Irans Nuklearprogramm: Saudi-Arabien wirft Westen Mitschuld am Atomstreit vor


Saudi-Arabien hat dem Westen vorgeworfen, für den Atomkonflikt mit Iran teilweise selbst verantwortlich zu sein, weil es Israel bei der Entwicklung seines Atomwaffen-Arsenals geholfen habe. Um Teheran zum Einlenken in dem Streit zu bewegen, bleibt auch die Gewaltoption auf dem Tisch.

[…] Sowohl gegenüber der BBC wie auch im Gespräch mit der britischen Tageszeitung „The Times“ erklärte Faisal, dass der Konflikt mit Iran auch darin begründet sei, dass Israel Nuklearsprengköpfe besitzen dürfe. Dies veranlasse andere Staaten, dem Beispiel Israels zu folgen. „Niemand erwähnt, dass Israel hundert Atomwaffen besitzt, auch wenn dies ein offenes Geheimnis ist“, sagte Faisal gegenüber der „Times“.

Bei allem Respekt, Eure Exzellenz, aber wenn Ihr schon Ausflüge in die Vergangenheit macht, dann doch nicht einfach mittendrin stehen bleiben! Versuchen sie sich doch bitte schön mal zu erinnern, WARUM Israel denn überhaupt Atomwaffen entwickelt hat? War das aus Jux und Dollerei, weil dieser junge Staat zuviel Geld hatten und dachte, das könnte man ja spaßeshalber für Nuklearforschung verpulvern statt für die Integration von Einwanderern? Lag es vielleicht daran, daß diese finsteren Atomwissenschaftler alles Juden waren, denen man so ein wenig Arbeit zuschustern wollte? Oder war es nicht viel mehr, weil das vom Rest der Welt alleingelassene Israel einen Weg suchte, um seiner physischen Vernichtung zu entgehen, die ihm seine zahlenmäßig weit überlegenen Nachbarn (darunter auch Ihre Vorfahren, Exzellenz!) zugedacht hatten. Auch Prinzen sollten in Glashäusern nicht mit Steinen werfen.

[…] Unterdessen geht die internationale Debatte weiter, wie Iran zum Einlenken im Nuklearstreit gezwungen werden kann. Dabei schloss der Chef der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA) auch einen Militärschlag nicht aus. In einem Interview mit der US-Zeitschrift „Newsweek“ sagte Mohammed al-Baradei: „Diplomatie ist nicht nur Reden. Diplomatie braucht auch Druckmittel, und, in extremen Fällen, Gewalt.“ Er sei nicht bereit, die Iran gesetzte Frist zur vollen Kooperation, die am 6. März abläuft, zu verlängern.

Wer hätte das gedacht: Al-Baradei macht den Rambo! Da kriegt wohl jemand Angst vor der eigenen Courage und denkt erstmals drüber nach, was für Folgen es haben kann, wenn mal wirklich jemand auf ihn hört. Mir scheint, ihm wird langsam mit Schrecken klar, daß die Europäer seinen beschwichtigenden Erklärungen, alles ließe sich durch eine gruppendynamische Gesprächstherapie lösen, tatsächlich geglaubt haben, und daß es jetzt verdammt eng werden kann, falls er sich mit seiner Vermutung geirrt haben sollte, das alles ganz harmlos ist, solange es keinen nachgewiesenen Bombentest im Atomversuchsgelände von Tel Aviv gibt.

Baradeis Vorgänger Hans Blix warnte davor, den Weltsicherheitsrat rasch einzuschalten. Der Westen müsse sich mehr darum bemühen, Iran in die internationale Gemeinschaft „zurückzuholen“, sagte Blix der BBC. Die derzeitigen Überlegungen für Beratungen im Sicherheitsrat brächten einen „immer dramatischeren Ton“ in den Konflikt. „Der Westen wird wie ein Papiertiger aussehen, wenn er das jetzt unterlässt.“

Wie? Ich dachte, den hätten die Haie geholt? Aber auch wenn man seine Einzelteile offenbar neu zusammengesetzt hat, er funktioniert noch genauso wie der alte Hans. Immer noch derselbe naive Tonfall, der glaubt, daß man Leute, die Vergewaltigungsopfer zur Strafe auch noch hinrichten lassen, von Atomkriegen gegen lebensunwerte Nationen träumen, und sich bei ihren diesbezüglichen Entscheidungen von einer leuchtenden Aura sowie dem Wissen um 72 notgeile Jungfrauen in Strapsen und Pumps leiten lassen, in irgendwelche Gemeinschaften außer derjenigen der „Arbeitsgemeinschaft uneinsichtiger und psychopathischer Gewaltverbrecher, Massenmörder und Politkrimineller e.V.“ integrieren lassen. Falls Kim Jong Il wieder auftauchen sollte, muß er sich Blix‘ wohl noch mal annehmen.

[…] Am Sonntag drohte die Führung in Teheran indirekt mit einer Erhöhung der Ölpreise. Sanktionen gegen sein Land könnten zu einer Ölkrise führen, sagte Finanzminister Dawud Danesch-Dschafari. Zuvor hatte sich bereits Parlamentspräsident Gholam Ali Hadad-Adel angesichts westlicher Ankündigungen, den Weltsicherheitsrat einzuschalten, unnachgiebig gezeigt. In diesem Falle werde das Parlament darauf bestehen, die iranischen Atomanlagen nicht mehr von der IAEA kontrollieren zu lassen.

Das ist ja immer noch mein persönlicher Favorit in der Rubrik „Die schönsten Frechheiten des Appeasement“: Der mit Sanktionen bedrohte Schurkenstaat droht damit, sie hinzunehmen, weil sich die Staaten, die sich daran beteiligen, selber mehr schaden als ihm, und die fangen dann auch prompt an, Bedenken zu tragen. Besser kann man die Mär von „Wandel durch Handel“ eigentlich nicht ad absurdum führen. Aber immerhin wissen wir jetzt, warum Entspannungspolitik Entspannungspolitik heißt: Die Diktatoren sind eben ganz entspannt.

~ von Paul13 - Montag, 16. Januar 2006.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

 
%d Bloggern gefällt das: