Krieg am Horn von Afrika: Tausende bei Offensive in Somalia getötet


Beim Marsch der Regierungstruppen auf Mogadischu wurden äthiopischen Angaben zufolge bis zu 3000 Islamisten getötet. Doch die Gotteskrieger sind längst nicht besiegt – Somalia steht ein grausamer Bürgerkrieg bevor, Experten warnen vor einem zweiten Irak.

Schon lustig. Nach dem Einmarsch der Athiopier – die das übrigens nicht taten, um in einem unprovozierten Angriffskrieg widerrechtlich fremdes Territorium zu erobern, sondern die nur auf ausdrückliche Bitte der international anerkannten Regierung eines instabilen Nachbarlandes eingriffen, um dieser dabei zu helfen, die Kontrolle über ihr eigenes Staatsgebiet wiederzuerlangen – gab es anfangs nur verhaltene Proteste.

Allerdings nur so lange, bis die ersten klugen Köpfe merkten, daß die äthiopische Intervention nicht nur erfolgreich die islamistischen Schlagetots hinwegfegte, sondern – schlimmer noch – US-Interessen nützen konnte und möglicherweise sogar von der Regierung Bush initiiert worden war. Ein amerikanischer Sieg gegen die Islamisten war natürlich nicht akzeptabel und rief daher auch prompt die üblichen Bedenkenträger auf den Plan:

Die USA verfolgten eine rein militärische Politik, die frei von jeglichen Frieden schaffenden Elementen sei, kritisiert John Prendergast, Afrika-Experte der International Crisis Group (ICG). Nur allzu deutlich sei die Abwesenheit von US-Diplomaten bei den meisten diplomatischen Initiativen für Friedensverhandlungen gewesen, die von der Europäischen Union in diesem Monat initiiert worden seien. „Das Ergebnis ist, dass sowohl Äthiopien als auch die Islamischen Gerichte glauben, die USA unterstützten eine militärische Lösung in Somalia“. Die Folge dieser Einschätzung: Die Spannungen würden weiter angeheizt und ein Frieden zu einem „entfernten Traum“, sagt Prendergast.

Prendergast hat dabei dummerweise vergessen, daß wie schon bei anderen Krisen wie beispielweise vor dem Irakkrieg niemand die EU daran gehindert hat, Nägel mit Köpfen zu machen und in dem hier auch nicht erst gestern ausgebrochenen Konflikt unter Beweis zu stellen, daß Verhandlungen schnellere und bessere Ergebnisse bringen als die harte Tour. Dazu hätte es auch nicht einen einzigen US-Diplomaten gebraucht, denn wenn die Idee wirklich gut ist, hätte sie auch so funktioniert.

Die USA wären zudem sicher nicht dagegen gewesen, wenn unsere genialen Bismarcks das Islamistenpack einfach wegverhandelt hätten. Aber genau das ist ihnen eben nicht gelungen, was insofern nicht wirklich überraschend ist, als nicht so ganz klar ist, was das Ergebnis solcher Verhandlungen hätte sein sollen. Was liegt denn zwischen Hand abhacken und nicht Hand abhacken? Finger abhacken? Und wenn ja, wieviele sind für einen Europäer noch zulässig, und wo beginnen Menschenrechtsverletzungen?

Wenn man das europäische Krisenmanagement hier wieder sieht, dann läßt das in Sachen Iran für das nächste Jahr das schlimmste befürchten. Aber wollen wir mal das beste hoffen. Deshalb guten Rutsch und ein schönes neues Jahr! Vielleicht geschieht ja noch ein Wunder.

~ von Paul13 - Sonntag, 31. Dezember 2006.

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