Tatütata, die Paulizei ist da


Uii, da ist meine letzte Blogrollsäuberungsaktion ja doch noch zum Politikum geworden. War wohl zu lange ruhig in Kleinbloggersdorf. Jedenfalls mündete das ganze bei der (paläo)konservativen „Gegenstimme“, die sich gerade verdächtig weit über den Abgrund beugt (vermutlich um nachzusehen, ob PI schon unten angekommen ist) in einer – übrigens ausgesprochen unterhaltsamen! – Diskussion, in deren Verlauf unter anderem die Frage aufkam, ob der Macher der dort beworbenen Antifa-Satire wirklich nur ein harmloser Witzbold ist oder ob seine Seite Opponent.de für einen anständigen CDU/CSU-Konservativen nicht doch ein bißchen zu weit rechts außen steht.

Da bei der Gegenstimme derzeit die Ressourcen für eine genauere diesbezügliche Recherche fehlen und die Leser nicht mal zu wissen scheinen, was „Neue Rechte“ bedeutet, helfe ich gerne, eventuell vorhandene Informationslücken aufzufüllen. Aaaalso, schon bei einem flüchtigen Blick auf den „Opponent“ fallen auch dem unbedarften Besucher einige Links auf, die man auf einem normalen Merkel-Fanblog wohl eher selten zu sehen kriegen dürfte. Selbst wenn ein einzelner davon mal aus Ausrutscher durchgehen mag, stellt sich in dieser Häufung schon die Frage, ob uns der Blogbetreiber damit nicht doch irgendwas sagen möchte, was selbst einen Strauß-Konservativen ein bißchen stutzig machen sollte.

Zunächst findet sich dort die einschlägig bekannte „Junge Freiheit„, die rechts der Union den haselnußfarbenen Bereich bis zur (Zellen)Wand abdeckt. Das sind natürlich noch keine Nazis, die am Tage der Machtergreifung Martin Hohmann zum Führer ausrufen wollen, aber ich würde sie trotzdem nur sehr ungern in Versuchung geführt sehen. Das sah offenbar auch der Verfassungsschutz so und hatte deswegen ein paar Jahre lang sicherheitshalber mal ein Auge drauf. Unabhängig davon sind die revisionistischen und nationalistischen Tendenzen des Blatts aber ohnehin nichts, womit ein gemäßigter, der Westbindung verpflichteter Adenauer-Konservativer gerne in Verbindung gebracht werden wollen sollte.

Die Zeitschrift „Sezession“ gehört dem Dunstkreis des „Instituts für Staatspolitik“ an, welches laut Verfassungsschutz wiederum Teil des „Projekts ‚Junge Freiheit'“ ist, aus deren Umfeld auch seine Gründer kommen. Daß dort, wie auch in anderen Publikationen der „Neuen Rechten“, in Ausnahmefällen zu Alibizwecken auch mal kluge Köpfe zu Wort kommen, ändert nichts daran, daß der Ton von Kameraden ganz anderen Kalibers vorgegeben wird. Der „Opponent“ verlinkt das IfS denn auch bezeichnenderweise unter dem Namen von dessen Obermotz Götz Kubitschek, der einst wegen rechtsextremer Bestrebungen hochkant aus der nicht nur von Dregger-Konservativen geschätzten Bundeswehr geworfen wurde.

Den Link auf die „Blaue Narzisse“ kann man insofern, als es zwischen ihr und dem „Opponent“ gewisse personelle Verflechtungen gibt und man auf seinem Blog natürlich auch für seine anderen Projekte Reklame machen darf, menschlich noch verstehen. Aber genau wie sich die „Sezession“ nicht mit dem amerikanischen Bürgerkrieg beschäftigt, so ist die „Blaue Narzisse“ auch kein Fachblatt für den Blumenfreund, sondern eine als Schülerzeitung gegründete Onlinepublikation, die, falls sie mit rechtsextremen Elementen tatsächlich nur spielt, dies auf ihrem Spielplatz zumindest sehr gerne und ausgiebig tut. Jedenfalls ausgiebig genug, um einen Schäuble-Konservativen ernstlich ins Grübeln zu bringen.

So harmlos wie die „Blaue Narzisse“ klingt, so eindeutig kommt das „Sturmvolk“ rüber. Auch wenn es sich selbst als konservatives Blog bezeichnet, so ist die Begründung für den Blognamen („guter Klang“) kaum weniger befremdlich als die halbherzige Distanzierung vom historischen Vorbild, dem nationalistischen Kindergarten von Werner Lass, der es während des 1000-jährigen Reichs zum im Rückblick nur wenig ruhmreichen Posten des Amtsleiters Reichspresse in der Reichspressestelle brachte. Wie bei der „Blauen Narzisse“ sollte auch ein Schönbohm-Konservativer sich angesichts solcher „Empfehlungen“ fragen, ob da der Begriff „konservativ“ nicht zumindest ein wenig ungewöhnlich interpretiert wird.

Zugegeben nicht ganz so offensichtlich, dafür umso unappetitlicher ist der Link auf die österreichische Zeitschrift „Zur Zeit„. Diese hat nichts mit der deutschen Wochenzeitung ähnlichen Namens zu tun, mit der rechts-populistischen FPÖ dafür umso mehr. In ihrem heroischen Kampf gegen die „Faschismuskeule“ und für ein „Ende der Vergangenheitsbewältigung“ wird der Schicklgruber Adi dann schon mal als „großer Sozialrevolutionär“ verklärt, der anders als der echte Sir Winston keine Schuld am II. Weltkrieg gehabt hat. Wenn dann Artikel auch noch mit Parolen wie „Deutschland Erwache!“ enden, dürfte das selbst eingefleischten Oettinger-Konservativen deutlich zu weit gehen.

Nun kann man natürlich argumentieren, daß man nicht immer die Muße hat, sich mit der Blogroll verlinkter Seiten auseinanderzusetzen. Das ist zwar nicht sehr klug, aber bitte schön, jeder wie er mag. Aber ein kurzer Blick auf den Inhalt der Seite selbst wäre mitunter schon anzuraten. Sonst sitzt man nämlich schnell mit Leuten in einem Boot, die unter Hetzjagd von Mügeln die auf dessen stolzen deutschen Bürgermeister verstehen und dem Wohl von Naziskins oder NPD-Politikern mehr Raum einräumen als dem ihrer Opfer. Und auch wenn Eva Herman mit Nachnamen sicher weder Braun noch Göring heißt, sollten sogar Stoiber-Konservative eine Soli-Kampagne für sie als übertrieben erachten.

Doch auch der Betreiber der Seite ist kein ganz so unbeschriebenes Blatt, wie man vielleicht meinen möchte. Neben seiner Mitarbeit bei der oben erwähnten „Blauen Narzisse“ ist er nämlich zugleich stellvertretender Bundesvorsitzender der Schlesischen Jugend. Das allein ist sicher noch kein Verbrechen, selbst wenn das umgekehrt bei der Führung eines Vertriebenenverbands im Einzelfall sogar hilfreich sein kann, wie wir spätestens wissen, seit Yassir Arafat den Friedensnobelpreis gekriegt hat. Wenn aber die Organisation, für die der Blogbetreiber steht, so viele Verbindungen ins rechts-revanchistische Lager zu haben scheint, sollte zumindest ein aussöhnungsbereiter Kohl-Konservativer hellhörig werden.

Damit das nicht mißverstanden wird: Anders als der handelsübliche PC-Gutmensch habe ich kein Problem damit, daß rechte Spinner Ihren Unsinn genauso verbreiten dürfen wie linke Spinner, solange sie sich dabei auf dem Boden der vielzitierten FDGO bewegen. Miteinander zu reden ist in der Regel immer noch besser als aufeinander zu schießen. Und es steht selbstverständlich auch jedem frei, sogar Schmuddelkinder zu verlinken. Nur sollten gerade diejenigen, die sich über die Hygiene ihrer politischen Gegner mokieren, nicht vergessen, daß wer im Schlamm spielt, die Aufforderung, sich die Hände zu waschen, doch besser etwas ernster nehmen sollte. Sonst bleiben unschöne braune Flecken.

~ von Paul13 - Dienstag, 11. September 2007.

Eine Antwort to “Tatütata, die Paulizei ist da”

  1. […] dieses Konflikts sind bis heute sprbar und ab und an bekommen wir heute noch Besuch von der Paulizei. Einmal hat sich sogar Herr Ulfkotte auf unsere Seite verirrt. Unseren letzten Popularittschub […]

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