Ivan for Bundeskanzler!


Jawohl, richtig gelesen! Denn auch wenn er versucht, durch seine Sympathiebekundungen für die kubanische Diktatur den Anschein von fundamentaler und revolutionärer Systemkritik zu erwecken, ist Ivan Grosny, der sich inzwischen regelrecht zum Kienzle dieses Blogs zu entwickeln scheint, offenbar doch kein so übler Kerl. Im Gegenteil, er ist weit kompatibler mit neoliberalen (wenn wohl auch nicht neokonservativen) Ideen als ihm wohl bewußt und auch lieb sein dürfte. No Blood For Sauerkraut, die Fansite für NeoCons, NeoLibs und NeoProg, dokumentiert daher seine zur Abwechslung mal ausgesprochen konstruktiven Vorschläge zum Thema „Rettung der Nation“ und würdigt sie als Diskussionsgrundlage mit einer Stellungnahme zu den einzelnen Punkten.

nehmen wir einmal an, der real existierende neoliberalismus hätte so abgewirtschaftet, dass anderes außer dem penetranten geblöke „markt gut – staat schlecht“ (aus welcher parabel geklaut?) denkbar wäre. hier meine zielsetzungen:

Neoliberal? Ach, das wäre schön. Aber leider gibt es hier nur eine ungesunde Mischung aus Plankapitalismus und sozialistischer Marktwirtschaft. „Markt gut – Staat schlecht“ wäre hingegen durchaus der richtige Ansatz. Dummerweise läßt sich eine Gesellschaft diesseits der Anarchie nicht gänzlich ohne dieses notwendige Übel namens „Staat“ organisieren. Es kommt nur darauf an, diese Eingriffe aufs unbedingt notwendige Minimum zu beschränken, und da wo sie unvermeidlich sind, so effizient – d.h. so demokratisch und marktorientiert – wie möglich zu organisieren.

Es gibt ohnehin nur zwei Aufgaben im großen Spiel des Seins, für die die Existenz einer staatlichen Ordnung überhaupt gerechtfertigt ist: Nämlich die Armen drin und die Bösen draußen zu halten. Die Armen, das sind alle, die unverschuldet in Not geraten (Kranke, Behinderte, Arbeitslose, Flüchtlinge) bzw. die aufgrund objektiver Gegebenheiten nicht am Erwerbsleben teilnehmen können (Kinder, Alte). Und die Bösen sind jene, die in die Freiheit ihrer Mitmenschen auf unzulässige Weise eingreifen, sei es im Inneren (Kriminelle, Terroristen, Dieter Bohlen), sei es im Ausland (Diktatoren, Despoten, Tyrannen).

Also, Ivan, kommen wir nun zu den einzelnen Punkten (Anmerkung: Da Punkt 6 in Deinem Originaltext versehentlich doppelt vorkam, habe ich die Numerierung der Übersichtlichkeit halber ab Punkt 5 um eins verschoben sowie fortgeführt. Ich hoffe das geht OK und fällt nicht unter unzulässige Quellenmanipulation):

1. vertiefung der EU zu einem bundesstaat

Volle Zustimmung, auch wenn sich mein Optimismus, daß sich das auf absehbare Zeit verwirklichen läßt, in überschaubaren Grenzen hält.

2. einführung eines EU-weiten sozialsystems (auf einem erheblich niedrigeren niveau als z.Z. in der BRD) aber für ALLE

Im Prinzip die richtige Richtung, aber da die Wirtschaft global ist und auch mit Ländern außerhalb der EU-Grenzen gehandelt werden soll, wäre es wichtiger, dort die Standards etwas nach oben zu verschieben (Kinderarbeit z.B. muß nicht sein, Schulbildung hingegen schon). EU-intern hingegen läßt sich das durch den Wettbewerb um das effizienteste Sozialsystem lösen (siehe „Allheilmittel“ unter Punkt 4).

3. verbindliche mindestgarantien für arbeitnehmer in der ganzen EU (mindestlöhne, arbeitsrecht, tarifsystem, gesetzliche sozialversicherung).

Auch diese Forderung ist nicht abwegig, allerdings gilt auch hier, daß sich dies weit intelligenter mit dem „Allheilmittel“ einer neoliberal-sozialistischen Form der Grundsicherung und dem daraus resultierenden fruchtbaren Wettbewerb lösen läßt.

4. steuersystem mit umverteilung zum aufbau einer sozialen mindestsicherung.

Und hier ist er endlich, der Kernpunkt des Wirtschafts- und Sozialsystems, das versprochene „Allheilmittel“, die ultimative ökonomische Wundersalbe: Eben die von Dir erwähnte soziale Grundsicherung! Und zwar aus Steuermitteln in Höhe der Hälfte des durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommens, verbunden mit der Arbeitspflicht für erwerbsfähige Personen, die sich weder in der Ausbildung noch in Rente befinden.

Wie besagte Arbeitspflicht genau auszuführen ist, wäre zu diskutieren. Auch wenn ich derzeit zu dem Modell neige, daß es zur Bezugsberechtigung staatlicher Unterstützung reichen könnte, wenn man einen Minijob nachweist, bei dem man nur eine Stunde Arbeit für einen Euro im Monat hat, könnte es zur Vermeidung von Mißbrauch eventuell auch sinnvoller sein, beispielsweise einen Lohnkostenzuschuß pro Arbeitsstunde auszuzahlen, sofern das nicht zu mehr Bürokratie führt und Regeln gefunden werden, um zu verhindern, daß jemand mehrere Jobs haben muß, um das Existenzminimum zu erreichen. Hier wären Vorschläge und Anregungen der Leser willkommen (sonst natürlich auch, aber hier ganz besonders).

Dieses System hätte eine ganze Reihe riesiger Vorteile: Da es Arbeit extrem billig macht, ohne daß deswegen die Arbeitnehmer nicht davon leben können, führt es indirekt zur Verwirklichung des alten Traums der Sozialisten auf ein verfassungsmäßiges „Recht auf Arbeit“; es macht Mindestlöhne überflüssig, weil es auf diese Weise de facto selber einer ist; es holt die Leute von der Straße, weil es immer irgendwas sinnvolles zu tun gibt (wir hinken im Dienstleistungsbereich immer noch weit hinter modernen Gesellschaften zurück); es macht die Arbeitnehmer in reichen Staaten wieder konkurrenzfähig gegenüber Lohndumping durch Billigarbeitskräfte, weil sie gerade bei einfachen Jobs unterm Strich mehr verdienen als diese, selbst wenn der Arbeitgeber ihnen weniger zahlt; es verringert die wuchernde Sozial- und Wirtschaftsbürokratie auf nahe Null (bei der Geburt des Kindes wird eine Kontonummer angegeben, der Zentralrechner überweist da jeden Monat 50% des aktuellen Durchschnittseinkommens drauf, und fertig); und es erhöht die Geburtenrate, weil durch eine größere Kinderzahl nur noch der Wohlstand verringert wird, aber nicht mehr gleich die Armutsfalle droht.

Das allerbeste an diesem System ist aber, daß es tatsächlich bezahlbar wäre. Und zwar einfach dadurch, daß alle Subventionen, Sozialtransfers und sonstigen Eingriffe ins Wirtschaftsleben (ca. 60% der Staatsausgaben, mit Bildung und Gesundheit sogar 80%!) ersatzlos gestrichen werden. Es gibt also nur einen Sündenfall in Form der genannten Pro-Kopf-Subvention (der dafür aber so richtig saftig sozialistisch), und darüber hinaus regiert der brutalstmögliche kapitalistische Dschungel, der den ganzen Spaß dann finanziert. Dank der Grundsicherung gerät dabei aber niemand mehr in existentielle wirtschaftliche Not, was wiederum den Unternehmergeist nicht unwesentlich beflügeln würde und alleine schon zur Schaffung von „klassischen“ Arbeitsplätzen führen würde.

5. EU-programme zu steigerung energieeffizienz, forschungsintensität und strikte staatliche kontrolle mono-/oligopolisierter märkte.

Mal davon abgesehen, daß weder die EU noch der Staat sich jenseits vielleicht der Hilfe bei deren Koordinierung in Forschungsprogramme einmischen sollten (bei einem Ölpreis von 200$ pro Barrel kommt die Energieeffizienz durch den Markt von ganz alleine, auch ohne daß irgendein Bürokrat drin rumpfuscht), ist die Kontrolle von Mono- und Oligopolen in der Tat absolut wichtig, gerade damit der Markt sich nicht selbst abschafft (Marxisten haben in den seltensten Fällen recht, aber hier irren sie wie die berühmte kaputte Uhr, die zweimal am Tag die richtige Zeit anzeigt, tatsächlich nicht). Das heißt bei Marktanteilen über 50% sollte grundsätzlich in irgendeiner Form die Zerschlagung der jeweiligen Konzerne oder zumindest ihrer marktbeherrschenden Stellung möglich sein.

6. integration der nationalen streitkräfte und rüstungswirtschaft bei erheblicher reduktion der sollzahlen. verbot aller kriegswaffenexporte außerhalb der EU (ausnahme Israel nach aufnahme friedensverhandlungen).

Hier muß ich dann tatsächlich doch mal widersprechen. Während eine gemeinsame europäische Armee und damit verbundene geringere Sollstärken sowie eine effizientere Rüstungsindustrie (vor allem durch die Einführung von marktgerechten Verträgen, also keine garantierten Gewinnmargen für die Rüstungsproduzenten mehr) sicher ausgesprochen sinvoll sind, muß bei Rüstungsexporten die Regel gelten: Demokratien verkauft man grundsätzlich erst mal alles bis hin zum kompletten Flugzeugträger, Diktaturen hingegen kriegen in Zukunft gar nichts mehr. Und zwar nichts im Sinne von nichts. Also nicht mal mehr eine schnuckelige kleine MP5 für die Präsidentengarde. Ganz im Gegensatz zu den Demokraten unter den Widerstandsbewegungen. Die bekommen alles was nötig ist, damit die Präsidentengarde wie auch die nichtdemokratische Revolutionskonkurrenz über kurz oder lang ein ernsthaftes Problem kriegen. Das spart am Ende so manche Intervention, und die wollen wir ja alle wenn möglich vermeiden, nicht wahr? ;-)

7. strikte regelbindung für einen auslandseinsatz der Europäischen Streitkräfte (generelles okkupationsverbot in der europäischen verfassung, jeweils: UN-mandat + parlamentsbeschluß + gewaltminimerende RoE)

Diesen Punkt muß ich aufgrund einer den Rahmen sprengenden Antwort einfach mal ohne große Erklärung kategorisch ablehnen. Während ich bei den oben erwähnten Armen ein sozialistisches Herz habe und in gesellschaftlichen wie auch wirtschaftlichen Fragen auf meinen neoliberalen Kopf höre, verlasse ich mich bei den Bösen lieber auf die neokonservative Faust. Die UNO hat keine Legitimation, die NATO ist als Alternative noch nicht bereit (dazu demnächst in einem eigenen Artikel hoffentlich mehr), und wenn auf eine humanitäre Intervention eine Stabilisierungsoperation folgt, habe ich zumindest für die Dauer einer ortsüblichen Legislaturperiode kein Problem damit. Da werde ich mich mit Dir wohl nicht einigen können, bevor Du nicht aus dem Kerker eines Diktators per Kassiber einen Hilferuf an meine Kavallerie sendest, Dich doch bitte da rauszuholen.

8. managed trade gegenüber den Drittstaaten insb. USA, BRIC, OPEC
9. entwicklungsförderung über präferationsabkommen mit Afrika, Karibik, Pazifik-staaten.
10. spezielles entwicklungsprogramm für nordafrika / naher osten: basisqualifizierung, arbeitsintensives infrastrukturprogramm, aubau einer EU-kompatiblen industriestruktur.

Die Antwort auf diese drei Punkte fasse ich der Einfachheit halber mal zusammen, denn ich hab was viel radikaleres und vor allem besseres: Eine globale Freihandelszone der Demokratien! Das heißt, wenn sich ein Land im tiefsten Afrika demokratisiert, darf es uns mit Waren überschütten, und glaub mir, Ivan, das wird es. Die einzige – allerdings nur temporäre! – Einschränkung ist, daß wir für eine Übergangszeit die bisherige Entwicklungshilfe weiter nutzen müssen, um diesen Ländern beim Aufbau eines Bildungssystems für ihre Kinder zu helfen, sowie die Agrasubventionen etwas langsamer auf Null fahren, um Umschulungen für die Landwirte zu bezahlen. Der deutsche Bauer wird eine Art ökologischer Landschaftsgärtner sein, oder er wird gar nicht sein. Als Getreidelieferant hat er jedenfalls ausgedient.

innerhalb der BRD:
11. – gebietsreform: zusammenlegung der bundesländer, so dass entstehen: NRW, Bayern, Ba-Wü, Südwest (Saarland, Rheinland-Pfalz, Hessen), Nord (Niedersachsen, Bremen, Hamburg), Küste (Schleswig-Holstein + Meck-Pomm), Ost (Berlin, Brandenburg, nördliches Sachsen-Anhalt), Südost (südliches Sachsen-Anhalt, Thüringen, Sachsen).

Auch hier wieder vollste Zustimmung. Das ist schon lange überfällig, und wenn die große Koalition auch sonst nichts auf die Reihe kriegt, aber wenn sie wenigstens das geschafft hätte (inkl. einer sinnvolleren und klareren Aufteilung von Finanzmitteln und Kompetenzen) sowie möglichst noch die Einführung des Mehrheitswahlrechts, wäre es den Verlust von weiteren vier Jahren wert gewesen.

12. – reform des öffentlichen Dienstes: abschaffung beamtenstatus (außer polizei, justiz, streitkräfte), abschaffung lebenslange beschäftigungsgarantie, einrichtung eines soziokulturellen servicebereiches.

Im Prinzip auch genau meine Meinung, wobei die „Einrichtung eines soziokulturellen Servicebereiches“, wie Du es nennst, gar nicht mehr extra nötig wäre. Denn wenn man mein (unser? ;-) System der Grundsicherung so wie oben angedeutet umsetzen würde, kommt dieser Bereich von ganz alleine. Und vor allem kommt er so auch noch weit billiger, als wenn er im bisherigen System künstlich eingerichtet würde. Mann könnte dann sogar auf die Zivildienstleistenden und damit auf die ohnehin längst nur noch auf dem Papier stehende Wehrpflicht verzichten. Und das sollte Dich eigentlich doppelt freuen.

13. – reform steuerrecht: effektive besteuerung vermögen 1% pro Jahr, effektive besteuerung von kapitalerträgen linerar-progressiv spitzensatz 75 %, steuerfreiheit für einkommen bis 20.000 €, kinderfreibetrag 10.000 €

Gut, mit der Vermögenssteuer habe ich insofern gewisse Probleme, weil ich was grundsätzliches gegen die Besteuerung bereits besteuerter Gelder und die Bestrafung guten Wirtschaftens habe. Ich denke, eine höhere Erbschaftssteuer wäre unter gewissen Umständen ökonomisch sinnvoller, weil der Erbe wirtschaftlich noch nichts geleistet hat außer eben Erbe zu sein, und sich so zwecks Schaffung der Chancengleichheit so sogar ein Grunderbe finanzieren ließe (das hättste nicht gedacht, daß ich so ’ne alte Kommunistensau bin, was?). Andererseits schwebt mir ein System vor, wo es nur noch ganz wenige Steuerarten gibt (ideal wäre eine, aber auch zwei oder zur Not gar drei oder vier wäre schon schön) und wo sich nicht durch irgendwelche Mauscheleien Steuern umgehen lassen. So gesehen wäre mal zu prüfen, inwieweit die Existenz einer Konsumsteuer wie beispielsweise der Mehrwertsteuer nicht sogar eine spürbare Vermögenssteuer erfordert, um mögliche Verzerrungen zu verhindern.

Was die Besteuerung von Kapitalerträgen angeht, so gehe ich sogar noch weiter: Ich will die Flat Tax, und zwar auf alles, was nicht Grundsicherung heißt. D.h. Mieten, Zinsen, Aktien, Löhne, Gehälter – schlicht jeder Gewinn unterliegt ihr. Und wenn Du mir an diesem System selbst nicht rumspielst, kann ich prinzipiell sogar mit einer 75% Flat Tax leben. Ich halte das zwar für zu hoch (alleine schon weil es über der Hälfte liegt, und da ist für mich philosphisch gesehen eigentlich Schluß, weil ein Kollektiv schon aus grundsätzlichen Erwägungen keinen Vorrang vor dem Individuum haben darf, nur umgekehrt), aber dafür gibt es ja verschiedene Partien. Die FDP will dann 25%, die CDU 40%, die Grünen 50%, die SPD 60% und die PDS eben 75%. So what? Die nächste Wahl würde das schon regeln.

Genauso verhält es sich mit der Steuerfreiheit und dem Kinderfreibetrag (die es in diesem System natürlich nicht direkt gibt, sondern nur in Form der unbesteuerten Grundsicherung). Ich persönlich halte Deine Zahlen zwar für nicht finanzierbar (schließe sie aber auch nicht völllig aus; falls Du zufällig einen neoliberalen Professor kennst, der mir kurz ein paar Fragen beantwortet, laß es mich wissen), weil sie weit über die Grundsicherung hinausgehen, aber sofern der Staat keine Schulden macht (sollte verfassungsmäßig außerhalb von Weltkriegen und größeren Meteoriteneinschlägen verboten werden), habe ich damit nur ein graduelles, aber kein prinzipielles Problem.

Das ist das schöne an der Flat Tax + Grundsicherung: Anders als von linken Kirchhofhassern behauptet ist sie nicht zwingend ein Mittel, um die Reichen zu hätscheln, sondern sie kann genauso gut für finsterste sozialistische Experimente verwendet werden. Es kommt nur auf die Werte an. mit denen man die beiden Variablen füllt. Wenn man die Grundsicherung höher dreht, müssen eben auch die Steuern entsprechend nach oben. Irgendwann wird sich von selber einpendeln, was die ideale Kostellation ist. Spätestens wenn die Grundsicherung so hoch steigt, daß die Reichen deswegen wie einst in Schweden mehr als 100% Steuern bezahlen müssen, werden sie das Land verlassen, und dann würde selbst Oskar Lafontaine merken, daß er’s übertrieben hat.

14. – reform sozialversicherung: heranziehung aller einkommen zur finanzierung, kostenloses nationales gesundheitsssystem, statt transferzahlungen an arbeitslose öffentlicher beschäftigungssektor mit SINNVOLLEN jiobs und qualifizierungs-pflicht!

Auch hier gilt wie meist: Hat sich mit Grundsicherung und Flat Tax auf alles andere eh erledigt. Alle Einkommen finanzieren das System, nicht mehr nur ein Teil der abhängig Beschäftigten; der öffentliche Beschäftigungssektor ist überflüssig, weil er privat entsteht (wenn nicht, schick mir einen Arbeitslosen, der mir für 1 Euro mein Auto wäscht und dafür mit 501 Euro nach Hause geht und den mir mein Nachbar das nächste Mal begeistert für 2/502 Euro wegschnappt, bevor er sich als Autowäscher selbstständig macht, weil er gar nicht so viele Autos waschen kann, wie die Leute wollen) und dadurch, daß er privat ist, auch nur sinnvolle, also wirklich nachgefragte Jobs entstehen läßt. Was die Gesundheit angeht, so ist entscheidend, daß die Leute selbst entscheiden, welches Krankenhaus/Ärztenetzwerk ihr sauer verdientes Geld bekommt. Ob das dann über Steuern finanziert wird oder ob sie das Geld dafür erst noch auf die Hand bekommen, ist dann letztlich zweitrangig.

15. bildungsystem: kindergarten, schule, studium kostenlos besondere förderung für alleinerziehende und zuwanderer. ausbau öffentliche bildungsangebote: stadtbüchereien, mediotheken, kommunale kinos & theater

Wie auch bei der medizinischen Versorgung gilt, solange für Wettbewerb in Schule, Ausbildung und Universität gesorgt wird, ist es sekundär, ob das bis zur Volljährigkeit über das Finanzamt oder das eigene Girokonto erledigt wird. Danach hingegen sollte man selber zahlen, und zwar in vollem Umfang. Finanzieren ließe sich das hervorragend über Banken und von diesen ausgegebene Ausbildungsverträge nach dem Motto „Du studierst und zahlst es mir danach vom dadurch entstandenen Gewinn zurück“. D.h. keine Angst vor der Schuldenfalle, weil nur von dem, was über das Durchsschnittseinkommen hinausgeht, etwas zurückgezahlt werden muß, und das ist definitiv zumutbar, sofern man kein Grundrecht auf den Besitz einer Oberklasselimousine oder einer Eigentumswohung bis zum 30. Lebensjahr festschreiben will. Und falls sich keiner findet, mach ich das Geschäft gerne auch alleine (ich zahle Dir die Ausbildungsgebühren und bekomme den Rest Deines Lebens einen bestimmten Teil von allem, was über das Durchschnittseinkommen hinausgeht, dann werden wir beide reich – Du ein bißchen und ich so richtig).

16. verkehr: besteuerung flugbenzin, verbot inlandsflüge unter 800 km, ausbau IC-Angebot (sprinter Hamburg -München maximal 4 stunden, Berlin-Ruhrgebiet 3 stunden), ausbau güter-kombiverkehr, ausbau des ÖPNV in ballungsgebieten bei erhöhten nutzungsgebühren für motorisierten individualverkehr.

Ok, diese gutmenschliche Reglementierungswut ist jetzt nicht so mein Ding. Wer sich’s leisten kann, soll auch für 800 m den Hubschrauber nehmen dürfen. Worüber man aber sicher reden muß, ist wieviel uns die Umwelt wert ist. Oder besser gesagt, die Umwelt muß unser Geschäftspartner werden. Wir müssen Umweltverbrauch bzw. ihre Zerstörung bezahlen, und zwar in dem Maße, wie die Gesellschaft das für richtig erachtet. Folglich würde eine sachgebundene Umweltabgabe (keine allgemeine Steuer!) das Benzin teurer machen, und zwar für alles in eben dem Maße, wie wir es für richtig erachten. Aber es muß ohne künstliche Verzerrung geschehen (also kein durch Sozialneid motiviertes willkürliches Verbot des Inlandsflugverkehrs, nur weil man die Krawattenträger in der Business Class nicht ausstehen kann). Solange für die Sanierung der Umwelt gezahlt wird, gibt es weder einen Grund noch das Recht, anderen Menschen die Freiheit zu beschneiden, Geld zu verschwenden.

Was den ÖPNV-Ausbau angeht, gilt wieder im Prinzip „absolut richtig“, aber dank der Grundsicherung auch ohne weitere staatliche Eingriffe machbar. Denn was macht den ÖPNV denn so teuer? Die Busse? Die Bahnen? Weit gefehlt, es sind die Gehälter. Die sinken aber dank der Grundsicherung dramatisch, während die Energiekosten alleine schon durch den Aufstieg Chinas und Indiens weiter steigen werden. Wenn dann noch die so weit wie möglich privaten Betreibergesellschaften in den Kommunen versuchen, sich am Parkplatzmarkt eine goldene Nase zu verdienen, boomt der ÖPNV von ganz alleine (naja, zumindest, sofern die Busfahrer ein wenig netter werden :-).

17. energie: bundesprogramm zu energetischen sanierung wohngebäude, energie-tüv für elektrogeräte, ausbau biomasse, EU-7-8 norm usw.

Hier gilt wie oben beim Flugverkehr: Laß die Umwelt am Kapitalismus teilhaben und regele das über den Markt, dann kommt der Teil der Regelungen, der sinnvoll ist und von den Menschen mitgetragen wird, ganz von selbst.

18. und jetzt erzähle mir bitte nicht, dass das alles unrealistisch ist, ökonomisch nicht möglich, politisch nicht durchsetzbar und überhaupt – das weiß ich selbst.

Ob das bei einem strukturkonservativen und ängstlichen Volk wie den Deutschen realistisch ist, wage ich auch zu bezweifeln, aber wie gesagt, wenn Du es richtig machst, ist das ökonomisch durchaus möglich, und wenn die Besitzstandswahrer erst mal einen kurzen Moment über ihren persönlichen Vorteil nachdenken würden, bevor sie die Beschneidung ihrer Priviligien als unzumutbar blockieren, wäre es auch durchsetzbar (vielleicht mit Ausnahme der Steuerberater, für die ist definitiv kein Platz mehr im neuen System, die braucht man nur noch für die Abwicklung des alten).

Also, lieber Ivan, sofern wir uns darauf einigen können, daß ich das Verteidigungsministerium kriege und Du die Finger von der Außenpolitik läßt (Ausnahme: Europa darfst Du wegen mir Deiner Richtlinienkompetenz unterwerfen, da kannst Du nicht viel falsch machen), darfst Du gerne vorübergehend unter mir Bundeskanzler werden (falls Du dann doch die kubanische Variante probieren solltest, kann ich die Bundeswehr ja immer noch putschen lassen. ;-).

~ von Paul13 - Mittwoch, 11. Oktober 2006.

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