Sechs Fragen, viele Antworten – Teil IV: Realdenker


An dieser Stelle wären jetzt eigentlich die Antworten von Blog-Kienzle Ivan Grosny gewürdigt worden, aber nachdem er kurz vorher beschlossen hat nicht mehr mitzuspielen, müssen wir uns jetzt mit der zweiten Reihe begnügen und uns stattdessen seinen Klon Realdenker vornehmen. Nun hat dieser sich in besagter Diskussion bisher vor allem dadurch hervorgetan, daß er erstaunlich viele Worte darauf verwendet hat der Welt mitzuteilen, daß er ja gar nicht mitdiskutieren will und sowieso immer falsch verstanden wird:

Bloss mal so zum Hinweis: Dein willkürliches Zusammenfügen von Zitaten macht nur dann Sinn, wenn Du versuchst, wieder einmal bewusst etwas zu entstellen und falsch darzustellen.

Wenn man aber von ihm klare Aussagen ohne Wischiwaschi kriegen will, und sich aufgrund seiner Verweigerung selbiger die Antworten aus seinen bisherigen Wortmeldungen zusammenzureimen versucht, dann ist es auch nicht recht, ganz unabhängig davon, ob man extra noch mal ausdrücklich nachfragt, ob das denn jetzt so richtig war. Rauszukriegen, was er letztlich meint, ist bei jemandem wie ihm nämlich nicht immer ganz einfach, wie die wundersame Wandlung seiner Ansichten binnen eines Tages wunderschön illustriert.

Heißt es morgens um 9 auf die Frage, nach welchen Kriterien die Lage im Irak vor der US-Invasion unterm Strich besser war, noch empört „Ich habe dies zu keinem einzigen Zeitpunkt behauptet, sondern es ist Deine schlicht fehlerhafte (vielleicht auch bewusst fehlerhafte) Interpretation meiner Worte“, so gilt abends um halb 11 frei nach dem Motto „Was gehen mich meine dummen Reden von heute an?“ bereits: „Der Mehrheit der Bevölkerung geht es schlechter. Die Versorgungslage ist nicht besser geworden und hinzu gekommen ist noch die tägliche Angst vor Bombendrohungen.“

Zugegeben, da kann man dann natürlich nur verlieren, wenn man so etwas ernst nimmt und versucht auf einer derartigen Basis zu diskutieren (jaja, meine verdammte Gutmütigkeit!). Denn egal welches dieser beiden Statements man sich greift, kann ihr Urheber natürlich immer mit Fug und Recht behaupten, daß es das exakte Gegenteil von dem ist, was er in dem jeweils anderen Zitat zum Ausdruck bringen wollte. Und zwar einfach deshalb, WEIL es das exakte Gegenteil ist.

Auch wenn jetzt immer noch nicht klar ist, was an der Frage nach den Kriterien denn jetzt so schrecklich sittenwidrig gewesen sein soll, so lassen aus seinen Unmutsäußerungen nichtsdestoweniger ein paar Tröpfchen konkrete Aussagen herausdestillieren, die unserem Freund versehentlich durch die Selbstzensur gerutscht sind. Denn immerhin wissen wir jetzt, daß es letztlich zwei Kriterien sind, an denen er Sinn und Unsinn des Sturzes Saddam Husseins festmacht: Die Versorgungslage und die Terrorangst.

Nun könnte man zu Recht darüber räsonieren, inwieweit bei einem auch für Staaten ohne ernste Sicherheitsprobleme beeindruckenden Wirtschaftswachstum die Versorgungslage des Irak Zeichen eines Mißerfolgs sein soll (zumindest bisher galt die Faustregel, daß bei boomenden Mobilfunknetzen die Hungerkatastrophe noch nicht ganz so schlimm sein kann), aber dann würde man diese perverse Weltsicht, nach der die Verfügbarkeit von KdF-Reisen und der Bau von Autobahnen eine Diktatur rechtfertigen, auch noch aufwerten.

Aber auch das zweite Kriterium, die Terrorangst, greift daneben. Mal ganz davon abgesehen, daß mehr als 20 Jahre nach dem Militärputsch in der Türkei dessen Rehabilitierung ein wenig spät kommt, kann es sich hier sowieso nur um die gefühlte Angst handeln. Denn wenn man sie an den harten Fakten festmacht, dann fällt auf, daß die Opferzahlen zu Saddams Zeiten weit höher waren, was angesichts der Tatsache, daß die Terroristen damals nicht alle aus dem Untergrund heraus operieren mußten, sondern teilweise sogar die Regierung stellten und somit über weit größere Massenmordresourcen verfügten, aber auch nicht wirklich überraschend ist.

Zu Deiner mit den Zitaten rein gar nicht in Zusammenhang bringbaren Frage: Ich vertrete die Ansicht, dass die Lage sich derzeit nicht verändert hat für den Otto-Normal-Iraki. Die Mörder haben gewechselt, die Gewalt ist eher unberechenbarer geworden.

Da wird für jemanden, der sich Realdenker nennt, die Realität erstaunlich konsequent ausgeblendet. Anders ist nicht zu erklären, daß Otto-Normal-Iraki nach allen bisher bekannten Umfragen (selbst jenen, in denen die Amerikaner mehrheitlich als Besatzer kritisiert wurden) den Sturz Saddam Husseins bis heute nicht bereut hat. Was die Vorteile einer berechenbaren Gewalt angeht, wäre aus dem Mund des Bürgers eines Landes, das seine Opfer einst sehr zuverlässig und berechenbar in die Gaskammern trieb, hingegen etwas mehr Zurückhaltung angebracht. Daher: Ungenügend, setzen!

~ von Paul13 - Montag, 12. Februar 2007.

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