Der Niedergang des Detleff J.


Auch wenn ich mit vielen Meinungen im NBFS-Kommentarbereich nicht gerade übereinstimme, so muß ich durchaus zugeben, daß ich die Diskussion mit einigen der betreffenden Kandidaten mitunter trotzdem zu schätzen weiß. Ein typisches Beispiel ist Detleff Jäger, der seit einiger Zeit bekanntlich unter dem merkwürdigen Pseudonym Ivan Grosny auftritt. Wurde diese Namensänderung zunächst damit begründet, daß er sich so nur gegen die Verhohnepipelung seines Namens durch Leute, die er vorher beleidigt hatte, schützen wollte, so ahnt man inzwischen allerdings, daß es wohl doch kein Zufall war, daß er sich gerade einen Namen ausgesucht hat, den der informierte Zeitgenosse im allgemeinen mit einer sinnlos in Trümmer geschossenen Stadt assoziiert.

Denn anders als ursprünglich vermutet, handelt es sich bei unserem Detleff wohl doch nicht um jenen harmlosen, ein wenig verwirrten linksliberalen Geist, für den ich ihn in meiner grenzenlosen Naivität versehentlich gehalten hatte. Ok, er hatte diese Obsession mit Dubya, aber darin unterscheidet er sich erstens kaum von den meisten seiner Landsleute, und zweitens schien er um eine ernsthafte Diskussion immerhin bemüht zu sein. Aber so wie es aussieht, handelt es sich hier tatsächlich nur um einen knallharten prokommunistischen Diktatorenversteher, der die Verbrechen von Terrorregimen – vor allem jenen, die sich ausreichend antiamerikanisch geben – ziemlich ungeniert mit deren angeblichen Errungenschaften zu relativieren versucht.

Wahrscheinlich war es einfach weltfremd, Detleffs Neigung zu verschwurbelten Formulierungen, wie man sie früher eigentlich vor allem im marxistisch dominierten AStA der nächstgelegenen Universität fand, als unbedeutenden Ausrutscher abzutun. Sein beleidigender Tonfall gegenüber den anderen Kommentatoren war ja vielleicht bloß einer schweren Kindheit geschuldet. Man ist ja schließlich immer versucht, an das Gute im Menschen zu glauben. Aber Sätze wie „egal wie blutig, mördererisch und menschenverachtend der real existierende sozialismus war, sein ultimatives verbrechen besteht darin, die systemkonkurrenz („kalten krieg“) gegenüber der freien welt mit der freien konkurrenz auf dem real existierenden weltmarkt VERLOREN zu haben.“ sind dann doch des unguten zuviel.

Das Grundmuster ist unter den westlichen Jüngern antiwestlicher Glaubenssysteme ja weit verbreitet: Heute ist’s noch die medizinische Versorgung und der Grad der – für jede totalitäre Herrschaft unabdingbaren – Alphabetisierung oder auch der unbestrittene Einsatz des bekannten Schöngeists, Revolutionsführers und „Bruder Obersts“ Muammar al-Ghaddafi für die Rechte der Frauen in der islamischen Welt, morgen folgt wahrscheinlich die erfolgreiche Kriminalitätsbekämpfung in repressiven Systemen (natürlich nicht ohne den Hinweis, daß die bösen Amis die durch Mussolinis Faschisten so beeindruckend zerschlagene Mafia erst wieder aufgebaut haben), und von da ist’s nur noch ein kleiner Schritt zu den Autobahnen, auf denen glückliche Volksgenossen in ihren KdF-Wagen in den wohlverdienten Urlaub am eigens für sie eingeführten Maifeiertag rollen.

Die Anwort auf die Grundfragen aber, warum beispielsweise die siegreiche kommunistische Partei Kubas sich nicht in freien Wahlen bestätigen läßt, wenn sie doch so einen tollen Job macht; wieso Oppositionelle ins Gefängnis gesteckt werden müssen, um die Gesundheitsversorgung aufrechtzuerhalten (wir wollen hoffen, daß Ulla Schmidt das nicht hört, sonst brechen für Grüne, FDP und Linkspartei demnächst schwere Zeiten an); und wieso eine Demokratie diesen Job nicht besser erledigen könnte, bleibt uns auch Detleff schuldig. Wenn aber die Argumente nur noch gegen auswendig gelernte Floskeln sozialistischer Theoriediskussionen und allerpeinlichste Geschichtsklitterung ausgetauscht werden, erhöht das nicht gerade die Motivation für weitere zeitintensive Diskussionen. Schade eigentlich…

~ von Paul13 - Mittwoch, 3. Mai 2006.

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