Syriens Innenminister begeht Selbstmord


Syriens Innenminister Ghasi Kanaan hat in seinem Büro in Damaskus Selbstmord begangen. Kanaan war von dem deutschen Uno-Sonderermittler Mehlis im September zum Mord an dem libanesischen Ex-Regierungschef Rafik al-Hariri befragt worden.

Damaskus/Kairo – Die syrische Nachrichtenagentur SANA meldete heute, der Minister und frühere Sicherheitschef im Libanon habe sich kurz vor Mittag in seinem Büro umgebracht. Aus Sicherheitskreisen hieß es, er habe sich mit seiner Pistole erschossen und sei sofort tot gewesen. Der Vorfall werde untersucht.

Der Innenminister war einer der Zeugen, die von dem deutschen Uno-Sonderermittler Detlev Mehlis im Zusammenhang mit dem tödlichen Attentat auf den früheren libanesischen Regierungschef Rafik Hariri im Februar in Beirut vernommen wurden. Mehlis will das Ergebnis seiner Ermittlungen Ende Oktober Uno-Generalsekretär Kofi Annan übergeben.

Wenige Stunden vor seinem Tod hatte der syrische Innenminister dem christlichen libanesischen Radiosender „Voice of Lebanon“ ein Interview gegeben, in dem er sagte, dies werde wohl „seine letzte Erklärung“ sein.

Also unter knallhartem Enthüllungsjournalismus stelle ich mir doch etwas anderes vor als das distanzlose Abdrucken offizieller Verlautbarungen faschistoider Diktaturen als ernstzunehmende Tatsachen. Man muß wahrlich nicht Anhänger irgendwelcher Verschwörungstheorien sein, um den Satz „Syriens Innenminister Ghasi Kanaan hat in seinem Büro in Damaskus Selbstmord begangen“ mit einem „angeblich“ oder wenigstens dem einen oder anderen Anführungszeichen ergänzt sehen zu wollen. Denn dieser Freitod könnte durchaus ein wenig unfrei gewesen sein.

Wenn der Kronzeuge in einem Mafiaprozeß, hoppala, aus heiterem Himmel Selbstmord begeht oder – noch besser – plötzlich einen Autounfall hat, gehen jedenfalls bei jedem drittklassigen Provinzreporter die Alarmlampen an. Aber hier, wo es um nicht weniger als das physische Überleben eines skrupellosen Terrorregimes geht, welches zudem noch vollen Zugriff auf die Angehörigen des „Selbstmörders“ hat, und wo diejenigen, die den Vorfall „untersuchen“, Handlanger eben dieses Regimes sind, da fällt einem weltweit angesehenem Nachrichtenmagazin nichts bessers ein als das unkommentierte Nachplappern peinlicher Propagandameldungen.

Selbst islamistenfreundliche Sender wie Al-Dschasira dürften hier mehr Skepsis an den Tag legen. Zur Strafe sollte man das „Sturmgeschütz der Demokratie“ eigentlich verpflichten, sich für den Rest des Jahres nur noch aus „Quellen“ wie der hier zitierten syrischen „Nachrichtenagentur“ (müßte eigentlich „Desinformationsbüro“ heißen, um Nachrichten handelt es sich hier vermutlich nur insoweit, als man sie dort selber erfindet) SANA bedienen zu dürfen. Obwohl, wenn man sich die Leserbriefseiten des SPIEGEL so ansieht, würden wahrscheinlich gar nicht mal soviele Leser abspringen…

~ von Paul13 - Donnerstag, 13. Oktober 2005.

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