Hand aufs liberale Herz!


Gestern morgen hatte ich einen Brief der Deutschen Rentenversicherung im Briefkasten. Nicht daß ich schon so alt wäre, aber man wollte halt mal in Erfahrung bringen, wie es denn mit den ungeklärten Zeiten meines Versicherungskontos so stünde. Ok, denselben Brief habe ich schon mal vor einem halben Jahr bekommen, und zwischenzeitlich hatte ich ihn sogar beantwortet, aber doppelt hält ja bekanntlich besser, und daß ein Beamter weiß, was der andere am Nachbarschreibtisch macht, ist vermutlich zu naiv gedacht. Grundsätzlich ist es ja auch nett, daß man sich nach einem Vierteljahrhundert noch nach meinem Wohlbefinden erkundigt. Nur ist es leider auch ein wenig unpraktisch.

Denn nach einem Vierteljahrhundert sind die Dokumente, anhand derer ich die gewünschten Auskünfte geben könnte, ebenfalls ein Vierteljahrhundert alt. Wer einmal nach alten Kontoauszügen gefahndet hat, weiß wovon ich rede. Nun läge es nahe, den verantwortlichen Sachbearbeiter oder am besten gleich dessen Vorgesetzten anzurufen und ihm unmißverständlich klarzumachen, daß man es nur begrenzt lustig findet, von jemandem, dessen Gehalt man mit seinen Steuern bezahlt, mit der Frage nach redundanten Informationen belästigt zu werden, aber erstens kann der arme Teufel ja nichts für die schwachsinnigen Regelungen, anhand derer er seinen Job verrichten muß, und zweitens sind diese Informationen gar nicht redundant.

Denn auch wenn der gesunde Menschverstand es natürlich nahelegt, daß staatliche Institutionen wie Schule, Universität und Arbeitsamt mittels der schon damals nicht mehr ganz so exotischen Segnungen der EDV die benötigten Informationen selbsttätig an die Kollegen der Rentenbehörde weitergeleitet haben könnten, würde der Beamte vermutlich darauf hinweisen, daß dem nicht so ist, und eine innere Stimme sagt mir, daß in seiner weitschweifigen Erklärung auch das Wort „Datenschutz“ fallen würde, was wohl soviel bedeutet, wie daß ich vor meinen Daten geschützt werde. Da diese Frage gerade in der Bloggerszene ein heißes Eisen ist, daher meine Frage auch und gerade an die liberalen Mitblogger:

Wo ist vom Standpunkt des Liberalismus aus der konkrete Vorteil für jene Minderheit der Bürger, die sich keine Sekretärin leisten können, wenn den Behörden der effiziente Datenaustausch – oder gar gleich die Nutzung gemeinsamer Datenbanken – untersagt wird und dadurch für den einzelnen relevante Eigentumsrechte wie beispielsweise der Anteil des Geldes, das man von den einst eingezahlten Rentenbeiträgen wieder zurückbekommt, nicht unwesentlich davon bestimmt wird, ob man alle diesbezüglichen Dokumente auch Jahrzehnte später noch in irgendeinem Schuhkarton auf dem Speicher wiederfindet?

~ von Paul13 - Dienstag, 27. November 2007.

3 Antworten to “Hand aufs liberale Herz!”

  1. @ Paul

    Nanu? Also Arbeitgeber und -amt sollten deine Daten maschinenlesbar an die DRV weitergeben können. Das hat bei mir zwar auch nicht immer geklappt, aber Grund war Schlamperei, nicht Datenschutz.
    Und Schule und Uni waren m.W. zumindest vor sagenwirmal 20 Jahren nicht wirklich so weit, „Ausfallzeiten“ auf Magnetbändern anliefern zu können. Wie es heute ist, müsste jemand anderer melden. Aber kann es sein, dass dein Datenschutzproblem eigentlich keines ist?

    P.S. Wenn du dein Abizeugnis verlierst, kannst du bei Bewerbungen Probleme haben. Auf solche Dokumente muss man eben lange aufpassen, auch aus anderen Gründen.

  2. @Paul
    Sehe ich so wie chewey. Und warum sollte der Staat ein Paul-Archiv führen nur weil Paul keines führt. Das soll Dein Problem nicht abwerten und ich kenne es selbst. Ich habe nach 12 Monaten die Quittung für das Fachbuch schon verloren das ich eigentlich auf meine Steuererklärung heften müsste. Wie wird das erst wenn ich so alt bin wie Du??????
    Mit Datenschutz hat das wahrscheinlich erniger etwas zu tun. Eher was mit Informationeller Selbstbestimmung. Du solltest wissen welche Behörde welches Wissen von Dir hat – und das selbst steuern können. Da ist halt Eigenverantwortung gefragt die man ja sonst groß schreibt.
    Zudem würde mich interessieren in welche allgemeingültigen Satz Du Deine Wünsche vom Datenaustausch packst in dem nicht auch drinsteht, dass wer-auch-immer alle möglichen Daten von Dir wohin-auch-immer verschieben darf.

  3. @ Rene

    Mein diesbezüglicher Ärger bezog sich auf die Suche vor einem halben Jahr. Jetzt hat mich nur die Unfähigkeit geärgert, den Kollegen zu fragen.

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