Cut & Run from East of Suez


Das Bündnis der Alliierten im Irak bröckelt. In bislang ungekannter Schärfe haben drei britische Generäle die Strategie der Amerikaner und des früheren Pentagon-Chefs Rumsfeld gerügt. Mehrere hundert britische Soldaten sollen ab heute den letzten Stützpunkt in der Stadt Basra verlassen.

Das sind Nachrichten, wie sie der SPIEGEL liebt. Er liebt sie sogar so sehr, daß er sie am Tag darauf gleich noch mal unterbringen muß:

Die britischen Truppen im Südirak haben mit dem Abzug aus ihrem Hauptquartier in Basra begonnen. Im Herbst will London das gesamte Gebiet bis auf den Flughafen den irakischen Sicherheitskräften übergeben. Britische Offiziere kritisierten die Irak-Politik der USA in ungewohnter Schärfe.

Dumm nur, daß weder die Briten derzeit in der Position sind, ihren Verbündeten irgendwelche Vorhaltungen zu machen, noch der SPIEGEL, sich diesbezüglich zustimmend zu äußern.

Denn an der Weisheit der Strategen der einstmals für ihre Professionalität gerühmten britischen Armee sind durchaus gewisse Zweifel, gefolgt von ein paar dicken Fragezeichen, angebracht, da die aktuellen Leistungen der Briten im Südirak vorsichtig ausgedrückt nicht unumstritten sind. Während die US-Streitkräfte von ihrer traditionell erstaunlichen Fähigkeit, sich flexibel an das Verhalten ihrer Gegner anpassen zu können, profitieren konnten, wie sie zuletzt mit „the surge“ erneut unter Beweis stellten, haben die Briten nach einem durchaus vielversprechenden Start offenbar vergessen, daß Professionalität nicht nur bedeutet, daß man den letzten Krieg diesmal besser führen könnte.

Womit wir bei der Rolle des SPIEGEL wären. Denn auch dieser hat das Vorgehen der britischen Armee immer wieder gerne als leuchtendes Vorbild dem rambohaften Vorgehen der amerikanischen Cowboys gegenübergestellt. Und jetzt, wo die Briten sich in ihren Stützpunkten verbarrikadiert und damit letztlich genau das getan haben, was die westlichen Medien ironischerweise gerade den Amerikanern immer wieder unterstellt haben, nimmt man die Kritik britischer Offiziere nicht als das, was sie sind – also den durchsichtigen Versuch, angebliche Fehler anderer ins Gespräch zu bringen, bevor jemand dumme Fragen zur eigenen Performance stellt – sondern als objektives Urteil der Fachleute.

Dabei kommt das Umland von Basra, das vorher immer wieder als Modellbeispiel dafür herhalten mußte, wie die tumben Yankees es besser hätten machen sollen, inzwischen jenem Zustand, den sich der Kriegsgegner gemeinhin so unter Cut&Run vorstellt, am nächsten, und dabei sind die Briten ja noch gar nicht abgezogen. Die Stadt ist zunehmend ein „Gangland“, in dem sich die schiitischen Milizen und Banditen auf Kosten der Bevölkerung an den Kragen gehen, während die britischen Offiziere aus sicherer Entfernung zuschauen, statt dem Treiben ein wohlverdientes Ende zu setzen. Das war mal anders, und das macht es doppelt betrüblich, denn eigentlich können sie es ja besser.

Leider können sie es auch schlechter. So gesehen sind ihre amerikanischen Kollegen noch viel zu nett, wenn sie den Briten ein chronisches Nordirlandsyndrom unterstellen. Denn das, was die ehemaligen Kolonialherren inzwischen in ihrem Zuständigkeitsbereich abliefern, erinnert nicht nur wegen der verwendeten Schützenpanzer an einen anderen, weniger ruhmreichen Ort der britischen Kriegsgeschichte. Und der heißt nicht Nordirland. Sondern Bosnien.

~ von Paul13 - Montag, 3. September 2007.

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