Grundbegriffe der Politischen Nautik: Die großen Steuermänner


Nachdem es bereits mehrere Versuche der Kommentatoren gab, die vergleichsweise abstrakte Definitionsphase zu überspringen und gleich zur konkreten Anwendung zu schreiten, soll der staubtrockenen Theorie zur Auflockerung als nächster Schritt etwas unterhaltsameres folgen, damit das Wochenende nicht so langweilig wird. Nun sind bekanntlich wenige Dinge so unterhaltsam wie über andere Leute zu lästern, und dort bieten sich wiederum wenige Opfer so zum Lästern an wie die nachfolgenden, leicht umstrittenen Persönlichkeiten der Zeitgeschichte:

—> UMFRAGE: Welche dieser Personen stehen politisch am weitesten rechts?

—> UMFRAGE: Welche dieser Personen stehen politisch am weitesten links?

~ von Paul13 - Samstag, 20. Oktober 2007.

29 Antworten to “Grundbegriffe der Politischen Nautik: Die großen Steuermänner”

  1. Paul, es bringt nichts. Nicht Heute, nicht nach 1991. Ich zitiere mich:

    „In der heutigen Epoche, nach dem Ende der UdSSR gibt es überhaupt KEINEN Unterschied in der Zielsetzung, der Thematik und den daraus resultierenden Praktiken der “Linken” und der “Rechten”. Dass es früher losging mit dem Mischmasch habe ich mehr als einmal betont. Dennoch, nach dem Jahr 1991 hat sich der Prozess der Homogenisierung der “Bewegung” dramatisch verschnellert. Waren Ideologien wie Kim Il-Sungs Juche oder der Nationalbolschewismus vor 1991, zwar konsequente aber dennoch eher exotische Produkte der politischen Sphäre, sind sie nun blosse Bausteine eines “ganzen Falschem” ( Adorno ). Deswegen muss aus heutiger Sicht die Unterscheidung zwischen den Termen aufgehoben und sie vielmehr hinzuaddiert werden.
    Aus heutiger Sicht muss eine andere Kategorienbildung erfolgen, namentlich:

    libertär – autoritär

    Dazu noch die Unterkategorien: Linke Fraktion – Rechte Fraktion.

    z.B.:

    Chavez ( Hauptkategorie – autoritär; linke Fraktion )
    Bush ( Hauptkategorie – libertär; rechte Fraktion )

    etc.“

  2. @ Fünfte Internationale

    Soll das heißen, Du hast nicht brav abgestimmt!? ;-)

  3. @ Fünfte Internationael / Momorulez / T. Albert

    Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, daß Ihr Euch so wortreich gegen das Links-Rechts-Schema wehrt, obwohl sich nach einer flüchtigen Durchsicht des Materials feststellen läßt, daß die Linke dabei besser wegkommt als die Rechte.

  4. Was mir gerade so auffällt: Auch wenn das am Anfang natürlich noch nicht repräsentativ ist, aber bisher stimmen ungefähr doppelt so viele Leute darüber ab, wer rechts ist als darüber, wer links ist. Nur mal so aus Interesse: Was für einen Grund gibt es, nur die eine Frage zu beantworten und die andere zu ignorieren?

  5. Ich habe brav abgestimmt, da besteht kein Zweifel, nur ob dieses Links-Rechtsschema in der heutigen Zeit noch Sinn macht, ist fraglich. Bestes Beispiel Pol Pot. Das was wir wissen, war dass dieses Biest nationalistisch eingestellt war, er sich aber zu recht als Maoist sah. Frage: Was ist dann Maoismus? Ist es eine rechte Ideologie von Links oder aber eine linke von Rechts? Wer war Mao? Patriot UND Sozialist. Ich glaube, das verdeutlicht es am Besten.

  6. @ Fünfte Internationale

    Ich würde mal sagen, seine Politik wird sowohl linke als auch rechte Elemente haben. Irgendwas davon wird schon überwiegen.

  7. „wird sowohl linke als auch rechte Elemente haben“

    Also war es eine Querfrontideologie. Ähnlich Gregor Strassers oder Kim Il Sungs. Du siehst also, THEORETISCH gab es Links und Rechts, PRAKTISCH dagegen selten.

  8. @ Fünfte Internationale

    Wieso, das ist durchaus praktisch! Nur handelt es sich in der Regel eben um eine Kombination verschiedener Elemente. Und trotzdem kommt nicht immer Querfront dabei raus. Wobei es unabhängig von dieser Diekussion ein interessantes weiteres Thema wäre, was genau eigentlich die Querfront ausmacht, also welche linken und welche rechten Elemente dazu zusammenkommen müssen. Vielleicht wenn ich den Kopf wieder frei hab.

  9. Ich habe bei der Abstimmung über „den linkesten“ auch länger überlegen müssen, als bei der anderen Frage.
    Einfach deswegen, weil mir die Kandidaten dort näher beeinander zu sein scheinen, als bei den Rechten (und bei den Rechten gabs ja schließlich den Kandidaten Nr.1 für eine Umfrage in Deutschland ;) ).

    Letztendlich habe ich mich für Ceauşescu entschieden.
    Er war zwar anfangs vergleichsweise moderat (dass er sich das nur erlauben konnte, weil Rumänien keine Grenze zum „Westen“ hatte, steht auf einem anderen Blatt), aber er begann ’stalinistischer als Stalin‘ sein zu wollen, als die Sowjetunion anfing, mehr und mehr davon abzuweichen.

    Da das Thema Ceauşescu bei mir aber auch etwas emotionaler ist als bei den anderen zur Auswahl stehenden Despoten, gebe ich gerne zu, etwas voreingenommen gewesen zu sein :)

  10. „Nur handelt es sich in der Regel eben um eine Kombination verschiedener Elemente. Und trotzdem kommt nicht immer Querfront dabei raus“

    Dann beantworte mir die Frage WANN denn dann eine Querfront rauskommt.

    Ein anderes Beispiel ist die RAF, ihrem Selbstverständnis nach ganz Links. Gleichzeitig aber Maoistisch, ergo Querfrontlerisch, was sich an deren Kooperation mit der PLO zeigte.

  11. nich‘ so schnell … ich bastele noch an einer subjektiven exblonden rechts-links Gegenüberstsellungs-Liste, die ich demnächst bei mir einstellen und bei Dir im Kommentarraum verlinken wollte … so, jetzt zur Umfrage … *klick*

  12. @ ex-Blond

    Danke, das ist genau das, was ich brauche! Erst mal Input und nicht schon die Diskussion über den Output bzw. warum es den nicht geben kann oder darf.

  13. @ Fünfte Internationale

    Das ist wie gesagt ein eigenes Thema. Ich will erst mal versuchen, das Links-Rechts-Schema fertigzukriegen. Danach könnte man versuchen rauszukriegen, in wie weit man die Querfront anhand des Ergebnisses erfassen kann.

  14. @Paul
    Warum kann ich bei den Linken Adolf Hitler nicht finden, finde ihnaber bei den Rechten? Konservativ war er sicherlich nicht. Die Diskussion über die politische Ausrichtung Adolf Hitlers ist schwierig und vielleicht müßig, deshalb sollte er aber fairerweise auf beiden Listen auftauchen

  15. @ Schmock

    So ist das nicht gemeint. Ich habe versucht, auf jeder Seite eine ungefähr gleiche Auswahl zur Verfügung zu stellen. Im Prinzip ist das eine in zwei Teile geteilte Umfrage, die nach demselben fragt, nur einmal in Form einer Verneinung. Deswegen sind die Fragen ja auch relativ gestellt.

  16. Kennt ihr http://politicalcompass.org/ ? Ich finde besonders die Analyse-Seite ( http://politicalcompass.org/analysis2 ) interessant. Auf der ist Adolf Hitler eher ein autoritärer Mann der Mitte. Ob diese Einschätzungen auf der Seite stimmen, ist natürlich eine andere Frage.

  17. @ thyrver

    Ist eine im Prinzip sehr interessante Seite, aber da fehlt mir noch ein bißchen die Bandbreite. Gerade am Beispiel von Hitler kann man das gut sehen. Wenn man nur zwei Parameter abfragt, kommt da ein ganz anderes Ergebnis raus, als wenn man auch nach den anderen kriterien wie Außenpolitik oder Weltbild fragt.

    Das ist letztlich das, worauf ich hier eigentlich raus will, also rauszufinden, was in den einzelnen Bereichen rechts bzw. links ist und dann ein darauf aufbauendes mehrdimensionales Raster über die Objekte legen. Nur wie man das dann online vergleichbar mit politicalcompass realisieren könnte, weiß ich noch nicht.

  18. Erst JETZT habe ich Dich verstanden. Du willst wissen, was THEORETISCH Links bzw. Rechts sein sollte. Und erst danach die Kriterien für eine Querfrontideologie zu ermittelln. Paul, wie immer genial. ;)

  19. @Paul:

    „Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, daß Ihr Euch so wortreich gegen das Links-Rechts-Schema wehrt, obwohl sich nach einer flüchtigen Durchsicht des Materials feststellen läßt, daß die Linke dabei besser wegkommt als die Rechte.“

    Wa ja eh klar ist ;-) …. nein, ich wehre mich gar nicht dagegen, da Typologien wie die folgenden zu entwickeln:

    „Das ist letztlich das, worauf ich hier eigentlich raus will, also rauszufinden, was in den einzelnen Bereichen rechts bzw. links ist und dann ein darauf aufbauendes mehrdimensionales Raster über die Objekte lege.“

    Aber bei diesen dichotomischen Entgegensetzungen oder, wie bei der Umfrage, bipolaren Gegensätzen (noch schlimmer!) kommt meistens ziemlich flaches Zeug raus.

    Zudem – im Gegensatz zu den liberalen Traditionen, z.B. – die Geschichte linker Denk-, Praxis- und Begründungsweisen immer auch eine Geschichte sich fortschreibender Selbstkritik ist, was bei den Liberalen auch mal so war, aber seit einem Umschwenken auf das Wirtschaftsliberale ist genau das ja der Dogmatik gewichen.

    Während rechte Bewegungen gerade nicht im Gegensatz dazu, aber im Gegensatz zu linken Perspektiven immer als Gegenaufklärung und geradezu definitionsgemäß und historisch sowieso als sich situieren, die anstelle der Reflexion, des Prozessualen und der Möglichkeit der Kritik dann eben „sichere“ Fundamente setzen, die gerade nicht aus der Reflexion sich speisen: Volk, Vaterland, Rasse, Nation, Religion, Führer, Markt, „Werte“, „Schcksalsgemeinschaft“ usw.

    Der Horror sich links gebender Totalitarismen ist immer aus einem Umschlagen an sich kritischer Begriffe – Geschichte, z.B. – in eine solche Reflexionslosigkeit enstanden, historisch können weniger Bildungsferne als ich z.B. Trotzki und Stalin zueinander in Beziehung setzen, um das zu verdeutlichen.

    Das ist das berühmte Umschlagen von Aufklärung in Mythologie, das Horkheimer/Adorno diagnostizierten.

  20. @momorules

    eben! merci!

  21. @ momurulez

    Also flach wird das nur, wenn man alles mit einem einzigen Parameter zu erklären sucht. Wenn man aber sozusagen die Auflösung erhöht und statt mit 1bit mit 8bit oder 16bit arbeitet, kann das schon ein ganz vernünftiges Bild geben.

  22. @Paul:

    Aber nur dann, wenn man differente Dimensionen nicht vermengt und zudem auch historische Lernprozesse einbezieht … und bipolar geht schon mal gar nicht.

  23. @ momorules

    Was genau meinst Du mit „differente Dimensionen vermengen“?

    Mit den historischen Lernprozessen ist das so eine Sache. Es geht ja um’s hier und jetzt. Andererseits ist natürlich klar, daß es immer um eine relative Positionierung geht, die früher oder in Zukunft ganz anders aussehen mag. Also auch wenn man einen von der Linken angestrebten Endzustand nicht gleich erreichen kann, ist man ja trotzdem links, wenn man sich für einen Zwischenzustand einsetzt, der diesem Endzustand näher ist als der derzeitige Zustand. Dann ist man vielleicht nicht historisch absolut links, aber doch relativ. Oder sehe ich das falsch?

    Bei der Bipolarität wiederum geht es ja nicht um ein entweder-oder in der Praxis, sondern zunächst einmal um den theoretischen Erkenntnisgewinn. Wenn beispielsweise die totale Herrschaftslosigkeit ein linkes Ziel wäre und die Herrschaft einer wie auch immer gearteten Elite ein rechtes, dann gibt es dazwischen natürlich verschiedene Schattierungen. Da weder totale Diktatur noch totale Anarchie derzeit auf der Tagesordnung stehen, wären dann in dieser Frage die Vertreter der repräsentativen Demokratie „rechts“ von den „linken“ Befürwortern einer direkten Demokratie.

  24. @Paul13:

    Ich glaube mal, daß die Vorstellungen eines „Endzustandes“ nicht so ganz up to date auf der Linken. Den Blick auf’s Ganze trauen sich doch nur noch Neocons und Liberale zu. Es gibt spezifische Kriterien.

    Dimensionen kann man anhand der Geltungsansprüche auffächern, z.B.: Normativ, Deskriptiv, Ästhetisch/evaluativ. Oder anhand gesellschaftlicher Subsysteme: Politik, Wirtschaft, Bildung usw..

    Wenn man da vermengt, wird’s absurd.

    Bipolar kann schon deshalb keine theoretischen Erkenntnisgewinn bieten, weil dann links/rechts als „Enden eines Sprektrums“ auftauchen, und alleine das ist schon deshlab sachlich falsch, weil rechtes Denken oft als Extremismus der Mitte auftritt. Diese Vorstellung kann man knicken, meiner Ansicht nach.

  25. @ Momorules

    Also noch herrschaftsloser als bei der absoluten Herrschaftslosigkeit geht’s nun mal nicht. Also ist das ein Endzustand. Und zwar einer, den jeder Anarchist als wünschenswert betrachtet. Es gibt sogar welche, die meinen, er wäre zu realisieren. Und die betrachten sich trotzdem als Linke.

    Das heißt je nicht, daß jemand, der erst mal nur mehr basisdemokratische Mitbestimmung für die Bürger und damit nur eine Machtbeschränkung der Herrschenden statt ihre völlige Entmachtung will, kein Linker mehr wäre. Vielleicht nicht so links wie besagte Anarchisten, aber doch linker als Verfechter einer parlamentarischen Parteiendemokratie.

    Das das ganze, wenn es denn praktische Relevanz haben soll, auf die von Dir genannten Subsysteme bezieht, bestreite ich gar nicht.

    Was den Extremismus der Mitte angeht, da kann ein bipolares Raster durchaus Erkenntnisgewinn bieten. Und sei es nur den, daß auch jemand, der ansonsten meistens Positionen vertritt, die in den verschiedenen Skalen der einzelnen Bereichen in der Mitte liegen, in einzelnen Fragen trotzdem extreme Ansichten hat, die auf dem Ende ihrer Skala liegen.

    Damit ließe sich dann auch konkret erfassen, in welchen Bereichen die Mitte besonders anfällig für esxtreme Abweichungen ist und in welche Richtung. Also ich fände sowas schon sehr interessant. Und mit Sicherheit fundierter als das einfach aus dem Bauch heraus festzustellen.

  26. @ Der_SP

    Sorry, daß Dein Kommentar jetzt erst erscheint, der war aus irgendeinem mit nicht einsichtigen Grund von Akismet als Spam markiert worden.

    Was Du ansprichst ist auf jeden Fall ein Problem. Das ist ja auch eine sehr subjektive Sache und die Umfrage ist nur in der Tendenz, nicht aber in den absoluten Zahlen aussagekräftig.

    P.S.: Der Kommentar steht übrigens weiter oben, ist vom Samstag, 20. Oktober 2007 um 4:58

  27. @Paul
    Ein Vorschlag, um eine Unterscheidung in links und rechts zu erhalten, ist es Themen, bei denen man einen rechten und einen linken Weg ausmachen kann, herauszustellen. Heutzutage gibt es tatsächlich in vielen zentralen Fragen in den liberalen Demokratien keinen fundamentalen Widerspruch zwischen links und rechts, da hat die fünfte Internationale durchaus recht, insbesondere ist die Systemfrage kaum noch aktuell, trotzdem gibt es, wie schon gesagt, Themen bei denen eine rechte und eine linke Position deutlich wird, z.B. Abtreibung, Rolle und Struktur der Familie, Patriotismus…
    Mit diesen Themen wird man sicher nicht alle politischen Felder abdecken, manchmal kann man nicht in rechts und links einteilen, das ist aber auch nicht nötig, um die Frage zu klären was rechts und was links ist.

  28. @ Schmock

    Etwas ähnliches versuche ich derzeit anhand der Konzentration auf ein paar politische Schwerpunkte zu erstellen, die man konkret abfragen könnte. Wird hoffentlich heute oder morgen noch fertig.

    Trotzdem würde ich gerne versuchen, da Gemeinsamkeiten zu finden, auf die sich die Standpunkte letztlich zumindest indirekt zurückführen lassen. Und die scheint es tatsächlich zu geben.

  29. […] Ebenen). Auch geht es hier entgegen anderslautenden Gerüchten nicht darum, die in unserer kleinen Umfrage als radikalste Exponenten ihrer Lager ermittelten Oberschurken der jeweils anderen Seite in die […]

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

 
%d Bloggern gefällt das: