Good news are bad news


In Baghdad, car bombs decreased by 67 percent and roadside bombs by 40 percent from June with a 28 percent drop in bodies found dumped in the capital. In former insurgent hotbed of Anbar, where Sunni Arab tribes are fighting al Qaeda alongside US forces, violent deaths have dropped 82 percent.

Ja hört das denn gar nicht mehr auf mit diesen Hiobsbotschaften? Selbst der Meister selbst beginnt schon nervös zu werden, weil seine tapferen Widerständler es dann offenbar doch etwas übetrieben zu haben scheinen. Also so wird das jedenfalls nix mit dem Endsieg im antiimperialistischen Befreiungskampf.

~ von Paul13 - Freitag, 26. Oktober 2007.

6 Antworten to “Good news are bad news”

  1. @ Paul & friends

    Da Sie es anscheinend noch immer nicht verstehen (wollen?), die basics noch mal ganz langsam und ganz einfach:

    1. Nach dem vorläufigen Endsieg (Zitat) des real existierenden Kapitzalismus über den real nicht mehr existierenden Sozialismus funktioniert die GANZE Welt wieder nach einer Logik: Profit. Das kann man auch vornehmer ausdrücken und von einer weltweit integrierten Marktwirtschaft sprechen oder der globalisierten Welt des Informationszeitalters, in der alle Entscheidungen über Marktsignale gesteuert werden, oder was die aktuellen Weißwäscher da so sagen. Die Kernaussage ist aber ganz simpel: in dieser Welt ist alles Ware und alles hat alles deshalb auch einen PREIS: Nahrungsmittel, Kleidung, Fahrzeuge, Computer, Rohstoffe, Energieträger, aber auch komplexe Dienstleistungen wie Wahlen, Revolutionen und – Kriege. Es gibt für alle Waren/Leistungen einen markträumenden Gleichgewichtspreis, der sich an die schwankende Nachfrage anpaßt. Es gibt Sonderangebote, Mengenrabatte, aber es gibt auch unverkäufliche Ladenhüter.

    Bei gewöhnlichen Kolonialkriegen – also gegen militärisch allenfalls drittklassige Gegner – bestimmt sich der Preis an den mittelfristigen ökonomischen und politischen Vorteilen der Angreifer (Befreier) und ihrer Partner. In besonderen geopolitischen Lagen und in besonderen diplomatischen Situationen (früher nannte man das mal: Konkurrerenz zwischen den imperialistischen Hauptmächten) wurde so ein Krieg auch schon mal zu Demonstrationszwecken geführt, obwohl die absehbaren ökonomischen Vorteile eher gering waren. Aber auch gerade für diesen Fall wurde eine klare stop-loss-rule etabliert, die ein Kostenlimit festlegt. Wird dieses erreicht tritt eine Exit-Strategie in Kraft, die vorrangig die weiteren Kosten minimiert. Fragen Sie den letzten Präsidenten.

    Das Problem der amtierenden Bush-Administration ist nun: beide von ihnen initiierten Konflikte sind mittlerweile „way beyond“ dieser Schwelle. Und die Bush-Admininstration hat nicht nur keine einsatzbereite Exitstrategie, ihre Führung ist aus persönlichen Motiven nicht bereit, „cost-efficient measures“ einzuleiten. So ein Verhalten wird regelmäßig mit einer Abberufung durch die Anteilseigner – die Leute, die die Wahlkämpfe bezahlen, oder bei Bedarf auch schon mal einen sniper losschicken – sanktoniert.

    Am deutlichsten ist diese Situation im Irak. Bush jun. „has simply not delivered“. Versprochen war:

    – ein schneller Sieg über das aufmüpfige Regime Saddam Husseins als abschreckendes Beispiel für die Region.
    – Installierung eines prowestliches Regimes im Irak, dass die interne Lage stabilisiert, die extremistischen islamistischen Gruppen unterdrückt und mit dem man den Ausbau des Irak zu einem Hauptöllieferanten organisieren kann.
    – Mit diesem „Positivbeispiel“ sollte Druck auf die angrenzenden Regime: Iran, Syrien, Saudi-Arabien ausgeübt und ihnen klar gemacht werden, dass bei erheblich abweichendem Verhalten eine militärische Invasion und Besetzung durch westliche Truppen IMMER eine Option ist. Die Propagandavariante dieser diplomacy-by-invasion-Doktrin hat Bush den „Greater Middle East“ genannt – und sich damit ziemlich lächerlich gemacht.

    Die Lage im Irak ist bekannt. Die amerikanische Außenpolitik NACH Bush dreht sich deshalb nur noch um die Frage: wann bzw. zu welchen Bedingungen ziehen die US-Truppen (andere werden dann nicht mehr da sein) ab. Anders ausgedrückt: wieviel Chaos und Zunahme des iranischen Einflusses in der Region können die USA mittelfristig hinehmen?

    Dazu gibt es unterschiedliche Konzepte:
    – die konsequenteste Lösung wird seit längerem von Senator / Präsidentschaftskandidat Biden vertreten: Teilung des Irak in eine kurdischen, sunnitischen und schiitischen Teil. Diese Variante entbehrt nicht einer gewissen Eleganz, da sich sozusagen der irakische Bürgerkrieg danach von selbst erledigt (hat). Dies sett allerdings voraus, dass die Anrainerstaaten die Teilung und das sich ergebende Machtvakuum hinnehmen, ohne in den Konflikt mit eigenen Truppen zu intervenieren. Datzu kommt, dass die „terms of separation“: Grenzziehung / Öleinnahmen, Bevölkerungsaustausch, Rechtsnachfolge – bislang ziemlich umstritten sind.

    – die zweite sieht eine weitgehende Regionalisierung bzw. Föderalisierung des Irak vor, in der sich die Zentralregierung auf die Sicherung der äußeren Sicherheit und die Verteilung der Öleinnahmen beschränkt und die interne Staatsorganisation weitgehend den lokalen / regionalen Eliten überlässt. Problem: keiner glaubt an einen politischen Abstimmungsprozess, der erfolgreich eine solche Arbeitsteilung etabliert. Insbesondere die kurdische Führung strebt für Irakisch-Kurdistan immer offener die völlige Unabhängigkeit an.

    – der dritte Ansatz ist eine Stabilisierung des status quo militärisch, diplomatisch, ökonomisch mit der Hoffnung, das irgendwann in absehbarer Zukunft die irakische politische Klasse einen Kompromiss über das zukünftige nation-building findet: Staats- und Regierungsform, Verfassung, Sicherheitsapparat, Verteilung der Staaatseinnahmen, Wiederaufbau und VErhältnis zu den Nachbarstaaten. Sozusagen: stay the surge. Problem: es ist mit Abstand die kostspieligste und unsicherste Variante – für die USA. Denn eigentlich glaubt niemand mehr ernsthaft an einen nationalen Aussöhnungsprozess oder auch nur an ein gentlemen´s agreement über die Verteilung der Beute.

    mfG
    Anton

    P.S. Wie sagte Iwan der Schreckliche hier auf NFBS immer: there is no easy way out – was er angerichtet hat, bleibt …

  2. @ toni
    „Die Kernaussage ist aber ganz simpel: in dieser Welt ist alles Ware und alles hat alles deshalb auch einen PREIS:…“

    Was zahlt man dir denn so für die ganz einfachen Wahrheiten, wie Kapitalismus ist böse und Imperialismus ist noch böser, aber jeder Antiimperialist ist ein feiner Mensch.

    Bei deinem überbordenden Bedarf an Kompensation muss dein Preis muss ganz schön hoch sein.

  3. @ toni,

    du irrst in mehrer Hinsicht, aber in einem Punkt ganz besonders: Niemand will hier von dir das antiimperialistische Neusprech bzw,. die alte marxistisch-leninistische Formalsprache aufgezwungen bekommen.

    Du redest andauernd von Satisfaktionsfähigkeit und akzeptierst nicht mal die Mensch-ärger-dich-nicht-Regeln.

  4. @ alibaba

    Tut mir leid: noch immer nicht satisfaktionsfähig.
    Anton

  5. @ Paul & friends

    Nachtrag: zur Logik des Kolonialkrieges. Da ja in den letzten Jahren viele Erkenntnisse der politischen Ökonomie und aus Analyse politischer Herrschaftssysteme verschütt gegangen sind (veraltet, doktrinär u.ä.), hier eine kleine Reminiszenz:

    Die wichtigsten militärischen Schriften Mao Tse-Tungs wurden in der BRD als deutsche Erstausgabe unter dem Titel: „Theorie des Guerillakrieges oder Strategie der Dritten Welt“ veröffentlicht. (erschienen im Juni/Juli 1966 beim Rowohlt Taschenbuch Verlag in der Reihe rororo aktuell Nr. 886, Übersetzung aus dem Englischen).

    Zur historischen Einordnung der Texte wurde ihnen eine Einleitung des konservativen Publizisten Sebastian Haffner unter dem Titel „Der neue Krieg“ vorangestellt. In diesem 30-seitigen militärtheoretischen Essay entwickelt Haffner die These, dass Mao mit seinem Sieg im chinesischen Bürgerkrieg die internationalen Beziehungen revolutionierte, weil er den Ländern der Dritten Welt eine Methode der Kriegsführung in die Hand gegeben hat, mit der sie einen militärisch und ökonomisch weit überlegenen Gegner IM EIGENEN LAND besiegen bzw. zum Rückzug zwingen können. Als aktuelles Beispiel wagt(e) er die Prognose, dass die USA den Vietnamkrieg verlieren werden – zu diesem Zeitpunkt eine eher ungewöhnliche Behauptung in Deutschland.

    Auch wenn ich Haffner nicht in allen Punkten folgen würde – z.B. war meiner Meinung nach die völlige Unfähgkeit und Korruption der südvietnamesischen Regimes von Diem bis Thieu eine entscheidende Voraussetzung für den Sieg der Nordvietnamesen – was lernen wir aus diesen historischen Beispielen für den Irakkrieg?

    mfG
    Anton

  6. @Anton
    Re. Vietnam-Krieg – es bleibt Tatsache, dass durch die Kommunisten ein Friedensvertrag gebrochen und in Vietnam eine Massenmord-Dikatur installiert wurde – was lernen wir daraus: Nie wieder!

    Was kommt als nächstes – zitierst Du aus einem Vorwaort von „Mein Kampf“?

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