau, einem Blättchen, in dem man sich gerne auch für Frieden und Völkerverständigung mit islamischen Terroristen und Diktatoren einsetzt, ein Artikel, der vermutet, dass systematisch Uran aus dem Kongo in den Iran geschmuggelt wird. Und der amerikanische Blogger Bill Roggio hat einen ausführlichen Artikel über das engagement des Iran im Irak geschrieben.“

  15. @ Rene

    Du hast weder die Fundstelle genannt noch das Zitat, was Du meinst. N.SF.

  16. @ Rene

    Du hast mir da schon nicht gesagt, was die angeblichen Fäkalbegriffe waren. N.SF.

  17. @Auslaender
    Die Geschichte mit den Bürokraten ist bekannt – leider hat das niemanden wirklich interessiert. Bait wurde in andere Richtung verstreut wurden , um abzulenken.

  18. @ Rene

    „Ich hab Dir sogar den Beitrag gesagt: der welche der darüber steht.“

    Jetzt kommen wir der Sache schon näher. Der betreffende Eintrag steht ja hier:

    https://nbfs.wordpress.com/2007/11/28/christoph-schults-doppeltes-spiel/#comment-2338

    Und dies ist sein Inhalt, damit Du ihn Dir noch mal durchlesen kannst:

    „@ Rene

    Du darfst uns gerne mal erklären, warum die Legitimation des nordvietnamesischen GULag-Regimes höher gewesen ein soll. Das wird bestimmt wieder lustig.

    Aber selbst wenn die Täterä der einzige legitime deutsche Staat gewesen sein sollte, wäre dort immer noch die SED an der Macht gewesen und nicht die DKP.

    Mit anderen Worten: Mal wieder eine Totalblamage Deines unfundierten Viertelwissens.

    Aber da Du mir offenbar nicht mal glauben würdest, daß 2+2=4 ist, frag doch mal Anton. Der erklärt Dir das mit den Taliban und dem VietCong sicher gerne.

    Was die angeblichen Klone von S1IG angeht: Letzte Warnung, sonst hast Du wieder eine neue IP-Diskussion am Hals, und zwar inkl. Screenshots.“

    Und jetzt sag dem lieben Onkel bitte, wo Du dort Fäkalsprache vorfindest. Ganz gleich, wie oft ich drübergucke, ich finde die entsprechenden Stellen einfach nicht.

    @ alle

    Sorry, ich wollte ihn ja nicht mehr füttern, aber bei so einer Prachtvorlage kann ich einfach nicht wiederstehen. Nennen wir es Trollabwicklung. ;-)

  19. British spy chiefs have grave doubts that Iran has mothballed its nuclear weapons programme, as a US intelligence report claimed last week, and believe the CIA has been hoodwinked by Teheran.

    weiterlesen hier

    http://www.telegraph.co.uk/news/main.jhtml;jsessionid=DINMZZREPOHAZQFIQMGSFF4AVCBQWIV0?xml=/news/2007/12/09/wiran109.xml

  20. @ Auslaender

    Das ist ja’n Ding! Selbst den Briten wird es mulmig. Langsam bekommt man den Eindruck, daß diese (Fehl)Einschätzung des iranischen Atomprogramms eines Tages im Rückblick als das größte Versagen amerikanischer Geheimdienste überhaupt in die Geschichtsbücher eingehen könnte.

  21. […] an Auslaender für den […]

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