Libanon-Friedenstruppe: Streitmacht mit Stotterstart


Die Diplomaten müssen ein Kunststück vollbringen: Eine Friedenstruppe für Libanon zu bilden, die beide Seiten akzeptieren können. Frankreich wird sie wohl führen, die USA und Großbritannien bleiben draußen – und Deutschland und die muslimischen Staaten werden umworben.

Natürlich bleiben die USA und Großbritannien draußen. Die tun schließlich schon ihren Teil im Irak. Jetzt dürfen endlich mal die Besserwisser ran. Ich freu mich drauf.

[…] Mittlerweile hat sich herauskristallisiert, dass wahrscheinlich Frankreich die Führung des Unternehmens haben wird. „Wir werden keine Truppe in den Libanon schicken, um die Arbeit der israelischen Armee fortzusetzen“, mahnte indes bereits ein Diplomat. Er gab damit zu verstehen, dass die Grande Nation wenig Lust verspüre, von Haus zu Haus zu ziehen, und jedem Hisbollah-Kämpfer gewaltsam seine Waffen zu entreißen.

Tja, lieber unbekannter Diplomat, irgenwas in der Richtung wird aber Euer Job sein, sonst könntet Ihr ja gleich zu Hause bleiben. Obwohl, wenn Ihr clever seid, übt Ihr von ein paar empörten Verurteilungen mal abgesehen nicht allzuviel Druck auf Israel aus und gebt ihm die Zeit, die es braucht, um das mit dem Waffen entreißen für Euch zu erledigen. Anschließend könnt ihr ja immer noch medienwirksam durch Beirut paradieren. Ihr habt doch so kleidsame weiße Hüte.

[…] Die meisten potenziellen Truppensteller – neben Frankreich möglicherweise Schweden, Norwegen, die Slowakei, Kanada, Deutschland und die Türkei – sehen das Mandat der Schutz- und Friedenstruppe deshalb wohl eher darin, den Raketenbeschuss Israels durch die Hisbollah zu verhindern und zugleich die libanesische Armee zu unterstützen, indem man ihr Auftreten glaubwürdiger macht.

Sehr schön. Den Raketenbeschuß glaubwürdig verhindern kann man nämlich nur dann, wenn man auch die Verantwortung für den über dem Stationierungsgebiet befindlichen Luftraum übernimmt. D.h. wenn eine Hisbollah-Rakete über die Köpfe der Fremdenlegion fliegt, werden wir sehen, ob „Nuclear Jack“ Chirac, dem sogar der Atomcolt bei vergleichbaren Anlässen zumindest rhetorisch schon sehr locker sitzt, bei einem Raketenangriff auf Israel die Raketenabschußbasis in Schutt und Asche legen läßt. Und lassen wir uns mal überraschen, wieviele Kinder die Hisbollah dann in den Keller des angegriffenen Hauses gepfercht haben wird.

[…] Wie genau der Kompromiss aussehen soll, ist noch unbekannt. Aber verschiedene Gedankenspiele machen die Runde: Es sei doch vorstellbar, dass die Franzosen zunächst allein und in etwas robusterer Mission in den Zedernstaat aufbrechen, war zu vernehmen. Dann, wenn das Gröbste erledigt ist, könne der Rest nachkommen.

Nett ausgedrückt. Wenn die IDF mit der Hisbollah fertig hat, dann ist das gröbste bereits vor Eintreffen der Franzosen erledigt (wie uns besagter unbekannter Diplomat weiter oben bereits versicherte). Stellt sich die Frage, wie sich die übrigen Staaten ihre Aufgabe im Südlibanon dann konkret vorstellen. Zedern zählen? Oder doch wieder das „weltweit beliebteste Familienkartenspiel“ der Welt spielen? Das heißt ja bekanntlich UNO.

~ von Paul13 - Freitag, 4. August 2006.

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