Raketentest: Peking rebelliert gegen Amerikas All-Macht


Als China den veralteten Wetter-Satelliten „Feng Yun 1C“ mit einer Mittelstreckenrakete abschoss, versetze das den Westen in große Aufregung. Der Test ist ein deutlicher Wink Pekings an Washington: Sie müssen mit China rechnen.

[…] Tatsächlich nährt das Experiment Zweifel an den Versicherungen Pekings, sein Aufstieg zur Großmacht sei ausschließlich eine „friedliche“ Angelegenheit. Chinas Engagement für sogenannte „Schurkenstaaten“ wie Burma und den Sudan sowie die energische Aufrüstung seiner Marine tragen nicht dazu bei, die Skepsis zu ersticken.

Da fragt man sich unwillkürlich, wer angesichts der bedrohlichen Entwicklung im Ostasien der letzten Jahre diesen Unsinn überhaupt geglaubt hat.

[…] Es ist allerdings hilfreich, den Weltraum-Knaller in die richtige Perspektive zu setzen. Man kann sich des Gefühls nicht erwehren, dass aus Washington eine Welle der Heuchelei heranschwappt.

Denn die Amerikaner erheben den Anspruch, als einzige Nation den Kosmos militarisieren zu dürfen.

Sicher, man kann natürlich der Ansicht sein, daß nicht nur die führende Demokratie der Welt den Weltraum militärisch nutzen können sollte, sondern auch die größte Diktatur der Welt, und daß es der Sicherheit des Westens wie der Welt nicht schadet, wenn Europa sein Geheimwissen mit potentiellen Gegnern teilt. Man kann es aber auch lassen. Im übrigen ist es erschreckend zu sehen, wie jedem dahergelaufenen Terrorregime immer wieder dieselben Rechte zugestanden werden wie einer zivilisierten Demokratie.

[…] „Die USA behalten sich das Recht, die Fähigkeit und die Handlungsfreiheit im Weltraum vor“, lautet die offizielle Weltraum-Doktrin Washingtons. Washington werde, „falls notwendig, Feinden die Weltraum-Nutzung verwehren, falls sie den US-Interessen entgegenstehen“.

Im Klartext heißt dies: Nur die Amerikaner und ihre Verbündeten haben das Recht, Waffen für den Krieg der Sterne entwickeln. Alle Versuche der Uno, die All-Aufrüstung zu verhindern, hat die Bush-Regierung abgeschmettert.

Und das ist auch gut so. Zum Glück paßt wenigstens der Bush noch ein bißchen auf, wo deutsche Friedenskanzler den Chinesen am liebsten noch den kompletten Eurofighter verkaufen würden. Die Vorstellung, daß irgendwann die National-Kommunisten Chinas unsere Satelliten ausknipsen und so die im wesentlichen auf technologischer Überlegenheit basierende militärische Stärke des Westens neutralisieren könnte, hat jedenfalls etwas durchaus unangenehmes. Offenbar aber nicht für jeden.

[…] Chinas oberstes Ziel der Politik ist die Wiedervereinigung mit dem abtrünnigen Taiwan, notfalls mit militärischer Gewalt.

Read Lorenz‘ lips! Für den Fall, daß der SPIEGEL genau diese Behauptung in Frage stellt (und das wird nicht lange dauern), sollte man sich diesen Text besser schon mal im Hinterkopf behalten.

Deshalb ist Pekings KP so nervös angesichts der amerikanischen Pläne, zusammen mit Chinas Erzrivalen Japan einen Raketen-Abwehrschirm (theater-missile-defense-system) aufzuspannen, der wohl auch Taiwan vor einer Attacke schützen soll.

Frechheit, sowas! Sich einfach gegen einen Angriff verteidigen zu wollen! Diese kriegslüsternen Amis und ihre nicht minder kriegslüsternen japanischen Lakaien. Da muß man als Betreiber einer aggressiven Diktatur ja nervös werden. Zum Glück gibt es auch im Westen noch Leute, die für die Sorgen eines Despoten noch das nötige Verständnis aufbringen können.

Zu hoffen ist, dass Amerikaner und Chinesen zur Vernunft kommen und sich an einen Tisch setzen, um die Aufrüstung im All zu verhindern. Mit dem kriegerischen Präsidenten Bush ist dies allerdings kaum zu erwarten.

Der kriegerische Bush ist an allem schuld, jetzt wissen wir’s. Die Gegenseite trifft keine Schuld, sie reagiert nur. Bis zum Jahr 2000 hatten die Chinesen brav abgerüstet und die Friedensdividende eingestrichen, die Anerkennung der Unabhängigkeit Taiwans lag schon unterschriftsreif vor, die letzten Lager wurden aufgelöst und die Opfer rehabilitiert, die Verantwortlichen für das Massaker am Platz des Himmlischen Friedens saßen in Untersuchungshaft, die KP bereitete sich gerade auf die ersten freien Mehrparteienwahlen vor – und dann kam dieser schreckliche Bush an die Macht. Dann ging das alles natürlich nicht mehr.

Fast ein bißchen schade, daß der SPIEGEL nicht in erster Linie über Satellit vertrieben wird oder Druckmaschinen nicht im All kreisen. Angesichts der Vorstellung, daß chinesische Betonkommunisten eines fernen Tages darüber entscheiden könnten, was man montags liest oder besser gesagt nicht liest, würden die verantwortlichen Redakteure vielleicht ein bißchen nachdenken, bevor sie einen derartigen Unsinn schreiben.

~ von Paul13 - Montag, 22. Januar 2007.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

 
%d Bloggern gefällt das: