Only outnumbered, not outgunned


Nachdem unsere gestrige Anti-Anti-Bush-Demo in Mainz ein größerer Erfolg war, als wir je zu hoffen gewagt hätten (die Pro-Kopf-Medienaufmerksamkeitsrate dürfte ins Guiness-Buch der Rekorde eingehen, da die Zahl der damit befaßten Medienvertreter die der 30 Demonstrationsteilnehmer überschritten haben dürfte), möchte ich mich noch mal bei allen, die uns mit Vor-Ort-Präsenz, Spenden oder auch nur guten Wünschen geholfen haben, bedanken. Es hat einen Riesenspaß gemacht!Ich werde der Weltöffentlichkeit jetzt einen ausführlichen Bericht über die Aktion ersparen, denn dieser Job wird besser und umfassender beim offiziellen Organisator Medienkritik online erledigt, wo demnächst übrigens auch Fotos veröffentlicht werden. Einen Vorgeschmack gibt es bereits bei deren englischer Ausgabe David’s Medienkritik (sehr gute Infos gibt es ferner noch bei David Harnasch sowie im Laufe der nächsten Zeit wahrscheinlich auch auf den Blogs der übrigen Mitstreiter). Daher beschränke ich mich hier auf mein persönliches „Best Of“:

Die größte Enttäuschung: Unsere Gegner

Hatte ich linke Protestierer (oder besser gesagt Protestierer, die sich für links halten) bisher – vor allem gemessen an dem was sie draus machen – als überdurchschnittlich intelligent eingeschätzt, so wurde ich gestern leider eines besseren belehrt. Den größtenteils langweiligen Parolen und primitiven Pöbeleien nach zu urteilen lag der durchschnittliche IQ unserer Anti-Anti-Anti-Bush-Demonstranten deutlich unterhalb der Zimmertemperatur, und die war da draußen im Schneesturm vorm Mainzer Südbahnhof nicht besonders hoch. Dies ist besonders erschütternd, wenn man sich vor Augen führt, daß nachdem die große Masse aufgegeben hatte und gegangen war, mit den übrigen durchaus vernünftige Unterhaltungen möglich waren.

Nach all den großspurigen Ankündigungen bei Bushinmainz, Attac Indymedia & Co. hätte ich ehrlich gesagt etwas mehr Witz und Eloquenz erwartet. Die Humorlosigkeit unserer Gegner war nämlich nicht gerade das, was man von der heutigen Generation erwarten sollte. Größtenteils verbissen wie ein abgehärmter 68er und mit einer zeitweilig latent aggressiven Grundhaltung, war vom ursprünglichen Ziel, unsere Veranstaltung zu unterwandern und dann per Parodie von innen heraus zu sprengen, nicht viel zu merken. Entsprechend langweilig waren die Transparente. Ein ellenlanges PDS-Banner mag die eigenen Anhänger beeindrucken, aber komisch ist es höchstens auf eine nicht beabsichtigte Weise.

Wahrscheinlich hat man uns nur das Strafbataillon geschickt, anders ist das nicht zu erklären. Vermutlich hat man dazu einfach die genommen, die am ehesten entbehrt werden konnten bzw. bei denen man sicher gehen wollte, daß sie zu Beginn der eigenen Demo bereits so heiser sind, daß sie der Presse gegenüber kein dummes Zeug mehr reden können (dumm nur, daß bei uns auch Medienvertreter waren, die den unvorteilhaften Auftritt dieses Kanonenfutters festgehalten haben). Daß eine weitere Anti-Bush-Kompanie direkt neben uns vorbeimarschierte und so tat, als ob sie ihre Kameraden nicht sehen würde, sagt hierzu eigentlich alles.

Die unpassendste Verkleidung: Die US-Tarnjacke

Der der Lautstärke, dem Körpereinsatz und dem offenen Haß nach zu urteilen mutmaßliche Anführer des Strafbataillons lief da doch tatsächlich in einer US-Militärjacke mit Wüstentarnung auf! Aber Rumgepose wie Mr. Desert Storm persönlich und dabei antiamerikanische Parolen brüllen wirkt schlicht und einfach unprofessionell. Etwas mehr Sorgfalt, bitte schön! Wenn schon, dann richtig! Eine sowjetische Uniform mit arktischem Tarnmuster hätten die Organisatoren von der PDS doch sicherlich noch irgendwo in der Devotionalienkiste auf dem Speicher gehabt. Und statt Apfelkorn in der Hand unseres torkelnden Frontkämpfers hätte es doch sicher auch eine Flasche Wodka getan. Muß ja nicht gleich Gorbatschow sein.

Die effizienteste Verkleidung: Der Ku-Klux-Klan

Auf die Idee, Ku-Klux-Klan-Anhänger zu spielen, indem man sich eine Filtertüte über den Kopf stülpt, muß man erst mal kommen. Da verzeiht man gerne, daß das als Satire genau wie die Parole „Rassisten“! nur begrenzt überzeugend rüberkommt, wenn man, kaum daß man ein bißchen was getrunken hat, völlig ernsthaft die Meinung vertritt, daß „die Juden“ keinen Anspruch mehr auf dieses Land haben und auch ansonsten einer Logik folgt, die nahelegt, daß Araber demokratieunfähige Untermenschen sind, die die harte Hand des Führers brauchen, um richtig glücklich zu sein.

Die dümmste Parole: „Scheiß-Juden!“

Nachdem sich anfängliche Befürchtungen um eine eigene Anti-Bush-Demo der Neonazis nicht bewahrheitet hatten, dachten wir eigentlich, daß Mainz derartige Parolen wenigstens erspart bleiben würden. Wie es scheint, waren die aber durchaus dabei und hatten sich nur unter die anderen Bush-Gegner gemischt, wo sie mit ihren Sprüchen wie „Internationale Völkermordzentrale USA“ ja auch nicht besonders auffallen. Aber „Scheiß-Juden“ ist schon ein starkes Stück, umso mehr als kein (Volks)genosse des verantwortlichen Schreihalses auch nur ein wenig befremdet aufschaute.

Die langweiligste Parole: „Ihr seid so peinlich!“

Das war dieser Spruch tatsächlich. Für sich genommen mag das bloß langweilig klingen, aber im Schülerchor und mehrfach wiederholt ist es einfach nur unglaublich schlecht. Wenn man diesen kleinen Kindern nicht zugute halten könnte, daß sie eben tatsächlich noch kleine Kinder sind (die übrigens sogar noch stolz darauf waren, daß sie als Jungvolk die Zukunft Deutschlands darstellen), hätte man sich in Grund und Boden geschämt, mit so Leuten in der Öffentlichkeit gesehen zu werden. So aber bleibt nur Mitleid.

Die lustigste Parole: „Alles scheiße außer Kuba!“.

Ich muß zugeben, das hatte was, zweifellos. Es ist nur schwer vorstellbar, diesen Slogan an unfreiwilliger Komik noch zu überbieten. Selbst das vielstimmige „Kyoto!“, sonst selbst heißester Kandidat für diesen Titel, konnte da nicht mithalten und landete somit weit abgeschlagen auf dem 2. Platz. Fast hat man den Eindruck, daß da einige Bush-Gegner den ersten Teil ihres ursprünglichen Auftrags, unsere Demo zu persiflieren, nicht ganz mitbekommen hatten, und dachten, daß sie sich selber auf die Schippe nehmen sollen. Wir hatten die jedenfalls nicht unterwandert, ehrlich!

Die genialste Parole: „Peace through superior Airpower!“

Wir hatten ja viele gute Plakate (bei dieser Gelegenheit noch mal ein extra Dankeschön an Cox & Forkum sowie all diejenigen vom „harten Kern“, denen noch spätabends tolle Slogans einfielen), aber den Vogel schoß meines Erachtens nach eindeutig Greg ab. Schon als er den Spruch beim Brainstorming zum ersten Mal brachte, hat’s mich schier zerrissen vor Lachen. Aber als er dann am Tag der Demo dieses Plakat den eh schon nicht sonderlich gut gelaunten Amerikahassern entgegenhielt, haben die geschaut wie ein Vampir beim Anblick eines knoblauchgetränkten Silberkreuzes vor der aufgehenden Sonne. Einfach unbezahlbar! Deshalb konkurrenzloser Tagessieger: Greg B. Grabinski!

~ von Paul13 - Donnerstag, 24. Februar 2005.

Eine Antwort to “Only outnumbered, not outgunned”

  1. […] gegangen geglaubte Bloggerlegende; die Geißel der Bushhasser von der Genfer UNO-Zentrale bis zum Mainzer Südbahnhof; den Hauptgrund, warum Rummy recht damit hatte, das neue dem alten Europa vorzuziehen; den lebenden […]

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

 
%d Bloggern gefällt das: