Russland: Putin vergleicht USA mit hungrigem Wolf


Russlands Präsident Putin schlägt zurück: Nach verbalen Attacken von Vizepräsident Cheney und zuletzt von Präsident Bush warf Putin den USA vor, sie scherten sich nicht um Menschenrechte, wenn es um eigene Interessen geht.

Also jetzt dreht er völlig durch! Gerade Putin ist ja wohl einer der letzten, der irgendwas qualifiziertes zum Thema Menschenrechte beitragen könnte. Der soll erst mal die Mörderbande, die er fälschlicherweise seine Armee nennt, soweit in den Griff kriegen, wie sich das für ein ziviliertes Mitglied der Weltgemeinschaft im 21. Jahrhundert gehört, bevor er das Maul aufreißt.

Moskau – Wenn es um die eigenen Interesse gehe, schere sich Washington nicht um Demokratie und Menschenrechte, sagte Putin in der Rede zur Lage der Nation vor beiden Kammern des russischen Parlaments.

Was immer man an einzelnen Punkten der US-Politik kritisieren kann, aber US-Soldaten vergewaltigen weder irakische Frauen noch plündern sie ungestraft deren Häuser noch entführen sie deren Kinder, um Lösegeld zu erpressen noch schießen sie sinnlos ganze Städte in Stücke noch foltern sie zur Begrüßung die eigenen Kameraden.

25 Mal höher sei der Verteidigungshaushalt der USA als der Russlands.

Und wenn ich Putin so zuhöre, bin ich um jeden einzelnen Cent davon verdammt froh.

„Ihr Haus ist ihre Festung – gut für sie“, sagte Putin. „Je stärker unser Militär ist, umso geringer wird die Versuchung sein, Druck auf uns auszuüben.“

Da hat er wohl seine Wasserpfeife an Schröders Gaspipeline angeschlossen und zuviel inhaliert. Er meint, weil Rußland jetzt kein Obervolta mit Atomraketen mehr ist, sondern ein Nigeria mit Atomraketen, könnte er hier einen auf dicke Hose machen. Hat er in einer Kabadose geschlafen und sich dabei mit einem Tarzanheftchen zugedeckt, oder was? Wird Zeit, daß ihm jemand unmißverständlich klarmacht, daß mit dieser antiwestlichen Hetze allmählich mal Schluß zu sein hat.

Russland müsse deshalb über eine „solide“ Verteidigung verfügen, „denn wir wissen nicht, was in der Welt passiert“, sagte Putin weiter.

Den Eindruck hab ich auch. Die Welt demokratisiert sich nämlich (zumindest versucht sie es), und es ist ein Anachronismus, sich gerade jetzt mit Händen und Füßen dagegenzustemmen. Da kommt Putin 20 Jahre zu spät. Und für einen ex-Geheimdienstler ist das eine ziemlich lange Reaktionszeit.

„Wo bleibt das ganze Pathos von der Notwendigkeit zum Kampf für Demokratie und Menschenrechte, wenn es darum geht, seine eigenen Interessen zu sichern?“, fragte Putin in seiner rund einstündigen Rede, die live vom Fernsehen übertragen wurde, mit Blick auf die USA.

Diesbezügliches Pathos kann man Putin wahrlich nicht vorwerfen. Er setzt sich unverhohlen für die Interessen Rußlands (oder was er dafür hält) ein. Und anders als die amerikanischen Interessen sind die seinen mit Demokratie und Menschenrechten offenbar inkompatibel. Aber immerhin nett, daß er das so offen zugibt.

„Wie das Sprichwort sagt: Kamerad Wolf weiß, wen er fressen muss – und er frisst, ohne auf andere zu hören.“ Putin reagierte mit seinen Äußerungen offenbar auf die Kritik des amerikanischen Vizepräsidenten Dick Cheney, der Moskau in der vergangenen Woche vorgeworfen hatte, die territoriale Einheit seiner Nachbarn zu untergraben und demokratische Bewegungen zu stören.

Cheney mag ja ein Unsympath sein und ein schlechter Schütze, aber da hat er in der Sache absolut recht. Es ist lange überfällig, daß auch Putin erkennt, daß das Zeitalter der Diktaturen zumindest in Europa abgelaufen ist, und es sinnlos ist zu versuchen, das Rad der Geschichte wieder zurückzudrehen.

Das weltweite Wettrüsten ist nach Putins Ansicht noch nicht vorbei. Es sei zu früh, bereits von einem Ende des Wettrüstens zu sprechen. Der Wettlauf bei der Entwicklung neuer Waffen habe vielmehr international eine „neue technologische Ebene“ erreicht. Das Wettrüsten gehe schneller als früher.

Das stimmt nur insoweit, als es um das Wettrüsten zwischen China und den USA geht. Aber zu glauben daß Rußland gelingen könnte, was die doppelt so große Sowjetunion schon nicht geschafft hat, ist schlicht und einfach Größenwahn. Es wird Zeit, daß Putin der bitteren Wahrheit ins Auge schaut: Wenn Rußland nicht bald der Sprung in den Westen gelingt, wird es in einer Allianz mit anderen antiwestlichen Staaten steckenbleiben. Dort aber bleibt für Rußland nur die Rolle als Schwanz. Denn der Hund ist bereits an China vergeben.

Indirekt warnte Putin vor Gewaltanwendung im Streit um das iranische Atomprogramm. Solche Methoden brächten nur selten den gewünschten Erfolg, betonte der Kremlchef.

Klar, daß er das cool findet, wenn die Mullahs mit dem atomaren Zaunpfahl in Richtung Europa winken. Da muß er sich die Hände nicht schmutzig machen und kann sich ganz auf die Drohung mit dem Abdrehen der Energiezufuhr beschränken. Europa sollte den Ernst der Lage spätestens jetzt begreifen und Putin klarmachen, daß er einen Preis zu zahlen hat, wenn er nicht ganz schnell das Ruder rumreißt. G7 statt G8 geht nachweislich auch.

[…] Zudem beklagte er den Bevölkerungsrückgang um jährlich 700.000 Menschen in seinem Land. Der Staat werde Familien „zumindest Anreize für ein zweites Kind“ geben. Insbesondere Frauen mit einem zweiten Kind müssten mehr Unterstützung bekommen, weil sie oft für längere Zeit kein eigenes Einkommen hätten. Die Regierung werde deutlich mehr Geld für Eltern, Schulen und Kindergärten bereitstellen, um die Geburtenrate zu steigern.

Umso idiotischer ist Putins Strategie, sich dem riesigen China als Juniorpartner anzudienen. Mit Ausnahme der russischen Atomraketen gibt es für die Chinesen keinen Grund, mit einem Kasper wie ihm auf gleicher Augenhöhe zu reden. Aber jeder so, wie er’s kann. Wenn ihm ein Vasallendasein von Pekings Gnaden reicht, viel Vergnügen.

[…] Putin bekräftigte den Wunsch Moskaus nach einer Mitgliedschaft in der Welthandelsorganisation (WTO). Allerdings sollten an Russland dabei keine Bedingungen gestellt werden, die nichts mit der WTO zu tun hätten.

Und ob sie das sollten! Putin will dem Westen Sand ins Getriebe streuen? Bitte schön, dann sollte der Westen dafür sorgen, daß ihm sein eigenes Getriebe wegen Ersatzteilmangels um die Ohren fliegt. Damit er endlich mal begreift, daß Drohungen keine Einbahnstraße sind.

~ von Paul13 - Donnerstag, 11. Mai 2006.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

 
%d Bloggern gefällt das: