Libanon: Experten befürchten neuen Zuspruch für Hisbollah


Die Experten befürchten neuen Zuspruch für die Hizbollah? Ach so, wenn Israel brav gekuscht und gesagt hätte, „behaltet die entführten Soldaten ruhig, ist schon ok, wir kapitulieren dann halt“, dann hätten die Libanesen plötzlich alle beschämt zu Boden geschaut und gesagt „eigentlich sind die Juden ja ganz in Ordnung, das war wirklich nicht nett von der Hizbollah, die finde ich jetzt aber gar nicht mehr so toll“?

Sind das nicht dieselben Experten, die sonst immer darauf hinweisen, daß die Hizbollah gerade dadurch Zuspruch erhält, daß sie sich mit ihren heldenhaften Aktionen permanent als Sieger aufspielen kann? Oder kann es einfach nur sein, das der Begriff „Experte“ allmählich die Bedeutung von „serviler, antiwestlicher, von Selbsthaß triefender Volltrottel“ erhält? Das würde natürlich einiges erklären.

„Schon vor der jetzigen Eskalation haben etwa 60 Prozent der Bevölkerung Forderungen der Hisbollah unterstützt“, sagt Amal Saad-Ghorayeb. […] Die Forderungen der Hisbollah, Israel solle die besetzten Gebiete der Sheeba Farms zurückgeben, würden sehr viele Libanesen unterschreiben. Auch das Schicksal Samir Kuntar, der seit 26 Jahren als Libanese in einem israelischen Gefängnis einsitzt und der gegen die entführten israelischen Soldaten ausgetauscht werden soll, bewegt die Nation.

Also entweder ist Samir Kuntar ein unter Terroristen auffällig häufiger Name, und die Israelis haben gleich zwei davon, oder aber es handelt sich um jenen Samir Kuntar, der 1979 mit einem Terrorkommando nach Israel eingedrungen ist und dort eine Geiselnahme durchführte. Wenn die Mehrheit der Libanesen diesen Samir Kuntar tatsächlich als Nationalhelden adoptiert haben sollte, dann trifft der Krieg im Libanon offenbar weit weniger Unschuldige als ursprünglich befürchtet.

Denn selbst wenn man nach einem Friedensschluß eines Tages sicher über die Freilassung von Hizbollahmitgliedern reden kann, die nur ehrenhaft gegen die israelische Armee gekämpft haben, so darf jemand wie Kuntar, der selbst einen Gegner der Todesstrafe ins Grübeln kommen läßt, NIEMALS Teil eines Gefangenenaustauschs sein. Falls Frau Abour mal ein richtiges Kriegsverbrechen sehen will, hat sie hier nämlich ein besonders grausames Beispiel.

Denn Samir Kuntar hat nicht einfach nur „ein paar Israelis getötet“, wie man das gern so schön abstrakt auszudrücken pflegt, um Verständnis für die freizupressenden „Widerstandskämpfer“ zu wecken, sondern er hat einen Vater vor den Augen seiner vierjährigen Tochter aus nächster Nähe erschossen, bevor er den Kopf des kleinen Mädchens an einem Felsen zerschmetterte. Dessen zweijährige Schwester starb, als die Mutter, die sich mit ihr auf dem Dachboden versteckt hatte, beim Versuch wenigstens das Leben des zweiten Kindes zu retten, diesem in Todesangst den Mund zuhielt, bis es erstickte.

Wenn aber die überlebende Mutter den Rest ihres Lebens die Momente, als sie ihr Kind an sich preßte, immer und immer wieder mit Selbstvorwürfen durchleidet, dann soll Samir Kuntar sich auch nicht darüber freuen, daß man ihn überhaupt gefangengenommen hat, statt ihn einfach an Ort und Stelle abzuknallen. 500 Jahre Haft sind da jedenfalls mehr als großzügig. Und die Libanesen sollten dringend mal darüber nachdenken, ob es wirklich derartige Söhne ihres Landes sind, auf die sie stolz sein wollen.

~ von Paul13 - Freitag, 21. Juli 2006.

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