Libanon: Die Illusion vom schnellen Krieg


Der Libanon-Feldzug gegen die Hisbollah läuft zäher als von vielen Israelis erwartet. Symptomatisch dafür ist die aufreibende Schlacht um das libanesische Dorf Bint Dschbeil – eine „Hölle auf Erden“. An der Heimatfront gerät das Militär bereits in die Kritik.

Na, hier handelt es sich wohl eher um die Illusion vom halben Krieg. Wenn eine Armee, die zahlenmäßig, technologisch, von der Mobilität und der Feuerkraft her weit überlegen ist, aus politischen Gründen gezwungen wird, auf genau diese entscheidenden Vorteile zu verzichten, und sich stattdessen auf das einzige beschränken muß, wo der Gegner halbwegs mithalten kann – den Kampf Mann gegen Mann -, dann bleiben Enttäuschungen fast zwangsläufig nicht aus.

Da aber gerade die Armeeführung – zuletzt nach den verlustreichen Kämpfen um Bint Dschbeil – darum bat, diese Beschränkungen aufzuheben, was ihr von der politischen Führung verwehrt wurde, ist es nicht ganz fair, ihr jetzt den schwarzen Peter zuzuschieben. Ein massiver Einmarsch in einer dem Libanonkrieg von 1982 vergleichbaren Größenordnung bis hin zum Litani wäre den Militärs sicherlich lieber gewesen, als nur begrenzte und temporäre Einzelaktionen, die der Hisbollah Bewegungsfreiheit und Reaktionsmöglichkeiten lassen.

Wer aber einen Krieg schnell gewinnen will, muß ihn mit um größerer Stärke führen; wer ihn hingegen nur halb führt, darf sich nicht wundern, wenn er dann am Ende umso länger dauert. Das drückt dann vielleicht die täglichen Verlustzahlen nach unten, aber die Gesamtzahl der Opfer über den gesamten Kriegsverlauf liegt dadurch letztlich weit darüber. Denn die Nachschubwege der Hisbollah müssen nur so lange bombardiert werden, wie es noch eine Hisbollah gibt, die es zu versorgen gilt.

Doch jetzt mit dem Finger auf Ehud Olmert zu zeigen, macht es sich auch zu einfach, denn seine Motive waren, auch wenn sie sich im nachhinein als Fehlkalkulation erwiesen haben sollten, durchaus nachvollziehbar. Wäre sein Kalkül aufgegangen, die Hisbollah indirekt über Druck auf den Libanon und die internationale Gemeinschaft statt durch blutige Bodenkämpfe im Südlibanon auszuschalten, gälte er heute vermutlich als Genie. So aber bleibt nur die Lehre, daß gute Absichten nicht immer auch gute Ergebnisse zur Folge haben.

~ von Paul13 - Freitag, 28. Juli 2006.

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