Die ZEIT bricht das Schweigen


Und zwar das des deutschen Blätterwalds, der seit es im Irak bergauf geht, irgendwie gar nicht mehr so recht darüber berichten mag:

Nicht nur in deutschen Medien hat man sich daran gewöhnt, im Blick auf den Irak stets eine apokalyptisch eingefärbte Grundmelodie anzustimmen. Auch möchte man nicht von der Erwartung lassen, die verhasste Bush-Regierung werde im Irak kläglich scheitern. Der Krieg sei bereits endgültig verloren, so klang es während dieses Jahres, der Offenbarungseid, das Eingeständnis der Niederlage, werde nicht mehr lange auf sich warten lassen.

[…] Die Iraker haben immer wieder in den letzten Jahren bewiesen, dass sie Demokratie wollen. Bei Wahlen wie bei der Abstimmung über die Verfassung gingen jeweils über 70 Prozent der Iraker an die Wahlurnen, obwohl das oft genug mit Gefahr für Leib und Leben verbunden war. Diese kollektive Bekundung demokratischer Sehnsucht wurde in den westlichen Medien häufig ignoriert, es passte nicht in das Bild, das man sich gemacht hat.

[…] Doch die Hauptgefahr für den Irak bestand und besteht stets darin, dass Amerika die Geduld und Entschlossenheit verlieren und abziehen würde, bevor die Iraker in der Lage sind, auf eigenen Füßen zu stehen und eine einigermaßen stabile, zivile Ordnung entstehen konnte. Dem Druck, vorzeitig abzuziehen, hat sich George Bush bislang erfolgreich widersetzt. Wie immer man über die Politik dieses Präsidenten denken mag – hier hat er richtig und konsequent gehandelt.

Angesichts dieser für hiesige Verhältnisse geradezu revolutionären Zeilen werden uns die bushhassenden „Alles ist verloren!“-Apokalyptiker in der nächsten Zeit wohl einiges zu erklären haben…

~ von Paul13 - Montag, 19. November 2007.

14 Antworten to “Die ZEIT bricht das Schweigen”

  1. @ Paul

    Ich weiß nicht, ob schon jemand zu diesem Artikel verlinkt hat,
    http://www.faz.net/s/RubCF3AEB154CE64960822FA5429A182360/Doc~EA9F17A9653974B898D3AA4F87329F348~ATpl~Ecommon~Scontent.html
    man kann schon verstehen, dass der „Großvater der NeoCons“ nicht mehr viele Freunde hat.
    Andererseits hat u.a. dieser Passus schon etwas von Rumsfeld’schem Humor:
    „FAZ: Die Alliierten in Italien mit den Amerikanern im Irak zu vergleichen, das ist doch Geschichtsbetrug!

    Podhoretz: Diesmal müssen wir der Freiheit im Alleingang zum Sieg verhelfen. In der Tat eine Schande.“

  2. @Paul
    Na Du hast ja noch Hoffnungen,also ob irgendeiner von denen was erklaeren wuerde.
    Das einzige was kommen wird sind Links die wir alle schon kennen und die ihre Behauptungen das der Irakl verloren ist untermauern sollen.

  3. @Paul,

    Die angemessene Würdigung eines US-Präsidenten wäre bei BBC u.v.a. doch erst in fünfzig Jahren fällig. Möchtest du wirklich so lange warten?

  4. @alibaba
    Langsam aber sicher wir es auch bei der BBC

  5. @ Paul

    Drehen wir doch mal den Spieß um. Gehen wir davon aus, dass die Republikaner im Kongress brav hinter Bush stehen und verhindern, dass sein Veto von der demokratischen Mehrheit überstimmt wird. Im Irak verbleiben bis Ende 2008 ca. 100.000 amerikanische Soldaten (die anderen Staaten haben ja schon angekündigt, dass sie ihre tRuppen bis dahin abgezogen haben werden). Was wird nach Ihrer Einschätzung die irakische Zentralregierung bis dahin so erreicht haben? Sagen wir bezüglich folgender Aufgaben (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

    – Reform der Verfassung (Rolle der Scharia, Föderalisierung, Status Irakisch-Kurdistans und Region Basra)

    – Nationales Gesetz zu Ölförderung / -export und zur regionalen Aufteilung der Einnahmen

    – Aussöhnungsprozess zwischen Sunniten und Schiiten (Rückgängigmachen der ethnischen Säuberungen / Rückkkehr der Flüchtlinge, Re-Baathification, Kontrolle des Einflusses militanter schiitischer Gruppen auf Polizei und Sicherheitsdienste)

    – Beendigung der Terroranschläge von AQiI, Entwaffnung der Milizen und Reduzierung der Gewaltkriminalität

    – Wiederaufbau des Landes / Renovierung der Infrastruktur

    – Außenpolitik in der Region und Handelsbeziehungen

    Meine Vermutung ist: wenig bis nichts. Und dann stellt sich schon die Frage, was das nach ihrer Einschätzung für die amerikanische Irakpolitik nach 2008 bedeuten wird. Es ist schon rein technisch nicht möglich, die amerikanischen Truppen in den nächsten 14 Monaten vollständig aus dem Irak abzuziehen. Aber kein demokratischer Präsident wird sich auf noch mal 6 glorreiche Besatzungsjahre einlassen.

    Anton

  6. @Anton
    *** Aber kein demokratischer Präsident wird sich auf noch mal 6 glorreiche Besatzungsjahre einlassen. ***
    Da ist Deine „Favoritin“ Hillary doch ganz anderer Meinung.

  7. Und schon lenkt Anton wieder vom Thema ab, diesmal nicht ganz so platt wie sonst, aendert aber nichts.

  8. Die von Anton angesprochenen Dinge sind doch schon in vollem Gange… Versteh ich nicht. Insbesondere die letzten drei Punkte.

  9. @Ausländer
    Nein, er lenkt nicht vom Thema ab. Denn auch wenn – was er nicht bestreitet – die Entscheidung zu bleiben richtig ist. Wie wahrscheinlich ist, dass der Irak in naher Zukunft (heute +10 Jahre) tatsächlich so weit ist, dass amerikanische Truppen sich das aus der Ferne (Therahn…) angucken können? Da kann man unterschiedlicher Meinung sein.
    Was ich aber lustig finde ist, dass unter den denkbaren Präsidentinnen Frau Clinton die ist, der man eine „richtig und kosequent“ geführte Irak-Politik zutraut. Oder wie hoch schätzt etwa Paul die Cut&Run-Wahrscheinlichkeit bei Rudy ein?

  10. ich möchte ganz unbescheiden auf meine analyse zur aktuellen lage im irak hinweisen:

    http://alsharq.blogspot.com/2007/11/irak-fortschritte-und-schwierigkeiten.html

  11. @daniel
    *** Was ich aber lustig finde ist, dass unter den denkbaren Präsidentinnen Frau Clinton die ist, der man eine “richtig und kosequent” geführte Irak-Politik zutraut. ***
    Wer macht denn so was? Nicht mal ihre eigenen Parteifreunde tun das. Die Frau erzählt heute das und morgen was anderes. Einfach wie es in den Kram passt oder was die Leute hören wollen.

  12. Es ist eine positive Spätfolge davon, dass die deutschen Medien das amerikanische Engagement im Irak als Desaster abgehackt haben und die Diskussion in den MSM längst beendet war. Nun kann man die Lage wieder vorurteilsfrei betrachten.

  13. @Schmock
    Du hast recht – vor allem weil nun u.a. NYT, BBC und Al Jazeera nicht drum rum kommen über die Verbesserungen zu berichten. Die Entwicklung macht Hoffnung und zerstört die der „Kritiker“. Die mussten auf negative Nachrichten hoffen. Die Cut&Run-Strategie hätte das Gegenteil bewirkt.

  14. […] im Irak zu widmen. Vereinzelnd drängen seit Wochen gute Nachrichten (bspw. hier, hier, hier oder hier) an die Öffentlichkeit, nun thematisiert dies die Weltwoche. Wann folgen die deutschen […]

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