Rebellion der Ressentiments


 

Vor einiger Zeit gab es in der Bloggerszene eine kleinere Auseinandersetzung zwischen liberalen bzw. NeoCon-Blogs und den Kollegen vom eher christlich-nationalkonservativ orientierten Lager. Einer der berechtigten Vorwürfe an letztere war deren auffällige Duldung von oft unsäglichen Kommentaren durch Leute wie CA und Antimusel, die bekanntlich weit jenseits der Toleranzgrenze operieren. Doch wer jetzt glaubt, daß derart fragwürdige Entwicklungen auf die Rechte beschränkt wären, tut Kewil und PI unrecht. Denn bei den Genossen von der anderen Feldpostnummer tummeln sich offenbar noch ganz andere Gestalten.

Nachdem dort mangels Argumenten bereits zumindest zeitweilig auch auf persönliche Drohungen zurückgegriffen wurde (mehr Infos hier oder auch hier), bringt nämlich schon ein wenig Gründeln im Kommentarschlamm beim Flaggschiff der Loony Left, dem berühmt-berüchtigten Rebellmarkt, grausige Funde zu Tage, die man bisher eigentlich eher bei den Nazinetzkaspern verortet hätte und die zeigen, daß da einiges zusammenzuwachsen scheint, was offenbar schon länger zusammengehört. Falls die braunen Kameraden nach dem Usenet jetzt auch die Kommentarbereiche der Bloggerszene überfluten wollen, sind sie mit Ergüssen wie diesem jedenfalls auf dem richtigen Weg:

Aus der Blogperspektive ist es interessant festzustellen, daß auf der Website der israelischen Zeitung http://www.haaretz.com Artikel unzensiert kommentiert werden dürfen. SPIEGEL und Welt http://www.welt.de/z/plog/blog.php/the_free_west dagegen verhindern jedes israelkritische Posting. Broder, DeWinter sind weltweit (insbesondere USA) vernetzt und haben auch Mossad gesponsorte Berufsblogger. Diese schreiben dann an den Webmaster, hier sei ein „Antisemit“ am Werke, der gestoppt werden muß. Broder hat lange auf http://www.amerikanski.de ein Forum unterhalten, in dem u.a. die Vernichtung der „Palibrut“ gefeiert wurde. Ganz anders bei der FAZ http://www.faz.net, wo sich empirisch ablesen läßt, daß etwa 90% der deutschsprachigen Poster gegen den israelischen Staatsterrorismus sind. Die Kommentarfunktion ist allerdings so gut versteckt, daß nur Insider sie finden können. Sobald Michael Wolffson oder Günther Nonnmacher Artikel schreiben, wird die „kommentieren“ Funktion sofort abgestellt. Zu den Erklärungen des Zentralrates der Juden http://www.zentralratdjuden.de
darf meines Wissens nirgendwo gepostet werden. Ich habe aber dann gelöschte Postings gesehen, die fundiert argumentierten, der Zentralrat vertrete verfassungswidrige Ansichten, indem er zur Verherrlichung von Gewalt und Volksverhetzung aufrufe und den Terrorismus unterstütze. Damit verbunden ist die Forderung, den Zentralrat ebenso wie radikale islamische Organisationen zu verbieten. Dies darf natürlich weder dargestellt, noch kommentiert werden.

Um sicherzugehen, daß niemand fälschlicherweise vermutet, daß hier jemand nur im Suff mit dem Kopf auf die Tastatur aufgeschlagen ist, wo sich dann ein zufällig paar Buchstaben in einer etwas unglücklichen Kombination gelöst haben, legte der Urheber dieses unfreundlichen Scherzes, ein gewisser Alexander Dill, eine halbe Stunde später noch mal nach:

Die Hizbollah ist nur ein Vorwand, um Kriege gegen Syrien und Iran zu beginnen, vor allem aber, um als „Frontstaat“ neue Gelder in den USA und Europa lockerzumachen. Ohne Krieg gibt’s keine Knete für die IDF. Deshalb will Israel immer Hizbollah und Hamas stärken, denn Frieden heißt für Israel: Pleite, Demokratie mit arabischer Mehrheit, Tariflöhne für arabische Arbeiter und vor allem 500 Milliarden Dollar Entschädigung für Zerstörung, ethnische Säuberung, Land- und Wasserraub.

Da sich die Protestnoten und Betroffenheitserklärungen des Blogbetreibers überraschenderweise (oder auch nicht) in Grenzen hielten, fing der gute Alex an, sich dort wohlzufühlen und beschloß, für die nächste Zeit sein Lager beim Rebellmarkt aufzuschlagen, wo er dann im Laufe des heutigen Nachmittags eine Salve der Kategorie „einige meiner besten Freunde sind Juden“ abfeuerte, bis er gegen halb drei kurz vorm raffenden statt schaffenden Kapital halt machte:

Israel ist eine reine Krieg-Dienstleistungswirtschaft, d.h. über 50% des BIP sind nur für Armee, Waffen und die dazu nötige Infrastruktur, die längst auch IT, Applied Materials, Nanotechnologie, Software, Fachkliniken etc umfaßt, vorgesehen. Dazu die technischen Universitäten und „Eliteschmieden“ für White Collar Killer. Dieses Geld wird in Israel nicht erwirtschaftet. Und weder in Libanon noch in Gaza läßt sich plündern. Deshalb lautet das Geschäftsmodell: „Wir sichern den Ölnachschub für den Westen“ – im Mittelalter waren das die Raubritterburgen – „dafür soll der Westen bezahlen“. Allen voran USA, aber auch EU. Wenn es keine Bedrohung gibt, gibt’s keine Knete mehr – auch nicht für Hamas und Hizbollah. Söldner ohne Krieg kehren wieder zu Mutti zurück.

Von kritischen Reaktionen oder wenigstens mahnenden Worten des Platzhirschs Don Alphonso blieb unser Alexander bis dato unbehelligt, so daß er, einmal richtig in Fahrt, noch einen drauf setzte:

Ich denke nicht, daß Israel das durchhält. Wenn die Rice-Leine gezogen wird, heißts wieder heim zum Schabbes und Orden verteilen. Derartige „Siege“ sind wohl im Moment doch nicht so opportun, wie sich Herr Olmert das wünscht.

Endlich, kurz vor vier, und nachdem schon einige der anderen Leser sich zunehmend befremdet über die Terminologie in Dills Hetzpropaganda zeigten, wurde es dem Don dann allmählich doch ein wenig mulmig, was für neue Freunde er da plötzlich hat, und er brachte, nachdem er den ganzen Tag fröhlich mitdiskutiert hatte, ohne daran größer Anstoß zu nehmen, endlich eine vorsichtige Teildistanzierung zu wenigstens einem von Dills Texten. Angesichts der nicht ganz überzeugenden Abwehrleistung des Dons wird es aber wohl angeraten sein, beim Rebellmarkt in Sachen Querfront in der nächsten Zeit etwas genauer hinzuschauen.

~ von Paul13 - Montag, 24. Juli 2006.

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