Bagdad Waterloo


Letzteres müssen die Islamofaschisten offenbar kürzlich von der Öffentlichkeit unbemerkt erlebt haben. Anders ist nicht zu erklären, daß selbst dem Sturmgeschütz der Demokratie plötzlich aufgegangen zu sein scheint, daß diese Rolle im Irak nicht von einem linksliberalen Nachrichtenmagazin aus Basra, sondern von den Streitkräften der Vereinigten Staaten von Amerika ausgefüllt wird. Diese nach 4 Jahren nun wirklich nicht sonderlich neue Erkenntnis war dem SPIEGEL in seiner aktuellen Printausgabe (32/07, S.84ff) sogar eine eigene Titelgeschichte wert.

Ok, dort wird manchmal immer noch von Besatzern statt Befreiern gesprochen, und auch das Gerede von den Kriegslügen klingt schal wie immer, aber immerhin geht sogar das T-Wort dem SPIEGEL jetzt endlich problemlos über die Lippen. Wo es früher von Widerstandskämpfern, Rebellen, Militanten und sonstigen Aktivisten nur so wimmelte, ist heute „vom mafiösen Regime der Terroristen“ die Rede. Und angesichts der Tatsache, daß der SPIEGEL seine erstaunliche 180°-Wende ja irgendwie verkaufen muß, muß man Verständnis dafür haben, daß er die Wahrheit seinen Lesern wo irgend möglich nur in verträglicher Dosierung beibringt.

Denn die ist so schon hart genug für den durchschnittlichen Kriegsgegner. Sie spiegelt sich jetzt nämlich in für deutsche Medien geradezu unglaublichen Sätzen wieder, wie beispielsweise „Wenn die Welt vom Irak spricht, ist sie taub geworden für ein Wort: Frieden. In Wahrheit ist es den Amerikanern gelungen, vielerorts die Ordnung wiederherzustellen.“ oder gar „Der Terror schwächelt, die Nihilisten sind unter Druck geraten, sie dünnen aus.“, die nicht nur irgendwo im Text versteckt werden, sondern als Schlagzeilen regelrecht hervorgehoben werden. Und es kommt am Beispiel der irakischen Stadt Ramadi noch härter:

„Ramadi ist ein Beleg dafür, dass das US-Militär erfolgreicher ist, als es die Welt wahrhaben will. Ramadi zeigt, dass große Teile des Irak, nicht nur die Anbar-Provinz, auch viele andere ländliche Gegenden entlang Euphrat und Tigris heute so gut wie befriedet sind. Es ist eine Nachricht, die die Welt nicht hört: Ramadi, das die längste Zeit ein glühender Unruheherd war, eine Stadt, die sich im Ausland nur zitiert fand als die Südwestspitze des berüchtigten „sunnitischen Dreiecks“, erzählt jetzt eine neue Geschichte, eine von Amerikanern, die als Befreier kamen, zu verhassten Besatzern wurden und die nun zur Schutzmacht des irakischen Wiederaufbaus werden.“

Angesichts derart lobenswerter tätiger Reue wollen wir mal gnädig darüber hinwegsehen, daß es nicht zuletzt der SPIEGEL war, der seine meinungsbildende Position in Deutschland lange Zeit vor allem dazu mißbrauchte benutzte, die Menschen permanent vom Gegenteil zu überzeugen. Genauso wie wir an dieser Stelle die Frage nicht näher erörtern wollen, ob die Amerikaner wirklich zu verhassten Besatzern wurden, oder nur von den westlichen Medien bzw. jenen kurzfristig denkenden sunnitischen Clanführern, die eben diese Schutzmacht des Wiederaufbaus lange Zeit mit Gewalt verhindern wollten, erst dazu gemacht wurden.

Diese Ausgabe des SPIEGEL bietet noch eine ganze Reihe weiterer Überraschungen zu Themen wie „Unter Saddam gab es wenigstens den ganzen Tag Strom“, „Die US-Soldaten sind bei den einfachen Irakern verhaßt“ oder „Nur Michael Yon kann den Alltag im Irak treffend schildern“. Bei allen auch in diesem Artikel natürlich vorhandenen einzelnen Kritikpunkten, aber wohl selten waren die €3,50 so gut angelegt wie für dieses SPIEGEL-Heft. Nicht nur, wenn man gerade auf einem Campingplatz festsitzt und nur für teures Geld schneckenlangsam per Handy ins Internet kann. ;-)

~ von Paul13 - Montag, 6. August 2007.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

 
%d Bloggern gefällt das: