„Wehrhafte Friedensverteidigung“


Wie praktisch, daß es die Achse des Guten gibt. Ich weiß nicht wie sie es genau machen, aber sie schaffen es irgendwie immer wieder, die besten Prachtexemplare des zeitgeistoptimierten Wahnsinns in den Medien aufzustöbern. Vorgestern haben sie eine wahre Perle entdeckt, die selbst für die Absonderung einer Muschel so erschütternd dumm war, daß sie nach einer ausführlicheren Antwort geradezu schreit.

Zugegeben, die Seite mit dem vielversprechenden Namen Frieden.de, nach eigener Aussage das „friedlichste Internet-Portal Deutschlands“, auf der Michael Mirsch dieses Geschreibsel fand, ist glücklicherweise viel zu unbedeutend, als das man sich unbedingt näher damit befassen und sie dadurch aufwerten müßte, aber angesichts des ungewöhnlich hohen Austoßes von Unsinn pro Quadratzentimeter erreicht dieser Text (es handelt sich um eine Antwort auf einen Leserbrief) durchaus die Dimensionen von Konstantin Weckers legendärer Politik hinter den Schlagzeilen oder dem nicht minder abgedrehten Lebenshaus Schwäbische Alb. Und da kann ich einfach nicht widerstehen…

Sehr geehrter Herr Schler,

wir sehen die Folter von Menschen in China, im Iran und Nordkorea ebenfalls als höchst besorgniserregend an! Bei der Menge der Verstöße gegen die Menschenrechte mussten wir uns auf einen Schwerpunkt festlegen.

Was für eine Eröffnung! Im zweiten Satz widerlegen sie bereits ihren ersten. Denn wenn sie wirklich die „die Folter von Menschen in China, im Iran und Nordkorea ebenfalls als höchst besorgniserregend“ ansehen würden, könnten sie gerade angesichts „der Menge der Verstöße gegen die Menschenrechte“ in den genannten Staaten bei der Suche nach einem „Schwerpunkt“ eigentlich kaum in Guantanamo landen. Wie sie das dann trotzdem schaffen, bleibt ihr Geheimnis.

Angesichts der Tatsache, dass die amtierende US-Regierung die Angriffskriege dieser Zeit führt (Afghanistan und Irak), die USA die größte Rüstungsindustrie auf unserem Planeten beheimatet und die Demokratie unter US-Präsident George W. Bush mit Füßen getreten wird, sind inakzeptable Unmenschlichkeiten der US-Regierung unserer Schwerpunkt.

Ok, das mit dem Geheimnis nehme ich zurück. Es ist doch ziemlich offensichtlich, wie sie darauf gekommen sind. Wer die Beseitigung zweier der übelsten zeitgenössischen Terrorregime kommentarlos unter der Rubrik „Angriffskriege“ aufführt und statt deren Ex-Herrschern den US-Präsidenten als den eigentlichen Antidemokraten darstellt, dem geht es bei den Menschenrechten nicht um dieselben, sondern ausschließlich um billigste antiamerikanische Propaganda. Das einzige Menschenrecht, daß sich aus einer solchen Denkweise ableiten läßt, ist das Menschenrecht eines Diktators, die Menschenrechte seiner Untertanen auch weiterhin ungestört verletzen zu können.

Vergleicht man die Todesfälle durch staatliche Gewalt in China, Iran und Nordkorea mit den bekannten Todesfällen der US-Invasionskriege (2002-2004), ist die amtierende US-Regierung für 95% aller Todesfälle durch staatliche Gewalt zur Rechenschaft zu ziehen.

Diesen Satz mußte ich mehrmals lesen, um sicherzugehen, daß sie wirklich das meinen, was sie da gesagt haben. Also da müssen die USA noch verdammt viele Kriege führen, bis sie so viele unschuldigen Zivilisten umgebracht haben wie dieses Trio des Todes. Allein im Lagersystem von China und Nordkorea vegetieren hunderttausende von Menschen dahin, und Kim Jong Il ist, wenn er einen schlechten Tag hat, immer mal wieder für eine Hungersnot mit Millionen von Toten gut. Die offiziellen Hinrichtungszahlen haben jedenfalls mit dem tatsächlichen Terror gegen das eigene Volk herzlich wenig zu tun.

Bei der Rechnung wurde im übrigen vergessen zu erwähnen, wieviele Menschen zusätzlich von Saddam Hussein’s Schergen und den Talibanbanditen zwischenzeitlich umgebracht worden wären, wenn die Amerikaner sie nicht zum Teufel gejagt hätten. Selbst wenn man, was natürlich völliger Bödsinn ist, aber trotzdem von der 5. Kolonne des Islamofaschismus immer wieder gerne getan wird, den USA auch jene Toten in die Schuhe schiebt, die aufs Konto ihrer Feinde gehen, hätten sie noch einiges an Arbeit vor sich, wollten sie auch nur Saddam’s Durchschnitt in Friedenszeiten erreichen.

Auf Guantanamo wird gefoltert. In Lagern im Iran, Nordkoreas und Chinas wird ebenfalls gefoltert. Jede Folterung ist inakzeptabel, zu ächten und zur Anklage zu bringen. Doch ist es nicht erschreckend dass auch eine „Demokratie“ sich für Folterlager verantworten muss?

Das kommt darauf an, was Folter ist. Verschärfte Verhörmethoden wie Schlafentzug (sprich 3 Tage lang jeweils nur 4 Stunden Schlaf, bevor man sich mal richtig ausruhen darf) sind sicherlich nicht nett, aber bei Schimanski hat der durchschnittliche Amerikahasser derartigen Methoden noch als vielleicht etwas rüpelhaft, aber angesichts der Umstände doch durchaus angemessen applaudiert. Handelt es sich hingegen um wirkliche Folter, so ist die weder auf Guantanamo noch woanders im dunklen Imperium des George W. Bush erlaubt. Verstößt jemand dagegen und kann man es ihm nachweisen, landet er vor Gericht und riskiert dann Strafen, wegen denen ai normalerweise sofort eine Eilaktion starten würde. Zumindest wenn es sich bei den Tätern nicht zufälligerweise um GIs handeln würde.

Wir versuchen mit unserem Mittel der Information und der Redaktion diese Entwicklung aufzuhalten. Während wir in China, dem Iran und Nordkorea kaum Veränderungen einleiten können, haben wir mit unserer Arbeit „STRIKE GUANTANAMO“ erste Ergebnisse erreicht.

Super Idee! Wenn man jemanden für seine Schandtaten nicht zur Rechenschaft ziehen kann, greift man sich eben irgendjemand anders. Ganz gleich, ob man dadurch die Schuldigen schützt und ihre Verbrechen deckt, Hauptsache man tut was. Und sei es das Falsche.

[…] Die USA im Jahr 2005 haben unter Präsident George W. Bush kaum noch internationales Ansehen und nicht ohne Grund wählten die Leser von Frieden.de, George W. Bush, zum Kriegstreiber Nr. 1.

Das Ansehen der USA unter Präsident Bush hat vor allem bei den diversen islamistischen, faschistischen und stalinistischen Diktatoren gelitten, und zwar sowohl jenen, die noch ihr Unwesen treiben, als auch jenen, die bereits hinter Schloß und Riegel sitzen bzw. auf der Flucht sind. Daß das Ansehen in diesem Zusammenhang auch bei jenen Demokratien, die sich dieser Diktatoren gerne noch ein Weilchen bedient hätten, gesunken ist, buchen wir mal als diplomatischen Kollateralschaden ab. Immerhin weiß Amerika jetzt, inwieweit es sich auf das von ihm einstmals befreite alte Europa verlassen kann. Nämlich gar nicht.

Lao-Tse sagte, „Wenn Dich einer auf die Wange schlägt, dann halte ihm auch noch die andere hin“, meinte er damit auch, dass man nach der 2. Ohrfeige auf die 3. warten muss? Was ist wenn man durch das Hinhalten der anderen Wange quasi die erste Watsche verziehen hat, jedoch die Chance vergibt, das Unrecht zu erkennen, und dafür die nächste Watsche erhält?

Was immer uns diese Worte sagen wollen, wir wollen gnädigerweise den Mantel des Schweigens darüber breiten.

Hieraus ist ersichtlich, dass eine fortlaufende Passivität auch in der Selbstzerstörung enden kann. Es gibt zu viele Gewaltherrschaften und zwischenzeitlich auch eine Demokratie, welche nicht mehr aufhört, Watschen zu verteilen. Aus diesem Grund muss der Frieden auch wehrhaft verteidigt werden.

Aha? Das machen die USA ja gerade, aber ich hatte bisher ehrlich gesagt nicht den Eindruck, als ob die Betreiber dieser Seite das sonderlich zu würdigen wissen.

Im Falle der notwendigen Friedenserhaltung und der Friedenswiederherstellung spielt dabei die UN – global – die wichtigste Rolle.

Das hat man ja gesehen, als es darum ging, Saddams Krieg gegen das eigene Volk zu beenden. Die einzige Rolle, die mir diesbezüglich im Zusammenhang mit der UNO einfällt, ist die Klopapierrolle, auf der die Charta der Vereinten Nationen offenbar gedruckt wurde.

Leider wird die UN ausgerechnet von der amtierenden US-Regierung ständig gegeißelt und beeinträchtigt.

Kann es sein, daß das daran liegen könnte, daß die UNO ihren in den zwei Sätzen davor genannten Aufgaben nicht so ganz gerecht wird?

Zeitgleich unterhält die US-Regierung für die Ausarbeitung und Umsetzung eigener „Konzepte“ einen „Stab“.

Ein Stab! Diese Teufel!

Dieser Größenwahn führte zu den Invasionskriegen gegen Afghanistan und gegen den Irak.

Tja, vom Größenwahn eines Stabs zum Invasionskrieg ist es bekanntlich nur ein kleiner Schritt. Mir scheint, ich habe dieser Seite Unrecht getan. Wecker und das Lebenshaus? Schnickschnack, das sind kleine Lichter gegen diese Sonne im Universum politisch-strategischen Denkens! Die tiefe Logik dieser ausgefeilten Argumentationskette bewegt sich schon in ganz anderen Sphären. Das hat zweifellos schon den Lanoo-Faktor. Alle Achtung, Frau Ahlers, das macht Ihnen so schnell keiner nach.

Während der US-Präsidenten, George W. Bush, nur niedere Beweggründe verfolgt, wie die Macht über das Öl, erklärt er der Weltöffentlichkeit, dass es ihm um die Demokratisierung und um den Kampf gegen Terror ginge.

Dieser eine kleine Satz allein böte bereits genügend Anlaß, um seitenweise Argumente von früher noch mal zu posten. Aber irgendwas sagt mir, daß sich das hier nicht wirklich lohnen wird.

Das direkte Ergebnis sind die Terrorwellen im Irak.

Komisch. Ich dachte immer die wären das direkte Ergebnis der Aktionen von Terroristen. So kann man sich irren.

Hierdurch sterben täglich mehr Menschen als in den Folterlagern in China, Nordkorea und dem Iran zusammen.

Na, da scheinen diese drei Staaten ja inzwischen den Großteil ihrer Opfer außerhalb ihrer Folterlager umzubringen. Trotzdem ist die Zahl der Opfer des Terrorismus natürlich immer noch unakzeptabel hoch. Es freut mich daher besonders, daß selbst eine der nötigen Distanz zum Islamofaschismus garantiert unverdächtige Seite wie diese hier sich zu einer derart eindeutigen Verurteilung des Terrorismus durchringen konnte.

In Europa werden die Lügen des US-Präsidenten vom seinem Waffenbruder, Tony Blair, verbreitet. Wie wir alle wissen, wurde Blair erst kürzlich in seinem Amt bestätigt.

Stimmt, wissen wir.

Hieraus ist ersichtlich, dass unsere wehrhafte Friedensverteidigung im Berichten über diese Missstände liegt.

Wehrhafte Friedensverteidigung ist also, wenn man berichtet, daß Tony Blair erst kürzlich in seinem Amt bestätigt wurde, soso. Lanoo, bitte übernehmen Sie!

Da ein Großteil unserer Redaktion aus Politikstudenten besteht, wird diese Lösung auch gelebt.

Politikstudenten? Na das erklärt einiges. Und ich weiß wovon ich spreche!

Wie kann man sich mehr für Frieden und Demokratie einsetzen?

Daß Ihr da nicht von selber draufkommt, glaube ich Euch unbesehen.

Wir freuen uns auf weitere Anregungen und Vorschläge!

Gerne. Einfach die Demokratie forciert verbreiten, dann kommt der Frieden von ganz alleine. Ich hoffe Ihnen damit weitergeholfen zu haben.

~ von Paul13 - Freitag, 3. Juni 2005.

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