Ché(re) im Kopf


Antiamerikanismus ist eine Seuche, die so weit verbeitet ist, daß sich damit inzwischen wohl so ziemlich alles verkaufen ließe. Wahrscheinlich könnte man sogar noch einen Vibrator mit dem Aufdruck „In Amerika verboten!“ zum Megaseller machen, und selbst Robbenbabypelze würden weggehen wie geschnitten Brot, wenn man in der Werbekampagne nur deutlich genug darauf hinweist, daß Laura Bush keinen trägt.

Ein typisches Beispiel für Antiamerikanismus als Verkaufshilfe ist auch die bekannte Fernsehzeitschrift TV-Spielfilm, die üblicherweise alles bejubelt, was sich irgendwie „kritisch“ mit Amerika oder seinem Präsidenten auseinandersetzt (es aber gleichzeitig als Propaganda diffamiert, wenn mal jemand dasselbe mit der Gegenseite macht) und jedes noch so alberne Michael-Moore-Machwerk zum Meisterwerk hochschreibt.

Umso erstaunlicher ist ein Artikel in ihrer letzten Ausgabe (20/07, S.14) über einen Dokumentarfilm des – nicht unumstrittenen – Filmemachers Wilfried Huismann zum Tode Che Guevaras, der zudem noch für den proamerikanischer Umtriebe generell eigentlich eher unverdächtigen WDR gedreht wurde. Die abschließende Bewertung von Che’s ehemaligen Kampfgenossen Dariel „Benigno“ Alarcon hat es nämlich in sich:

Huismanns Film gibt nicht vor, die Wahrheit zu kennen, stellt aber Fragen, die eine Beteiligung der USA an Guevaras Erschießung zweifelhaft erscheinen lassen. Für viele Amerika-Kritiker wäre das eine unbequeme Wahrheit. Benigno […] bestätigt das. Auf die Frage, ob der als kritisch geltende Regisseur neue Erkenntnisse in dieser Richtung berücksichtigen würde, sagt er: „Nein, das käme nicht gut an.“

Wohlgemerkt, hier geht es nicht um die Frage, ob es nun CIA-Leute waren, die Che mal zeigen wollten, wie das so ist, wenn man erschossen wird, oder ob ihre bolivianischen Hilfstruppen die Drecksarbeit für sie erledigt haben. Sondern darum, inwieweit die Berichterstattung der Medien hinter den Kulissen auf die Erwartungshaltung ihrer Kunden ausgerichtet wird. Und da gilt zweifellos: Anti-americanism sells.

~ von Paul13 - Montag, 15. Oktober 2007.

14 Antworten to “Ché(re) im Kopf”

  1. Zustimmung! Mal ehrlich, was geht mich als Deutscher das amerikanische Waffenrecht oder das amerikanische Gesundheitssystem an? Warum sollte sich jemand Sicko ansehen, außer um seinen eigenen Vorurteile zu bestätigen? Sicher nicht aus allgmeinem politischen Interesse. Ich bezweifle, dass sich das Sicko-Publikum beispielsweise auch eine Dokumentation über das finnische Gesundheitswesen ansehen würde.

  2. @ alex

    „Sicher nicht aus allgmeinem politischen Interesse.“

    Nur im erweiterten Sinne. Die Moore-Konsumenten wollen doch nur gegen den blinden Pro-Amerikanismus Einspruch einlegen, der überall grassiert. Sie haben keine Vorurteile, sondern wohlabgewogene Urteile. Und können so ein weiteres Mal sagen: Seht her, einige wenige vernünftige Amerikaner sehen es genauso!
    Deshalb müssen sie auch keine Finnland-Dokumentationen gucken, denn in dem Land ist ja alles in Ordnung. Klaro?

  3. @ all

    Wobei es ja durchaus legitim ist, sich so einen Schrott anzusehen. Ich sehe mir ja auch mitunter Schrott an. Aber daß eine Fernsehzeitung dies nicht nur bewertet, sondern das auch noch anhand der ideologischen Ausrichtung tut, ist ein Armutszeugnis. Und daß Filmemacher die Ressentiments der potentiellen Zuschauer bereits beim Drehen berücksichtigen, ist ein regelrechter Skandal.

  4. @ Paul

    auch Anti-Kommunisten haben mal klein angefangen:

    Anton

  5. @ Paul

    Und für den, dem Biermann nicht sexy genug ist, hier das Original:

    Hasta siempre …
    Anton

  6. @ Anton

    Und wenn Du endlich mit Deiner Einschätzung zu unseren 5 Freunden rüberkommst, sag ich sogar was dazu!

  7. @Anton
    Ja, das Lied ist wirklich widerlich, aber wenn Hass und Dummheit zusammenkommen…
    Es ist auch immer wieder betrüblich, von so eine Schnecke, so einen Scheiß zu hören.

  8. @Schmock
    Manche Menschen lernen dazu. Andere können das nicht und versuchen Kritiker zu diskreditieren. Die Wahrheit (über Che und die anderen Mörder tut) weh.

  9. Toni,
    wie lebt es sich denn so als Perfektionist in einer imperfekten Welt?

    Irrtümer einzugestehen und zugeben ist allemal noch ehrenvoller, als mit Rechthaberei über Leichen, einschließlich seiner eigenen, zu stolpern.

  10. @ meine fans

    Irgendwie wußte ich, dass euch das Lied gefallen würde. Und Senorita Cardone ist nun wirklich was fürs Auge. Auch wenn es sich eher um die Shakira-Version der kubanischen Revolution handelt. Aber wer sagt eigentlich, dass es keine linke Popmusik geben darf.

    In diesem Sinne: El Pueblo unido, jamás será vencido …
    Anton

  11. @ S1IG/alibaba

    Wenn Anton rauskriegt, daß sowohl die NeoCons als auch die „Neuen Philosophen“ früher noch ganz anderen Irrtümern aufgesessen sind, wird sein Weltbild wohl endgültig zusammenbrechen. Denn daß man im Laufe des Lebens was dazulernen kann und daß das dann oft die klügsten Köpfe sind, übesteigt seinen Vorstellungshorizont ganz offensichtlich, sonst wäre er jetzt nicht so überrascht.

  12. @Anton
    Linke Popmusik gibt es klar – aber wenn man Mörder darin besingt, ist das etwas pervers. So wie bei den „Nazirocker“ (die was in das Mikro rülpsen) und versuchen Verbrechnen von Adi&Co.zu leugnen und schönzureden . Da seit ihr auf einer Höhe – Glückwunsch! Auf der anderen Seite – komisch, dass Du es notwendig hast die Optik einer Französin als Vehikel für Deine kruden Argumente zu nutzen.

    @Paul
    Wir wollen einfach nicht begreifen, dass der Massenmord von Adi, Josef und Co. für eine bessere Sache war – man muss halt Opfer bringen. Es geht ja schließlich gegen den Imperialismus. Wenn man sich das lange genug einredet, dann stimmt das Weltbild. Wie schon mal gesagt: Was Ivanuschka nicht lernt, das lernt das Jägermeisterle/[…]/[…] nimmer!

  13. @ S1IG

    Senorita / Mademoiselle Cardone mag Fränzösin sein, hat aber eine spanische Mutter – daraus erklärt sich wohl auch ihr gepflegtes Spanisch.

    Was ich aber nicht verstehe: was quatschen Sie immer von Leberkleister? Ich würde diese Pampe nur trinken, wenn ich mit vorgehaltener Waffe dazu gezwüngen würde – brrr! Wenn schon Alkohol, dann sauberer Stoff nach folgendem Ranking:
    1. Calvados (französischer Apfelschnaps)
    2. badischer Obstbrand (Williamsbirne oder Pfirsich)
    3. Slivovitz
    4. polnischer Wodka (Wyborowa)
    5. Nordhäuser Doppelkorn
    6. und ab und zu nach dem Essen ein Ouzo.

    Aber Leberkleister ist genau so eine Kulturschande, wie Cola + Bier – schade um die gute Cola!

    Anton

    P.S. Für die Puristen:

  14. @Anton
    *** „Senorita / Mademoiselle Cardone mag Fränzösin sein, hat aber eine spanische Mutter – daraus erklärt sich wohl auch ihr gepflegtes Spanisch.“ ***
    Wer hat was anderes behauptet? Dennoch hast Du den Song/das Video der Dame benutzt, um ein wenig von den Taten des Mörder-Che abzulenken. Du machst es so – die Naziglatzen gröhlen halt ins Mikro. Unterschiedliche Methode – gleiches Ziel.

    Leberkleister (was für Wortschöpfung!) und Kulturschande (leicht völkischen Touch oder?) sind auf Deinem Mist gewachsen. Mit welchem Getränk Du Dir letztlich Deine Gehirnzellen weggebrannt hast ist doch unerheblich!

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