Burgerkrieg in Deutschland


Zu den Querelen um die Eröffnung einer Meckes-Filiale inmitten eines autochthonen Eingeborenenkollektivs in Berlin-Kreuzberg gibt’s bei Vanity Fair mal wieder einen im wahrsten Sinne des Wortes köstlichen Artikel:

Natürlich ist die „Kiez“-Idee vom „authentischen Leben“ der reinste Kitsch, wie überhaupt das meiste, was als Lebensformen von der Linken propagiert wurde, der reinste Kitsch war. Gerhard Henschel hat dazu schon vor Jahren das Standardwerk vorgelegt („Das Blöken der Lämmer – die Linke und der Kitsch“).

Nun ist es wieder so weit: Kreuzberg wehrt sich, und man weiß ja, wenn Deutsche sich wehren, ist Obacht angebracht. Der Grund der neuesten Kreuzberger Aufwallung: McDonald’s plant, in der Wrangelstraße („Wrangel-Kiez“) eine Filiale aufzumachen.

Die eingefleischten Gegner der FastFood-Kette werden schon wissen, warum sie vor dem gelben M so schreckliche Angst haben, daß sie ihren Kampf für wirtschaftliche Selbstbestimmung allen Ernstes durch das Verbot leistungsfähigerer Konkurrenz zu führen versuchen, und daß sie kein Problem damit haben, statt der Kunden lieber die Nachbarn des Wirts entscheiden zu lassen, was dieser auf der Speisekarte anzubieten hat.

Was sollen sie auch machen? Denn sind wir mal ehrlich: Was immer man gegen eine Burger-Diät – die übrigens durchaus lustig sein kann! – einzuwenden haben mag, aber gegen gammelige Döner und fettige Currywürste ist ein BigMac oder ein Royal TS ein regelrechter kulinarischer Hochgenuß von außerordentlicher Nahrhaftigkeit, von den hygienischen Bedingungen, unter denen sie das Licht der Welt erblicken, mal ganz zu schweigen.

Ein echter Ureinwohner aber ißt so einen Amifraß trotzdem nicht, und auch die Touristen zwingt ja niemand dazu, hungrig zum Sightseeing aufzulaufen. Bleiberecht für alle heißt ja nicht gleich, daß man auch zum Essen bleiben darf. Oder um es mit den Worten des alten Methusalix zu sagen: „Du kennst mich doch, ich hab‘ nichts gegen Fremde. Einige meiner besten Freunde sind Fremde. Aber diese Fremden da sind nicht von hier!“

Dabei sollten unsere reaktionären Restaurantrevoluzzer sich lieber freuen, denn es gibt, wie Henryk M. Broder bereits Anfang der 90er-Jahre in der ZEIT anläßlich der Eröffnung der ersten Filiale in Moskau zu recht bemerkte, kaum ein sozialistischeres Restaurant als McDonalds, weil man nur dort weltweit ohne Ansehen der Person bei gleichem Service für nahezu dasselbe Geld und in vergleichbarer Qualität dinieren kann.

Deshalb gilt auch heute noch unverändert seine damals erhobene Forderung: Schafft 1,2,3, viele McDonalds!

~ von Paul13 - Dienstag, 22. Mai 2007.

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