Flatrate-Tanken zum Nulltarif!


Über „the story so far“ bin ich auf eine erstaunliche Meldung gestoßen, die trotz ihres geradezu revolutionären Potentials in den Medien völlig untergegangen ist. Angesichts der zunehmenden Kritik an der OPEC wegen der steigenden Ölpreise platzte dem Energieminister von Qatar, Abdullah Bin Hamad Al-Attiyah, nämlich der Kragen, und er machte – zugegeben recht undiplomatisch – klar, wer der Hauptverantwortliche dafür ist, daß der Benzinpreis auf dem besten Wege ist, die Prophezeihung von Markus Mörl wahr werden zu lassen, daß das Benzin bald drei Mark zehn kostet:

Schließlich gibt Al-Attiyah noch einen Vorschlag zum Besten, den er einem Minister aus der EU gemacht habe: „Wir liefern euch das Öl kostenlos frei Haus, wenn ihr uns die Hälfte an den Einnahmen aus der Mineralölsteuer überweist.“ Die Antwort, so erzählt er: „Exzellenz, wechseln Sie nicht das Thema.“

Die Reaktion des EU-Ministers zeigt, daß Al-Attiyah da wohl einen wunden Punkt getroffen hat. Denn für den Endpreis an der Zapfsäule sind all die fragwürdigen Mauscheleien der OPEC-Despoten tatsächlich nur von marginaler Bedeutung. Viel wichtiger sind die darauf von unseren gewählten Repräsentanten erhobenen Verbrauchssteuern. Diese mögen ihre Berechtigung haben oder auch nicht, aber wir sollten schon so ehrlich sein und dann auch dazu stehen, statt es anderen in die Schuhe zu schieben. Im übrigen wirkt es schon etwas befremdlich, wenn eine dem Kapitalismus nicht gerade feindlich gesonnene Zeitschrift wie das Handelsblatt alle guten ordnungspolitischen Vorsätze vergißt und sich zu schaurigen Sätzen wie diesen versteigt:

Auch auf der Londoner Konferenz zeigen Experten auf Powerpoint-Folien, wie die Reservekapazität auf dem Weltölmarkt angesichts der starken Nachfrage aus China schrumpft. Die Opec muss mehr produzieren, schlussfolgern die Experten. Doch die Scheichs stellen sich stur. Schließlich finanzieren die hohen Ölpreise ihre ehrgeizigen Infrastrukturvorhaben.

Die Scheichs sind nämlich nicht stur, sie verstehen nur das Prinzip des Kapitalismus offenkundig weit besser als die, die dann hinterher darüber schreiben. Preisabsprachen sind natürlich bedenklich, aber darüber hinaus wären die Scheichs schön blöd, den Preis künstlich fallen zu lassen, nur um uns einen Gefallen zu tun, wenn sie dasselbe Geld mit dem Verkauf von weniger Waren verdienen und so zudem noch ihre Lagerbestände schonen können. Und zwar gerade WEIL sie damit ihre ehrgeizigen Infrastrukturvorhaben und sonstigen Wünsche wie Ferraris für die Drittgattin finanzieren.

Und während die Handelsblatt-Redakteure noch mal Nachhilfeunterricht zu Angebot und Nachfrage nehmen, sollten wir aus der Not eine Tugend machen und Herrn Al-Attiyah beim Wort nehmen. Denn bei allem makroökonomischen Verständnis hat der werte Herr Energieminister offenbar ein kleineres Problem mit den Grundrechenarten, das geradezu danach schreit, ausgenutzt zu werden. Haben wir nämlich erst mal seine Unterschrift unter seinem Vorschlag, stellen wir die Mineralölsteuer einfach auf eine prozentuale Bemessungsgrundlage um. Und dann wird Gas gegeben und Spaß gehabt… :-)

~ von Paul13 - Sonntag, 4. November 2007.

9 Antworten to “Flatrate-Tanken zum Nulltarif!”

  1. Nun, der Endpreis des Beznins besteht grundsätzlich aus diesen Komponenten: Den Herstellungskosten, den Margen der Hersteller, den Steuern und dem Zuschlag für diejenigen, die den Zugang zu den Ölquellen kontrollieren (OPEC).

    Da der Benzinmarkt nicht besonders elastisch ist, kann der Anbieter des Benzins den Preis sehr hoch nach oben schrauben. Der Wettbewerb kann hier nur die ersten zwei Komponenten nach unten drucken. Die letzten zwei liegen in den Händen von Quasimonopolisten: Der Verbraucherstaaten (Steuern) und der der Ölexportstaaten (OPEC, Russland, etc.)

    Würde einer dieser Parteien den Platz räumen und seine monopolistische Besteuerung der Preise reduziren, was würde die andere Partei daran hindern, die so enstandene Lücke auszunutzen?

    Der Markt zeigt, dass die Verbraucher bereit sind, bald 2EUR pro Liter Benzin zu zahlen. Würden die Steuern wegfallen, würde der Preis des Rohöls entsprechend steigen.

    Es sind nicht primär die Steuern, die den Benzinpreis nach oben drücken, sondern die Abhängigkeit der Verbraucher vom Benzin.

    Die hohen Steuern sorgen „nur“ dafür, dass mehr von dem Preis „hier“ bleibt und nicht nach Moskau oder Riad fließt.

  2. ich habe zu dieser tendenz drei antworten:

    1. ein automobil das max 4l/100km verbraucht
    2. in farrad mit dem ich berreits über 5.500km in 3 jahren zurückgelegt habe
    3. wer politkern glaubt ist selbst schuld. ( …wieviel verbrauchen denn deren autos die wir auch noch bezahlen… )

  3. @paul
    Schade, ist aber halt so dass man sich mit den populistischen Themen und Kommentaren die populistische Leserschaft ranzieht…
    Ansonsten hat Gregor völlig recht.

  4. @ Rene

    Auch wenn ich mich gerade über Dein Lob ganz besonders freue, so möchte ich das doch nicht antikapitalistisch verstanden wissen. Im Gegenteil! Ich finde da absolut nichts negativ dran, wenn jemand Geld verdient. Nur sind das hier eben mal die anderen.

    Zwar stört es mich natürlich, daß in diesem Fall Schurkenstaaten zu den Gewinnern zählen, aber das war hier nicht das Thema (da würdest Du eher Worte wie „Boykott“ oder „Embargo“ von mir hören). Hier ging’s aber um wirtschaftliche Funktionsprinzipien.

    Auch bin ich nicht grundsätzlich gegen die Ökosteuer. Die halte ich für eine in Sachen Energiebesteuerung vergleichsweise sinnvolle Abgabe, wenn sie denn auch nur dem Umweltschutz zugute käme und nicht für andere Zwecke mißbraucht würde.

    Worauf ich raus will, ist daß die OPEC am Ölpreis vergleichsweise wenig beteiligt ist, und daß es dafür, daß der Sprit für unsere Autos mehr kostet als der für uns (prost!), durchaus nachvollziehbare Gründe gibt, zu denen man dann aber auch stehen sollte.

    Denn auch vom kapitalistischen Standpunkt aus haben die grünen Wälder und sauberen Flüsse und gutausgebauten Straßen, die man durch die Mineralölsteuer erkauft, einen Wert. Und sei es nur, daß die Touristen so bequemer in die Naherholungsgebiete kommen.

  5. @ Gregor

    Die Verbraucher sind nicht bereit bis zwei Euro pro Liter zu zahlen, sondern sie sind bereit so viel mehr als zum jetzigen Zeitpunkt zu zahlen. Das wird durch nichts so schön illustriert wie durch den Volksaufstand, als die Grünen vor vielen, vielen Jahren mal spaßeshalber von 2 Euro 50 sprachen. Und wenn der Liter 3 Euro kostet werden sie sagen, das bei 4 Euro Schluß ist. Was bleibt ihnen denn auch übrig?

  6. @ gokuhi

    Wichtiger Punkt! Denn wenn der Benzinpreis zu hoch steigt, werden die Autos noch weniger verbrauchen und alternative Antriebe werden konkurrenzfähiger. Schlicht und einfach deswegen, weil das als Verkaufsargument zunehmend wichtiger werden wird.

  7. @ Rene

    Ach so, ich hatte das nur so verstanden. Nichts für ungut!

  8. […] kann, wenn eine kapitalistische Wirtschaftszeitung über den Kapitalismus schreibt, haben wir ja kürzlich bereits gesehen, als sich das Handelsblatt – leider vergeblich – daran versuchte, die Motivation für erfolgreiches […]

  9. Hier kann man zum Thema „Tankflatrate“ kurz seine Meinung äußern:

    http://www.befrager.de/befragung.aspx?projekt=4625

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