RPG-4


Gestern hatte ich Geburtstag. Ein schöner Tag mit noch schöneren Geschenken. Uday überraschte mich mit einem nagelneuen, feuerroten Ferrari (der Schleimer, dachte wohl, der dumme Papa wüßte nicht, daß er den doppelt hatte). Hat mich nur gewundert, daß die Typenbezeichnung mit F anfing. E wie Embargobrecher hätte besser gepaßt (kleiner Scherz meinerseits, hohoho).

Qussay präsentierte mir einen frisch gefangenen iranischen Agenten mit einem hübschen Schleifchen drum. Ich kenne ihn ja, den Schlingel, der will nur, daß wir beide mal wieder gemeinsam spielen, und da die Modelleisenbahn komplett ist, hat er sich was ausgesucht, was mir auch Spaß macht. Ist schon ein guter Junge, denkt auch mal an andere. Nicht so wie Uday, der Taugenichts. Hach ja, als Vater hat man immer nur Sorgen…

Von einem Cousin bekam ich dann noch den praktischen Ratgeber „Unterdrücken leicht gemacht – ein Leitfaden für den Tyrannen von Welt“. Ok, natürlich nur ein kleines Geschenk. Der Geldkoffer seines Bruders mit den letzten illegalen Öleinnahmen war sicher viel mehr wert. Aber die Geste hat mich trotzdem tief gerührt. Die denken tatsächlich manchmal mit, die lieben Verwandten. Wissen offenbar doch, was auf dem Spiel steht.

Das schönste Geschenk hat mir aber die UNO gemacht: Der Sicherheitsrat hat pünktlich zu meinem Geburtstag die Sanktionen ausgesetzt (ok, am „zufälligen“ Zusammentreffen der Termine hat zugegeben ein befreundeter europäischer Staatschef, der mir noch einen Gefallen schuldete, ein bißchen was gedreht)! Endlich bin ich wieder ein freier Mann in einem freien Land. Hier bin ich Diktator, hier darf ich’s sein.

Und als Sahnehäubchen auf Jacques Geburtstagstorte steht die Flugverbotszone nach dem Umfallen der Engländer auch kurz vor dem Aus. War offenbar doch nicht ohne Wirkung, daß ich gerade ein BBC-Kamerateam zum nationalen Versöhnungsgipfel mit einigen kurdischen und schiitischen Clanchefs mitgenommen habe (erschießen kann ich sie ja später immer noch, die laufen ja nicht weg).

Es heißt offenbar nicht ohne Grund „Mit 66 Jahren, da fängt das Herrschen an, mit 66 Jahren, da hat man Spaß daran“, oder so ähnlich. Die Amis können jetzt nur noch zuschauen, wie der Irak unter meiner weisen Führung wieder die ihm zustehende Position als Führungsmacht der arabischen Nation einnimmt. Mit anderen Worten: Ich bin wieder da! Der alte Saddam ist zurück im Spiel.

Und damit das auch jeder merkt, hab ich den Tag des Sanktionsendes zum Nationalfeiertag erklärt. War er im Prinzip zwar schon vorher wegen meines Geburtstags, aber jetzt macht das Feiern natürlich doppelt so viel Spaß. Wer an Saddam denkt, denkt ab heute automatisch auch an den nur dank meiner Standhaftigkeit errungenen Sieg über den US-Imperialismus. Und schon bald wird das auch umgekehrt so sein.

Das Festkomitee vom Geheimdienst hat dann auch spontan ein paar Gäste vor dem Palastfenster versammelt. Ist schon ein tolles Gefühl, da rauszusehen und aus hunderttausenden Dir unbekannten Kehlen mit einem „Heil Dir, großer Führer!“ begrüßt zu werden. Das hat schon was. Macht auf eine gewisse, morbide Weise fast noch mehr Spaß, als besagte Kehlen immer nur durchzuschneiden.

Aber genug gewunken, Leute, feiert noch schön, ich mach mal Schluß für heute. Wenn’s am schönsten ist, soll man ja sowieso aufhören. Und mein Arm wird eh schon ganz lahm. Den brauch ich nachher aber noch, ich hab heute schließlich noch einen ganzen Stapel Rüstungsbestellungen, Ölförderungsabkommen und Todesurteile zu unterzeichnen. Die Pflicht ruft, da muß ein verantwortungsvoller Präsident gehorchen.

~ von Paul13 - Dienstag, 5. Dezember 2006.

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