Germans to the front!


Da der nachfolgende Kommentar zur Erwiderung auf den vorhergehenden Kollateralschaden-Artikel der Freiheitsfabrik über diesen hinaus die Grundsatzfrage nach den zulässigen militärischen Mitteln demokratischer Staaten anspricht, soll er hier an herausgehobener Stelle behandelt werden:

Die reductio-ad-absurdum funktioniert hier auch in die entgegengesetzte Richtung: Wenn man das eh nie sicherstellen kann, dann kann man ja auch gleich zu Flächenbombardements von Städten, in denen sich irgendwo Terroristen aufhalten, übergehen. Damit erwischt man garantiert mehr Terroristen als durch no so viele gezielte Bombardements vorher mühsam aufgeklärter Einzelziele.

Das ist spätestens seit Vietnam erwiesenermaßen falsch. Gerade bei irregulären Kämpfern bringen Flächenbombardements gar nichts, außer sich selbst unbeliebt zu machen. Das wäre also nicht nur nach heutigen Maßstäben unmoralisch, sondern auch kontraproduktiv.

Möglicherweise gibt es ja irgendeine goldene Mitte zwischen Radikalpazifismus und Radikalbombardierung.

Genau, gibt es. Und zwar vor allem Angriffe mit Präzisionswaffen wie in dem angesprochenen Fall. Aber selbst das schließt, wie wir hier sehen, eben nicht 100%ig aus, daß sich skrupellose Kriegsverbrecher jederzeit unbemerkt ein paar Geiseln halten können. Was ihrer Verherrlichung als teilweise gemäßigte Widerstandskämpfer aber bekanntlich keinen Abbruch tut.

Ich vermisse hier gerade eine Diskussion, wo diese Mitte liegt und ob und warum die Amis gegenwärtig genau auf dieser Mitte sich befinden.

Sie befinden sich nie genau in dieser Mitte, sondern liegen mal drüber und mal drunter. Aber wenigstens bemühen sie sich drum, diese Mitte zu finden. Und zwar wie ihre engsten Verbündeten, die Israelis und Briten, wohl mehr als jede andere Armee in der Kriegsgeschichte. Aber selbst das reicht offenbar nicht, um unter den eigenen Verbündeten eine unzweideutige Solidarität im Kampf gegen den Terror einfordern zu können.

Die Unbeliebtheit der amerikanischen Truppen in Afghanistan legt ja zumindest nahe, dass sie das möglicherweise nicht tun.

Fremde Truppen sind nie beliebt. Hier in Deutschland werden sie bis heute mit Ressentiments betrachtet und nicht selten noch als Besatzer beschimpft. So what?

Und der freiheitsfabrik-Blogeintrag hat ja immerhin auch eine alternative Vorgehensweise genannt (Bodentruppen). Auch darauf sind Sie nicht eingegangen.

Oh, war keine böse Absicht. Das ist tatsächlich ein ganz wichtiger Punkt. Bodentruppen wären nämlich wirklich eine konkrete Alternative. Nur ist irgendwie kaum einer bereit, selbige zu diesem Zweck – also zum Kämpfen – zu stellen. Die Arbeit machen einige wenige, der Rest drückt sich. Die Deutschen, die Luftangriffe wie diesen so gerne kritisieren, haben 6 (in Worten sechs) Mann in den Süden Afghanistans geschickt. Beschwerden also bitte an das Bundesministerium der Verteidigung, Stauffenbergstraße 18, 10785 Berlin.

Und noch was: Wenn besagte Bodentruppen dann in richtige Gefechte geraten und die ersten Leichensäcke in Deutschland eintreffen, möchte ich nichts hören von wegen „Warum erledigt man so was nicht aus der Luft?“. Genausowenig, wie ich dann irgendetwas mit der unsäglichen antiisraelischen Hetzpropaganda vergleichbares sehen möchte, die aus den Löchern kroch, als die Israelis genau das in Dschenin gemacht haben und das Leben ihrer eigenen Soldaten riskiert haben, wo es ein paar wohlplazierte Bomben auch getan hätten.

Ich erinnere mich da übrigens an einen Vorfall relativ kurz nach der Einnahme Bagdads durch die Amrikaner 2003: Die Amis hatten aus einer Quelle erfahren, dass Saddam Hussein (der war zu der Zeit noch nicht gefasst) sich in einem bestimmten Restaurant in Bagdad aufhielte. Daraufhin wurde ein Bomber losgeschickt, der dort hinflog und besagtes Restaurant dem Erdboden gleichmachte. Es gab ca. 15 Tote, darunter Frauen und Kinder, Hussein war nicht darunter. Ich persönlich habe mich bei dieser Nachricht gefragt, ob das betreffende US-Oberkommando noch ganz bei Trost ist (ich hätte mich das auch gefragt, wenn einer der Toten tatsächlich Hussein gewesen wäre). Was sagen Sie denn dazu?

Dazu sage ich, daß wenn die Amis 1945 beispielsweise den Führerbunker in Berlin hätten erwischen können, das zulässig gewesen wäre, weil es im Erfolgsfall unterm Strich eine Menge Menschenleben gerettet hätte, wenn auch sicher nicht die derjenigen, die das dann als Kollateralschaden mit dem Leben bezahlt hätten. Solange die Amis also nicht wie ihre Gegner das Restaurant in die Luft jagen, gerade WEIL es ein nur von Zivilisten besetztes Restaurant ist, sollten wir uns zunächst mal über letztere aufregen.

~ von Paul13 - Freitag, 22. Juni 2007.

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