Antifa International


Nachdem sich bald fast jeder in der Antifa-Diskussion zu Wort gemeldet hat, will ich mich auch nicht vor einer Stellungnahme drücken. Also: Ich bin ein Mann des Friedens und hasse die Gewalt und habe damit nur begrenzt Verständnis für martialisches Macho-Getue. Zudem halte ich die Lösung gewaltsamer Konflikte für eine Aufgabe der dafür zuständigen Institutionen und nicht der kraft eigener Arroganz zusammengestellten Gesinnungskommitees.

Aber – und hier kommt ein dickes aber! – wenn sich besagte zuständige Institutionen als unfähig und unwillig erweisen, ihrer Aufgabe nachzukommen oder am Ende gar mit den bösen Jungs sympathisieren, und somit niemand mehr da ist, der einen schützen kann, dann ist es erstens kein Wunder, wenn es irgendwann zur Selbstjustiz kommt, und zweitens sollte man sich dann darüber freuen, daß es überhaupt jemanden gibt, der sich der Sache annimmt.

Das heißt nicht, daß man die sonstigen politischen Ansichten der selbsternannten Rächer damit billigt, aber in der Not kann man sich die Herkunft der Hilfe in den seltensten Fällen aussuchen, und solange die eigentlich zuständigen Stellen ihren Verpflichtungen nicht endlich mit der gebotenen Ernsthaftigkeit nachkommen, sollte man seinen Rettern bei allen sonstigen Differenzen auch ein klitzekleines bißchen dankbar sein, statt nur auf ihnen herumzuhacken.

Mit anderen Worten: Solange UNO und internationale Gemeinschaft weiter so eklatant versagen wie bisher, sollten wir die Arbeit von George W. Bush und den Neocons etwas mehr zu würdigen wissen, und zwar auch dann, wenn wir mit ihnen ansonsten nicht unbedingt übereinstimmen. Und sei es nur, weil die globale Antifa gegen die Saddam Husseins dieser Welt nicht nur auf Telefonketten zurückgreifen kann, sondern auf solche unter echten Panzern.

~ von Paul13 - Donnerstag, 29. November 2007.

27 Antworten to “Antifa International”

  1. @ Rene

    „George Bush jun. und die NeoCons haben einen Krieg vom Zaun gebrochen mit einer schlichten Lüge: der Iraq hätte WMD.“

    Ist zwar schon tausendmal wiederlegt worden, aber dann halt noch mal für die, die etwas länger brauchen:

    Das was Du Lüge nennst, kam erst auf ausdrücklichen Wunsch der Multilateralismus-Träumer ins Spiel. Saddam sollte schon seit 1998 weg, also seit den Clinton-Jahren, und zwar aus einer ganzen Reihe von Gründen, von denen die WMD nur einer waren. Die Betonung des WMD-Arguments kam erst durch die Wünsche der Achse des Friedens, damit vor die UNO zu gehen. Bedank Dich also bei Schröder und Chirac, ok?

    Aber was erkläre ich das jemandem, der davon überzeugt ist, daß Reagan und Nixon die Taliban unterstützt hätten.

  2. „Haben Reagan und Nixon also nicht als Steigbügelhalter der Taliban, damals noch unter der Bezeichnung Mudschehdin als eine deren Teilfraktionen, gedient. Das wäre nun etwas ganz neues …“

    Nein, haben sie nicht. Das Dir das neu ist, glaube ich Dir zwar unbesehen, aber das alleine macht Deine Variante noch nicht richtig.

    Erstens gab es, als Nixon abtrat, noch nicht mal einen sowjetischen Einmarsch in Afghanistan, gegen den sich die Mudschahedin hätten wenden können.

    Zweitens gab es auch zu Reagans Zeiten noch keine Taliban, die erst mehrere Jahre später die Bühne der Weltgeschichte betraten.

    Und drittens haben die Taliban mit den Mudschahedin nur insoweit zu tun, als daß sie sie erbittert bekämpft und schlußendlich gestürzt haben, was dann doch ein etwas weit her geholter Zusammenhang ist.

    „Du solltest mit dem Jahre 1998 genau sein. Saddam sollte nämlich bereits irgendwann 1991/92 weg und zwar wurde dies damals von einem gewissen Mr. Wolfowitz in einem Strategiepapier des Pentagon formuliert, welches aber recht schnell kassiert wurde und zu keinem Zeitpunkt offizielle Politik wurde.“

    Doch, und zwar 1998 mit dem von Bill Clinton unterzeichneten „Iraq Liberation Act“. Du erinnerst Dich bestimmt noch dran, wie Du damals so entschieden dagegen protestiert hast.

  3. @ Rene

    Wie, Du hast nicht? Das verstehe ich nicht. Clinton beschließt den Regime Change und bombardiert das Land und unterstützt Sanktionen, die ein vielfaches der Opfer des späteren Irakkriegs fordern, und Du sagst kein Wort, dann setzt Bush Clintons Anweisungen – wohlgemerkt nach anfänglichem Widerstand! – um, und Du fängst plötzlich an zu meckern. Wo ist da die Logik?

  4. @ Rene

    Na, dann zeig mir doch mal den UNO-Paragraphen, der Clinton das Recht gibt, den souveränen Herrscher eines Mitgliedslandes einfach so stürzen zu dürfen.

  5. @ Rene

    Von wem stammt dieser Satz:

    „Clinton hat im Rahmen bestehenden Rechts gehandelt, Bush jun. hat sich ausserhalb dieses gestellt.“

    a) Paul13
    b) Rene

    Du hast genau einen Versuch. Na gut, weil Du es bist, sagen wir zwei. Und dann weißt Du auch, an wen Du folgende Frage richten solltest:

    „Aber Du wirst mir sicher gleich den UNO-Paragraphen oder auch sonst einen Paragraphen nennen, der Bush jun. dieses Recht gibt“

    Ich beginne mich richtig auf Deinen Artikel zu freuen. So schön, wie Du Dich hier permanent blamierst, hat das bisher noch keiner geschafft. Ok, außer Realdenker natürlich. ;-)

  6. @ Rene

    Ganz genau, den gibt es nicht. Und zu Clinton’s Zeiten war das nicht anders. Damit ist der Satz „Clinton hat im Rahmen bestehenden Rechts gehandelt, Bush jun. hat sich ausserhalb dieses gestellt.“ ähnlich intelligent wie die Sache mit Reagan, Nixon und den Taliban. Vielleicht solltest Du es mal mit Wahrsagerei versuchen. Mit der Vergangenheit hast Du es nicht so, glaub mir.

  7. ich hab mich hier ja noch nie eingemischt, aber dass ihr da nicht drauf gekommen seid: clinton hat doch auch einen völkerrechtswidrigen krieg vom zaun gebrochen. oder weswegen wurde denn der joschka mit tomaten beworfen? das gehört sich doch, für einen richtigen präsidenten oder?

  8. Genau. Aber mit den Gründen hätte man auch keine Chapter 7 Massnahmen einleiten können, weil es im UNO-sinn rein innerstaatliche angelegenheiten waren. Deshalb ist man ja auch gar nicht vor die UNO damit. Hättst du’s ok gefunden, wenn mans im irak auch so gemacht hätte?

  9. @Paul

    Guter Artikel und zur derzeit wirklich um sich greifenden müßigen Diskussion über die Antifa erfrischend „anders“.

    Gabs da nicht mal einen Kommentator bei dir (war wohl noch auf der alten Plattform), der Buttons zur Antifaschistischen Aktion seit 1941 hergestellt hat?

  10. @ Der_SP

    Stimmt, das hatte da mal jemand geschrieben, ich glaube ein Antideutscher. War auch gar nicht so lange her. Ich weiß aber leider nicht mehr genau, bei welchem Artikel. Falls der Betreffende hier noch mitliest, bitte melden!

    Schön übrigens, daß Deine Kommentare endlich mal gleich durchkommen und nicht wieder vom Spamfilter geschluckt werden. Akismet ist offenbar doch lernfähig, wenn man es ihm nur oft genug sagt. :-)

  11. Der Vergleich zwischen der Antifa und den USA oder ihrer Regierung hinkt an einigen Stellen. So gibt es in Deutschland einen Rechtsstaat während das internationale Recht ein Witz ist und niemand da ist, um es zu kontrollieren und umzusetzen. Die amerikanische Regierung untersteht nicht nur einer Verfassung, sondern ist auch demokratisch legitimiert und absetzbar. Die Antifa greift Geschäfte mit Nazi-Mode an und feiert derartige Vergehen, man mag sich nicht die Reaktionen ausmalen, wenn die amerikanische Armee so vorgehen würde. Dieser Vergleich ist eine Beleidigung für die amerikanische Regierung. Vielleicht reagiere ich gerade etwas dünnhäutig, aber ich habe die Diskussionen in der Nachbarschaft etwas verfolgt, auch mal ein paar die Antifa verteidigende Blogautoren gelesen (zum Beispiel Telegehirn, war echt übel) und ein paar Antifa-Seiten im Netz angeschaut. Da wird mir echt schlecht wenn ich lese wie Leute den Rechtsstaat blind hassen, Gewalt legitimieren und sich selbst als Herren aufspielen.

  12. Nachtrag:
    Könnte man nicht eine Zeitmaschine bauen, die Antifas hineinstecken und siebzig Jahre zurück in die Vergangenheit schicken? Dann könnten die Antifas die Nazis bekämpfen und den Holocaust und den Zweiten Weltkrieg verhindern. Wäre das nicht fein?

  13. @Schmock
    Klar wäre es eine Beleidigung der amerikanischen Regierung, wenn man diese mit der Antifa vergleichen würde.

    Es ging wohl aber nicht darum, die USA zu diskreditieren, sondern aufzuzeigen, dass diese für die tatsächlichen antifaschistischen Aktionen verantwortlich ist und dass man nicht automatisch Antifaschist ist, nur weil man sich so nennt (die Zeitmaschien wäre da natürlich der ultimative Lakmustest).

    @Paul
    Ich war auch überrascht, meinen Post direkt nach dem Abschicken zu lesen. Andere Blogs müssen das noch lernen…

  14. @ Paul

    Wir müssen da unterscheiden: Clinton hat nur sinnlos rumgebombt, während Bush jun. einen erfolgreichen Befreiuungskrieg geführt hat. Die Frage ist nur, wer von wem bzw. was befreit werden sollte:
    http://news.bbc.co.uk/2/hi/middle_east/7115131.stm

    Aber das sind alles nur haltlose Behauptungen von durchgeknallten Verschwörungstheoretikern. Als ob der Irakkrieg was mit den irakischen Ölreserven zu tun hätte!

    Deshalb weiterhin: Bush, Cheney, Rice: impeach them, try them, convict them, jail them!

    Anton

  15. @ Schmck

    Natürlich ist das Beispiel um des Gags willen ein bißchen überzeichnet, aber der Rechtsstaat bekleckert sich nicht gerade mit Ruhm, wenn es „national befreite Zonen“ geben kann und Fascho-Schläger mit dem Zusatz „der mehrfach vorbestrafte“ in der Zeitung stehen. Und wenn die Antifa mit ihrer Telefonkette ihr SEK schneller vor Ort hat als die Polizei, sollte die vielleicht noch mal drüber nachdenken, ob es wirklich nur am Digitalfunk hapert.

  16. @ Der_SP

    Könnte eventuell an Deiner eMail-Adresse liegen. Ich könnte mir vorstellen, daß Spamfilter die falsch verstehen. ;-)

  17. Das mit der Emailadresse hab ich mir auch schon gedacht.
    Schon witzig, dass man mit einer spamsicheren Mailadresse als Spam erkannt wird :)
    Aber jetzt klappts ja.

  18. @Paul
    Gut getroffen!

    Nun zum Funpart:
    *** „Nicht offizielle Regierungspolitik unter Clinton war es jedoch, dass man mit vorgetäuschten WMD einen Krieg versucht zu begründen und die Weltöffentlichkeit belügt.“***
    Das ist wieder ein Highlight – Clinton hat eigentlich WMDs vorgetäuscht (schon die Formulierung – was meint er?) und die Welt belogen. Monika und Kolleginnen waren dann die WMDs und darüber hat Bill die Weltöffentlichkeit belogen? Oder waren die Aussagen von Clinton und seinem Team zu den WMDs im Irak alle nur Lüge und Betrug? Das mit dem „Funny Blog“ wird noch bitterer Ernst ;-)

    Spam: Ich habe den Eindruck – der Filter mag lange Webadressen nicht. tinyurl.com zum kürzen verwenden…

  19. @ S1IG

    Danke für den Tip! Ich wußte bisher nur, daß er es nicht mag, wenn es zu viele Links sind.

  20. Ich habe mal gehört, das Saddam jeder Familie eines in Israel hochgehenden explodierten Palästinensers 40.000 $ bezahlt hat.
    Wobei ich denke, dem Faschismus wäre pharmakologisch besser beizukommen.
    Aber dann, ein bißchen gegenseitiges Abschlachten ist ja nur menschlich.

  21. @ nexuslex

    Waren nur 25K $ aber immerhin, aber das war ja kein Terrorismus sondern „nur die Unterstuetzung eines Befreiungskampfes“ ;-)

  22. @Paul
    Und wer soll sich bitte an die Regeln halten wenn nicht die, die sie aufstellen?
    Und wenn die es nicht tun, sollten Sie dann für ihren eigenen Prozess auch noch Richter sein?
    Wie gut sind unsere Aussichten auf eine bessere UN wenn die, die sie anrufen am Ende auf ihr Urteil pfeifen?
    Und wie lange gibt es die Debatte um eine Reform der UNO schon und wer ist so alles dagegen?
    Das sind so Fragen die ich mir in dem Zusammenhang stelle.
    Ich bin den USA hochdankbar dass sie mit Waffengewalt für Ruhe sorgen und die Voraussetzungen schaffen für Frieden. Aber von dieser Position zu Deiner ist es etwas zu weit als dass ich es gut fände dass Du so allgemein die Moral für Dich in Anspruch nimmst.

  23. @ daniel

    Erstens haben die Amis sie nicht alleine aufgestellt. Und zweitens sind Regeln, an die sich nur eine Seite hält, ziemlich sinnlos.

    Welches UNO-Reförmchen meinst Du im übrigen? Also ich hab noch von keinem gehört, daß sämtlichen nichtdemokratischen Staaten das Stimmrecht aberkennt und die übrigen zur globalen Durchsetzung ihrer Grundsätze verpflichtet.

    Sag Bescheid, wenn so ein Entwurf auf dem Tisch liegt, dann setze ich mich gerne dafür ein, auch die skeptischen Amerikaner davon zu überzeugen. Bis dahin aber hoffe ich, daß sie angesichts von Reformen wie der „Weiterentwicklung“ der UNO-„Menschenrechts“kommission zum „Menschenrechts“rat auf die UNO sch…

  24. @ daniel

    Die UNO hat drei schwere Geburtsfehler, die sie praktisch unbrauchbar machen. Es sind die selben, die auch den Völkerbund zum Scheitern gebracht haben.
    1. Das Vetosystem versucht zwar, die reale Machtverteilung in der Welt zu berücksichtigen, führt in der Realität fast nur zu gegenseitigen Blockaden.
    2. Das Wertesystem ist nicht absolut gesetzt. Zugegeben kann es das in einer viefältigen Welt auch nicht sein. In der Praxis führt das aber dazu, das so etwas wie der „Menschenrechtsrat“ ein Witz ist.
    Noch übler: Völkermorde sind innerstaatliche Angelegenheit, sofern die Grenzen zum Nachbarland nicht verletzt werden. Was meinst du, wie die Amis ’45 mit dem neu geschaffenen Straftatbestand „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ rudern mussten, um überhaupt eine völkerrechtsfeste Anklage zustande zu bringen.
    3. Keine zentrale Gerichtsbarkeit, geschweige den Exekutive. Damit ist die UNO nur Debatierclub und sollte sich auch mehr nicht anmaßen.
    Wer die Amis dafür kritisiert, dass sie den Internationalen Gerichtshof ablehnen, sollte sich Punkt 2 nochmal durchlesen. Dann versteht er auch, warum das so ist.
    Die westliche Welt müsste substantielle Abstriche an allem, war ihr wichtig ist machen, um eine durchsetzungsfähige UNO ermöglichen zu können.

  25. das Pro Kopf Einkommen liegt bei ca. 1300 $, die durchschnittliche Kinderzahl bei 8,… ein unmoralisches Angebot

  26. @Paul
    Ja die Judikative sollte mehr tun und besser funktionieren (die Gesetzeslage sollte dafür reichen), mir ging es aber um das unselige Wirken der Antifa. Dass die Antifa manchmal Rechte Gewalttäter abwehrt genügt mir nicht um ihr Tun gutzuheißen. Dazu ein Beispiel: Es gibt einen kleinen Ort an der Mosel, der ein Problem mit Rechtsradikalen. Mit der Zeit sind immer mehr russische Spätaussiedler dahin gezogen. Da die dazugekommenen russischen Jugendlichen schlecht integriert, kriminell, brutal und hart waren, haben sie das Naziproblem auf ihre Art gelöst. Richtig glücklich kann ich über solche Lösungen aber nicht sein.

  27. […] Die Sektion Antifa International sucht immer noch aktive Mitstreiter im Kampf gegen The Evil Empire: We need […]

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