HILFE!!!


Es kommt ja nicht oft vor, aber ich muß zugeben, ich habe den Überblick verloren. Nicht in der großen weiten Welt – die ist mit all den internationalen Verflechtungen da noch vergleichsweise übersichtlich -, aber dafür in meinem eigenen Freundes- und Bekanntenkreis innerhalb der Blogosphäre. In der Diskussion um die Kompatibilität von Antifa und Liberalismus wechseln die Fronten nämlich immer schneller und vor allem in immer aberwitzigeren Konstellationen, so daß ich gar nicht mehr genau weiß, wer da jetzt genau weswegen mit wem gegen wen verbündet ist.

Inzwischen weiß ich nur noch, daß es irgendwie mit den BLOGgies angefangen hat und daß dann Telegehirn und die FDOG mitdiskutiert haben. Danach ist das ganze über Michael Holmes zur Achse rübergeschwappt und nachdem es dort wieder abgepumpt wurde, fallen jetzt diverse liberale und antideutsche Blogger – teilweise sogar innerhalb ihrer gemeinsamen Blogs – übereinander her. Inzwischen ist das ganze sogar bei den Rechtsaußen von eigentümlich frei angekommen, die sich vermutlich sagen, wenn sogar Jolly Rogers drüber lachen kann, dann warum nicht auch wir.

Da der Kanonendonner so laut und der Pulverdampf so dicht ist, und die IN alle Richtungen abgefeuerten Schüsse zudem auch noch AUS allen Richtungen kommen, habe ich den Versuch, auch nur die relevantesten Artikel zum neuesten Kleinbloggersdorfer Bürgerkrieg zu verlinken, aus Zeitgründen (das Wochenende hat nur zwei Tage) als aussichtslos gleich wieder aufgegeben. Trotzdem, so rein aus Interesse, meine Bitte: Kann mir irgendjemand mit einfachen Worten den derzeitigen Frontverlauf erklären, also wer hier warum auf welcher Seite steht?

~ von Paul13 - Sonntag, 2. Dezember 2007.

19 Antworten to “HILFE!!!”

  1. lol

  2. @Paul
    Im Ernst: Ich verstehe die Aufregung diesmal wirklich nicht. Das ist kein zweiter Posener, das ist nur der Holmes der versuchte „den Broder“ zu machen und übersehen hat, dass Provokation irgendwo vor Massenmordphantasienunterstellen endet.

  3. Eigentlich fing das damit an, dass Martin M. bei den BLOGs etwas über Antifas schrieb, das in die Richtung ging, dass diese zwar kritisierenswert, aber notwendig seien, um vor rechtsextremen Übergriffen zu schützen. Unmittelbar davor war das Gedenken an den Tod des Antifaschisten Silvio Meier als „Legendenbildung“ denunziert worden und die Auseinandersetzungen zwischen Neonazis und Antifas auf die Ebene von Schlägereien zwischen Jugendbanden gestellt. Von Martins Äußerungen distanzierte sich ein Teil der Bloggies, die stark auf das Gewaltmonopol des Staates pochten, während Momorulez und ich unsere persönlichen Erfahrungen mit Nazigewalt und Gegenwehr schilderten.Ich schrieb dann auch Einiges über Gewalt gegen Flüchtlinge und Asylbewerber und darüber, dass aus dieser Gruppe weit mehr Personen infolge polizeilicher Maßnahmen getötet wurden als durch rechte Gewalt. Darauf wurde teilweise etwas kantig reagiert; so sprach mir ein Kommentator ab, dass meine geschilderten Erfahrungen mit Polizeiübergiffen und rechtem Terror sich überhaupt zugetragen hätten. Telegehirn kritisierte die Distanzierungen tonangebender Bloggies als Mischung aus Ahnungslosigkeit, Ressentiment und Rechtsaffinität. Daraufhin schrieb Holmes einen hysterischen Sermon über die Gewalttätigkeit und den totalitären Charakter, den die Antifa angeblich hätte (in Hinblick auf die Sekte „autonome Kommunisten“, der er selbst wohl mal angehörte mag das ja zutreffen, aber seine Verallgemeinerung ist uferlos).Dies führte zu einem Sturm der Entrüstung im antideutschen Lager und zur sofortigen Löschung des Beitrags durch die Gutachsler.

  4. @ che2001

    Bis dahin konnte ich auch noch so halbwegs folgen, aber dann tauchten da immer mehr Leute auf, die ich nicht persönlich kenne, aber politisch ungefähr auf einer Linie eingeordnet hätte, und die sich dann an die Gurgel gegangen sind. Und das ist für Außenstehende recht verwirrend.

  5. Ab da bin ich auch außenstehend.

  6. @ Che2001

    Wer weiß, vielleicht ist das ja auch besser so für uns. :-)

  7. ist es.

  8. So sieht es aus, Paul. Ich habe jetzt seit Donnerstag schon die Xte Fassung angefangen und habe auch etwas den Überblick verloren und weiß nicht so recht, wie ich das alles in einem Artikel unterbringen soll, aber, so Bakunin will ;-) , schaffe ich es heute vielleicht den Artikel über die „Antifa-Lobby“ an den Start zu bringen. Ich hätte nicht gedacht, daß es da so viel diskussionsbedarf gibt, und vor allem Hass.

    Dein „Antifa International“ Artikel hat es sehr gut getroffen und man kann dort eine Bruchlinie erkennen. Wer für Interventionen ist, der hat auch keine großen Probleme mit der antifaschistischen Selbstverteidigung, auch wenn diese manchmal eben Angriff bedeutet.

  9. @ Daniel Fallenstein

    ;-)

  10. @ Telegehirn

    Ja, der erstaunliche persönliche Haß ist vielleicht das erschreckendste an der ganzen Sache. Das ganze dürfte wohl als der Kleinbloggersdorfer Jugoslawienkrieg in die Annalen des Cyberspace eingehen.

  11. Da gab es doch mal so so’n Slogan „Deutschland verrecke“. Ich mochte die Leute, die diesen Krampf mal aufgebracht haben eigentlich schon vor dieser Scheißhausparole nicht, aber mit diesem Mist haben sie endgültig bewiesen, dass sie politisch völlig irrelevant sind. Nein-nicht ganz; für die NPD leisten sie als nützliche Idioten beste Dienste. Um so mehr sie das Gewaltmonopol in Frage stellen und die Polizei anpinkeln, spielen sie den Rechtsradikalen in die Hände bzw. ziehen mit denen am gleichen Strang.

    Frei nach Broder, um so länger der Nationalsozialismus her ist, um so stärker wird der Widerstand dagegen. Irgendwann werden sie ihn dann endgültig besiegt haben.

  12. Es handelt sich um eine doppelte Verwirrung (und Verirrung). Auf der „linken“ Seite lassen sich ansonsten von mir hoch geschätzte Blogger wie Telegehirn oder Paul13 zu hanebüchenen Einschätzungen hinreißen. Da erfährt der staunende Leser sinngemäß, dass Politik, Polizei und Justiz tatenlos dem Treiben der Nazis zusähen und man daher Seit‘ an Seit‘ mit den Vermummten vom Schwarzen Block „antifaschistisch“ handgreiflich werden müsse. Dieses ist Blödsinn, wo immer die NPD eine Demo anmeldet, versucht die Kommunalverwaltung zuerst die Demo durch Nichtgenehmigung zu verhindern. Nach der unvermeidlichen Abfuhr vor Gericht wird das rechtlich Zulässige getan, um dem NPD-Demonstrationszug den Wind aus den Segeln zu nehmen: durch Kontrollen bei der Anreise, durch Abdrängen aus der Innenstadt, durch sofortiges Eingreifen beim Tragen verfassungsfeindlicher Abzeichen oder Grölen volksverhetzender Parolen.

    Gleichzeitig organisiert sich eine breite Gegendemonstration unter Einbeziehung maßgeblicher Kräfte, vom Pfarrer über den örtlichen DGB-Vorsitzenden bis hin zur CDU-Bürgermeisterin, die eingehakt gegen die Nazis auf die Straße gehen.

    Leider ist immer wieder festzustellen, dass die palästinensertuchverpackten selbst ernannten „antifaschistischen Kämpfer“ eine Spur der Verwüstung hinterlassen; da werden Fensterscheiben eingeschmissen, Ampeln demoliert, und mit Pflastersteinen wird geworfen.

    Völlig anders verhält es sich mit der ultrarechten Seite der Blogosphäre. Für das Latrinenblog „Fakten und Fiktionen“ und die darum herumschwirrenden Schmeissfliegen beispielsweise ist „Antifa“ ein Schimpfwort, mit dem nicht nur die vermummten Gewalttäter vom Schwarzen Block, sondern tatsächlich jeder belegt wird, der es wagt, der Umwidmung von Nazis in Widerstandskämpfer (Filbinger) zu widersprechen oder gegen die dumpfe „nationalkonservative“ (in Wirklichkeit meistens nazistische) Grundstimmung aufzumucken; hier würde sogar eine Angela Merkel als „Antifa“ niedergebrüllt und mundtot gemacht werden.

  13. @ Silver Surfer

    Also wenn es „national befreite Zonen“ gibt und man mit einem etwas dunkleren Teint nicht mehr ungefährdet in eine Faschokneipe gehen darf, um sich dort ein Bierchen zu bestellen, gibt es ja wohl offenkundig gewisse Sicherheitsmängel.

    Wieso Kritik daran links ist, mußt Du mir erklären. Sonst kriege ich eher den Vorwurf zu hören, ich wäre rechts, wenn ich mehrfach vorbestrafte Gewalttäter bis zum erfolgreichen Abschluß ihrer Therapie aus dem Verkehr gezogen sehen will.

  14. Es geht nicht m Kritik, sondern um die Frage, ob man den rechtsstaatlichen Weg geht, wenn nötig über die mühseligen Umwege von Untätigkeitsklage, Dienstaufsichtsbeschwerde, Einschaltung von Medien — oder a la Faustrecht der Prärie sich mit zwielichtigen Figuren gemein macht mit dem hohen Risiko mehr Schaden als Nutzen anzurichten.

  15. @ Silver Surfer

    Es geht bei Selbstjustiz nicht darum, sie toll zu finden, sondern um zu erklären, wie es soweit kommt. Wer sie verhindern möchte, muß die Uraschen beseitigen, aber auch bis zum Wirken der Dienstaufsichtsbeschwerde konkret erklären können, wie man denn mit dunkler Hautfarbe in einer national befreiten Zone überlebt.

  16. „Selbstjustiz“ — keine gute Idee, das. In deutschen Innenstädten gibt es die sogenannten sozialen Brennpunkte, in denen bestimmte Ausländergruppen das Zepter schwingen. Einem westeuropäisch aussehenden Menschen kann es da schon sehr mulmig werden, selbst am hellichten Tag.

    Noch schlimmer an bestimmten Schulen, an denen Schüler „mit Migrantenhintergrund“, meistens aus muslimischen Kulturkreisen, 80 % und mehr der Schülerschaft sind und es den „altdeutschen“ Schülern schlecht ergeht (Schutzgelderpressung, Prügel). Die Polizei ist oft keine Hilfe.

    Sollte da etwa „Selbstjustiz“ gerechtfertigt sein? Doch wohl hoffentlich nicht.

  17. @ Silver Surfer

    Sie ist genauso wenig gerechtfertigt. Wird aber genauso die Folge sein, wenn der Staat nichts unternimmt. Deswegen muß er da dringend gegensteuern. Und zwar ganz unabhängig davon, welcher Nationalität oder Religion die Täter oder die Opfer sind.

  18. Mal etwas differenzierter, dass ich die Leute nicht mag, die seinerzeit „Deutschland verrecke“ posaunten und sich dieses Motto überall hinstickten, sagte ich schon. Ich mag aber auch die Leute nicht, die vom DM-Imperialismus schwadronierten während in Rostock und Hoyerswerder die Wohnungen von Asylbewerbern brannten. Ich mag sie einfach nicht, die Intellektuellen, die ständig bestritten haben und heute noch bestreiten, dass in der Täterä gezielt zur faschistoiden Xenophobie und zum Hass auf alles Westliche erzogen wurde. Ich mag auch die nicht, die heute den westlichen Teil der Bundesrepublik als Hort des Sozialarbeiterwesens darstellen, an dem der latent rechtsradikale deutsche Jugendliche genesen soll.

    Ich denke, die Bekämpfung des Rechts- wie des Linksradikalismus ist Aufgabe der Polizei! (Und wenn sie wie manche Hunde erst zur Jagd getragen werden müssen – trägt man sie eben).

    Wenn man nach einem Kriiterium für rechts und links in Deutschland sucht, bietet sich Folgendes an:
    Die Rechten in Deutschland sind sauer, weil vom Nationalsozialismus befreit worden sind. Die Linken sind auch sauer, weil sie sich gern selber vom Faschismus befreit hätten, es aber bis heute nicht geschafft haben. Unter anderen deswegen, weil sie zwar 1945 für einen kurzen Moment zwar wussten was Faschismus war dann aber durch diverse Theoretiker etwas die Orientierung verloren. (So z.B. ein jugendlicher J. Fischer u.v.m., die die faschistische Fratze der Bundesrepublik enthüllen wollten bzw. die imperialistische BRD zusammen mit den Genossen der STASI bekämpften.

    Übrigens, dem Fischer glaube ich sogar seinen Wandel, anderen „Antikapitalisten“ nicht.

  19. OMG, ihr seit ja alle >tsyschos<!

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