Anton on the (Cut&)Run?


Nachdem inzwischen die wildesten Gerüchte aufkamen, was denn aus unserem guten alten Anton geworden ist, ist das Geheimnis seines spurlosen Verschwindens wohl gelüftet. Falls er nicht einfach nur Urlaub hat, ist möglicherweise jemand ganz anders schuld, der Tonis Weltbild, welches im wesentlichen auf George W. Bush als zentralem Fixpunkt des absolut Bösen/Dummen/Verachtenswerten aufbaut, vor der ganzen Welt rücksichtslos zertrümmerte – nämlich der französische Präsident Nicholas Sarkozy:

“Weakness and renunciation do not lead to peace,” he warned. “They lead to war.” This warning about appeasement was intended particularly for Germany, which for commercial reasons has been resisting U.S. pressure to support effective sanctions.

Sarkozy is no American lapdog. Like every Fifth Republic president, he begins with the notion of French exceptionalism. But whereas traditional Gaullism tended to define French grandeur as establishing a counterweight to American power, Sarkozy is not adverse to seeing French assertiveness exercised in conjunction with the United States. As Kouchner put it, “permanent anti-Americanism” is “a tradition we are working to overcome.”

This French about-face creates a crucial shift in the balance of forces within Europe. The East Europeans are naturally pro-American for reasons of history (fresh memories of America’s role in defeating their Soviet occupiers) and geography (physical proximity to a newly revived and aggressive Russia). Western Europe is intrinsically wary of American power and culturally anti-American by reflex. France’s change from Chirac to Sarkozy, from Foreign Minister Dominique de Villepin (who actively lobbied Third World countries to oppose America on Iraq) to Kouchner (who supported the U.S. invasion on humanitarian grounds) represents an enormous shift in Old Europe’s relationship to the U.S.

Britain is a natural ally. Germany, given its history, is more follower than leader. France can define European policy, and Sarkozy intends to.

Angesichts solch düsterer Aussichten, die Antons Hoffnung auf eine Niederlage der USA im Irak und die Eindämmung der einzigen Hypermacht durch eine von Staaten wie dem Iran mitgestaltete multipolare Welt wie eine Seifenblase zerplatzen lassen, könnte man ihm zumindest nicht verdenken, daß er sich wieder ganz auf seine eindrucksvolle Sammlung kubanischer Briefmarken der frühen Revolutionsjahre konzentriert und sich nicht länger auf NBFS zum Affen macht. Zumal erschwerend für ihn hinzukommt, daß die ursprünglich mit dem Ziel eines sofortigen Truppenrückzugs angetretenen US-Demokraten angesichts der jüngsten militärischen Erfolge im Irak nicht mehr alles anders, sondern nur noch ein bißchen besser machen wollen:

A few months ago, the question was: Will the Democratic Congress force a withdrawal from Iraq? Today the question in Congress is: What can be done to achieve success in Iraq — most specifically, by countering Iran, which is intent on seeing us fail?

[…] And that reality is reflected even in the rhetoric of Hillary Clinton, the most politically sophisticated of the Democratic presidential candidates. She does vote against war funding in order to alter the president’s policy (and to appease the left), but that is as a senator. When asked what she would do as president, she carefully hedges. She says that it would depend on the situation on the ground at the time. For example, whether our alliance with the Sunni tribes will have succeeded in defeating al Qaeda in Iraq. But when asked by ABC News if she would bring U.S. troops home by January 2013, she refused to “get into hypotheticals and make pledges.”

Aber seien wir geduldig. Nach 2013 wird die US-Niederlage im Irak dann wirklich offiziell verkündet, versprochen! Und falls nicht, sollten mehr als 5 Jahre wirklich reichen, um sich eine gute Ausrede auszudenken, warum man schon immer ein heimlicher Bushie war.

~ von Paul13 - Dienstag, 2. Oktober 2007.

11 Antworten to “Anton on the (Cut&)Run?”

  1. Hallo Paul,
    ich glaube Anton klickt andauernd auf das kleine „Hier“ im alten Blog. Vielleicht solltest du den Link einfach entfernen, möglicherweise findet dann auch Anton aus dem Kreisverkehr heraus nach hier. Es kann schließlich nicht jeder ein versierter Technikfreak sein. Ich wünsche dir viel Spaß beim Tag der offenen Moschee morgen.

    Gruß
    Mikado

  2. Da bin ich ja doppelt froh, dass Sarko und nicht Ségo gewonnen hat!

    [i]“Britain is a natural ally. Germany, given its history, is more follower than leader. France can define European policy, and Sarkozy intends to.“[/i]

    Deutschland könnte auch europäische Politik bestimmen, wenn es nur wirklich wollte.
    Wollen wir uns wieder von einem kleinen Franzosen herumkommandieren lassen? ;)

  3. @ Paul & seine fans

    Na, will keiner mehr mit euch spielen? Aber keine Angst, ich habe den link gefunden. Hatte nur in der letzten Zeit beruflich viel zu tun.

    Nach Durchsicht der letzten Beiträge stelle ich allerdings fest, dass die hiesige Gemeinde keinen Kontakt mit der Realität braucht, so dass ich beschlossen habe, meine Beiträge auf die geistige Terrorabwehr (seitens der NeoCons) zu beschränken. Deshalb nur in Stichworten.

    1. Die Lage im Iraq ist doch prima:

    – es fliehen so viele Iraker ins Ausland, dass einzelne Gebiete schon sunniten-/schiitenerein sind. Selbst die Schließung der Grenzen ( http://www.ft.com/cms/s/0/dbb50516-5b0b-11dc-8c32-0000779fd2ac,dwp_uuid=17aab8bc-6e47-11da-9544-0000779e2340.html) ändert daran wenig.

    – sogar die Opferzahlen sinken drastisch, seitdem die irakischen Behörden diejenigen Opfer ethnisch-religiöser Konflikte, die nicht einer Bürgerkriegspartei zugerechnet werden können, einfach nicht mehr als Opfer des irakischen Bürgerkriegs zu zählen.

    – die Versorgungslage der Bevölkerung wird immer besser, die Cholera beschränkt sich auf die Infizierten (http://www.iht.com/articles/ap/2007/09/30/africa/ME-GEN-Iraq-Cholera.php) und die menschenrechtslage entwickelt sich positiv (http://www.news.com.au/story/0,23599,22510871-38201,00.html)

    – die britischen Truppen ziehen in kleinen Schritten ab und haben die Lage in ihrem Lager am Flughafen voll im Griff.

    – die irakische Regierung führt intensive Gespräche mit der parlamentarischen Opposition über die Möglichkeit, Gespräche zu führen und

    – Maliki hat mangels Alternativen gute Aussichten, der letze irakische Regierungschef vor dem Zerfall des Irak zu werden.

    – AQiI steht kurz vor der Selbstauflösung (http://www.latimes.com/news/nationworld/world/middleeast/la-fg-iraq30sep30,0,7324298.story) und auch ansonsten wird alles gut.

    Anders ausgedrückt business-as-usual. Da die Demokraten offensichtlich lieber die nächsten Präsidentschaftswahlen GANZ sicher gewinnen, als den Krieg beenden wollen, ist das weitere Prozedere ziemlich absehbar: der Bürgerkrieg wird bei langsam sinkenden Truppenzahlen so weiter gehen, wie bisher und irgendwann wird der Irak aus drei ethnisch-religiös ziemlich homogenen Gebieten und einer geteilten Hauptstadt bestehen – und was wird dann passieren? (pssst! der US Senat weiß es schon). Zu hoffen bleibt, dass Hillary dann noch genug Kampftruppen im Land hat, um den verblebenen Amerikanern den Wer zum Flughaben bzw. zur Küste zu sichern.

    mfG
    Anton

    P.S. Zu dem zitierten dummen Geschwätz über die neue französisch-amerikanische Achse unter Sarkozy nur so viel: Deutschland mag begrenzte imperiale außenpolitische Ziele haben – aber dass die jeweilige bundesdeutsche Regierung nicht jedes militärische Abenteuer mitmacht, sollten die letzten Jahre doch gezeigt haben. Über die These, dass Frankreich Europas (Außen-)politik „definieren“ könne, will ich gnädig schweigen.

  4. Zur tollen Regierung des Irak hier mal ein Beitrag vom Neocon und Kriegsbefürworter Christopher Hitchens: „Die drei Kriege im Irak“

    http://debatte.welt.de/kommentare/39745/die+drei+kriege+im+irak

    Wenn die irakische Regierung für die Schiiten Partei ergreift, beteiligt sie sich auch am Bürgerkrieg! Und genau Malikis Partei greift Hitchens an.
    Wer weiß besser als wir Deutschen, dass auch gewählte Regierungen eine Menge Scheiße bauen können?

  5. @ Tyrion

    Die Regierung Maliki mag nicht die fähigste sein, aber das ist meist das Schicksal einer Demokratie. Dafür ist es dann auch in der Regel nicht die schlimmstmögliche.

  6. @ Mikado

    Anton hat die Kurve noch gekriegt, aber ich fürchte, Realdenker werden wir nie mehr wiedersehen. Möge er in der Tiefe des Cyberspace Ruhe finden…

  7. @Chewey

    Ja, kaum hatte ich das getippt schon war er wieder da. Anscheinend gab’s mit dem neuen Blog auch gleich einen Sündenerlass oder habe ich Antons Stellungnahme zu den Magic Five verpasst? Aber ich wußte ja von Anfang an wie das Enden wird. ;-)

    Gruß
    Mikado

    P.S.: Realdenker gibt’s doch wie Sand am Meer. Ist nur eine Frage der Zeit bis wieder einer auftaucht.

  8. @ Mikado

    Nein, war kein Sündenerlaß, ich hatte nur vor lauter Mickey Mäusen in meinem Kopf (ich war über’s Wochenende in Disneyland) schlicht und einfach nicht dran gedacht. Ist aber schon wieder gelöscht.

  9. @ Mikado

    „Realdenker gibt’s doch wie Sand am Meer“

    Das stimmt schon, aber sie sind nicht alle solche putzigen, possierlichen Kerlchen wie eben dieser spezielle Realdenker. Aber was soll’s? Schauen wir noch vorne!

    @ Paul

    Und ich dachte, Mickey Maus ist nicht mehr:
    http://napauleon.typepad.com/nobloodforsauerkraut/2007/07/mickey-mouse-is.html
    Beruhigend zu hören, dass sie wiederbelebt werden konnte.

  10. @ Chewey

    Wenn ich es nicht besser wüßte, würde ich sogar sagen, es gibt mehr als eine. Oder sie muß verdammt schnell sein. ;-)

  11. *** es fliehen so viele Iraker ins Ausland, ***
    Nun können sie fliehen, bei Saddam ging die Reise ins Massengrab. War bestimmt besser…

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