Die 10 Gebote der Tiroler NeoCons


Der NBFS-Blogkienzle Anton hat sich der schweren Aufgabe gestellt, die 10 Gebote der NeoCons aufzulisten. Offensichtlich hat er sich da ein wenig übernommen, denn er ist dabei mit Begriffen durcheinandergekommen, die wie „neoliberal“ damit – bedauerlicherweise! – nicht zwingend deckungsgleich sein können, oder die wie „Realpolitik“ – glücklicherweise! – sogar das genaue Gegenteil darstellen. Aber wenn sich jemand durch regelmäßige Mitarbeit bemüht, dann soll der Fleiß auch dann ordentlich gewürdigt werden, wenn die Resultate zu wünschen übrig lassen.

1. Israel, die USA und ihre Verbündeten sind gut.

Halb richtig. Aber was heißt schon gut? Sagen wir sie sind besser, zumindest verglichen mit ihren Feinden. Ist ja auch schon was.

2. Die anderen sind mehr (rough regimes) oder weniger (Altes Europa) schlecht.

Fast richtig. Sofern wir von „rogue regimes“ reden, könnten wir uns darauf vielleicht sogar einigen. Aber es besteht immerhin Hoffnung daß sich das ändert. Spätestens wenn die erste europäische Großstadt in einem Atompilz verglüht.

3. Der amerikanische Präsident hat immer recht – zumindestens, wenn er ein Republikaner ist.

Falsch. Das ist ganz unabhängig von der sonstigen politischen Ausrichtung. Besser ein interventionistischer Demokrat als ein isolationistischer Republikaner. Deswegen kamen die NeoCons ursprünglich ja auch eher von den Demokraten.

4. Christlicher und jüdischer Fundamentalismus gut – islamischer Fundamentalismus schlecht!

Falsch. Jeder Fundamentalismus ist schlecht. Aber dann, wenn er Bomben in Restaurants hochgehen läßt, eben noch ein bißchen schlechter. Und das machen Juden und nichtirische Christen dann doch eher selten.

5. Alle, die sich gegen die gottgewollte Ordnung von Bush, Blair und Co. wehren, sind Terroristen.

Falsch. Alle, die sich mit Gewalt gegen die menschengewollte Ordnung der Demokratie wehren, sind Terroristen. Dafür, daß nur Bush, Blair & Co. sich zu deren Verbreitung bereiterklärt haben, können die ja nun wirklich nichts.

6. Diktatoren, die mit Bush, Blair und Co. kooperieren sind „gemäßigte Regimes“. Demokratie heißt, die Bevölkerung wählt die Regierung, die der amerikanische Botschafter vorgeschlagen hat.

Falsch. Gemäßigte Regimes sind die, die Realpolitiker zur Sicherung höherer Werte wie Stabilität als unterstützenswert ansehen. Demokratie heißt, daß man die Regierung wählt, die man verdient. Der amerikanische Botschafter ist dabei nur insofern von Bedeutung, als seine Ledernacken mitunter die Voraussetzungen schaffen müssen, daß die Bevölkerung überhaupt wählen darf.

7. Diktatoren, die den USA offen widersprechen, müssen durch preemptive strikes ausgelöscht werden.

Falsch. Alle Dikatoren müssen ausgelöscht werden, unabhängig davon, ob sie den USA nun widersprechen oder nicht. Der Grad ihres Widerspruchs beeinflußt höchstens die Reihenfolge, in der das geschieht. Und „preemptive strikes“ sollten eher selten nötig sein, wenn man erst mal klargemacht hat, wo der Hammer hängt.

8. Globalisierung und neoliberale Wirtschaftspolitik sind gut – Steuern, Mindestlöhne und Sozialstandards sind schlecht.

Halb richtig. Globalisierung und neoliberale Wirtschaftspolitik sind gut. Steuern sind schlecht, aber leider unvermeidbar. Mindestlöhne sind gut gemeint, bewirken aber das Gegenteil. Sozialstandards sind gut, aber es ist nicht verboten, sie intelligent umzusetzen.

9. Die neuen Helden des „Amerikanischen Jahrhunderts“ sind Wolfowitz, Perle, Rumsfeld und cronies. Nur sie wissen, wie man den „Krieg den Terror“ gewinnt: keine Verhandlungen, sondern Flächenbombardements.

Falsch. Der II. Weltkrieg ist bereits gewonnen. Für so etwas nimmt man heute lieber Präzisionswaffen. Kostet sowohl weniger Blut als auch Geld als auch Zustimmung.

10. Völkerrecht, internationale Organisationen und Diplomatie „is for wimps“.

Falsch. Das ist für alle, die sich selber dran halten. Also nicht für Diktatoren. Für die gibt’s aber unter den Punkten 7 und 9 brauchbare Alternativen.

Fazit: 7 mal komplett und 2 mal teilweise falsch von insgesamt 10 ist nicht viel, lieber Anton. Das reicht leider nicht mal für eine 5. Daher lautet die Gesamtnote „ungenügend„. Also nachsitzen und 100-mal an die Tafel schreiben: „Ich soll den Lehrer und die engagierten unter meinen Mitschülern nicht ärgern, indem ich mit unqualifizierten Zwischenrufen den Unterricht störe.“ Und manchmal auch in die Schulbücher schauen, statt immer nur in die Schmuddelhefte, die Dir die dubiosen Propagandadealer da draußen vor dem Schulhof verkaufen.

~ von Paul13 - Samstag, 2. Juni 2007.

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