Wo der Bartels den Mist holt


 

Im Zusammenhang mit dem Krieg im Libanon hat man während der Sommermonate so manchen antiisraelischen Unsinn ertragen müssen, der einen am Verstand seiner Mitmenschen (ver)zweifeln ließ. Aber im allgemeinen kamen die schlimmsten Wortmeldungen von den üblichen Verdächtigen an den linken bzw. rechten Rändern der Gesellschaft bzw. deren nationalbolschewistischer Schnittmenge und waren somit nicht wirklich einer Erwähnung wert.

Wenn es innerhalb der staatstragenden Mitte der Gesellschaft mal allzu arg wurde, haben die großen politischen Lager ihre verirrten Schäfchen – wie beispielsweise die rote Heidi – in der Regel rechtzeitig brav zurückgepfiffen, und sei es nur, um wenigstens zum Schein den Eindruck einer gewissen Neutralität aufrechtzuerhalten.

Allerdings gilt dieses Mindestmaß an Gemeinsamkeit der Demokraten in Sachen Israel offenbar nur für die großen Tiere. Denn unterhalb des mitunter etwas schwerfälligen Überwachungsradars der Massenmedien, das geistige Tiefflieger erst ab einer gewissen Höhe innerhalb der Parteihierarchie erfassen kann, läßt zumindest die SPD ihren nicht ganz so prominenten Mitgliedern durchaus Leine. Und die ist verdammt lang, die Leine.

Anders ist jedenfalls nicht zu erklären, daß jemand wie Marcel Bartels, der Betreiber einer in schönster JuSo-Optik gehaltenen Webseite mit dem demonstrativ sozialdemokratischen Titel „Mein Parteibuch“, ohne ein Parteiausschlußverfahren mit Zwangseinweisung in die Linkspartei zu befürchten offen fordern kann, dem Libanon dabei zu helfen, israelische Flugzeuge abzuschießen oder das am besten von der UNO gleich selbst erledigen zu lassen.

Da entsprechende Forderungen seitens Bartels, Angriffe der Hisbollah auf Israel mit Beschuß durch die nicht vorhandene UNIFIL-Artillerie zu beantworten, nicht bekannt sind, läßt das nur den Schluß zu, daß da jemand den Staat Israel offenkundig nicht einfach nur wegverhandelt sehen will. Anläßlich einer israelischen Antiterroroperation im Libanon verstieg er sich damals jedenfalls zu folgenden denkwürdigen Zeilen, die aus dem Munde eines bekennenden SPD-Mitglieds besonders gruselig klingen:

Mit Erstaunen habe ich die Nachricht zur Kenntnis genommen, dass die israelische Regierung die Waffenuhe gebrochen und in der letzten Nacht israelische Sodaten mit Flugzeugen, Hubschraubern und Panzerfahrzeugen losgeschickt hat, um das Dorf Budai im Osten des Libanon zu überfallen.

Sprechen wir von jener Waffenruhe, an die sich Hisbollah von Anfang an nicht gehalten hatte, weil sie sie wie auch ihre Auftraggeber in Damaskus und Teheran grundsätzlich und völlig offen abgelehnt hat? Und da wagen es diese in ihrer altestamentarischen Rachsucht gefangenen Juden doch tatsächlich, sie nicht alleine zu beachten? Also so was aber auch!

Wenn die UNO das Maß an Glaubwürdigkeit und Vertrauen gewinnen will, das notwendig ist, damit eine von allen Seiten akzeptierte Schutztruppe erfolgreich operieren kann, dann muss dieser Bruch der Waffenruhe ernsthafte Konsequenzen für Israel haben.

Wenn ich ja die Zeit hätte, könnte ich mal nachschauen, wieviele Artikel der gute Marcel zu den vorausgegangenen Verletzungen der Waffenstillstandsvereinbarungen durch die Hisbollah geschrieben hat. Aber irgendwas sagt mir, daß ich froh sein kann, daß ich die Zeit nicht habe. Das erspart mir vermutlich eine mittelschwere Entäuschung.

Erfreut bin ich zu sehen, dass die Hisbollah anscheinend besonnen genug ist, die Spirale der Gewalt zu durchbrechen,

Besonnen genug. Spirale der Gewalt durchbrechen. Die Hisbollah. Ganz großes Kino.

und sich nun nicht ihrerseits mit Raketenangriffen auf israelische Städte für das neuerliche Verbrechen der israelischen Armee rächt.

Was heißt Verbrechen? Die Wattebäuschchen waren aus, da mußten sie die armen Terroristen leider mit Feuerwaffen beschießen.

Trotzdem bewirkt der israelische Angriff, bei dem angeblich drei Menschen ermordet wurden,

Ermordet. Ah ja. Wie das die zionistische Soldateska halt so mit unschuldigen Kalaschnikowträgern gemeinhin zu tun pflegt.

dass die Hisbollah nun sehr noch bessere Argumente hat, ihre Entwaffnung zu verweigern.

Argumente. Bessere sogar. Und wieder die Hisbollah. Noch größeres großes Kino, sozusagen Teil II – reloaded. Und nebenbei noch das Eingeständnis, daß die Hisbollah sich von vorneherein nicht nur nicht entwaffnen lassen wollte, sondern daß es hierzulande Leute gibt, die weit radikaler als viele Libanesen sind und für diese Weigerung der Hisbollah sogar noch vollstes Verständnis haben. Was erstens zeigt, daß die Demokratisierung der arabischen Welt und ihre Eingliederung in die westliche Welt kein unrealistisches Ziel ist. Und zweitens, daß die der Deutschen offensichtlich noch nicht zur Gänze abgeschlossen ist.

Schließlich war es nur der guten Bewaffnung der Hisbollah zu verdanken, dass Israel den Krieg gegen den Libanon abgebrochen hat und nun dieser erneute israelische Angriff abgewehrt werden konnte.

Und es hatte natürlich nicht das geringste, aber auch gar nichts damit zu tun, daß die Israelis den Krieg nicht mal mit halber Kraft (und selbst das auch nur in den letzten Tagen) geführt haben, nein, nein, auf gar keinen Fall!

Um sowohl in Israel als auch im Libanon Glaubwürdigkeit zu erlangen, könnte die EU beispielsweise israelische Waren als Konsequenz für den Bruch der Waffenruhe den gleichen Zollbestimmungen unterwerfen, wie Waren aus anderen Terrorstaaten.

Habe ich da gerade richtig gelesen, daß Israel als Terrorstaat bezeichnet wurde? Diesen Ausdruck kannte ich im Zusammenhang mit Israel bisher eigentlich vor allem von den Nazinetzkaspern aus de.soc.politik.misc. Interessant, was sich heutzutage alles so unter dem Namen SPD tummeln darf, ohne daß diejenigen, die das betreffende Parteibuch einst ausgegeben haben, unmißverständlich „Momennde mal, Freundsche, so net!“ rufen.

Für die UNO bedeutet der israelische Angriff, dass sie die Waffen der Hisbollah erst bekommen wird, wenn sie garantieren kann, dass keine israelischen Luftangriffe auf Ziele im Libanon mehr erfolgen. Um das glaubwürdig garantieren zu können, ist eine Luftabwehr zu installieren, die zwar einerseits Waffenschmuggel unterbindet, andererseits aber auch das Mandat und die Ausrüstung hat, israelische Luftangriffe abzuwehren.

Aha, sie unterbindet so also den Waffenschmuggel. Also entweder reichen die Flugabwehrraketen der UNO dann bis Damaskus, wo alle im Landeanflug befindlichen iranischen Transportflugzeuge prophylaktisch abgeschossen werden, auch wenn sie nur Robbenbabies geladen haben, oder die Syrer sind inzwischen von der Weltöffentlichkeit unbemerkt dazu übergegangen, die Waffen kurz vor der libanesischen Grenze in Hubschrauber zu verfrachten, die sie dann zu den auf der anderen Straßenseite wartenden Hisbollah-Lastern fliegen.

Nur wenn die UNO-Schutztruppe auch den Libanon schützt, wird sie auch von der libanesichen Bevölkerung als Schutztruppe akzeptiert und nicht als Besatzer bekämpft werden. Es sollte Einigkeit darüber bestehen, dass mit Luftangriffen eine Terrorgruppe nicht besiegt werden kann und durch Bomben kein Terrorist davon überzeugt wird, dem Terror abzuschwören.

Welche Terrorgruppe? Die Widerstandskämpfer, die so heldenhaft die zionistische Aggression zurückgeschlagen haben, können ja wohl kaum gemeint sein. Die einzigen Terroristen sind schließlich die Söldner des Terrorstaats Israel. Ob man aber die IAF mit Flugabwehrkanonen besiegen und die IDF mit Raketen davon überzeugen kann, dem Terror abzuschwören, darf bezweifelt werden.

Für die deutsche Beteiligung an einer Schutztruppe bedeutet dies, dass die Marine, so sie denn tatsächlich vor der Küste Libanons stationiert wird, das Mandat, die Ausrüstung und den Befehl bekommen muß, israelische Kampfflugzeuge und Kampfhubschrauber abzuschießen, wenn sie in den Libanon aufbrechen.

Nein. Es klingelt kein Wecker. Er hat das wirklich geschrieben. Marcel Bartels von der SPD wünscht, daß die deutsche Kriegsmarine israelische Flugzeuge abschießt. Ich finde, das sollte für die Nachwelt noch einmal ausdrücklich festgehalten werden. Nur für den Fall, daß irgendein Sozi hinterher zu behaupten wagt, daß man von dieser Äußerung eines Parteifreundes nichts hätte wissen können.

Als deutscher Außenminister würde ich in Israel nochmal nachfragen, ob Israel unter diesen Umständen eine Beteiligung deutscher Soldaten an der UNO-Schutztruppe immer noch wünscht.

Also was immer die Israelis an Bedenken gegen deutsche Soldaten in der näheren Umgebung gehabt haben könnten, aber die Flugabwehrfähigkeiten deutscher Kriegsschiffe gehörten ganz gewiß nicht dazu. Marcel kann seine Landserheftchen also ruhig wieder einpacken. Besser sollte er mal einen Blick in Fachliteratur zur Schoah werfen. Das dürfte seine diesbezüglichen Informationsdefizite etwas differenzierter beseitigen.

Vermutlich hat sich damit dann jegliche Diskusion über einen deutschen Beitrag an der Schutztruppe erledigt, was für Deutschland auch aus finanziellen Gründen begrüßenswert wäre.

Uff! Da ist man ja fast schon beruhigt, wenn Bartels zwischendurch zur Abwechslung peinlichste nationalegoistische Pfennigfuchserei als Begründung für seine schaurigen Thesen einschiebt.

Auch die Amerikaner, die derzeit zwar von Frankreich einen größeren Beitrag verlangen, aber mangels Akzeptanz ihrer eigenen Soldaten im Libanon jeglichen eigenen Beitrag zur Schutztruppe verweigern, könnten beim Schutz des Libanons meiner Meinung nach auch eine wichtige Rolle übernehmen.

Die Amerikaner sind vor allem deswegen nicht dabei, weil sie völlig verständlich nicht die geringste Lust haben, für die Franzosen die Kohlen aus dem Feuer zu holen, während diese sie umgekehrt im Irak im Stich lassen.

Amerikanische Soldaten könnten in Israel stationiert werden und dort die Veratwortung dafür übernemen, dass von israelischem Boden keine Angriffe auf andere Länder ausgehen.

Das ist dann zur Abwechslung aber mal eine wirklich coole Idee! Die Amis übernehmen auch formell eine Beistandsgarantie für Israel, die jedem Land inkl. des palästinensischen Wasauchimmer, der ihren nahöstlichen Verbündeten angreift, mit der Vernichtung durch die stärkste Armee der Welt droht. Die GIs lassen es sich beim Flirten mit den Strandschönheiten von Tel Aviv gut gehen, Israel kann endlich die überproportional hohen Verteidigungsausgaben senken und verkleinert die eigenen Streitkräfte auf das im Westen allgemein übliche Maß, worauf ein unglaublicher Wirtschaftsboom beginnt, der das kleine Land nach kurzer Zeit an die Weltspitze der prosperierenden HighTech-Staaten bringt.

Gleichzeitig übernimmt ein anderer Staat, sagen wir Frankreich oder Deutschland, eine vergleichbare Verantwortung für den Libanon, und sorgt bei Bedarf ebenfalls mit Waffengewalt dafür, daß von dort keine Angriffe mehr auf die Nachbarn ausgehen. Ich muß zugeben, das hat was. Alleine die Vorstellung, wie Marcel Bartels bei der nächsten Hisbollah-Rakete (die anders als israelische Luftangriffe auch dann immer noch so sicher wie das Amen in der Kirche kommen wird) „Germans to the front!“ ruft oder wie er begeistert applaudiert, wenn sich die für ihr sensibles Vorgehen berühmte Fremdenlegion der in einem schiitischen Wohnviertel errichteten verantwortlichen Hisbollah-Stellung annimmt, wäre den Versuch wert.

Die Gedanken des SPD-Präsidiums zum Nahost-Problem (dank Gegenstimme gefunden) greifen da leider zu kurz.

Also ehrlich gesagt ist das jetzt nicht wirklich so die große Überraschung.

Ich meine, damit die Schutztruppe der UNO erfolgreich arbeiten kann, müssen israelische Angriffe auf den Libanon wirksam unterbunden werden. Um die Gefahr israelischer Angriffe glaubwürdig zu bannen, braucht der Libanon eine hocheffektive und funktionierende Flugabwehr, die solche Überfälle wie den heutigen verhindert.

So weit, so gut (oder besser gesagt, so schlecht). Man könnte einfach sagen, Schwamm drüber, im Sommer sind die Tage nun mal länger, da wird dann logischerweise auch mehr dummes Zeug geredet. Ist ja auch schon eine ganze Weile her. Solange irgendein unbedeutender Freak davon träumt, daß NATO-Soldaten israelische Flugzeuge abschießen, lachen wir mal gemeinsam herzhaft drüber, und gut is, weil soweit wird es eh nie kommen.

Doch weit gefehlt! Denn leider erweist sich die Loony Left hier ausnahmsweise tatsächlich mal als Avantgarde. Zwar nicht gleich als die der Weltrevolution, aber immerhin die der antiwestlichen UNO-Agenda sowie französischer Großmachtträume. Denn was unser guter Marcel da beim Anblick seines Chavez-PinUps herbeihalluziniert hat, ist wenige Monate nach seiner waghalsigen Prophezeiung offensichtlich näher an der Realität als meine zugegeben kühne Hoffnung, daß Europa vielleicht inzwischen doch dazugelernt haben könnte.

Ließ die Meldung, daß der Kommandant der UNIFIL, Alain Pellegrini, überraschend um Artillerie für seine Truppe bat, dann noch mal für einen kurzen Moment Hoffnung aufkommen, daß die Vereinten Nationen wenigstens mit derselben Entschlossenheit auch gegen die Hisbollah vorgehen wollen wie gegen Israel, so beraubte einen die Lektüre des kompletten Artikels jeglicher diesbezüglicher Illusionen.

Denn anders als die unzulässig verkürzte Schlagzeile nahelegt, dachte Pellegrini nicht an Artillerie im eigentlichen Sinne, um etwaigen Raketenbeschuß der Hisbollah mit sofortigem „counter battery fire“ auf die verantwortliche Abschußrampe beantworten zu können, sondern an Flugabwehrsysteme, die ausdrücklich gegen israelische Kampfflugzeuge gerichtet sein sollen. Und damit es nicht bei den guten Vorsätzen bleibt, sondern diese auch baldmöglichst in die Tat umgesetzt werden können, machen die Europäer jetzt auch gleich Nägel mit (Spreng)köpfen.

Sollten wir Israel je in die NATO aufnehmen, wäre es dringend zu empfehlen, Marcel Bartels zusammen mit den Verantwortlichen für den Libanon-Waffendeal bei dieser Gelegenheit gleich aus selbiger auszuschließen. Nicht daß da jemand in Gewissenskonflikte gerät, wenn es um die Frage geht, auf welcher Seite man zu stehen hat, wenn die eigenen Verbündeten bedroht werden. Denn auch wenn vielleicht nicht jeder Bushs Motto „Wer nicht für uns ist, ist gegen uns“ teilen mag, so sollten wir uns doch bei „Wer gegen uns ist, ist jedenfalls nicht für uns“ einig sein.

~ von Paul13 - Freitag, 20. Oktober 2006.

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