Stell Dir vor, man spielt Krieg, und jeder geht hin


Heiligendamm – Am Sicherheitszaun um den Tagungsort wurden Demonstranten am Nachmittag um etwa 50 Meter von der Polizei zurückgedrängt. An der belagerten Kontrollstelle an der Galopprennbahn hatte die Polizei alle Protestler zunächst aufgefordert, sich zurückziehen.

[…] Die Organisatoren der Blockaden werteten ihre Aktionen als „großen Erfolg“. „Wir haben zwei Zufahrtsstraßen zum G-8-Gipfel erfolgreich eingenommen. Damit sind wir sehr zufrieden“, sagte Christoph Kleine von der Gruppe Block G-8.

Nach seinen Angaben haben etwa 5000 bis 6000 Personen aus dem Camp Reddelich eine Zufahrtsstraße zwischen Bad Doberan und Heiligendamm blockiert. Rund 3000 weitere seien aus dem Camp Rostock in das zwei Kilometer entfernte Börgerende gezogen und hätten dort ebenfalls eine Straße blockiert.

[…] Den Demonstranten war ein Überraschungscoup gelungen, um die Polizeisperren zu umgehen. Wie auf Kommando stürmten Tausende G-8-Gipfelgegner auf den Sicherheitszaun zu, der den Tagungsort Heiligendamm vor den Demonstranten schützen sollte. Bei Reddelich drangen Tausende bis unmittelbar an den Zaun vor. Einige Demonstranten blockierten die Gleise der sogenannten Molli-Bahn zwischen Bad Doberan und Heiligendamm, die Journalisten zum Gipfel transportieren sollte.

Zur gleichen Zeit ging die Polizei wenige Kilometer entfernt mit Wasserwerfern und Tränengas gegen Anti-G-8- Demonstranten vor. Sie hatten östlich von Heiligendamm versucht, eine Zufahrtsstraße zu erreichen.

[…] Die seit mehreren Tagen trainierte Aktion zur Umgehung der Polizeisperren verlief nach dem sogenannten Fünf-Finger-System. Die G-8-Gegner teilten sich also in fünf Gruppen auf, die sich getrennt auf den Weg machten – zunächst auf der Bundesstraße 105 nach Bad Doberan, aber auch durch Wälder und Rapsfelder, um die Polizei zu umgehen.

Kurz nach Aufbruch vom Camp hatten sie rund 50 Polizisten gegenübergestanden, die die Straße abriegelten. Daraufhin rannten die Demonstranten in einen angrenzenden Wald. Auf der anderen Seite des Forstes hinderten sie Polizeiautos kurzzeitig an der Verfolgung, indem sie große Äste auf die Straße warfen.

Also ich kann mir nicht helfen, aber wenn man so liest, wie da belagert, vorgedrungen, gestürmt, zurückgezogen und um jeden Meter gekämpft wird, wie Straßen eingenommen bzw. abgeriegelt, Gleise blockiert oder Sperren umgangen werden, und das bei Bedarf auf Kommando mit vorher trainierten Aktionen und in systematisch aufgeteilten Gruppen, dann bekommt man schon irgendwie den Eindruck, den Deutschen fehlt mal wieder ein richtiger Krieg. Zumindest scheinen da einige Leute nicht drüber wegzukommen, daß sie zu alt für die katholischen Pfadfinder sind.

Aber immerhin wissen wir jetzt, wie man sich im alternativ-pazifistisch angehauchten Milieu politisch korrekt die Zeit vertreibt: Statt sich moralisch fragwürdig mit Gotcha!-Farbkugeln einzusauen oder bei Counterstrike wenigstens zur virtuellen Kalaschnikow zu greifen, tut es hier die traditionelle Schnitzeljagd kombiniert mit Elementen von Räuber & Gendarm. Denn auch ein friedlicher Demonstrant will sich ja nur wegen dem Verzicht auf Wurfgeschosse nicht gleich um jede Action bringen. Aber seid brav um 7 wieder zu Hause, sonst geht’s ohne Abendbrot ins Bett.

~ von Paul13 - Freitag, 8. Juni 2007.

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