Am dänischen Tresen soll die Welt genesen


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Also eigentlich wollte ich mich aus der Islamdiskussion ja möglichst raushalten, weil der Untergang des Westens für mich nicht gleichbedeutend ist mit dem des christlichen Abendlandes. Bei aller berechtigten Religionskritik nehmen die Warnungen vor der grünen Gefahr nicht erst seit dem Karikaturenstreit mitunter hysterische Züge an, bei denen inzwischen jeder Kleinkriminelle auf seine Religionszugehörigkeit oder seinen Bartwuchs überprüft wird.

Außerdem schwingt in manchem antiislamischen Artikel ein leicht fremdenfeindlicher Unterton mit, den sich ein Land mit einer Geburtenrate von 1,3 meines Erachtens nicht leisten kann. Und ein bosnischer Moslem, der zu seinem Schweinebraten gerne ein kühles Pils trinkt, ist mir allemal lieber als ein christlicher Terrorist, der es für eine gute Idee hält, Kinder abzuschlachten, nur weil sie den Fehler begangen haben, als Juden auf die Welt zu kommen.

Auch halte ich persönlich beispielsweise Gunnar Heinsohns Gedanken zum „Youth Bulge“ oder Halford Mackinders Heartland-Theorie für wesentlich hilfreichere Ansätze zur Erklärung von Konflikten als das Aufdröseln religiöser Lehren, nur um herauszufinden, welchen Unsinn irgendein Prophet vor über tausend Jahren verzapft hat (Günther Grass tut das selbst heute noch, und trotzdem würde niemand deswegen gleich einen Weltkrieg beginnen).

Schriften aus jener Zeit haben nun mal einen oft etwas martialischen Touch, der wörtlich genommen in unseren Tagen vielleicht etwas befremdlich wirken mag, aber nicht unbedingt etwas über das Wesen der dazugehörigen Religion aussagt. Das verhält sich im Prinzip wie mit Beton: Es kommt eben darauf an, was man daraus macht. Zeitgemäß interepretiert könnte der Islam sicher genauso eine goldige Kuschelreligion sein wie das Christentum.

Die Probleme, die wir mit „dem Islam“ haben, entstehen zudem oft durch schon aus vorislamischer Zeit übernommene überkommene Traditionen, vor allem aber durch den eklatanten Mangel an Demokratie in den arabischen Staaten. Sie hängen hingegen definitiv nicht davon ab, ob im Jahre achthundertirgendwas eine Reiterhorde eine Wüstenmetropole verwüstet hat und die Wüstensöhne nur eine Wüstenei hinterlassen haben oder nicht.

Deswegen paßt es mir auch nicht ganz, wenn man den endzeitlichen Wahn des iranischen Präsidenten oder die Paradiesgeilheit arabischer Selbstmordattentäter zu einem religiösen Fanatismus für alle Anhänger des Islam hochrechnet und mit dieser Begründung dann die neokonservativen Demokratisierungspläne für den Nahen Osten als naiv ablehnt, weil die Kameltreiber da unten sowas kompliziertes wie freie Wahlen ja sowieso nicht verstehen könnten.

Aber ich finde, jetzt übertreiben sie’s ein bißchen.

Wenn man in die Nachrichten schaut und sieht, wie der Mob Büros völlig unbeteiligter Staaten stürmt, nur weil diese zufällig eine gemeinsame Grenze mit Dänemark haben oder der Name des Landes mit demselben Buchstaben beginnt, und das obwohl kaum ein Land die Darmwindungen sämtlicher arabischen Despoten so gut von innen kennt wie Genscherkinkelfischerland, fragt man sich, ob diese Spinner tatsächlich noch alle Latten am Zaun haben.

Ganz zu schweigen vom Libanon. Da will selbst Frankreich zur Abwechslung mal was gutes tun und unterstützt ausnahmsweise den amerikanischen Druck auf Damaskus, damit die Libanesen endlich der syrischen Knute entkommen können, und zum Dank brennen die europäische Botschaften nieder und gehen, wo sie gerade schon mal dabei sind, wie vor 30 Jahren auf ihre arabischen Brüder los, nur weil die auf Kreuz statt auf Halbmond stehen.

Wenn ich mir dann die Herumlaviererei ansehe, welche selbst die US-Regierung an den Tag legt, die sonst durchaus für ein Machtwort zur rechten Zeit zu haben ist, ganz zu schweigen von den Europäern, die sich geradezu einen Wolf beschwichtigen, dann platzt mir wirklich der Kragen. Man bekommt angesichts der zahllosen arabischen Solidaritätsdemonstrationen für „Jyllands Posten“ den Eindruck, als ob man sich vor Ort den Clash Of Civilizations regelrecht herbeiwünscht.

Aus diesem Grund gibt’s ab heute also auch hier die obligatorische Dänenflagge, und auf absehbare Zeit statt deutschem Bier nur noch das hier:

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P.S.: Noch einen kleinen Hinweis an das arabische Publikum: Auch wenn Ihr dies nicht lesen könnt (muß man auch nicht, lernt lieber englisch, da habt Ihr was von), aber in diesem Kampf um die Pressefreiheit geht es um EURE Zukunft, nicht um unsere. Wir haben bereits eine. Diejenigen, die ein Dasein in Armut, Unterdrückung und Demütigung fristen müssen, wenn sich Eure islamistischen Helden durchsetzen, seid Ihr, nicht wir. Denkt drüber nach.

~ von Paul13 - Montag, 6. Februar 2006.

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