Staatsbesuch: Chiles Präsident stützt Schröders Uno-Kurs


Chiles Staatspräsident Ricardo Lagos verspricht Deutschland die Unterstützung beim Streben nach einem ständigen Sitz im Uno-Sicherheitsrat. Lagos äußert sich besorgt über eine neue Interessensaufteilung in der Welt, in der die EU für Afrika, die USA für Lateinamerika zuständig sind.

Tja, wenn man auf einem Kontinent lebt, auf dem die größte Bedrohung nicht atombombengeile Kinderschänder sind, die den unwiderstehlichen Drang verspüren, sich durch das Auslöschen anderer Staaten der Region einen jungfrauenbewehrten Ehrenplatz im Paradies zu verschaffen, sondern schlimmstenfalls isolierte Revolutionsgreise der Castro-Klasse mit ihrem fast schon rührendem Museumsambiente, dann läßt sich’s natürlich vortrefflich von Soft Power träumen.

Da vergißt man gern, daß einer der Faktoren, warum man sich in Lateinamerika heute nur noch über die Endlagerung alternder Operettendiktatoren Gedanken machen muß statt erst noch über deren Sturz, gerade eben diese beklagte Interessensaufteilung ist. Denn daß die EU für Afrika zuständig ist, die USA hingegen für Lateinamerika, ist bei einem Vergleich zwischen den beiden (Halb-)Kontinenten wahrlich nichts, was ein Argument für einen größeren Einfluß europäischer Außenpolitik wäre.

Bei allem, was die USA während des Kalten Krieges aus falsch verstandenem Antikommunismus verbrochen haben, haben sie immerhin dafür gesorgt, daß es in Lateinamerika keinen nennenswerten Rüstungswettlauf gab, was konventionelle Kriege, wie sie in anderen Gegenden der Erde an der Tagesordnung waren, von vorneherein unattraktiv gemacht hat. Die brasilianischen und argentinischen Bemühungen, an Atomwaffen zu kommen, wurden schon im Keim erstickt, was Lateinamerika existentielle Bedrohungen wie im Nahen Osten erspart hat.

Und während die Vereinigten Staaten sich erfolgreich an die Demokratisierung ihrer südlichen Nachbarn machten, versank Afrika in einem Meer aus Blut, welches durch immer neue Bürgerkriege und Völkermorde permanent aufgefüllt wurde. Angesichts der unrühmlichen Rolle, die Europa, vor allem in Gestalt der Führungsmacht Frankreich, dabei gespielt hat, dürften die Überlebenden daher sicher nichts dagegen haben, mal ein paar Jahrzehnte zu tauschen. Lagos dürfte sich freuen. Zumindest das in Afrika.

~ von Paul13 - Montag, 24. Januar 2005.

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