„Wir werden gewinnen“


Seit dem Sieg der Demokraten bei den letzten Kongreßwahlen in den USA fordern die Gegner einer Demokratisierung des Irak immer unverhüllter die baldmöglichste, wie auch immer verschleierte Kapitulation gegenüber den diversen Freischärlern, Terroristen, Milizen und Banditen, die im Irak derzeit ihr Unwesen treiben. Wer von diesen dann die Macht im Irak erobert und zu welchem Preis, spielt für sie keine Rolle, da es eh nur darum geht, dem verhaßten US-Präsidenten eine Niederlage zuzufügen.

Daß die Iraker den Preis dafür zahlen müssten, ist ihnen dabei völlig gleichgültig, sonst hätte sich schon mal irgendjemand von der Cut&Run-Fraktion wenigstens die Mühe gemacht, konkret auszuarbeiten, inwiefern sich die Lage im Irak nach einem Abzug der US-Truppen denn verbessern würde. Die Forderung nach einem Abzug zu einem den Feinden vorher bekanntgegebenen Zeitpunkt wird statt dessen unter anderem mit folgenden vier Behauptungen begründet:

These 1: Die USA sollten mit dem Iran und Syrien reden, da diese Staaten ebenfalls ein Interesse an der Stabilisierung des Irak haben.

These 2: Das Ba’ath-Regime Saddam Husseins war vielleicht ein wenig streng im Umgang mit seinen Untertanen, aber nicht faschistisch.

These 3: Die Forderungen der Demokraten im US-Kongreß nützen nicht den Terroristen, sondern zeigen nur einen Ausweg aus der Gewalt auf.

These 4: Der Irakkrieg ist nicht nur verloren, er ist es auch zu recht, weil der Widerstand schließlich für völlig legitime Anliegen kämpft.

Glücklicherweise hat der irakische Oppositionspolitiker Mithal al-Alusi in einem Interview mit der ZEIT nicht nur die Fragen seiner Interviewpartnerin beantwortet, sondern damit ohne es zu wissen en passant auch gleich noch die oben genannten vier Thesen eindrucksvoll ad absurdum geführt:

Zu These 1: Iran hat das Atomprogramm, von dem die Führung in Teheran sagt, es hätte einen rein zivilen Nutzen. Persönlich habe ich keinerlei Vertrauen in die iranische Propaganda. Sie versuchen, Zeit zu gewinnen. Gleichzeitig rüsten sie die Milizen im Irak auf, um Amerika unter Druck zu setzen. Außerdem haben wir da noch Hamas und Dschihad in Palästina, Hisbollah im Libanon, das syrische Regime und al-Qaida. Sie sind alle gegen jedwede Form eines demokratischen Systems und sie mischen alle mit. Es ist gefährlich, wenn der Irak Geisel iranischer und syrischer Politik wird.

Zu These 2: […] Nach 40 Jahren Herrschaft eines faschistischen Regimes wie das von Saddam Hussein brauchen wir vor allem Zeit. Nach dessen Sturz ist ein großes Vakuum entstanden und es ist alles andere als einfach, dieses in ein, zwei Jahren zu füllen.

Zu These 3: […] Ich habe mit Führern aufständischer Milizen gesprochen und ich habe gefragt, warum sie nicht aufhören, die Amerikaner anzugreifen. Und sie haben geantwortet, dass die derzeitige Politik der Demokraten in Washington ihnen in die Hände spielt.

Zu These 4: […] Wir werden gewinnen. Aber wir könnten es einfacher haben, wenn wir einfach verstehen, dass es einen Krieg gibt zwischen denen, die Normalität wollen, und denen, die genau das nicht wollen. In die Zukunft gesprochen: Auch wenn es zurzeit nicht gut aussieht, bedeutet das nicht, dass man aufgeben muss.

Das komplette, ausgesprochen lesenwerte Interview findet sich übrigens hier. Es lohnt sich gerade auch für all jene, die meinen auf „Ami go home!“ folgt automatisch „Make love not war!“. Vielleicht denken sie dann über die Folgen eines Abzugs erst ein wenig nach, bevor sie ihn noch einmal leichtsinnig fordern.

~ von Paul13 - Samstag, 5. Mai 2007.

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