Die Freiheit, die ich (nicht) meine


Der auch bei den WMD veröffentlichte NBFS-Kommentar zum jüngsten Beispiel für typisches SPIEGEL-Sprech ist offenbar nicht überall auf Zustimmung gestoßen:

Die Waffenkammer der Demokratie und die Sauerkräutler erklären einhellig/einstimmig/gleichlautend/geclont:

Geklont. Und zwar schlicht und einfach deshalb, als die Waffenkammer der Demokratie größtenteils nur ein Schaufenster zu anderen Blogs ist, und das ist in diesem Fall eben das meinige.

[…] ‘der Spiegel’ (wer immer das sein mag) habe nur im Textinneren versteckt die Wahrheit über die sieben in Afghanistan getöteten Kinder berichtet (wobei ich mal davon ausgehe, dass die Meldung einen Tatsachen beschreibenden substanziellen Kern hat …).

Wie tatsächlich versteckt das sein mag und wie sehr ich auch ‘dem Spiegel’ (wer immer das sein mag) zutraue, dass er nach eigenen ideologischen Interessen handelt+formuliert (was ja schliesslich jeder tut), so sehr sehe ich auch eine andere Lesart des ‘Versteckens’: es ist bekannterweise (und wer’s halt nicht weiss, ist ein schlichter Depp) ’state of the art’ terroristischer Menschenzerplanung, sich in Unschuldige (vulgo+medienwirksam: zuvörderst Kinder und Frauen) zu hüllen, um Angreifern auf den eigenen terroristischen Leib gleich die Unschuldigen mit auf die politische Rechnung setzen zu können.

Diese Rechnung geht ja auch ganz offensichtlich auf, wie die Reaktion der Freiheitsfabrik beweist.

[…] Das erstaunt niemanden, der an dem terroristischen Unrat jemals näher geschnüffelt hat: es stinkt bestialisch.

Also den typischen Konsumenten westlicher Massenmedien erstaunt das sehr wohl, denn detaillierte Beschreibungen über Fehler und Verbrechen bekommt er dort nur über die Ausnahmen im Westen, nicht aber über den Normalzustand bei seinen Feinden. Letzterer taucht, wenn überhaupt, dann höchstens sehr abstrakt zusammengefaßt in den Medien auf. Anders sind die grotesken Ergebnisse der Umfragen zu den größten Bedrohungen des Weltfriedens auch kaum erklärbar.

[…] Dass aber eine westwertige Kulturelite (Waffenkammer + Sauerkraut zum befürwortenden Appell antreten!) auf Grund der puren Möglichkeit (gesichertes Gerücht?),

Die Tatsache, daß Terroristen da waren und auch getroffen wurden, zeigt, daß es sich ja wohl kaum um ein bloßes Gerücht gehandelt haben kann.

[…] Schuldige (was immer das sein mag) zu eliminieren, es billigend in Kauf nimmt (weil eben wohl wissend, wie Terroristen ihren letalen Abgang – wo möglich – noch politisch wirksam mit Kinderleichen zu garnieren pflegen), dass ihr Angriff kollateralen Tod in nicht unerheblichem Massstab erzeugt, das scheint schon eine Sondermeldung wert zu sein.

Also mal ganz unabhängig von der Diskussion über die Frage, inwieweit man im Krieg Kollateralschäden in Kauf nehmen darf oder nicht, ging es hier gar nicht darum, daß die Amerikaner von der Anwesenheit der Kinder wußten (was auch schwierig zu erraten gewesen wäre, da die Terroristen sie ja daran gehindert haben, vor die Tür zu gehen) und trotzdem losgeschlagen haben, sondern darum, daß sie von deren Anwesenheit selbst überrascht waren. Dieser Einwand macht also nur Sinn, wenn man verlangt, die Anwesenheit von Zivilisten notfalls unter Einsatz einer Kristallkugel mit absoluter Sicherheit ausschließen zu können.

Da es sich hier aber nicht um eine Polizeiaktion perfekt funktionierender Fernsehhelden, sondern um einen richtigen Krieg handelt – gegen einen völlig barbarischen Gegner zudem -, ist eine derartige Garantie natürlich nie möglich. Das aber bedeutet nichts anderes, als daß der Westen unter diesen Voraussetzungen jegliche Kampfhandlungen gegen jede Art von Terroristen und Tyrannen mit sofortiger Wirkung einzustellen hätte, und zwar selbst dann, wenn diese einfach trotzdem weitermachen. Also dann doch lieber den Radikalpazifismus der 80er-Jahre. Der war in seinem Drang zur Selbstzerstörung wenigstens ehrlich.

[…] Da gilt für mich kein quantitativer Gleichbehandlungsgrundsatz: was bei verhinderten Massenmördern (würden sie können, wie sie wollten, sie hätten eine Atombombe unter’m Pulli) eine schlichte Selbstverständlichkeit ist (Missachtung des Lebensrechtes anderer Menschen), das DARF bei den Waffenträgern der Modernen Demokratie als eine Besonderheit hervorgehoben werden (Missachtung des Lebensrechtes anderer Menschen).

Das wäre dann richtig, wenn es diesen Gleichbehandlungsgrundsatz auch seitens der Massenmedien gäbe. Also rund um die Uhr und auf jeder Titelseite Völkermord in Darfur, Giftgasangriffe im Irak, Handabhacken in Saudi-Arabien, Exekutionen in Gaza, Bombenanschlag wieder im Irak, Steinigungen im Iran, Hinrichtungen in China, Kopfabschneiden wieder im Irak, Politterror in Zimbabwe, unterbrochen nur vom Loblied auf die relativen Segnungen der Demokratie, und wenn wir durch sind, das ganze wieder von vorne. Dann kann man die höheren Anforderungen an den Westen auch nicht mehr zu einer verzerrten Darstellung mißbrauchen. Sag Bescheid, wenn es soweit ist.

[…] Für die Getöteten und Gequälten spielt es keine Rolle, wie ‘moralisch’ sie getötet wurden, wie edel der Impuls war, der ihnen das Lebenslichtlein ausgeblasen hat. Wer am Lebensrecht des Einzelnen sich orientiert (blind gegenüber politischen Utilitarien und gemutmassten Zukünften), dem verschwimmt die moralische Rechtfertigung des Mordens endgültig – vernunfttot oder ideologietot: tot ist TOT.

Für das Opfer macht es sicherlich keinen großen Unterschied, wenn es erst mal tot ist. Für die Bewertung der Umstände, die dazu geführt haben, und damit auch die der Täter, hingegen sehr wohl. Man braucht gar nicht das große Rad mit dem Unterschied von Hiroshima zu Auschwitz zu drehen. Wir wollen auch nicht über die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Todesarten zwischen Raketenangriff und Folterkammer reden. Es sollte schon ausreichen, die auf dem Schlachtfeld von einer Gewehrkugel getroffenen „Vernunfttoten“ (wer denkt sich so was eigentlich aus?) den vom selben Kaliber ermordeten „Ideologietoten“ des Erschießungskommandos gegenüberzustellen, um zu wissen, daß sich da jemand mit seinem Artikel ganz böse verrannt hat.

~ von Paul13 - Donnerstag, 21. Juni 2007.

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