Das Imperium schlägt zurück


Wow! Da löscht man mal einen Link zu einer Seite, weil man ihr inhaltlich leider nur noch selten zustimmen kann, und über Nacht verdoppeln sich die Zugriffszahlen. So wie das jetzt hochkocht, muß der Kessel der liberal(neo)konservativen Bloggerszene ja ganz schön unter Dampf gestanden haben. Hat zwar trotzdem etwas gedauert, bis es eine Stellungnahme von „Politically Incorrect“ gab, aber sie kam dann doch noch. Leider ist sie nicht dazu angetan, die Befürchtungen der PI-Kritiker zu zerstreuen, im Gegenteil:

Es ist nicht nur ein deutsches Phänomen, mit den Wölfen heulen zu wollen. Mitläufer zu sein, ist so wunderbar gefahrlos. Denn in der Masse ist man stark und mutig und immer auf der sicheren Seite – auch als Blogger.

Klingt gut. Aber am Ende des Artikels folgt dann lustigerweise das hier:

[…] Zum Schluss noch ein Hinweis: PI hatte es niemals nötig, über andere Blogs und Bloggerkollegen herzufallen, auch wenn wir durchaus mit vielem nicht einverstanden waren und sind, was dort geschrieben wird. Jedenfalls bedanken wir uns an dieser Stelle für die Werbung, die uns gestern bei myblog auf Platz 1 von 238.346 dort angemeldeten Bloggern katapultiert hat!

Also was denn nun? Wie dieser Artikel ja selber zugibt, sitzt die Masse und damit eben auch die Wölfe und ganzen Mitäufer bei PI, nicht bei dessen Kritikern. Denn das ist schon richtig, was juckt es ein Blog, das vielleicht 10 mal Leser hat als seine Kritiker, wenn die es nicht verlinken? Umgekehrt hingegen ist das durchaus ein gewisses Risiko. Entsprechend sieht es allerdings dann auch in der Kommentarsektion aus. Denn mit steigender Leserzahl steigt nicht automatisch auch das Niveau der einzelnen Beiträge, um es mal freundlich auszudrücken.

Deshalb will jetzt jeder dabeigewesen sein, will PI wenigstens ein bißchen Dreck hinterhergeworfen haben.

Es geht weder um Dreck hinterherwerfen noch kommt die Kritik erst jetzt. Die ganzen gegen den Islam, die Türken und die Einwanderungsgesellschaft überhaupt gerichteten Artikel liegen mir beispielsweise schon länger schwer im Magen. Beim Hohmann-Artikel im Januar mußte ich mich schon sehr zusammenreißen, um mir einzureden, daß das ein Ausrutscher war. Seit einiger Zeit hab ich auch immer wieder mal in Kommentaren bei PI meinen Unmut über die Entwicklung zum Ausruck gebracht. Im März hatte ich PI sogar extra einen eigenen Artikel gewidmet, aber geändert hat sich nichts, im Gegenteil; mit der fragwürdigen proserbischen Greuelpropaganda von vor knapp 2 Wochen wurde dann sogar noch mal nachgelegt. Die Artikel von Greg bzw. Statler & Waldorf waren daher in meinem Fall nur noch die Tropfen, die das seit langem gut gefüllte Faß zum Überlaufen brachten.

Nichts ist zu dumm, um gesagt werden zu dürfen.

Stimmt. Sätze wie „Ein Hoch auf „PI“. Tot dem Islam“ oder „im land brandenburg ist es unter schönbohms herrschaft deutlich sicherer geworden für zecken und kulturbereicherer.“ erfüllen diese Anforderung voll und ganz. Blöd nur, daß derartige Sätze nicht von den PI-Kritikern fallen, sondern von dessen Verteidigern.

[…] In der Sache werfen die sogenannten Liberalen, deren „liberaler“ Horizont aber nicht mehr als nur die eigenen Ansichten zulässt, PI vor allem zwei Dinge vor: Erstens eine sehr islamkritische Berichterstattung und zweitens „Homophobie“ im Zusammenhang mit unseren Beiträgen zu Volker Becks medieninszenierter Selbstdarstellung auf einer Schwulendemonstration in Moskau.

Eben, islamkritisch, nicht islamistenkritisch. Mich würde wirklich interessieren, was man bei PI beispielsweise einer harmlosen Muslimin raten würde, die seit Jahren hier unbescholten in Deutschland lebt, aber durchaus religiös ist, mitunter sogar ein Kopftuch trägt und darunter leidet, wenn ihre Tochter unverheiratet mit fremden Männern durch die Gegend zieht? Müßte sie zum Christentum konvertieren, oder würde sie sonst des Landes verwiesen?

[…] Kritik am Islam ist nicht erwünscht und nicht mehrheitsfähig. Missstände haben gefälligst verschwiegen zu werden. Wer sie dennoch beim Namen nennt, ist grundsätzlich mindestens rassistisch, meistens rechtsradikal. Das eine ist so dumm wie das andere, kommt aber immer gut an!

Wenn jeder ausgerastete türkische Türsteher eine Schlagzeile mit antiislamischem Unterton wert ist (selbst wenn er vermutlich mehr Bordelle als Moscheen von innen gesehen hat), während die Existenz von „national befreiten Zonen“ bestritten und rechtsradikale Gewalt als aufgebauscht verharmlost wird, darf man sich nicht wundern, daß irgendwann mal jemand seine Schlüsse daraus zieht. Also bitte nicht weinen.

Auf jeden Fall muss die Illusion vom friedlichen Islam unter allen Umständen politisch korrekten aufrechterhalten werden.

Noch einmal, es geht nicht um den Islam, sondern um die Islamisten. Daß die einen an der Waffel haben, bestreitet kein ernstzunehmender Zeitgenosse. Entsprechende Mißstände werden von den aktuellen PI-Kritikern auch nicht geleugnet, das sind ja keine blöden Gutmenschen, die fremde Kulturen nur als Straßenfestfolklore wahrnehmen. Die unübersehbare Entwicklung von Parallelgesellschaften oder auch die gefährlich dumme französische Eurabienstrategie beunruhigt uns durchaus, aber aufgrund irgendwelcher uralter Koranverse auf die grundsätzliche Zivilisationsunfähigkeit von Menschen islamischen Glaubens schließen zu wollen, ist nicht nur lächerlich, sondern den Interessen eines echten NeoCons, der zwecks Integration der Muslime in die freie Welt zu ihrer Befreiung notfalls sogar Krieg führen würde, diametral entgegengesetzt.

Der Vorwurf der Homophobie ist an Lächerlichkeit kaum noch zu übertreffen.

Dann erklär mir bitte mal einer den tieferen Sinn von Fragen wie „Sind Schwulengegner automatisch „Rechtsradikale“?“ oder „Warum geht ein deutscher Bundestagsabgeordneter auf eine NICHT genehmigte Schwulen-CSD in Moskau? Ist es das, was das einstige Land der Dichter und Denker in die Welt exportieren soll?“

[…] Volker Becks Erscheinen in Moskau hatte weniger damit zu tun, auf die Behandlung Homosexueller in Russland aufmerksam zu machen, sondern diente – unserer Ansicht nach – einzig der eigenen Publicity. Alles war inszeniert wie ein Schauspiel, die ARD- und RTL-Kameras immer richtig ausgerichtet, Volker Beck in der Menge großformatig im Bild. Die typisch grünen Medien-Strickmuster eben, wie wir sie schon seit Jahrzehnten kennen. Wer das nicht erkennen will, dem können wir auch nicht helfen.

Selbst wenn dem so wäre, was bei jemandem wie Beck nie gänzlich auszuschließen ist, rechtfertigt das noch lange keine Gewalt gegen ihn.

Wenn ihm die Rechte Homosexueller so sehr am Herzen liegen würden, sollte er sich kritischer mit dem Islam auseinandersetzen, in dessen Herrschaftbereich Homosexualität mit dem Tode „bestraft“ wird. Aber auch hier gilt natürlich: Bloß keine Kritik am Islam!

Dieser Vorwurf ist dem Appeasement-Grünen Beck gegenüber sicher berechtigt. Nur, darum ging es gar nicht. Sondern darum, daß einem tätlichen Angriff auf den Schwulenlobbyisten Beck applaudiert wurde. Das ist mit dem Verweis auf einen kritischeren Blick auf die Islamisten nicht aus der Welt zu schaffen. Höchstens mit einer Entschuldigung.

Dass diese Gründe der „liberalen“ Blogger nur vorgeschoben sind, ist nur allzu offensichtlich: in Wahrheit erleben wir eine konzertierte Abstrafaktion von FDP-Parteisoldaten für vorangegangene Kritik an dieser Partei.

Das ist das vielleicht schrägste an der der Reaktion von PI. Wie kommt man denn jetzt darauf, daß es sich hier um irgendeine organisierte Kampagne vergrätzter FDP-Mitglieder handelt? Dann müßte das ja allen so gehen, die sich mit dieser ach so mächtigen Partei anlegen. Vor allem aber scheinen die Macher von PI nocht nicht ganz begriffen zu haben, daß die Kritik nicht von irgendwelchen Traditionsliberalen kam, sondern von FDP-untypischen „liberalen Falken“ und diversen eher linken pro-israelischen Seiten, vor allem aber von einem beträchtlichen Teil der deutschsprachigen NeoCon-Bloggerszene. Das mag weh tun, man sollte es aber trotzdem nicht verdrängen, sondern besser mal als Alarmsignal registrieren.

Ein weiterer gebetsmühlenartig wiederholter Vorwurf sind die teilweise äußerst unschönen Äußerungen im Kommentarbereich von PI. Hierzu sei gesagt, dass PI von mehreren 1000 Lesern am Tag besucht wird (siehe Blogcounter-Topliste), eine für unsere Kritiker gewiss unvorstellbar hohe Zahl. Es ist, wenn man neben PI auch noch ein anderes Leben in Gestalt von Familie und Beruf führt, einfach unmöglich, hier den Überblick zu behalten und jeden einzelnen Kommentar zu checken. Bei Kenntnis anstößiger Kommentare werden diese selbstverständlich immer sofort von uns gelöscht.

Man muß sie nicht mal löschen. Meiner Ansicht nach wäre das auch gar keine sonderlich gute Idee. Aber ein kleiner Kommentar der Blogbetreiber, der die Perspektiven wieder zurechtrückt und das rechte Gesocks ins Achtung stellt, wäre bestimmt nicht zu viel verlangt. Natürlich kann man das nicht für jeden einzelnen Spinner tun – würde ich auch nicht, schon aus Zeitgründen -, aber man kann das dann schon so formulieren, daß die falschen Freunde sich sehr schnell nicht mehr zuhause fühlen. Und das beste daran: Das macht sogar richtig Spaß! ;-)

Aber seien wir ehrlich: Das würde den Bruch kaum noch kitten. Wahrscheinlich liegt das ganze Problem nämlich viel tiefer. Denn entgegen den Hoffnungen der Rechten, die unter dem Etikett neokonservativ offenbar „besonders konservative Konservative“ vermutete, die den angeschlagenen Merkel-Unionisten frisches Blut zu bringen versprachen, und den Vorurteilen der Linken, die es einfach nicht verwinden kann, daß gerade der Erzfeind USA jetzt für jene eigenen Ideale kämpft, die man selbst längst an die Islamofaschisten verraten hat, sind NeoCons schlicht und einfach „liberals mugged by reality“.

Das heißt, wenn es nicht gerade gegen die Bösen geht, hat man im Weltbild mit richtigen Paläokonservativen nicht mehr gemein als mit linken Reaktionären. Und wie es scheint, ist man sich jetzt nicht mal mehr darüber einig, wer die Bösen überhaupt sind. Denn was für einen Sinn macht der weltweite Kreuzzug für die Demokratie noch, wenn das Ergebnis Millionen und Abermillionen von befreiten Muslimen sind, die dann auch das Recht haben, mit uns um die Arbeitsplätze zu konkurrieren, hier Moscheen zu bauen, Drogen zu nehmen, schwul zu sein und es auch ansonsten mal so richtig krachen zu lassen.

Nehmen wir’s wie Männer. Wir müssen uns ja nicht hassen, nur weil wir uns nicht mehr lieben. ;-)

~ von Paul13 - Mittwoch, 31. Mai 2006.

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