Rede zur Lage der Nation: Bush verblüfft mit Irak-Eingeständnis


 

Der SPIEGEL-Kommentar zu Bushs Rede an die Nation bestand erwartungsgemäß im wesentlichen aus den üblichen Ressentiments gegenüber dem US-Präsidenten, über die wir hier ausnahmsweise aber mal den Mantel des Schweigens ausbreiten wollen. Erwähnen sollte man höchstens noch, daß die dazugehörige Online-Umfrage, ob Bush der schlechteste US-Präsident aller Zeiten sei, von 82% der Antwortenden bejaht wurde, und auch jene 7%, die sich zu einem Nein durchringen konnten, dürften ihn deswegen noch lange nicht für den besten US-Präsidenten der Geschichte halten. Daß es die Leser sind, die einem SPIEGEL-Autor letztlich sein Gehalt bezahlen, nehmen wir dabei als pikantes Detail unkommentiert einfach mal so hin. Interessant ist eigentlich nur diese Passage:

Wenig Neues hatte der Präsident zu sagen, nur ein Eingeständnis ließ aufhorchen: Bush bekannte offen, dass sein Krieg den Nahen Osten an den Rand den Abgrunds gebracht hat. Von einem „Alptraumszenario“ sprach er, von der Gefahr, „dass die gesamte Region in den Konflikt hineingezogen wird“. Einzig die düstere Aussicht, es könnte noch schlimmer kommen, ist Bush für die Begründung des ungeliebten Feldzugs geblieben.

Interessant ist sie aber nicht, weil dieser Standpunkt jetzt so sonderlich neu wäre, sondern weil sie ein hervorragender Anlaß ist, Mascolo und allen anderen Gleichgesinnten ein paar Fragen zum Irakkrieg zu stellen, die auch für einen eingefleischten Bush-Hasser so schwer nicht zu beantworten sein sollten (keine Angst, jetzt folgt nicht wieder die zwar selbstverständliche, die meisten aber intellektuell offenbar weit überfordernde Frage nach irgendwelchen besseren Alternativen zum Sturz Saddam Husseins; daß es eine solche nicht gibt, ist inzwischen hinlänglich bekannt, sonst hätte die ja nach bald 4 Jahren wenigstens mal einer nennen und gegen Kritik verteidigen können). Also, liebe „Kriegsgegner“, beantwortet dem lieben Onkel doch mal folgende 6 Fragen:

1. Da sich alle offenbar einig sind, daß im Irak das blanke Chaos herrscht und das ganze im Vergleich zur Zeit der Ba’ath-Herrschaft eine Riesenpleite war, müssen sie diese Erkenntnis ja an irgendwas festmachen. Nun wird damit kaum gemeint sein, daß damals die Datteln schmackhafter waren oder der Wüstenwind nicht so heiß. Es muß schon noch irgendetwas anderes sein. Da stell ich mich also mal dumm und frage ganz naiv: An welchen Kriterien erkennt man denn nun, daß die Lage im Irak vor der US-Invasion unterm Strich besser war?

2. Nachdem wir jetzt herausgefunden haben, woran man die Vorteile des Saddam-Regimes gegenüber der Zeit nach seinem Sturz identifizieren kann, wollen wir natürlich auch gerne wissen, wie der das damals angestellt hat, den Irakern ein besseres Leben zu bescheren. Irgendwas muß er ja offenbar etwas cleverer gemacht haben als die Amis, sonst wäre die Schuldzuweisung an Bush und die NeoCons wegen einer Verschlechterung der Situation im Irak nicht wirklich schlüssig. Wie also hat der alte Fuchs das geschafft, die oben genannten Kriterien besser zu erfüllen?

3. An die erfolgreiche Beantwortung der vorhergehenden Frage schließt sich logischerweise nahtlos die nächste an: Wenn die Methoden Saddam Husseins unterm Strich hinsichtlich der entscheidenden Kriterien angemessener waren, wäre zu klären, ob die US-Regierung durch Anwendung besagter Methoden ihre Kritiker wieder soweit besänftigen könnte, daß sie Bush nur noch so sehr verabscheuen wie damals Saddam Hussein. Sollten die Amerikaner daher auf Saddam’s Methoden zurückgreifen, um im Irak wieder die Lebensqualität von vor 2003 herzustellen?

4. Die Kriegsgegner kritisieren natürlich nicht nur die Entscheidung Bushs für einen Sturz Saddam Husseins, sondern auch, daß er jetzt nicht wenigstens auf die Iraq Study Group gehört hat und die Truppen schnellstmöglichst abzieht, da die Anwesenheit der GIs im Irak die Lage dort erst destabilisiert. Irgendwie müssen die Anschläge des irakischen „Widerstands“ demnach mit der amerikanischen Besatzung zu tun haben. Was sind dann aber die über den Abzug der Besatzer hinausgehenden Ziele der diversen „militanten Aktivisten“ und „Rebellengruppen“?

5. Wenn aber der Kampf gegen die Besatzung das Ziel des „Widerstands“ ist, muß es trotzdem eine vernünftige Erklärung dafür geben, daß jenen spektakulären Anschlägen, an denen wir hier im Westen erkennen, daß die Amerikaner im Irak verlieren, ausschließlich Zivilisten zum Opfer fallen. US-Soldaten machen auch unter Hinzunahme der kleineren und meisten fehlgeschlagenen Angriffe des „Widerstands“ auf US-Truppen nur einen verschwindend kleinen Anteil aus. Warum genau führt der „Widerstand“ seinen Kampf aber hauptsächlich gegen die eigenene Landsleute?

6. Last but not least taucht bei allen Lösungsansätzen der Probleme im Irak in schöner Regelmäßigkeit der Hinweis auf, daß die Ursachen des Terrors im Irak weit jenseits der Landesgrenzen und sogar der Nachbarstaaten zu suchen sind. Ganz gleich ob es um den Kampf gegen die eigenen Landsleute oder den gegen die Amerikaner geht, das gäbe es alles nicht, wenn ein anderer Konflikt endlich gelöst würde, und zwar der im Nahen Osten. Was aber, bitte schön, hat Israel damit zu tun, daß Sunniten Schiiten massakrieren und umgekehrt?

Natürlich kann niemand gezwungen werden, durch eine fundierte Antwort zu beweisen, daß er sich wirklich Gedanken zum Irakkonflikt gemacht hat und nicht nur seinem pathologischen Haß auf George W. Bush freien Lauf läßt, aber jeder „Kriegsgegner“, der diese Fragen nicht beantworten möchte, sollte sich im stillen Kämmerlein mal für sich selbst fragen, warum er diese Antworten nur ungern geben möchte. Vermutlich, weil sie ihm selbst nicht gefallen. Und diese Erkenntnis wäre schon mal ein großer Schritt nach vorn.

~ von Paul13 - Mittwoch, 24. Januar 2007.

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