Rose ohne Dornen


Auf der immerwährenden Suche nach Kronzeugen, die dem Wunsch, die Iraker wieder wie gewohnt ihren Mördern auszuliefern, eine wenigstens auf den ersten Blick halbwegs legitimierte fachliche Autorität verleihen können, nachdem schon die pseudomoralische Argumentationsweise angesichts der permanenten Kriegsverbrechen des sogenannten „Widerstands“ längst zusammengebrochen ist, haben die Kriegsgegner einen neuen Coup gelandet:

A retired British army general says Iraq’s insurgents are justified in opposing the occupation, arguing that the US and its allies should „admit defeat“ and leave Iraq before more soldiers are killed.

General Sir Michael Rose told the BBC’s Newsnight programme: „It is the soldiers who have been telling me from the frontline that the war they have been fighting is a hopeless war, that they cannot possibly win it and the sooner we start talking politics and not military solutions, the sooner they will come home and their lives will be preserved.“

Asked if that meant admitting defeat, the general replied: „Of course we have to admit defeat.

Nun könnte man einwenden, daß der ja einschlägig bekannte al-Guardian nur wieder einen subalternen ex-Militär aufgetrieben hat, der mit seiner Pensionierung nicht zurechtkommt, aber besagter Michael Rose ist tatsächlich nicht irgendwer, sondern unter anderem ein ehemaliger Kommandeur der legendären britischen Spezialeinheit SAS. Ein richtig harter Kerl also, der für Fragen von Niederlagen und Kapitulationen eigentlich ein Fachmann sein sollte.

Ist er tatsächlich, wenn auch ein wenig anders als gedacht. Denn Michael Rose war nicht nur der smarte Terroristenjäger und tapfere Falklandveteran, er brachte es 1994 auch zum nur begrenzt ruhmreichen Posten eines Oberbefehlshaber jener internationalen Schutztruppe in Bosnien, deren Bezeichnung „United Nations Protection Force“ offensichtlich so gemeint war, daß sie vor allem sich selber, nicht aber die Bosnier schützen sollte.

Die UNPROFOR steht seitdem wie kaum eine andere Streitmacht der Geschichte für das Einknicken einer hochmodernen Armee vor marodierenden Banditen. Wenn also jemand Erfahrungen mit unnötigen Niederlagen hat, dann sicher Leute wie Rose, dessen hochprofessionelle Infanteristen sich in ihren funkelnagelneuen Schützenpanzern von ein paar dahergelaufenen Kalaschnikowträgern die Bedingungen ihrer Demütigung diktieren ließen.

Dabei war der Amtsantritt von Rose von vielen Bosniern zunächst sogar begrüßt worden. Endlich mal ein kerniger Kämpfertyp, der sich wohltuend von den üblichen UN-Bürohengsten abzuheben schien und den Eindruck erweckte, sich nicht wie diese auf der Nase rumtanzen zu lassen. Umso größer war die Enttäuschung, als er wie seine Vorgänger den serbischen Größenwahn als stabilisierenden Faktor statt als Ursache des Problems wahrnahm.

Angesichts der Tatsache, daß eine Handvoll amerikanischer Flugzeuge im Sommer 1995 nicht nur den Bosnienkrieg beendete, sondern auch die „real“politischen Balkanträumereien des Foreign Office in Stücke schoß, ist es nicht weiter verwunderlich, daß ein Mann mit diesem Hintergrund offenbar hofft, durch ein Scheitern der mächtigen USA im Irak das eigene Versagen rückwirkend in einem etwas milderen Licht darstellen zu können.

So kommt die Empfehlung einer Kapitulation im Irak, ohne sich vorher Gedanken um die Folgen – sei es für das Überleben der Iraker, sei es für die Abschreckungsfähigkeit des Westens – zu machen, denn auch nicht wirklich aus heiterem Himmel. Rose forderte nämlich bereits vor mehr als einem Jahr die Amtsenthebung Tony Blairs, und er tat dies mit einer so entlarvenden wie bedenklichen Begründung, die einiges über sein Weltbild aussagt:

The Iraqi elections are a creditable achievement by the coalition forces. But it must be remembered that a general election was previously held in Iraq in 1956, and within two years the country had fallen under military rule. Without adequate security and the necessary democratic institutions in place, there are absolutely no long-term guarantees that democracy will endure.

Nicht nur, daß ja gerade er es ist, der den „democratic institutions“ des Irak jene „adequate security“ entziehen will, die sie selbst nach seinen eigenen Angaben benötigen, und daß es nicht sonderlich zielführend ist, erst „long-term guarantees“ für etwas zu fordern, bevor man bereit ist, die Mittel zur Verfügung zu stellen, um diese überhaupt durchsetzen zu können. Beim Grundkurs Logik hat da wohl jemand wiederholt geschwänzt.

Schlimmer noch ist die historisch fragwürdige und verdächtig stark nach Kulturrelativismus schmeckende Behauptung, daß weil eine angeblich schon mal existierende Demokratie nach wenigen Jahren gestürzt wurde, ein neuer Versuch von vorneherein gar nicht unternommen zu werden braucht, da das ja wieder passieren könnte, womit dann für den größten Teil der Menschheit Demokratie ein so gefährlicher wie unrealisierbarer Traum bleiben würde.

Da sollten wir heute wohl doppelt dankbar sein, daß Großbritannien im II. Weltkrieg durch Persönlichkeiten wie Winston Churchill und Bernard Montgomery geführt wurde. Und nicht durch Neville Chamberlain und Michael Rose.

~ von Paul13 - Dienstag, 8. Mai 2007.

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