Irak: US-Demokraten folgen Bushs Truppen-Plänen


Einflussreiche Politiker der Demokratischen Partei unterstützen die Pläne von US-Präsident, mehr Soldaten in den Irak zu schicken. Den amerikanischen Steuerzahler könnte der Schmusekurs teuer zu stehen kommen: Das Pentagon will weitere 100 Milliarden Euro für Kriegseinsätze beantragen.

Washington – Die designierte Parlamentschefin Nancy Pelosi sagte, sie sei „zufrieden“, dass Bush seine Meinung ändere und endlich auf die Demokraten höre, die „von ihm eine Aufstockung verlangt“ hätten. Als „gute Nachricht“ bezeichnete Senatorin Hillary Clinton die Ankündigung Bushs. Es sei „höchste Zeit“, die Kapazitäten des Heeres und der Marineinfanterie zu erhöhen, sagte die mögliche Präsidentschaftskandidatin der Demokraten für 2008. Senator Jack Reed forderte den Präsidenten auf, im Haushalt nun Mittel für zusätzliche Soldaten freizustellen.

Nein, wie geil! Vor wenigen Tagen noch tönte der SPIEGEL, daß die tollen Demokraten Bush zu einem Kurswechsel in Sachen Irak gezwungen hätten, und jetzt das hier. Stück für Stück wird der selbstgezimmerte Triumphbogen zerlegt, und die Redakteure müssen die Bretter noch selber mit einem Lächeln auf den zusammengekniffenen Lippen entsorgen.

Erst machte selbst die realpolitisch angehauchte Condy klar, daß das, was wirklich einen Kurswechsel bedeutet hätte, nämlich Gespräche mit Syrien und dem Iran, gar nicht in die Tüte kommt. Dann mußte der SPIEGEL entäuscht feststellen, daß Bush nur deswegen, weil er einmal das Wort Sieg im Redemanuskript vergessen hat, noch lange nicht an seiner Unterwerfungserklärung gegenüber Bin Laden arbeitet. Und jetzt kommt als Zuckerstückchen sogar in einer Artikelüberschrift des SPIEGEL (dem vor lauter Schreck wohl nichts mehr einfiel, wie er das wenigstens in der Titelzeile noch als Erfolg der demokratischen Mehrheit verkaufen könnte) das Eingeständnis, daß es gerade die Demokraten sind, die derzeit einen atemberaubenden Kurswechsel hinlegen.

Denn statt Cut&Run sollen jetzt sogar noch mehr Soldaten in den Irak geschickt werden, und zwar diesmal mit dem Segen der Demokraten, die dann nicht mehr meckern können, daß Bush alles falsch macht. Selbst die Parteilinke Pelosi muß dabei, um nicht allzu offensichtlich am Nasenring vorgeführt zu werden, noch gute Miene zum bösen Spiel machen und den Appeasementflügel der eigenen Partei verhöhnen, indem sie so tut, als ob die Demokraten im Gegensatz zu diesen NeoCon-Weicheiern schon immer für den ganz harten Kurs gewesen wären.

Daß die „Realisten“ von der Realität eingeholt werden würden, war abzusehen, aber daß es so schnell gehen würde, überrascht angesichts des atemberaubenden Tempos, das sie dabei vorlegen, dann doch. Das einzige, was noch lustiger sein dürfte, als diesen desorientierten 180°-Zickzackkurs der demokratischen Elite zu verfolgen, dürften die Versuche ihrer hiesigen Anhänger sein, ihn schon wieder mit dem Gegenteil einer Argumentation zu rechtfertigen, die man gerade erst beim letzten Mal mühselig einstudiert hatte. Unser Mitleid ist ihnen gewiß.

~ von Paul13 - Donnerstag, 21. Dezember 2006.

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