O tempora, o mores!


Vielleicht täuscht ja auch der Eindruck, aber irgendwie fehlt bei der ganzen Berichterstattung über die neueste Geiselnahme durch Chameinis Prätorianergarde ein bißchen die aufrichtige Verärgerung. Dies ist erstaunlich angesichts eines Vorfalls, der noch zu Margaret Thatchers Zeiten möglicherweise eine offizielle Kriegserklärung, zumindest aber ein klares Ultimatum nach sich gezogen hätte, was bei Ihr, wie wir seit dem Falklandkrieg wissen, durchaus ernstzunehmen gewesen wäre.

Doch nicht nur die Medien klingen seltsam unbeteiligt und höchstens ein wenig besorgt, auch die große Politik tut so, als ob es sich bei den allmählich offenbar völlig durchgedrehenden Mullahs um einen rational kalkulierenden und vernünftigen Argumenten zugänglichen Dialog- und Handelspartner handeln würde statt um eine immer offener zutagetretende Gefahr für die (Welt)öffentlichkeit, die sich freiwillig außerhalb all jener Normen stellt, die sie für sich selber permanent einfordert.

Daß Großbritannien von seinen appeasementverliebten europäischen Verbündeten über hohle Worte der Empörung hinaus kaum ernsthafte Unterstützung zu erwarten hat, versteht sich von selbst. Auch Australien und Kanada werden wohl kaum ein paar Fregatten in den Persischen Golf beordern, um der Forderung, daß die Soldaten Ihrer – trotz allem immer noch gemeinsamen – Majestät besser unverzüglich nach Hause kommen sollten, den nötigen Nachdruck zu verleihen.

Aber sogar im Mutterland der „stiff upper lip“ scheinen inzwischen Denkweisen einzureißen, die Frechheiten wie jetzt die im Schatt al-Arab erst heraufbeschwören. Zwar ist immer noch der Dieb schuld, wenn er irgendwo einbricht, aber wer die Tür sperrangelweit offenstehen läßt, sollte zumindest nicht ganz so überrascht tun, sondern zur eigenen Verantwortung für die Folgen stehen. Immerhin hat wenigstens das der ehemalige Oberbefehlshaber der britischen Kriegsmarine getan:

Yesterday, the former First Sea Lord, Admiral Sir Alan West, said British rules of engagement were „very much de-escalatory, because we don’t want wars starting … Rather than roaring into action and sinking everything in sight we try to step back and that, of course, is why our chaps were, in effect, able to be captured and taken away.“

Wer also auf größenwahnsinnige III.-Welt-Potentaten dieselben Deeskalationsstrategien anwendet, wie sie beim Umgang mit betrunkenen Jugendlichen vielleicht angesagt sein mögen, darf sich nicht wundern, wenn die daraus früher oder apäter die falschen Schlüsse ziehen und UNO-Soldaten wie schon zu Milosevics Zeiten wieder als beliebig verfügbare Humanwährung betrachten, die man sich ungestraft je nach Bedarf greifen kann, wenn ihnen gerade langweilig ist.

Daher sollte dringend mal jemand die Führung in Teheran erinnern, was beim letzten Mal passiert ist, als sie Soldaten westlicher Länder entführen ließ. Falls Chameini das schon verdrängt haben sollte, kann er ja mal im Libanon nachfragen. Da hat man sicher den einen oder anderen Schwank zu diesem Thema zu erzählen. Deswegen muß Blair dem Iran ja nicht gleich offiziell den Krieg erklären, den der Iran im übrigen eh schon gegen die britischen Truppen im Südirak führt.

Aber den Revolutionswächtern den Spaß daran zu nehmen, mit winzigen Motorbooten in Sichtweite britischer Kriegsschiffe ihre Panzerfäuste spazieren zu fahren, sollte eigentlich möglich sein. Denn auch wenn die Royal Navy heute nur noch ein matter Abglanz ihrer einstigen Stärke sein mag, heißt es deswegen noch lange nicht „Rule, Persia! Persia, rule the waves“. Und islamistische Fanatiker passen genau so gut in ein Schmetterlingsnetz wie britische Gentlemen.

~ von Paul13 - Mittwoch, 28. März 2007.

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